Bücher

Lust auf Mono

Der TV-Journalist Markus Spieker hat ein Buch über die eheliche Treue geschrieben – als Single. Der ERF hat mit dem Autor gesprochen:

Sie schreiben ein Buch über die Treue – und das in einer Zeit, in der immer mehr Beziehungen in die Brüche gehen. Warum?

Markus Spieker: Genau deshalb. Ich habe in meinem Bekannten- und Freundeskreis bemerkt, dass die Leute mehr denn je besessen sind, die große Liebe zu finden und eine Partnerschaft, die hält. Gleichzeitig resignieren viele, weil sie bei den Eltern, im Freundeskreis und im Fernsehen mitbekommen, dass Treue schwierig ist oder sie selbst die Erfahrungen gemacht haben, dass Beziehungen nicht halten. Deshalb glaube ich, dass da eine wahnsinnige Sehnsucht und ein Erwartungsdruck da ist, es trotzdem hinzubekommen. Einerseits gibt es viele, die meinen, dass heute eine serielle Monogamie vorherrscht – das sind mehrere aufeinanderfolgende Beziehungen mit jeweils einem Partner, der nach ein paar Jahren wieder wechselt. Anderseits gibt es noch ein paar wenige Leute, die darauf setzen, dass Liebe eine Sache von lebenslanger Dauer ist. Dazu gehöre ich.

Hier das vollständige Interview: www.erf.de. Bestellt werden kann das Buch Mono – die Lust auf Treue auch:

Calvins Erwählungslehre

Wieder und wieder musste ich in den letzten Wochen lesen, Calvins Erwählungslehre sei das Resultat philosophischer Reflexionen, nicht das Ergebnis einer sorgfältigen Bibelauslegung. Wie wohltuend schreibt dagegen Christian Link (Prädestination und Erwählung, Calvin-Studien, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, 2009, S. 38):

Calvin hat seine Prädestinationslehre im Gespräch mit Paulus entwickelt. Es ist in der neueren Forschung immer deutlicher geworden, dass seine wichtigsten dogmatischen Entscheidungen in und über der exegetischen Arbeit gefallen sind. Sein 1540 in Straßburg erschienener und in zwei weiteren Auflagen (1551 und 1556) von ihm gründlich überarbeiteter Römerbriefkommentar ist die Quelle, aus der sich die lehrhaften Darstellungen der Institutio (1559) speisen. Die Leitbegriffe, mit denen er arbeitet – Erwählung, Berufung und allen voran der göttliche Vorsatz – stammen von Paulus. Er lässt sich vom Text des Römerbriefs in dessen Gedankenbewegung hineinziehen, findet in diesen Texten also keineswegs das für ihn dogmatische Feststehende bloß wieder.

Sehr schön bei Link auch (S. 3):

Die moderne Frage: Was ist relevant? was ist zeitgemäß? wäre ihm [Calvin] nie über die Lippen gekommen.

Biblia Americana

Derzeit werden die Hauptgeschäfte mit theologischer Literatur in den Vereinigten Staaten getätigt. Will die deutsche Theologie überleben, muss sie einen Zugang zu diesem Markt gewinnen. Das gilt nicht nur für Universitätstheologen, sondern auch für Verlage. Das ehrwürdige Haus Mohr Siebeck unternimmt dafür nun einen spektakulären Versuch. Die FAZ schreibt:

Nicht mit marktgängiger Erbauungsliteratur oder pastoraltheologischen »How to«-Fibeln, sondern mit höchster deutscher Editionskunst möchte es amerikanische Kunden finden. So legte der Verlag unlängst den ersten von insgesamt zehn Bänden der »Biblia Americana« von Cotton Mather vor, die er in Kooperation mit einer Reihe amerikanischer Institute sowie dem Verlag Baker Academic erarbeitet hat.

Cotton Mather (1663 bis 1728), hierzulande gänzlich unbekannt, ist eine Gründungsfigur der amerikanischen Religionskultur. Als Prediger in Boston war er der bedeutendste puritanische Theologe der dritten Einwanderergeneration. Berühmt, aber auch berüchtigt wurde er durch sein Engagement im Freiheitskampf der Siedler gegen die englische Krone, aber auch durch seine Beteiligung an den Hexenprozessen von Salem. Seine »Biblia Americana«, die als Manuskript 4500 Folio-Seiten füllt, ist der erste amerikanische Bibelkommentar. Vergeblich hatte Mather versucht, sie zu veröffentlichen. Denn in Neuengland gab es damals keinen Verlag, der solch ein Vorhaben hätte umsetzen können. Es musste erst dreihundert Jahre später ein Tübinger Verlag kommen, damit sein dringlichster Gebetswunsch in Erfüllung geht.

Mather gliedert sein Bibelbuch nach einem alten katechetischen Muster, nämlich dem Wechsel von Fragen und Antworten. Diese beschränken sich nicht auf eine Exegese der Heiligen Schrift, sondern greifen auf den gesamten Bereich des damaligen Wissens aus. So gehen Bibelkunde, Philologie, Dogmatik, Naturwissenschaft, Kulturkunde, philosophisches Grübeln und pietistische Spekulation eine einzigartige Verbindung ein. Dabei schöpft Mather aus den Tiefen der Tradition, zitiert Kirchenväter, Reformatoren, rabbinisches Schrifttum, setzt sich jedoch genauso intensiv mit den wichtigsten Gegenwartsautoren des beginnenden Zeitalters der Kritik auseinander.

Hier mehr: www.faz.net.

Phänomenologie religiöser Erfahrung

201102101504.jpgDas im Jahr 1902 publizierte Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung von William James ist ein epochales Werk. Für eine Generation von Intellektuellen erwies sich die Begegnung mit ihm als prägendes Erlebnis. Spuren lassen sich in Deutschland bei Heidegger, Wittgenstein, Scheler, Simmel, Troeltsch und Weber nachweisen. Bis heute hat das brillant geschriebene Buch nichts von seiner Frische verloren.

Vergangenes Jahr hat der Verlag Mohr Siebeck die Habilitationsschrift Religion im Denken von William James von Christoph Seibert veröffentlicht. Hans Joas schreibt dazu:

In Seiberts Buch wird James‘ enorm reichhaltige und existentiell bewegende Phänomenologie religiöser Erfahrungen keineswegs unkritisch nachgezeichnet. Zum einen distanziert der Autor sich von den pantheistischen Tendenzen des späten James, die sich ja von seiner zuvor dezidiert theistischen Anschauung deutlich unterscheiden. Zum anderen zeigt er auf, dass bei James »die Frage nach den Wahrheitspotentialen weltanschaulich-religiöser Deutungssysteme zwar durchgehend mitläuft«, aber nirgends systematisch behandelt wird. Da Wahrheitsansprüche aber zum Kern religiöser Überzeugungen gehören, würde die Selbstauslegung des religiösen Bewusstseins in der Tat verfehlt, wenn diese nicht berücksichtigt würden.

Hier eine Rezension zum Buch von Hans Joas: www.faz.net.

Bildungsnachteil: männlich – Warum Jungen das Lesen nicht lernen

Zwanzig Prozent der Schüler lesen in Deutschland nur auf Grundschulniveau, wenn sie ins Berufsleben einsteigen. Und ganz besonders auffällig ist: Gerade Jungs zählen zu den Schlecht-Lesern. Mit ihren Lesefähigkeiten fallen sie im Vergleich zu ihren weiblichen Mitschülern ein ganzes Schuljahr zurück. Nicht nur der so genannte Migrationshintergrund ist ein »Risikofaktor« in der Schule schlechte Leistungen zu zeigen, sondern auch das Geschlecht.

Hier der interessante Beitrag »Bildungsnachteil: männlich!« Mirjam Meinhardt (SWR2):

[podcast]http://mp3-download.swr.de/swr2/kontext/2011/02/08/swr2-kontext-20110208-1905-bildungsnachteil-maennlich.6444m.mp3[/podcast]

Velvet Elvis

Gestern lag wieder Werbung für den Jugendplus-Kongress 2011 mit Rob Bell im Briefkasten (Willow Creek Deutschland). In einer Rezension über Bells Velvet Elvis schreibt Greg Gilbert (9Marks):

For example, take Bell’s reconception of the idea of doctrine. Bell argues that the doctrines of Christianity should be thought of as the „springs“ that hold up the trampoline on which we jump and live in Christ. The springs are not the main point; they merely facilitate the greater goal of „us finding our lives in God“ (25). Now that analogy has some truth to it. But it’s also more dangerous than it might first appear. Conceiving of Christian doctrines as springs allows Bell to say that getting the doctrines right is not really that important. If you don’t like one or two of the springs, you can just take them out of the trampoline and keep on jumping.

Here is Bell’s take on the doctrine of the Trinity, for instance: „It is a spring, and people jumped for thousands of years without it. It was added later. We can take it out and examine it. Discuss it, probe it, question it. It flexes, and it stretches“ (22). And what about Christ’s birth to a virgin? Bell asks, „What if that spring was seriously questioned? Could a person keep jumping? Could a person still love God? Could you still be a Christian?“ (26).

Bell affirms his belief in both the Trinity and the Virgin Birth, but he also says he wants to carve out some room to „question“ those doctrines.

But what does he mean by that? Is he saying that one can study them, ask questions of them, learn from them? I wish he was. Yet why does Bell even pose the question? Why does he ask, „Could a person keep jumping?“ and then not answer it? I can only conclude that Bell is saying that it wouldn’t matter very much if someone stopped affirming them. „Yes, of course you can keep jumping, even if you stop believing in the Trinity or the Virgin Birth.“

Hier die vollständige Rezension: www.9marks.org.

Fallobst im Frühjahr

Der Artikel von Felicitas von Lovenberg vermittelt Einblicke in das Verlagswesen und die Übersetzungsvergütung. Interessant:

Dabei darf man nicht vergessen, dass die Verlage überhaupt nur mit maximal zehn Prozent der belletristischen Buchtitel überhaupt einen Gewinn erzielen – und dass diese Umsätze bei allen Häusern in erster Linie mit Unterhaltungstiteln generiert werden.

Und:

Die Suche nach einer Vergütungsregel, welche die Verlage nicht schröpft, aber die Übersetzer dennoch signifikant besser stellt, geht noch jemanden an: den Leser. Seit Jahren hinkt die Entwicklung der Buchpreise denen für Herstellung und Vertrieb hinterher; die magische Grenzen von zwanzig Euro müsste eigentlich öfter überschritten werden. Auch deswegen müssten übersetzte Bücher mehr kosten.

Eine Lösung der Übersetzerhonorierung ist auch deshalb dringend nötig, weil das nächste Problem bereits vor der Tür steht: Der Onlinebuchhändler Amazon hat am Wochenende bekanntgegeben, 2010 in Amerika erstmals mehr E-Books als Taschenbücher verkauft zu haben. Wenn die E-Books der Zukunft die Taschenbücher der Vergangenheit ersetzen und die Taschenbücher von heute das anspruchsvolle Hardcover-Programm von morgen – wo bleibt dann der Leser, der von einem Buch mehr erwartet als nur gute Unterhaltung?

Hier: www.faz.net.

Ethics for a Brave New World

Die Brüder John und Paul Feinberg haben 1993 das Buch Ethics for a Brave New World herausgegeben. Nun wurde das empfehlenswerte Werk neu aufgelegt. John Kilner schreibt zum Buch:

Since the first edition, changes in the world have only made this book’s title more apt. Again and again, science fiction has become science fact; and with masterful theological discernment, Ethics for a Brave New World helps us to make sense of what is happening. It does a tremendous service by gathering and interpreting an ocean of literature on key issues of our day. Readers will come away informed about the issues, conversant with the multifaceted debates that swirl around these vital challenges, and equipped and inspired to engage them in a way that glorifies God.

Hier Inhaltsverzeichnis und Vorwort zur erweiterten Auflage: ethics-for-a-brave-new-world-download.pdf.

Justin Taylor hat mit dem Theologen John Feinberg über das Buch gesprochen:

Das Buch kann hier bestellt werden:

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