2011

Afghanistan: Mit Folter zurück zum Islam

Ein Afghane soll hingerichtet werden, weil er zum Christentum übertrat – es sei denn, er bekennt sich wieder zum Islam. Vor acht Monaten wurde der Konvertit vor der deutschen Botschaft in Kabul verhaftet – dann folgten Folter und Schikane. Hasnain Kazim berichtet für den SPIEGEL über den Vorfall:

Erstmals seit seiner Festnahme durfte Musa jetzt einem Journalisten ein Interview geben. Die Agenten hätten ihn »72 Tage lang gegrillt«, sagte er der »Sunday Times«. »Sie schlugen mich und folterten mich mit Stöcken. Sie sagten mir, ich solle zurück zum Islam konvertieren. Als ich mich weigerte, nannten sie mich einen dreckigen Ungläubigen«, zitiert die Zeitung ihn. Außerdem sei er aufgefordert worden, weitere Afghanen sowie Ausländer zu benennen, die Christen seien. Als er sich weigerte, sei er erneut geschlagen worden.

Später sei er in ein normales Gefängnis in Kabul verlegt worden, wo er sowohl von Gefängnismitarbeitern als auch von Mitgefangenen geschlagen und sexuell misshandelt worden sei.

Musa ist vor neun Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Zu den Gründen schweigt er, aber die »Sunday Times« schreibt unter Berufung auf Freunde von ihm, er sei von den Fernsehbildern eines Bombenanschlags im pakistanischen Karatschi erschüttert gewesen – er habe sich gefragt, warum Muslime unschuldige Menschen töteten und habe sich daraufhin taufen lassen. »Die Bibel hat mich gelehrt, meine Feine zu lieben«, zitiert die Zeitung Musa. »Sie hat mich gelehrt, die andere Wange hinzuhalten, wenn mich jemand verletzt hat.«

Ein Richter und ein islamischer Geistlicher besuchten Musa laut »Sunday Times« in seiner Gefängniszelle und drohten ihm mit seiner Hinrichtung innerhalb von drei Tagen, sollte er sich nicht wieder zum Islam bekennen. Als Musa sich weigerte, soll der Mullah die Wärter angewiesen haben, „dieses schmutzige Tier“ aus der Zelle zu holen und zu schlagen. Erst auf Druck der US-Botschaft sei er in eine sichere Zelle verlegt worden und werde von Schlägen verschont. Auch mehrere Anwälte sollen sich geweigert haben, Musa zu verteidigen, solange er sich nicht zum Islam bekenne.

Leider ist es in islamischen Staaten nicht unüblich, Apostasie (Abfall vom Islam) mit dem Tod zu bestrafen. Hier ein Video zum Thema (leider nur in Englisch):




Hier der vollständige SPIEGEL-Beitrag: www.spiegel.de.

Vorsicht, Broder!

Anselm Kiefer hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels schon bekommen. Der böse Henryk M. Broder plädiert nun dafür, dass der Terrorist Carlos den Preis ebenfalls erhält. Ich sage nur: Vorsicht, Broder!

Man muss schon sehr viel Fantasie haben, um Kiefers Werke als einen Beitrag zum Frieden zu verstehen. Was sie vor allem verbreiten ist die schlechte Laune ihres Urhebers, manche Besucher einer Kiefer-Ausstellung eilen sofort in die Ambulanz einer psychiatrischen Klinik, um nicht wie Bojen, die aus ihrer Verankerung gerissen wurden, im tiefen Meer der Depressionen zu versinken.

Nun ist es nicht unbedingt Aufgabe der Kunst, gute Laune zu verbreiten, aber muss ein Künstler, der für seine friedensstiftende Arbeit ausgezeichnet wurde, so weit gehen, einen Massenmord zu einem Kunstwerk zu erklären? Anselm Kiefer hat vor kurzem während einer Vorlesung am Pariser College de France gesagt, Osama bin Laden habe am 11. September 2001 in New York »das perfekteste Bild geschaffen, das wir seit den Schritten des ersten Mannes auf dem Mond gesehen haben«, dabei sei es ihm nicht um einen terroristischen Akt gegangen, sondern allein darum, symbolträchtige Bilder zu produzieren.

Hier: www.welt.de.

Velvet Elvis

Gestern lag wieder Werbung für den Jugendplus-Kongress 2011 mit Rob Bell im Briefkasten (Willow Creek Deutschland). In einer Rezension über Bells Velvet Elvis schreibt Greg Gilbert (9Marks):

For example, take Bell’s reconception of the idea of doctrine. Bell argues that the doctrines of Christianity should be thought of as the „springs“ that hold up the trampoline on which we jump and live in Christ. The springs are not the main point; they merely facilitate the greater goal of „us finding our lives in God“ (25). Now that analogy has some truth to it. But it’s also more dangerous than it might first appear. Conceiving of Christian doctrines as springs allows Bell to say that getting the doctrines right is not really that important. If you don’t like one or two of the springs, you can just take them out of the trampoline and keep on jumping.

Here is Bell’s take on the doctrine of the Trinity, for instance: „It is a spring, and people jumped for thousands of years without it. It was added later. We can take it out and examine it. Discuss it, probe it, question it. It flexes, and it stretches“ (22). And what about Christ’s birth to a virgin? Bell asks, „What if that spring was seriously questioned? Could a person keep jumping? Could a person still love God? Could you still be a Christian?“ (26).

Bell affirms his belief in both the Trinity and the Virgin Birth, but he also says he wants to carve out some room to „question“ those doctrines.

But what does he mean by that? Is he saying that one can study them, ask questions of them, learn from them? I wish he was. Yet why does Bell even pose the question? Why does he ask, „Could a person keep jumping?“ and then not answer it? I can only conclude that Bell is saying that it wouldn’t matter very much if someone stopped affirming them. „Yes, of course you can keep jumping, even if you stop believing in the Trinity or the Virgin Birth.“

Hier die vollständige Rezension: www.9marks.org.

Sterben sollst Du für Dein Glück

Im aktuellen Heft Evangelische Verantwortung (1+2/2011, S. 3–11) beschreibt Sabatina James, warum sie sich gegen Zwangsheiraten engagiert und weshalb sie vom Islam zum Christentum konvertierte (und deshalb Polizeischutz braucht):

Ich habe dann die Bibel aufgeschlagen, die ich nicht einmal kannte, und da stand ein fettgedruckter Satz: »Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.« (Jer 29,13+14). Dieser Satz hat mich sehr berührt, denn es war wie eine Antwort auf meine Frage. Ich fing an, das Neue Testament zu lesen. Was mich zutiefst faszinierte, war diese eine Stelle, wo Jesus die Ehebrecherin verteidigt. Er sieht die Frau in ihrer Not, stellt sich nicht zu den Religiösen, die sie bestrafen wollen, sondern spricht sie frei. Es hat mich so berührt, weil ich mich in genau so einer Not gesehen und gemerkt habe, dass hier anscheinend ein Gott ist, der bedingungslos liebt. Die Frau hatte einen Fehler gemacht, und Gott hat sich trotzdem zu ihr gestellt!

Die Ausgabe mit dem empfehlenswerten Interview kann hier heruntergeladen werden: 31_1_2011-13_08_42-ev_1_2_11_web_26012011.pdf.

Ein Plädoyer für die Katechese

201102031440.jpgAls ich vor einigen Tagen das Buch:

  • J.I. Packer u. Gary A. Parrett: Grounded in the Gospel: Building Believers the Old-Fashioned Way, Baker Book House, 2010

in die Hände bekam, bin ich zunächst erschrocken. Schon in der Einleitung loben die Autoren die Päpste Johannes Paul II. und Benedict XVI. und machen die Jungschararbeit in den evangelikalen Gemeinden mitverantwortlich dafür, dass der Durchschnittschrist von heute seine Glaubensgrundlagen nicht kennt. Je mehr ich mich jedoch in das Buch hineingelesen habe, desto stärker war ich beeindruckt. Die Autoren haben nichts gegen Kinder- und Jugendarbeit per se, sondern plädieren dafür, dass die systematisch-biblische Unterweisung wieder aufgewertet wird. Wir sind sehr geprägt von der Fast food-Kultur, auch im Gemeindeleben. Um der Lehre angemessen Raum zu geben, müssen – so Packer und Parett – die unterhaltsamen Anteile zugunsten der Katechese reduziert werden. Außerdem: Systematisch Lehren kann nicht jeder, sondern nur derjenige, der selbst mit dem christlichen Glauben vertraut ist. Leider spielt diese Qualifikation bei der Auswahl von Mitarbeitern heute oft nur eine untergeordnete Rolle, frei nach dem Motto: Hauptsache, es kümmert sich jemand um die Kinder. Die Autoren wollen gegen den Strom schwimmen und führen sehr überzeugend in die Grundlagen der Katechese ein.

Zu dem Buch, das Packer gemeinsam mit einem ehemaligen Studenten verfasst hat, schreibt der Verlag:

Historically, the church’s ministry of grounding new believers in the essentials of the faith has been known as catechesis – systematic instruction in faith foundations, including what we believe, how we pray and worship, and how we conduct our lives. For most evangelicals today, however, this very idea is an alien concept. Packer and Parrett, concerned for the state of the church, seek to inspire a much needed evangelical course correction. This new book makes the case for a recovery of significant catechesis as a nonnegotiable practice of churches, showing the practice to be complementary to, and of no less value than, Bible study, expository preaching, and other formational ministries, and urging evangelical churches to find room for this biblical ministry for the sake of their spiritual health and vitality.

Die Gospel Coalition schreibt in einer Besprechung des Buches:

Packer and Parrett move from history to explanation to application in their vision to see catechesis restored to the body of Christ. Anyone would benefit from reading Grounded in the Gospel for this is no dry exercise in educational theory within the church. Rather it is a thoroughly informed and passionate plea to fully comprehend the essence and faithfully apply the implications of the Gospel. Pastors, elders, and parents will benefit especially from the vision and strategy of this timely and important book.

Ich kann das Buch, das die Meta-Ebene immer wieder verlässt und allerhand konkrete Vorschläge für eine »Katechesierung« der Gemeinden unterbreitet, sehr empfehlen.

Geschlechtsverwirrung geht offline, vorerst

Eine traurige Nachricht: Ferdinand Knauß stellt das Bloggen ein, jedenfalls vorerst. Ich habe seine Beiträge geschätzt, da sie die heute so populäre Gender-Theorie pointiert und unterhaltsam hinterfragen. In seinem Resümee schreibt Knauß:

Ich habe festgestellt, dass man – wie die Philosophin Helge Landweer mir einmal sagte – über das Thema Geschlechterdifferenz mit denen, die den Diskurs dominieren, kaum friedlich diskutieren kann. Die Koryphäen des Faches haben mich ignoriert, obwohl ich manch eine direkt angesprochen habe. Das war aus deren Sicht konsequent. Sie müssen schließlich so tun, als seien ihre Theorien gesicherte und unangefochtene Erkenntnis. Da geht es um Macht und da hört der Spaß für viele auf.

Eine gute Nachricht gibt es allerdings auch: Knauß arbeitet seit dem 1. Februar für das Bundesministerium für Bildung und Forschung als Pressesprecher. Viel Erfolg! Ich hoffe, bald wieder Schlagzeilen zu Geschlechtsverwirrung auf Brainlogs zu lesen.

Christenverfolgung: EU-Außenminister uneins

Beim Thema Christenverfolgung sind die EU-Außenminister uneins: Sie konnten sich am 31. Januar in Brüssel nicht auf ein gemeinsames Dokument zum Schutz der Religionsfreiheit verständigen. Einige wollten nicht, dass speziell die Unterdrückung und Verfolgung von Christen erwähnt wird. idea schreibt:

Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (Berlin), bezeichnete es als zutiefst bedauerlich, dass auf europäischer Ebene keine Einigung darüber erzielt werden konnte, die Situation der Christen als größte verfolgte religiöse Minderheit zu erwähnen. Eine allgemeine Äußerung entfalte eine zu geringe Wirkung. Nur die Nennung von Tätern und Opfern erlaube es, die Lage der Christen zu verbessern.

Recht hat sie!

Mehr: www.idea.de.

Verlorene Söhne, Töchter, Väter: Interview mit Bettina Klix

41rXaKwKopL._SL160_.jpgKann ich gar nichts behalten? Was ist von mir noch übrig? So könnten viele Figuren in Paul Schraders Filmen fragen. Das tun sie nicht. Sie fragen stattdessen »Was bin ich wert?« oder sagen: »Einige meiner Illusionen wurden zerstört« wenn ihr bisheriges Leben in Trümmern liegt. Paul Schrader zwingt seinen Figuren existenzielle Entscheidungen in Form drastischer Bedrohungen auf. Er setzt sie gefangen, um zu zeigen, dass sie vorher nicht frei waren oder schickt sie auf die Suche nach sich selbst.

Die Schriftstellerin Bettina Klix beschreibt in ihrem neuen Buch Verlorene Söhne, Töchter, Väter, wie Schrader seine Figuren preisgibt – und rettet. Theoblog hat mir ihr gesprochen:

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Verlorene Söhne, Töchter, Väter: Interview mit Bettina Klix

Theoblog: In Schriftstellerkreisen ist Dein Name bekannt. Allerdings werden Dich nur wenige Theoblog-Besucher kennen. Kannst Du etwas über Dich erzählen?

Bettina Klix: Mein Debüt als junge Autorin war bei Suhrkamp. Der Kurzprosa-Band Tiefenrausch fand nur wenige geneigte Leser. Dem Nachfolger Sehen Sprechen Gehen erging es leider genauso. Eine wichtige Person, die mich in all den Jahren des Misserfolgs nicht aufgeben ließ, ist »mein« Übersetzer Eric Miller. In diesem Jahr soll in Kanada ein Auswahlband mit der frühen Prosa erscheinen.

Theoblog: In Deinem neuesten Buch »Verlorene Söhne, Töchter, Väter« beschreibst Du sieben Filme von Paul Schrader. Was ist es, was Dich an seinen Filmen besonders berührt?

Bettina Klix: Es war ein unerwarteter Auftrag von der Berliner Kinemathek, ein Buch über Schrader zu schreiben. Meine wunderbaren Herausgeber ließen mir völlig freie Hand. Da habe ich mich auf die Filme mit religiösen Themen beschränkt und solche, in denen auf mehr verschlüsselte Weise der Glaubenshintergrund Eingang gefunden hat, wie in »Light Sleeper« das Thema der Gnade. Als ich Interviews mit Schrader sah, musste ich feststellen, dass er gerade das, was ich für gelungen halte, nicht immer selbst dafür hält. Ich denke, das hat mit seiner jugendlichen Abkehr von seiner familiären calvinistischen Glaubensprägung zu tun. Obwohl er selbst oft sagt, dass er immer noch davon bestimmt sei, gab er als Beispiel nur das Bewusstsein für ethische Konsequenzen an. Mich berührt also auch das, was sich in seine Filme eingeschlichen hat oder was seinen Intentionen entgegenläuft.

Theoblog: Rüdiger Suchsland hat in seiner FAZ Buchbesprechung die »phänomenologische dichte Beschreibung« der Filme hervorgehoben. Ich habe das beim Lesen auch so empfunden. Du bleibst sehr nah am Film und schilderst als atemberaubend detaillierte Beobachterin. Du musst Dir die Filme wieder und wieder angesehen haben. Wie hast Du gearbeitet?

Bettina Klix: Ja, ich habe mit den Filmen gelebt. Weil das von vorn herein klar war, dass es nur so funktionieren könnte, habe ich mich deswegen im Vorfeld gegen einige seiner Filme entschieden, die ich zwar für großartig halte, mit denen ich aber nicht so eng hätte »zusammenleben« wollen. Wie zum Beispiel »Auto Focus«, der Film über zwei Sexsüchtige. Außerdem wird einer der beiden von Willem Dafoe dargestellt und seit ich ihn in »Last Temptation of Christ« von Scorsese sah (für den Schrader das Drehbuch schrieb), wo er Jesus spielt, möchte ich dieses Bild nicht so gern »hergeben«. Je öfter man einen Film sieht, umso weniger kann er sich »verbergen«, trotz der eigenen Ermüdung, die sich unweigerlich einstellt. Die Religionssatire »Touch« hielt ich beim ersten Sehen für sehr seltsam. Außerdem habe ich keine einzige Äußerung von Schrader dazu gefunden. Doch als ich dann anhand der anderen Filme und seiner Selbstauskünfte begriff, dass er seine Arbeit manchmal selbst nicht schätzt, stieg ich ein und fand, dass hier gerade – in der komischen Maskierung – ein Film über die Möglichkeit des Wunders entstanden ist.

Theoblog: In dem Film »Hardcore« (dt. Ein Vater sieht rot) wird geschildert, wie der strenggläubige Calvinist Jake Van Dorn sich sehr für die gesunde Lehre engagiert und währenddessen unvermittelt seine sowieso etwas scheue Tochter verliert. Als er sie mit Hilfe eines Privatdetektivs wieder findet, ist sie Pornodarstellerin. Ich habe den Film bisher nicht gesehen. Aber deine Besprechung hat mir die Tränen in die Augen getrieben.

Bettina Klix: Der Film mutet uns ja mit seinen krassen Gegensätzen sehr viel zu, aber der erste Teil, in dem Schrader sich bemühte, einen gewissen Druck der strengen Umgebung aufzubauen, war für mich bei meinem wiederholten Sehen immer der Abschnitt, den ich am liebsten gesehen habe. Das ist alles – gegen den Willen des Regisseurs – so liebevoll in den Einzelheiten, dass sich eine Flucht der Tochter daraus nicht zwangsläufig ergibt – wie manche es ja interpretieren.

Theoblog: Tief betroffen gemacht hat mich Deine Schilderung des Filmschlusses. Jake trifft endlich auf seine Tochter, die sich, voller Scham, nicht vorstellen kann, wieder in das alte Leben zurückzukehren. Der Vater erkennt, dass er nie gelernt hat, ihr seine Liebe zu zeigen. Ein Happyend?

Bettina Klix: Ja, fast. »Hardcore« ist ein Film, an dem Schrader selbst das Gute nicht sieht. Ja, im Gegenteil hält er es für einen Fehler, dass der Film so endet. Er wollte, dass die Tochter stirbt, bevor der Vater sie findet. Noch vor kurzem hat er sich bei einer Veranstaltung auf drastische Weise negativ über das Ende geäußert. Es tat mir geradezu weh, wie das Publikum über seine Selbstbezichtigung lachte. Im Buch habe ich noch einmal darauf hingewiesen, dass es schwierig genug sein wird, für Vater und Tochter ihr Leben wieder aufzunehmen. Dass er der Filmtochter die Chance nehmen wollte, hat aber viel mit Schraders Abkehr von seinem eigenen Vater zu tun. Dass der Film letztlich gegen diesen gerichtet war, hat selbst Schrader eingestanden. Aus diesem Grund auch gefällt ihm der Film nicht mehr und das wiederum kann ich sehr gut verstehen. Denn er setzt diese Stellvertreterfigur ja den größten Qualen aus. (Siehe Titelbild meines Buches.) Schrader selbst wollte eben nicht zurückkehren – in seine Familie und den Glauben.

Theoblog: In Schraders Filmen geht es um Identität, um das sich verlieren, suchen und finden. Menschen finden gelegentlich etwas, was sie gar nicht gesucht haben. Hast Du bei der Beschäftigung mit Schrader und seinen Filmen auch unerwartet etwas entdeckt?

Bettina Klix: Als ich mich mit Schraders religiösem Hintergrund beschäftigte, gehörte das zur Arbeit. Doch je mehr ich mich auf diese Spuren begab, mir etwa die Netz-Andachten des Calvin College, Grand Rapids, ansah, das Schrader früher besucht hatte, zuerst nur neugierig, dann regelmäßig, veränderte ich mich. Das Nachforschen wurde zu einer Befragung meines eigenen christlichen Glaubens. Man könnte sagen, dass ich mich in diesem Prozess selbst »evangelisiert« habe.

Theoblog: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Buch kann hier bestellt werden:

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