2016

Angriff auf die Geschlechterforschung

Keine andere akademische Disziplin wird derart lächerlich gemacht wie die Geschlechterforschung, meint der Kunstwissenschaftler Daniel Hornuff im DEUTSCHLANDRADIO KULTUR.

Es lohnt sich, mal genauer in diesen Beitrag hineinzuhören. Zunächst werden Pappkameraden aufgebaut, z.B. durch die Behauptung, Kritiker der Gender Studies seien sich dessen gewiss, dass Geschlecht einer Person sei ausschließlich biologisch bedingt. Oder durch die Beobachtung, Kritiker seien sich untereinander völlig uneins.

Kurz: Ich kenne keinen Kritiker der Gender Studies, der in naturalistischer Manier einen Einfluss des Denkens oder/und der Tradition auf das Geschlecht abspricht. Und: Wären sich Kritiker in allem uneins, dann kritisierten sie nicht ein und dieselbe Sichtweise auf das soziale Geschlecht. Umgekehrt spricht doch die Tatsache, dass es unter den Kritikern zum Teil erhebliche Meinungsverschiedenheit gibt, für die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit.

Anschließend schreibt Daniel Hornuff dann Kritikern der Gender Studies bestimmte Eigenschaften zu, darunter:

  • sie greifen die Wissenschaft allgemein an;
  • sie sind blasierte Schreihälse;
  • sie wollen die Geschlechterforschung grundsätzlich abschaffen;
  • sie haben das kritische Denken durch Ideologie ersetzt;
  • sie sind von anti-akademischer Arroganz geprägt;
  • sie sind Dogmatiker (im Gegensatz zu den exponieren Verfechtern der Gender Studies);
  • es gibt eine große Schnittmenge zwischen Kritikern der Geschlechterforschung und Rechtspopulisten.

Das Beispiel zeigt mal wieder, wie wunderbar Politiker, Journalisten, Kultur- und Kunstwissenschaftler u.s.f. im Auftrag der Populismuskritik ihre Gegner populistisch herabwürdigen. Diese Form der Verteidigung ist mindestens so pauschalisierend, wie eine Denkweise, die die Geschlechterforschung in Bausch und Bogen verbannen will. Hornuff hat sich mit keinem Argument der Genderkritiker sachlich auseinandergesetzt, z.B. mit dem starken Argument, dass das soziale Geschlecht nicht vom biologischen Geschlecht abgetrennt werden kann. Viel hilfreicher wären das ehrliche Gespräch und ein kritischer Diskurs, der auch die These zulässt, die Gender Studies wollten unter dem Schutzmantel der Wissenschaft diskusrfrei eine neue Ethik kanonisieren.

Hier der Beitrag:

 

Die durchkritisierte Religion

Das Christentum ist in den vergangenen fünf Jahrhunderten einmal komplett durchkritisiert worden: von den Naturwissenschaften, der Aufklärung und aus den eigenen Reihen. Ist die Kritik damit abgeschlossen oder bleibt noch etwas übrig, das sich zu bemängeln lohnte? Christian Röther hofft auf eine Erneuerung der Kirche durch Assimilation und kennt denjenigen, der es schaffen könnte.

Zeitgenössische Religionskritiker wiederholen meist nur, was schon andere vor ihnen formuliert haben. Kein Wunder: Was will man noch bemängeln an einer Religion, die einmal komplett vom Kopf auf die Füße kritisiert wurde? Die inzwischen Theologie betreibt mit der „historisch kritischen Methode“ und so ihre eigenen Fundamente schonungslos seziert.

Natürlich gibt es dennoch einiges zu kritisieren am Christentum. Aber vielleicht muss die Kritik erneut von innen kommen, um etwas zu bewirken? Wie damals bei Luther. Ein Mann schickt sich an, in der größten Kirche einiges auf den Prüfstand zu stellen, was lange als gesetzt galt: den Zölibat, den Umgang mit Homosexualität, die Rollen der Geschlechter. Sein Name, Sie ahnen es: Papst Franziskus.

Na dann!

Hier der DLF-Beitrag:

 

ETS und die Ethik

091916 1444 ShouldanEva1Stan Gundry ist Senior Vizepräsident bei Zondervan Academic und ehemaliger Präsident der Evangelical Theological Society (ETS). Die ETS ist eine 1949 gegründete Theologenvereinigung mit hohen Standards bzgl. dem Schriftverständnis. In der Lehrbasis heißt es: „Die Bibel allein und die Bibel in ihrer Gesamtheit ist das geschriebene Wort Gottes und ist daher  in den originalen Handschriften (Autographen) unfehlbar. Gott ist eine Trinität von Vater, Sohn und Heiliger Geist, jede Person ist ungeschaffen, im Wesen eins, gleich in Macht und Herrlichkeit.“

Etliche Theologen aus Deutschland haben sich übrigens der ETS angeschlossen.

Im vergangenen Jahr hat die ETS wegen aktueller Trends in der amerikanischen Rechtssprechung eine Resolution zu Fragen bzgl. Ehe und Gender verabschiedet. Darin heißt es:

1. We affirm that all persons are created in the image and likeness of God and thus possess inherent dignity and worth.
2. We affirm that marriage is the covenantal union of one man and one woman, for life.
3. We affirm that Scripture teaches that sexual intimacy is reserved for marriage as defined above. This excludes all other forms of sexual intimacy.
4. We affirm that God created men and women, imbued with the distinct traits of manhood and womanhood, and that each is an unchangeable gift of God that constitutes personal identity.

Zurück zu Stan Gundry. In einem Offenen Brief hat er nun die Resolution aus dem Jahr 2015 infrage gestellt und eine größere Vielfalt innerhalb der ETS gefordert. Denny Burk erörtert in seinem Blog die Vorgänge und kommt zu dem Schluss:

The ETS has shown little interest in drawing more boundaries or in strictly enforcing the current boundaries. If that situation holds, shouldn’t we expect more presentations from members affirming gay marriage? Gundry is arguing that this is exactly the kind of Society we need to be. I am wondering how many members agree with him. I could be wrong, but my sense is that the vast majority of ETS members don’t agree with him. But having said that, I see no evidence that the Society has the will to do anything about it.

I have no plans to spearhead another effort to amend ETS’s doctrinal basis. But members should recognize that ETS is a democratic society. Thus ETS will be what its members allow it to be. Our policies allow for members to affirm gay marriage so long as they base their arguments on the Bible. If the members allow this slow-motion drift in the direction of affirming gay marriage, they should not be surprised when the Society is eventually gutted of its evangelical identity. And that is something that Carl Henry, Roger Nicole, and the other founders never intended for ETS.

Möglicherweise sind diese Vorgänge Indizien für einen revisionistischen Trend. Sollte es in der ETS keinen substantiellen Widerstand geben, wird das in Nordamerika zu weiteren Konfusionen innerhalb der evangelikalen Szene führen. Abzusehen ist ausserdem, was das für weniger gefestigte Vereinigungen außerhalb Nordamerikas bedeutet.

Hier die ganze Geschichte von Denny Burk: www.dennyburk.com.

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CREDO: Warum Lehre wichtig ist

Die neue Ausgabe des Magazins CREDO ist erschienen. Das Thema lautet diesmal „Doctrine Matters“. Folgende Hauptbeiträge sind enthalten:

  • YOU ARE WHAT YOU THINK
    Tearing Down Popular Theological Fallacies (David B. Garner)<
  • THINK GOD’S THOUGHTS AFTER HIM
    An Apologetic for Doctrine (Jeremy Kimble)
  • DOES THEOLOGY MAKE A DIFFERENCEIN THE PASTORATE
    (Scott Sauls)
  • CALLING ALL THEOLOGIANS … SERIOUSLY, ANYONE?
    (Matthew Barrett)
  • WATCH YOUR DOCTRINE
    A Letter to a New Pastor (Raymond Perron)

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Ausserdem beschreibt Fred Zaspel die Pflege des geistlichen Lebens unter B.B. Warefield in „Old Princeton“:

The decided effort was not just to produce scholars but to “build up Christian men.” Theological learning is a given at a seminary, of course, and the learning of Old Princeton gained for it an international reputation. But from the beginning measures  were  put  in  place  to  accomplish  the  specifically “religious” goal also: morning and evening student-led prayer gatherings, daily chapel services, Wednesday evening faculty sermons focusing on the Christian life, two Sabbath Day services, classroom prayers as often as the professor deemed fitting, multiple reading assignments of specifically “religious” works  (such  as  Owen’s  Spiritual  Mindedness),  and  so on. It is not surprising to hear students testify, re-calling  their  days  at  Old  Princeton,  that  “religious  truth filled the very air” and that unless the student was given to genuine piety he just did not fit in.

Hier der Link: Doctrine%20Matters.pdf.

Digitalisierung der Vatikanbibliothek

Es ist ein historisches Projekt. Den Abschluss der Digitalisierung der Vatikanische Bibliothek werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben, da es bei bisheriger Taktung noch mehr als 100 Jahre dauern würde, sämtliche Dokumente ins Internet zu bringen. Schade, dass ausgerechnet dem Vatican das Geld dafür fehlt, die Frequenz zu erhöhen. Da kommen sicher noch Schätze und Überraschungen ans Licht.

Das Unterfangen, die Apostolische Bibliothek des Vatikans zu digitalisieren, wird die spektakulärste Sammlung alter Bücher der Welt zugänglich machen. Die 1451 gegründete Bibliothek des Papstes hütet Schätze wie die als Vatikanischer Vergil bekannte 1600 Jahre alte Kopie der „Aeneis“ oder das älteste gebundene Heft des Lukas-Evangeliums sowie Seiten von Dantes Göttlicher Komödie, illustriert von Botticelli. Seit einigen Jahren laufen verschiedene Modernisierungsprojekte für die ehrwürdige Bibliothek, darunter eine Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg.

Der 53-Jährige koordiniert das Team, das die Wälzer Seite für Seite scannen und online der Welt zugänglich machen soll. 50 Leute, darunter Experten aus Japan, arbeiten an dem Projekt, das NTT selbst mit 18 Millionen Euro finanziert. „Wenn Geld keine Rolle spielen würde, könnten wir den Einsatz spielend auf das Fünffache ausweiten“, erzählt Massari. „Aber darüber hinaus würden wir wahrscheinlich nicht genug Experten mit den passenden Fähigkeiten finden.“

Vatikan-Archivare legen fest, welche Dokumente zuerst kommen und welche von der Digitalisierung ausgenommen werden, weil selbst das Öffnen die brüchigen Stücke zerstören könnte. Dann präparieren Restauratoren die Handschrift für den Scan im Labor. Der Scan selbst benötigt zwischen 60 bis 90 Sekunden pro Seite. Danach prüft laut Massari ein Tutor, ob die Details stimmen: Ist die Farbwiedergabe gut? Sind Seiten falsch herum oder gar vergessen worden? Sind alle Randnotizen, die Gelehrte vor Hunderten von Jahren hinterließen, abgebildet? Bei diesem Aufwand kann die Digitalisierung eines Manuskriptes eine Woche in Anspruch nehmen. Oder einen Monat.

Nach einer erneuten Prüfung durch Restauratoren wandert das Original anschließend zurück ins Archiv – idealerweise für immer. Wenn die Online-Bilder eine Top-Qualität lieferten, gebe es „nahezu null Bedarf“, die sensiblen Werke je wieder anzufassen, sagt Massari. Ein enormer Gewinn für Wissenschaftler weltweit – und auch für interessierte Laien, sofern sie denn mit handschriftlichem mittelalterlichen Latein oder Griechisch etwas anfangen können.

Mehr: www.n-tv.de.

Zehn Tipps für Theologiestudenten

Kevin DeYoung hat zehn Tipps für Leuten, die sich durch ein Studium auf den geistlichen Dienst vorbereiten:

  • Engagiere dich in der Ortsgemeinde.
  • Schöpfe das Studienangebot aus.
  • Vergiss Beziehungen nicht.
  • Pflege ein Hobby.
  • Nimm dir einen Sabbat.
  • Vergiss nicht: Es ist bloß eine Note.
  • Dein Leben steht nicht still.
  • Sei vorsichtig – du weißt mehr als die meisten in der Gemeinde.
  • Sei vorsichtig – du weißt viel weniger, als du denkst.
  • Finde deine Identität in Christus.

Hier: www.evangelium21.net.

„Ich sehnte mich nach einer normalen Familie“

Wie immer wieder zu lesen ist, hat die Wissenschaft bewiesen, dass Kinder keine leiblichen Eltern brauchen und sie bei schwulen oder lesbischen „Eltern“ auch gut aufgehoben sind. Wichtig seien allein die „behüteten Verhältnisse“ (vgl. hier).

Brandi Walton aus Südkarolina (USA) ist als Kind in einem lesbischen Haushalt aufgewachsen. In einem persönlichen „Schreiben“ erzählt sie, wie schwer es für sie war, im Haushalt gemeinsam mit zwei Frauen aufzuwachsen.

In einem Zuhause ohne Anwesenheit eines Mannes groß zu werden, hat mir persönlich geschadet. Alles, was ich von der Zeit an, als ich ein kleines Mädchen war, wollte, war eine normale Familie. Als ich Abitur gemacht habe, waren meine Gedanken nicht ganz da, wo sie hingehörten. Während meine Freunde vom College begeistert waren, war ein Teil von mir gar nicht anwesend, und ich wusste, dass ich mich vollständig fühlte, bis ich es finde. Anders als die anderen um mich herum, hatte ich den Wunsch, meine eigene Familie zu gründen und Stabilität zu gewinnen. Das führte zu zwei äußerst ungesunden Beziehungen.

Die Studien, die behaupten, uns ginge es genauso gut oder besser als unsere Kollegen, die bei richtigen Eltern aufwuchsen, sind in den meisten Fällen schwerlich wissenschaftlich und repräsentieren nicht alle von uns.

Hier ihre ganze Geschichte: thefederalist.com.

Esoterik in der Kirche

Es ist erfreulich, dass die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen das Thema mal auf den Tisch bringt. Wenn die Kraft des Evangeliums im Raum der Kirche sich mangels Verkündigung nicht mehr entfalten kann, wenden sich die Kirchgänger allen möglichen verschmutzen Quellen zu. Sogar hauptamtliche Mitarbeiter der Kirchen suchen sich Hilfe bei der Esoterik.

Kai Funkschmidt schreibt („Je nach Religion ändert sich der Götterhimmel und die Requisiten und so“, EZW-Texte 244, S. 17–18):

Spannend wird es nun, weil sich zunehmend nicht nur Gemeindeglieder und Bildungseinrichtungen für Esoterik begeistern. Sondern gelegentlich integrieren auch Pfarrer esoterische Themen in ihre Arbeit beziehungsweise in ihre persönliche Frömmigkeit. Damit kommt das Phänomen im institutionellen Kern der Kirche an. Der prominenteste Fall ist der des seit 2010 emeritierten ehemaligen Fernsehpfarrers Jürgen Fliege, ordinierter Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dokumentiert sind außerdem viele weitere Fälle, zum Beispiel der eines sächsischen Pfarrers, der die Genehmigung einer Nebentätigkeit alsTai-Chi-Lehrer beantragte, oder der eines hessischen Studentenpfarrers, der Kundalini-Yoga anbietet. Einige Krankenhausseelsorger bedienen sich schamanischer Techniken oder praktizieren als Geistheiler, Gemeindepfarrer nutzen das auf indianischen Initiationsritualen beruhende „Vision Quest“ in Jugendarbeit und Konfirmandenunterricht, andere beschäftigen sich mit Reiki, einem Angebot der Heilung mit einer kosmischen Energie, das wegen seiner scheinbaren weltanschaulichen Neutralität und seiner niedrigen Zugangsschwelle (meist reichen zwei bis drei Kurse, um den Meistergrad zu erlangen) attraktiv erscheint. In der Evangelischen Kirche im Rheinland gab es einen jahrelangen Streit um die „Tätigkeit einer Pfarrerin als Feng-Shui-Lehrerin, der schließlich disziplinarrechtlich gelöst wurde und mit ihrem Ausscheiden aus dem Dienst endete.

Spätestens in dem Moment, wo sich das Verkündigungsamt einer religiösen Organisation für esoterische Ansätze öffnet, stellen sich die theologischen Fragen nach Identität und Kern der eigenen Botschaft in aller Schärfe. Trotz großer Skepsis von Kollegen und kirchenleitenden Stellen sind kirchenjuristische Herangehensweisen (Disziplinär- und Lehrzuchtverfahren) unbefriedigend und auf eine Handvoll Extremfälle beschränkt. Dennoch bleibt der Weg, esoterische Anreicherungen in die eigene Glaubens- und Berufspraxis aufzunehmen, konfliktbehaftet, insbesondere dann, wenn er nicht im Verborgenen, sondern offen geschieht. Häufig erklären Pfarrer, die sich auf diesen Weg begeben, dass ihr Interesse zunächst im privaten Bereich geweckt wurde, als sie zufällig merkten: „Es funktioniert“ (Geistheilung, Wünschelrutengehen etc.). Auslöser war also nicht ein empfundener Mangel in der Seelsorgepraxis, obwohl später v. a. in diesem Bereich esoterische Vollzüge als Perspektivenerweiterung eingesetzt werden.

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