Die durchkritisierte Religion

Das Christentum ist in den vergangenen fünf Jahrhunderten einmal komplett durchkritisiert worden: von den Naturwissenschaften, der Aufklärung und aus den eigenen Reihen. Ist die Kritik damit abgeschlossen oder bleibt noch etwas übrig, das sich zu bemängeln lohnte? Christian Röther hofft auf eine Erneuerung der Kirche durch Assimilation und kennt denjenigen, der es schaffen könnte.

Zeitgenössische Religionskritiker wiederholen meist nur, was schon andere vor ihnen formuliert haben. Kein Wunder: Was will man noch bemängeln an einer Religion, die einmal komplett vom Kopf auf die Füße kritisiert wurde? Die inzwischen Theologie betreibt mit der „historisch kritischen Methode“ und so ihre eigenen Fundamente schonungslos seziert.

Natürlich gibt es dennoch einiges zu kritisieren am Christentum. Aber vielleicht muss die Kritik erneut von innen kommen, um etwas zu bewirken? Wie damals bei Luther. Ein Mann schickt sich an, in der größten Kirche einiges auf den Prüfstand zu stellen, was lange als gesetzt galt: den Zölibat, den Umgang mit Homosexualität, die Rollen der Geschlechter. Sein Name, Sie ahnen es: Papst Franziskus.

Na dann!

Hier der DLF-Beitrag:

 

Kommentare

  1. Theophil Isegrim meint:

    Das ist schon geschickt gemacht und hört sich alles plausibel an. Aber nur, wenn man sich nicht auskennt. Weshalb kritisierte Luther die Kirche? Weil im Wort Gottes etwas ganz anderes stand, als was daraus geworden ist. Hier scheint sich Franziskus doch deutlich zu unterscheiden und ist nur eine weitere Person, die die Bibel relativiert.

  2. Vor allem müsste die Kritik bei denen ansetzen, die das Christentum mit Vorsatz und beharrlich in einen Chrislam umwandeln, der die in Jesus Christus personifizierte Wahrheit (Joh 14,6) einer substanzlosen Toleranz opfern. Bei denen, denen die Anerkennung der Welt wichtiger ist als die Ehre Gottes des Allmächtigen. Bei den blinden Blindenführern, die die Quelle des lebendigen Wassers verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten (Jeremia 2,13).

  3. Seit der Post-Holocaust-Theologie fehlt die große Kritik am Christentum, ist Christian Röther zu entnehmen.

    Womöglich hat das mit der Feststellung von Elie Wiesel zu tun: „Der nachdenkliche Christ weiß, dass in Auschwitz nicht das jüdische Volk, sondern das Christentum gestorben ist.“ Ich halte den Satz für richtig wie falsch. Falsch ist er, weil es sonst keine Blogs wie theoblog.de gäbe. Und auch Christian Röther liegt falsch, wenn er keine große Kritik am Christentum, wie es sich momentan darbietet, wahrnimmt. Er sollte einmal bei theoblog.de vorbeischauen. „Groß“ ist die Kritik nach Röther wohl nur, wenn entsprechend institutionell Mächtige diese Kritik üben. Momentan ist viel in Bewegung, nicht nur die Bewertung der Einflüsse des Holocaust auf die Theologie, sondern auch des vollmundigen Glaubens an den Gott der Aufklärung – und das liegt nicht nur an Franziskus, sondern auch an Ron und allen anderen hier.

  4. „Die Welt ist nichts, Gott ist nichts. Ich bin auch nichts. Das macht aber nichts.“
    Max Stirner
    Schöne Grüsse aus der http://www.freidenker-galerie.de

  5. Also, ich hab das Interview noch nicht gehört, was mir aber dazu spontan einfällt:
    Ja, es ist die durchkritisierte „Religion“.
    Aber es gibt die Bibel immer noch, es gibt immer noch Gemeinschaften, die danach leben und sie werden mehr, aber sie sind unorganisiert im staatlichen Sinne, und deshalb fallen diese nicht immer gleich auf …
    Kritk an einem „..tum“ .. hat meistens einen wahren Kern.
    Aber die Menschen verwechseln wie üblich die Bibel mit der Kirche und den oft allzu menschlichen Gläubigen.
    Täten sie das nicht, würden viele verstummen müssen und auch viele Bücher gäbe es nicht .. sie müssten nicht geschrieben werden, weil die Ehrfurcht und das Wissen um die eigene Kleinheit und Unvollkommenheit gar erschröcklich wäre… gradezu sprachlos machend …
    GOTT hat schon sehr viel Geduld mit uns …. und Barmherzigkeit.
    Zitat:
    Ich habe nun den Grund gefunden
    Johann A. Rothe, 1727

    1. Ich habe nun den Grund gefunden,
    Der meinen Anker ewig hält.
    Wo anders als in Jesu Wunden?
    Da lag er vor der Zeit der Welt,
    Der Grund, der unbeweglich steht,
    Wenn Erd‘ und Himmel untergeht.
    ……..
    10. Bei diesem Grunde will ich bleiben,
    Solange mich die Erde trägt;
    Das will ich denken, tun und treiben,
    Solange sich ein Glied bewegt.
    So sing‘ ich einstens höchst erfreut:
    O Abgrund der Barmherzigkeit!

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