Soziale Gerechtigkeit

Diejenigen, die mit der reformierten Szene in den USA vertraut sind, haben wahrscheinlich die Diskussion um die Erklärung zur „Sozialen Gerechtigkeit“ verfolgt. Leute wie John MacArthur oder James White haben ein Statement zur „Sozialen Frage“ veröffentlicht. Andere haben sich von dem Statement distanziert, da es über das Ziel hinausschieße. Die Tatsache, dass der Begriff „Soziale Gerechtigkeit“ kulturmarxistisch aufgeladen sei, bedeute nicht – so ihre Auffassung –, dass es keine sozialen Probleme gebe. Andere, wie etwa Kevin DeYoung, nehmen eine vermittelnde Position ein.

Zu jenen, die sich von der Erklärung distanziert haben, gehört Al Mohler. In einer „Q&A“-Sitzung hat er ausführlich zur Diskussion Stellung genommen. Im Geiste der Augustinischen Theologie äußert er sich zu McArthurs oder Tim Kellers Sichtweisen. Ich stimme übrigens Mohler in wesentlichen Punkten zu.

Hier der Mitschnitt (ich empfehle besonders die Ausführungen ab Minute 24:00):

Kommentare

  1. Es sagt auch niemand, dass es keine sozialen Probleme gebe.

    MacArthur sagt, und ich stimme ihm zu, dass durch die „Opfermentalität“ die Menschen nicht mehr als bussfertige Sünder zu Gott kommen, um die unverdiente Gnade zu empfangen, sondern als Benachteiligte, die von ihm etwas erhalten wollen, das ihnen angeblich zusteht.

  2. Hier James White’s Kommentar zu Al Mohler’s Stellungnahme:

    https://youtu.be/_8VVrHbLEk8

  3. Was Sergio da von J. MacArthur berichtet würde darauf hindeuten, dass Christen diese Haltung von ihrem Umfeld übernommen haben. Denn so eine Anspruchshaltung erlebe ich allerorten bei Nichtchristen.

  4. @FrankS
    Das sehe ich auch so. Leider erlebe ich es auch zunehmend in der Verkündigung in gewissen Gemeinden. Oft gut gemeint, aber wir wissen ja, wovon „gut gemeint“ das Gegenteil ist: gut.

  5. @Pete
    Bestimmt liegt es an mir, aber ich komme mit James White, d. h. seiner Art irgendwie nicht zurecht. Ich bezweifle keine Minute, dass er ein intelligenter Kopf ist. Aber ich habe das Gefühl, er muss, äußert er sich zu einem Thema, erst einmal auf eine Debatte verweisen, an der er teilgenommen und die er natürlich gewonnen hat. Diesmal White vs. Seifrid. Irgendwie ist er mir zu selbstsicher. Anstatt direkt auf Mohlers Argumente einzugehen, erklärt er zuerst einmal wie die SBC tickt, warum das SEBTS so ganz anders ist, also noch vor einigen Jahren usw.

    Aber entscheidend ist natürlich nicht die Art von White, sondern der Inhalt dessen, was er sagt. Um es kurz zu machen: Ich stimme seiner Beurteilung von Mohler, dass dieser unklar ist, rumschwimmt usw. nicht zu. Im Gegenteil finde ich Mohlers Aussagen zum Thema klar durchdacht und artikuliert. Er definiert die Begriffe und hebt sehr deutlich die Priorität des Evangeliums hervor, ohne zu verschweigen, dass dieses soziale Implikationen beinhaltet. Kurz: Ich würde hier eher Mohler, als MacArthur bzw. White zustimmen.

    Was mir aber besonders an Mohler gefällt ist, wie wertschätzend er über seinen Freund MacArthur, aber auch Tim Keller spricht. Und vor allem gefällt mir, wie er herausstellt, dass er zutiefst davon überzeugt ist, dass in beiden Gemeinden Menschen das Evangelium hören, selbst wenn man sie in der spezifischen Frage als Gegenpole betrachten könntee.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  6. Soziale Gerechtigkeit kann und wird es nicht geben können. Was aber von Christen nach der Schrift sich aus dem Glauben zur Tat heraus entwickelt ist ein sich Kümmern um Not und um einen sozialen Ausgleich ( „haltet Euch herunter zu den Geringen“, „trauert mit den Trauernden“, „einer achte den anderen höher als sich selbst“ u.v.a mehr). Die gesellschaftlichen Probleme dieser Welt, die sich im kapitalistischen System zeigen, können wir nicht lösen, da sie letztendlich aus der Sündhaftigkeit des Menschen resultieren („wir wollen sein wie Gott“). Wir aber können durch unser Verhalten gegen den Strom in dieser Welt die Liebe Jesu zeigen, dass andere Prinzipien bei Gott zählen
    Das habe ich bei folgendem Artikel gedacht (https://www.achgut.com/artikel/liebe_linke_das_muesst_ihr_leasen_ehrlich) vor allem bei vorletztem Abschnitt, wobei alles was dort steht nicht meine Meinung ist. Haben wir diese Haltung in unseren Gemeinden auch schon viel zu stark übernommen wie @Sergio und FrankS meinen, dass wir beim allem Selbstoptimieren nicht mehr die Zeit für den Schwachen und Geringen um uns herum haben? Ist das in unseren Gemeinden noch sichtbar, dass den Kranken und Alten Zeit gewidmet wird oder sind die schon weg sind oder noch nie da waren weil wie in einer so hippen auf jung getrimmten Gemeinde sind? Für Gemeinde sollte auch eine Messlatte sein wie mit den Mühseligen und Beladenen umgegangen wird

  7. @Matze,
    klar sollen wir der Welt die Liebe Jesu zeigen. Beim Streit um das Wort „Soziale Gerechtigkeit“ geht es aber meines Erachtens mehr um die Frage, ob diese „Liebe“ von Privatpersonen kommt, oder von staatlichen Bürokratien.
    Die Hilfe im AT war übrigens so, dass „der Arme“ auch schon selber arbeiten musste, um die Hilfe in Anspruch nehmen zu können: Man lässt etwas stehen auf seinem Feld. Es gab dort kein Anspruchsdenken gegenüber dem Staat und kein passives Händeaufhalten.
    Aber klar ist auch, dass die Gemeinde Jesu den Armen, „Mühseligen und Beladenen“ nach besten Kräften helfen soll.

  8. @Roderich
    da aber gerade aus kirchlichen Kreisen oft der Wunsch nach dem Reich Gottes hier auf Erden und der daraus resultierenden Forderung nach Gerechtigkeit postuliert wird schien mir mein Hinweis angebracht

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