Suchergebnisse für: schaeffer

Nancy Pearcey: Die Wahrheit finden

420582Nancy Pearsey hat mit Finding Truth ein weiteres Buch geschrieben, das in der Tradition von Francis Schaeffer steht. Der Apologet Gregory Koukl schreibt in seiner Empfehlung:

Wonderful … Nancy Pearcey has the unique ability of getting to the heart of things in the cultural conversation. Pearcey’s penetrating critique of the worldview ‘idols’ of our age is chock-full of gems. Better, it equips us with an easy-to-follow game plan for assessing any worldview. This is one of those books that not only challenges the critics; it also gives a huge dose of confidence to the Christian who will catch himself walking away from its pages saying, ‘Gosh, this stuff really is true.’

Beim Durchblättern fand ich unter den Danksagungen übrigens einige Namen, die mir auf diesem Blog schon mehrfach begegnet sind. Freut mich, dass Kommentatoren des TheoBlogs zum Buch beigetragen haben! Weiter so!

IMG 0307

Das Buch kann ich übrigens Leuten empfehlen, die über so genannte „Entkehrungen“ schwärmen oder Zweifler im Freundeskreis haben. Das erste Kapitel heißt: „Wie ich meinen Glauben an einer evangelikalen Ausbildungsstätte verloren habe.“

[asa]B011T7G4F2[/asa]

Gott hat sich sprachlich offenbart

Francis Schaeffer sagte über die Kommunikation Gottes (Gott ist keine Illusion, 1974, S. 106):

Was Gott dem Menschen mitgeteilt hat, ist wahr, aber nicht erschöpfend — diese wichtige Unterscheidung müssen wir stets beachten. Für ein erschöpfendes Wissen müßten wir unendlich sein wie Gott. Das werden wir aber nicht einmal im Himmel sein.

Gott hat zum Menschen gesprochen — nicht nur über den Kosmos und die Geschichte, sondern auch über sich selbst. Die auf diese Weise mitgeteilten Wesenszüge Gottes sind für Gott selbst, den »Sender« dieser Kommunikation, wie für den Menschen, den »Empfänger« dieser Kommunikation, sinnvoll. Was Gott von seinen Wesenszügen offenbart hat, hat nicht nur unterhalb der Linie des Menschen Gültigkeit (als werde Gott ins Bild des Menschen hineingepreßt). Die anthropologische Linie verläuft nicht wie ein eherner Himmel undurchdringlich über unseren Köpfen, und der Gott, der gesprochen hat, ist nicht das unerkennbare Unendliche oberhalb dieser Linie. Der Gott, der den Menschen in seinem eigenen Bilde geschaffen hat, teilt ihm wahre Wahrheit über sich selbst mit — und zwar nicht lediglich im Rahmen existentieller Erfahrungen oder inhaltsloser »religiöser Ideen«. Wir haben Zugang zu wahrer Erkenntnis — das zeigt die Heilige Schrift an einfachen, aber überzeugenden Beispielen: Als Gott die Gebote auf Steintafeln schrieb oder als Jesus den Paulus auf der Straße nach Damaskus in hebräischer Sprache anredete8, bedienten sie sich dazu einer wirklichen, grammatikalisch und lexikalisch gefaßten Sprache, einer Sprache, die der Angeredete, der »Empfänger«, verstehen konnte.

[asa]2826067079[/asa]

Spiderman war da!

250px-Spider-Man2.jpgVergangenes Wochenende erhielten wir hohen Besuch aus Brasilien. Cristiano Silva, presbyterianischer Christ, Softwareentwickler und Betreiber des Blogs Nerd-Protestante, konnte im Rahmen einer Dienstreise für einen halben Tag bei uns Halt machen.

Wir sprachen angeregt über Theologie, C.S. Lewis und Friedrich Nietzsche. Cristiano liest gern Francis Schaeffer und weiß um die Bedeutung eines biblischen und zugleich kulturrelevanten Christseins. Beeindruckt und erfreut hat mich sein Bericht über das brasilianische L’Abri. Die Brasilianer scheinen eine solide Arbeit zu machen und in segnender Weise auf das Land »auszustrahlen«.

Cristiano ist übrigens Experte für Comics und Science Fiction sowie die dazugehörigen Filme (sehr zur Freude unserer Teenager). Da ich mich selbst für Filme interessiere, hatte ich ein unglaublichen Spaß und habe von Cristiano jede Menge lernen können. Gern würde ich ihn ins Kino begleiten und anschließend zusammen mit ihm den geschauten Film auswerten. Es wäre sicher sehr unterhaltsam und lehrreich. (Nebenbemerkung: CT hat letzte Woche den Artikel »Sci-Fi’s Brave New World« von James A. Herrick veröffentlicht).

Das Treffen hat große Freude bereitet und ich hoffe, Cristiano wird irgendwann wieder in Deutschland vorbeischaun.

Die noch größere Anpassung

Holger hat das Hin und Her bei World Vision in Nordamerika hilfreich kommentiert und zeigt dabei unter Rückgriff auf einen 30 Jahre alten Text von Francis Schaeffer, wie weit die Anpassung der Evangelikalen an den Geist der Zeit inzwischen geht.

Doch nun kommt’s: Mitte der Woche nahm WV-US den Beschluss wieder zurück! Wieder brachte CT einen Beitrag („World Vision Reverses Decision To Hire Christians in Same-Sex Marriages”) und zitiert darin den Präsidenten von WV-US, Richard Stearns: „Die letzten beiden Tage waren schmerzhaft… Wir fühlen Schmerz und bedauern von Herzen, dass wir viele Freunde verwirrt haben, die in dieser Änderung der Grundsätze der Personalpolitik eine Abkehr von der biblischen Autorität bei World Vision sehen. Dies war jedoch nicht beabsichtigt… Anstatt mehr Einheit [unter Christen] zu schaffen, haben wir gegen unser Absicht für mehr Spaltung gesorgt.“

„Progressive“ Evangelikale wie Tony Jones nahmen diesen Rückzieher mit Schrecken auf. Der Vordenker der emerging church hier: „Was WV gestern getan hat, wird im größeren und öffentlichen Rahmen junge Leute reihenweise aus der Kirchen und vom Glauben weg drängen.“ Jones zitiert einen anonymen Mitarbeiter von WV-US: „Homosexuelle Menschen arbeiten bei World Vision, und heute [d.h. vor dem Rückzieher] wurde zum ersten Mal öffentlich anerkannt, dass homosexuelle und lesbische Christen herzlich eingeladen sind, bei World mitzuarbeiten – solange sie wie alle unverheirateten Mitarbeiter bereit sind, abstinent zu leben.“

Mehr: lahayne.lt.

Im Zweifel für den Zweifel?

berlin.jpg

»Ehrliche Antworten auf ehrliche Fragen«, hieß es zur Zeit von Francis und Edith Schaeffer im L’Abri-Studienzentrum. Junge Leute strömten in die Schweiz, weil sie brennende Fragen loswerden wollten und nach tragfähigen Antworten suchten. Die Zeit der Antworten scheint vorbei zu sein. Für viele ist der Zweifel heute Manifest und Programm. Menschen suchen, weil sie nicht finden wollen. Eben: »Im Zweifel für den Zweifel!« (Tocotronic).

Der Zweifel schützt, deckt Irrtümer auf, eröffnet neue Sichtweisen und hilft beim Entdecken begehbarer Wege. Wenn aber Skepsis alles ist, was wir haben, wenn die Zweifel uns im Innern spalten, wenn es der Kritik immer schwerer fällt, kritisch zu sein, weil sie alles, was sie zu kritisieren pflegte, bereits zerstört hat, ist die Zeit gekommen, auch den Zweifel in Zweifel zu ziehen.
In der Zeit vom 21.–25. Juni veranstaltet das Martin Bucer Seminar zusammen mit L’Abri Holland und der L’Abri-Kontaktarbeit aus Deutschland eine Studienwoche zu apologetischen Themen. Während der Woche werden fachkundige Referenten Vorträge und Workshops anbieten, Zweifeln Raum geben und zeigen, dass es gute Gründe gibt, dem Evangelium von Jesus Christus zu vertrauen und es auf vielfältige Weise in der Gesellschaft zu bezeugen.

Studenten, Pastoren, apologetisch interessierte Christen und andere Neugierige sind herzlich eingeladen, in dieser Woche zusammen mit anderen zu glauben, zu zweifeln und zu vertrauen.

Flyer mit Anmeldemöglichkeit hier: flyer.pdf.

Ich hoffe, wir sehen uns!

Der Preis der Reinheit

Francis Schaeffer schreibt:

Biblische Liebe ist nicht nur fader guter Wille oder eine vage Freundlichkeit. Biblische Liebe ist etwas sehr Wirkliches und Realistisches. Gott liebt seine Kinder, die Christus als ihren Retter angenommen haben, so sehr, dass er manchmal Schmerzen durch Züchtigung verursacht. Und wahre biblische Liebe in uns muss auch manchmal zu Schmerz bei Menschen führen, unsere Brüder in Christus mit eingeschlossen. Wenn ein Vater sein Kind züchtigt, tut er es, weil er es liebt. Als Spurgeon zu seiner Zeit seine Stimme erhob, tat er das, weil er sowohl die Lehre über biblische Reinheit als auch die Lehre über biblische Liebe verstand. Wenn wir wahre Liebe zum Herrn, zu den Verlorenen und zu unseren Brüdern in Christus haben, dann werden wir bereit sein, einen großen Preis für persönliche Reinheit und für die Reinheit der Gemeinde zu zahlen. Wenn wir nicht dazu bereit sind, dann fehlt unserer Liebe etwas. Das Ziel muss sein, dass sich unsere Liebe auf praktische Weise so zeigt, dass wir gemeinsam untadelig in Heiligkeit vor Gott, unserem Vater, gegründet sind, – und wie viel mehr ist das wichtig, wenn das Kommen unseres Herrn Jesus Christus so nahe scheint.

Der Aufsatz aus dem Jahr 1951 erschien 2009 erstmals in deutscher Sprache und kann hier heruntergeladen werden: SchaefferReinheit.pdf.

Religiöse Symbole reichen nicht

Francis Schaeffer (#ad Gott ist keine Illusion, 1974, S. 62–63):

Auf den ersten Blick erscheint die Neo-Orthodoxie sehr „geistlich“. „Ich frage nicht nach Antworten, ich glaube einfach.“ Das klingt ungeheuer fromm, und viele Menschen lassen sich dadurch täuschen, besonders junge Männer und Frauen, die sich nicht damit begnügen, die Phrasen des intellektuellen oder geistlichen Status quo nachzuplappern. Sie sind zu Recht unzufrieden mit den abgedroschenen Sprüchen einer verstaubten und selbstgefälligen Orthodoxie. Die moderne Theologie hingegen erscheint ihnen geistlich und schwungvoll, und so tappen sie in die Falle.

Sie zahlen jedoch für diese vermeintliche „Geistlichkeit“ einen hohen Preis, denn wer im oberen Bereich mit Undefinierten religiösen Wörtern arbeitet, der verliert die Möglichkeit des Erkennens und Handelns für den ganzen Menschen, ja gibt seine Ganzheit auf. Diese jungen Leute dürfen wir nicht auffordem, zu einem erbärmlichen Status quo zurückzukehren, sondern wir müssen sie zu einer lebendigen Orthodoxie rufen, die sich mit dem Verhältnis des ganzen Menschen zu Gott befaßt – einschließlich seiner Vernunft und seines Intellekts.

Wo immer Menschen nach der letzten Wirklichkeit suchen, müssen wir ihnen das wahre Christentum zeigen. Hier können sie die Wirklichkeit finden, denn hier begegnen sie dem Gott, der da ist und der Aussagen über sich selbst gemacht hat, und nicht nur den Symbolen „Gott“ oder „Christus“, die zwar geistlich klingen, es aber nicht sind. Die Menschen, die lediglich das Symbol gebrauchen müßten eigentlich Pessimisten sein, denn das Wort Gott oder die Idee Gott allein bietet keine ausreichende Grundlage für den Optimismus, den sie zur Schau stellen. 

Gott redet

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich saß in der Vorlesung eines bekannten liberalen Theologen, der darüber spekulierte, wie die Idee Gottes in unsere Welt gekommen sei. Er schloß logisch aus, dass Gott sich uns Menschen sprachlich mitteilen kann. Es fiel der Satz: „Gott kann nicht reden!“. Alles, was wir über Gott wissen, ist das Resultat menschlicher Überlegungen und insofern relativ und endlich. 

Gott kann nicht reden? Warum eigentlich nicht? Plausibel und wohltuend klingt, was Francis Schaeffer vor vielen Jahren dazu gesagt hat (Gott ist keine Illusion, 4. Aufl., 2021, S. 102):

Nach biblischer Lehre hat ein persönlicher Gott den Menschen in seinem Bild erschaffen, und von dieser Voraussetzung her ist die Behauptung, Gott habe sich dem Menschen in sprachlicher Form offenbart, kein Nonsens. Warum sollte er sich nicht in sprachlicher Form mitteilen, nachdem er den Menschen als ein Wesen geschaffen hat, das sich in seinem Denken und in der Kommunikation mit anderen Menschen der Sprache bedient? Hat Gott den Menschen wirklich in seinem Bild erschaffen, warum sollte er sich diesem sprechenden Wesen nicht in dieser Weise offenbaren? Kommunikation vollzöge sich dann auf drei Ebenen: Von Gott zum Menschen und umgekehrt; vom Menschen zum Mitmenschen; und vom Menschen zu sich selbst (im Denken). Natürlich kann man die Voraussetzung bestreiten, aber davon ausgehend ist unsere Behauptung weder widersprüchlich noch unsinnig. Unsinnig wird sie erst dann, wenn man voraussetzt, daß die ganze Welt ein geschlossenes System von Ursache und Wirkung ist. Wer daran festhält, daß Ursache und Wirkung niemals durchbrochen wird oder durchbrochen worden ist, der muß sich allerdings der Frage stellen, ob seine Auffassung wirklich allen uns bekannten Tatsachen gerecht wird.

[asa]2826067079[/asa]

Jerram Barrs‘ neues Buch über die Frauen

51kcQDu9mPL._SL160_.jpgJerram Barrs, Dozent am Francis Schaeffer Institute, hat eine neues Buch geschrieben. In:

entwickelt er Antworten auf die Frage: Was denkt Gott über Frauen? In der Einleitung erklärt er die Motive für das Buch mit folgenden Worten:

I have been deeply troubled in our churches by the way much teaching on women begins with the restrictive passages in 1 Corinthians 11 and 14 and 1 Timothy 2 and often ends there. It is not that those passages are insignificant, but I have been eager to ask a more foundational question: How does the Lord see women? I felt the best way to answer this question was to look at particular women whose stories are told in the Scriptures and to reflect on what God has to say. What does God think about women, and how does he treat them? My passionate desire and prayer is that the book will be an encouragement to women and a challenge to men to treat women with the same honor that the Lord himself shows. I originally gave these studies to about two hundred women in the setting of a women’s ministry at a local church. They were greatly encouraged by the studies, and it was these women who urged me to write this book.

Die Einleitung und das erste Kapitel des Buches kann hier herunter geladen werden: crossway.org.

Einkaufsmöglichkeit

Notwendige Begriffsklärungen

Francis Schaeffer schrieb 1975 (dt. Der Schöpfungsbericht, 1976, S. 7) etwas über die Bedeutungsabwertung von Begriffen:

Manche Wörter haben heute eine solche Bedeutungsabwertung erfahren, daß man oft auf schwerfällige Begriffe ausweichen muß, um eindeutig verständlich zu machen, was man meint. So kann das Wort »Tatsache« heute alles oder nichts bedeuten. Wer von »Tatsachen« spricht, kann damit nichts weiter als nicht verifizierbare »religiöse Wahrheit« meinen, und deshalb müssen wir um der Klarheit willen einen unschönen Begriff wie »bruta facta« benutzen (nur ungenau zu übersetzen mit »nackte Tatsachen). Mit »bruta facta« meinen wir nicht irgendein kartesianisches Konzept von »ewigen Tatsachen«. Es gibt keine Tatsachen über oder hinter Gott, ebensowenig wie es eine Ethik oder Werte über oder hinter Gott gibt. Es gibt keine autonomen Tatsachen, die unabhängig von Gott existieren. Aber nachdem Gott etwas geschaffen hat, besitzt dieses Geschaffene objektive Wirklichkeit. Und weil Gott die Geschichte mit ihrer Bedeutung in Raum und Zeit geschaffen hat, besitzt auch das, was sich in der Geschichte vollzieht, objektive Wirklichkeit.

Die Geschichtlichkeit des Sündenfalls ist hier ein treffendes Beispiel. Der geschichtliche Sündenfall ist keine Interpretation, er ist ein »brutum factum«. Hier bleibt kein Raum für Hermeneutik, wenn Hermeneutik in diesem Fall bedeutet, daß der Sündenfall als tatsächliches Geschehen (im Sinne eines »brutum factum«) wegerklärt wird. […] Es ist eine logisch begründete Aussage über ein geschichtliches, in Raum und Zeit geschehenes »brutum factum«. Vor dem Fall gab es die Zeit, und es gab eine Geschichte in Raum und Zeit; und dann wandte sich der Mensch aufgrund einer freiwilligen Entscheidung von seinem angemessenen Bezugspunkt ab, und damit verursachte er einen ethischen Bruch – der Mensch wurde abnorm.

[asa]3935558376[/asa]

Das Ärgernis des Kreuzes

Francis Schaeffer schreibt ist seinem Buch Gott ist keine Illusion (Wuppertal: Brockhaus, 1984, S. S. 112–113):

Ein ernst zu nehmender Kommentar zum Dilemma des Menschen findet sich in Albert Camus‘ Die Pest. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges schleppen Ratten diese Seuche nach Oran ein, und bei oberflächlicher Betrachtung könnte man meinen, Camus wolle hier lediglich die Katastrophe schildern, die jeder Stadt zu­stoßen kann. Aber es geht ihm um tiefere Probleme. Er stellt den Leser vor eine schwere Wahl: Entweder muß er dem Arzt zur Seite stehen und die Pest bekämpfen, wobei er — so sagt Camus — gleichzeitig Gott bekämpft; oder er kann sich auf die Seite des Priesters stellen, die Pest nicht bekämpfen und damit unmenschlich sein. Dies ist die Alternative: Vor diesem Dilemma stand Camus und stehen alle, die — wie er — die christliche Ant­wort nicht kennen.
Aber auch die moderne Theologie weist keinen Ausweg aus die­sem Dilemma. Ihre Anhänger landen immer wieder bei Camus‘ Problem und Baudelaires Aussage. Wenn sie von ihrer Position aus die Welt betrachten wie sie wirklich ist, muß ihnen ihre Ver­nunft sagen, daß Gott der Teufel ist. Weil sie aber mit dieser Schlußfolgerung nicht leben können, behaupten sie in blindem Glauben, Gott sei gut. Genau das sei — so sagen sie — »das Är­gernis des Kreuzes«: Wider allen äußeren Schein und wider alle Vernunft zu glauben, daß Gott gut ist. Hier müssen wir nach­drücklich widersprechen. Dies ist nicht das »Ärgernis des Kreu­zes«! Das wahre Ärgernis besteht darin, daß man das Evange­lium noch so klar und treu verkündigen kann und die Welt sich doch an einem bestimmten Punkt davon abwenden wird, weil sie sich gegen Gott auflehnt. Die Menschen lehnen das Evangelium nicht deshalb ab, weil es ihnen sinnlos erscheint, sondern weil sie sich nicht vor dem Gott beugen wollen, der wirklich da ist. Das ist das »Ärgernis des Kreuzes«.

Barth in Chicago

Ich arbeite derzeit an einem Buchprojekt für John Warwick Montgomery, das hoffentlich in diesem Jahr erscheinen wird. Bei der Auswertung und Erfassung einiger Aufzeichnungen von Professor Montgomery viel mir ein Text in die Hände, den ich – auch im Blick auf die Zeitgeistdebatte (vgl. Brauchen wir einen Kulturevangelikalismus? und Karl Barth und die Kontextualisierung) und die Barth-Renaissance in evangelikalen Kreisen (vgl. dazu das Interview von Guy Davies mit David Gibson, der zusammen mit Daniel Strangs die Publikation Engaging with Barth vorbereitet) – interessant finde.

Zum Text: J.W. Montgomery – ein Freund des 1984 verstorbenen Francis Schaeffer –, besuchte im Jahre 1962 eine Vortragsreihe von Karl Barth an der theologischen Fakultät der Universität von Chicago. Die Fakultät hatte sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts einem sozialgeschichtlichen Ansatz verschrieben und berief 1962 noch einmal Paul Tillich, der dort seinen dritten Band der Systematischen Theologie fertigstellte. Die neo-orthodoxe Theologie von Barth passte überhaupt nicht zur Ausrichtung der Universität und so erwarteten zahlreiche Gelehrte gespannt das Erscheinen des Schweizer Theologen, der damals bereits betagte 75 Jahre alt war.

Der Verfasser erteilte mir freundlicher Weise die Genehmigung, den Bericht zu übersetzen und hier im Blog zu publizieren. Übersetzt hat den Artikel netter Weise Daniela Stöckel, die derzeit in England studiert. Vielen Dank!

Hier der Augenzeugenbericht von John Warwick Montgomery: Barth in Chicago.pdf

Das Buch der Mitte

Ich hoffe, irgendwann einmal eine Rezension zu Das Buch der Mitte (Basel: fontis Verlag, 2014) veröffentlichen zu können. Da ich das in diesem Jahr wegen anderer Verpflichtungen nicht mehr schaffe, will ich das Werk wenigstens kurz erwähnen. Das Buch der Mitte Vishal Mangalwadi 204004Der Autor Vishal Mangalwadi ist ein indischer Philosoph, der durch Gottes Gnade Christ geworden ist. Im Buch der Mitte erzählt er lebendig, was er auf seiner eigenen Suche nach der Wahrheit erlebt hat. Zugleich webt er viele anspruchsvolle Themen in seine Erzählungen ein. Er zeigt anhand zahlreicher Beispiele, welch prägende Kraft die Bibel bei der Entstehung und Entwicklung Europas gehabt hat. Das Buch liest sich, was wir der Erzählweise des Autors und der guten Übersetzungsarbeit verdanken, sehr eingängig. Damit wir mal einen Eindruck bekommen, ein Beispiel. Zur Entstehung der unabhängigen Justiz schreibt Mangalwadi (S. 474–475):

Das Buch des Theologen Theodor von Beza (1519-1605) De iure magistratuum (dt. Über das Recht der Obrigkeiten) wurde 1573 veröffentlicht, ein Jahr nach Hotmans Buch und in Absprache mit ihm. Sein großes Thema ist die Unabhängigkeit der Justiz; es zählt zu den Originalquellen des Gedankens von der Unverletzlichkeit der Menschenrechte, der 200 Jahre später in der amerikanischen Bill of Rights (zehn Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten) Ausdruck fand. Vor Beza war in Europa allgemeiner intellektueller Konsens -vorgetragen von angesehenen Denkern wie Thomas von Aquin -, dass Könige nur von höherrangigen Personen, also entweder vom Kaiser oder vom Papst, abgesetzt werden konnten. Beza hingegen schuf eine biblische Basis dafür, dass die politische Macht in die Hände der rangniederen Beamten gelegt wurde, in die Hände der Richter. Er vertrat die Ansicht, die Richter und Beamten ständen nicht im Dienst des Königs, sondern seines Reiches. Folglich sei ihre vorrangige Aufgabe nicht, dem König zu dienen, sondern sich für das Wohl des Königreichs einzusetzen. Die amerikanische Idee des Amtsenthebungsverfahrens, wonach der Präsident vom Kongress angeklagt und seines Amtes enthoben werden kann, kommt aus Bezas Buch. Beza baute seine These auf der Aussage Hotmans auf, «… dass ein Volk auch ohne König existieren kann, während man sich einen König ohne Volk noch nicht einmal vorstellen kann».15 Aus Gottes Sicht geht es immer in erster Linie um das Volk. Gott knüpfte die Ämter von Königen und Obrigkeiten an klare Bedingungen – unter anderem an die Verpflichtung, dem Volk zu dienen. Gesetzt den Fall, ein König erteilte einen unrechtmäßigen Auftrag, einen unschuldigen Bürger zu töten, dann hätten die Richter das Recht und die Pflicht, dem König den Gehorsam zu verweigern, um Gott zu gehorchen und das Volk zu schützen. Der König sei wie ein Vasall seines Königreiches. Wenn er das Vertrauen missbrauche, habe er sein Amt verwirkt. Darüber hinaus, so argumentierte Beza auf der Basis der Konzile von Basel und Konstanz, hätten die Konzile auch das Recht, einen Papst abzusetzen, da Christus das wahre Oberhaupt der Kirche sei und nicht der Papst. Dieser bahnbrechende Gedanke protestantischer Ethik führte später dazu, dass die Unfehlbarkeit der Päpste hinterfragt wurde. Westliche Gelehrte mögen die grundlegende Rolle Bezas für die Prägung des politischen Denkens in Europa ignorieren, dennoch profitieren alle im Westen von seinem Erbe – dem Prinzip der unabhängigen Justiz.

Leser, die mit den Büchern von Francis Schaeffer vertraut sind, werden schnell merken, dass Mangalwadi in einem verwandten Geiste schreibt. Tatsächlich ist Mangalwadi von Schaeffer und von L’abri geprägt. Ranald Macaulay, Schwiegersohn von Edith und Francis Schaeffer, schreibt denn auch über das Buch: „Seit dem Buch von Francis SchaefferWie können wir denn leben?  wurde uns keine solch übersichtliche und weitreichende Entfaltung der Probleme unseres globalen Gemeinwesens mehr nahegebracht.“ Mangalwadi steht für eine biblisch fundierte „transformative Theologie“, die sich von ideologisch aufgeladenen „Theologien der Hoffnung“ erfrischend absetzt und die Zentralität von Bibel und Evangelium betont. Der Verlag schreibt über das Buch:

Als Buch der Bücher wurde die Bibel aus der Mitte gedrängt. Sola scriptura – «allein die Schrift», lehrte einst Martin Luther. Aber die Reformation ist lange her, und längst haben andere Kräfte ihren Alleinstellungsanspruch in den Ring geworfen. Dieser Verlust der Mitte ist heute mit Händen zu greifen. Vishal Mangalwadi hat genau das großartig dokumentiert. Vor allem aber konzentriert er sich auf die Epochen der Gravitationskraft der Bibel, die über Jahrhunderte hinweg immer wieder Menschen inspirierte und Kultur erschuf. Ob Menschenrechte, technologischer Fortschritt, Musik, Architektur oder Demokratie-Entwicklung: Immer stand die kulturprägende Kraft der Bibel jenen Menschen zur Seite, die die Welt mit neuen Innovationen beschenkten. «Das Buch der Mitte» ist das seltene und glückliche Zusammenkommen von lebendiger Erzählung, nüchterner Beweisführung und überraschenden Einsichten, die uns den Schatz der Bibel wieder vor Augen führen und zerrissene Landkarten wieder zusammensetzen. Ein Muss für sprachfähige Christen.

Ich kann mich dem Votum nur anschließen. Ein herzliches Dankeschön an den Verlag fontis und die Übersetzer dafür, dass sie das recht umfängliche Projekt mit über 600 Seiten in Angriff genommen haben! Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung. Vielleicht sucht der ein oder andere ja noch ein Geschenk für das Weihnachtsfest? Das Buch der Mitte ist ein wunderbares Präsent für Menschen, die auf der Suche sind. Es hilft darüber hinaus Zweiflern oder Verantwortlichen in der Jugend- und Studentenarbeit. Profitieren werden auch Christen, die sich von Kunst und Kreativität angezogen fühlen und in ihrem Umfeld wenig Verständnis dafür ernten. Pastoren können von dem Buch ebenfalls einen Nutzen ziehen, macht der Autor doch deutlich, wie wichtig die Botschaft der Heiligen Schrift für das gesamte Leben ist. Abschließend noch ein kurzes Video, indem Vishal Mangalwadi sein Buch vorstellt:

Zehn Anliegen, die Francis Schaffer mit ins Grab nahm

51lxk2nEgNL SX333 BO1 204 203 200Das kurz vor seinem Tod im Jahre 1984 verfasste Buch Die große Anpassung (eng. The Great Evangelical Desaster) lenkte die Aufmerksamkeit auf verschiedene Anliegen, die dem protestantischen Denker schwer auf dem Herzen lagen, bevor er in die Herrlichkeit einging.

Liest man Francis Schaeffers Buch drei Jahrzehnte später, mutet es beinahe prophetisch an: Der amerikanische Lehrer, der in der Schweiz lebte, wies gezielt auf wichtige Themen hin, die die evangelikale Welt von heute vor schwere Prüfungen stellen.

Ich möchte in diesem Artikel auf zehn wichtige Befürchtungen hinweisen, die Schaeffer mit ins Grab nahm und die auch uns heute, die wir uns mit dem evangeliumszentrierten, in der Reformation verwurzelten, protestantischen Glauben identifizieren, schwer auf dem Herzen liegen sollten.

1 Der wachsende Relativismus

Der Relativismus verdankt seine Entstehung der säkularen Aufklärung mit ihrem Augenmerk auf die Selbstbestimmung des Menschen. Nicht länger machte Gott die Regeln, nicht länger hatte Gott das Sagen, es war der Mensch, der von nun an vorgab, was gut und wahr, was schlecht und falsch war. Bereiche wie die der Ethik und Erkenntnistheorie wurden von einer unermesslichen Leidenschaft für Egoismus und Eigeninteresse aufgesogen. Die Öffentlichkeit verwarf das unfehlbare und irrtumslose Wort Gottes. Es folgte nichts, das seinen Platz hätte einnehmen können – es folgten menschliche Erdichtungen.

Schaeffer erkannte: Eine Kirche, die auf dem sandigen Grund des Relativismus erbaut ist, hatte dem Frontalangriff der gefallenen Vernunft nichts entgegenzusetzen. Nur die nicht verhandelbaren absoluten Maßstäbe der Schrift versetzten die Kirche in die Lage, den rechten Kampf zu kämpfen. Es war dieser feste Blick auf die absoluten Maßstäbe, „der es der frühen Kirche ermöglichte, dem Druck des Römischen Imperiums zu widerstehen“ (S. 66). Eine relativistische Kirche hat einer sündigen Kultur nichts zu sagen.

2 Disziplinlosigkeit

Angesichts des heidnischen Relativismus in unserer postmodernen Gesellschaft sind viele Gemeinden in die Falle der Verharmlosung christlicher Lehren (Absoluta) getappt, indem sie falschen Lehrern nicht entschieden entgegengetreten sind. Schaeffer hielt diese Disziplinlosigkeit der Kirche für den eigentlichen Nährboden der Irrlehrer. Genau dieser Mangel führte Anfang des 20. Jahrhundert unter den Presbyterianern in den USA zum Siegeszug der liberalen Theologie.

Schaffer ist hier sehr deutlich: „Die treuen Diener der Kirche hatten es versäumt, in konsequenter Weise Gemeindezucht zu üben“ (S. 113). Ohne Gemeindezucht und konfessionelle Disziplin aus Gründen der Lehre bleibt die Kirche vor dem Ansturm der Lawinen falscher Lehren ungeschützt. Daher schlug er vor: „Deshalb bedeutet das Ausleben der Reinheit der Kirche zuerst einmal Gemeindezucht an denen, die keine eindeutige Position in bezug auf die Lehre der Bibel vertreten“ (S. 114).

Weiter schreibt er: „Immer da, wo man sich von der historischen Auffassung über die Bibel und vom Gehorsam gegenüber Gottes Wort entfernt, müssen diejenigen, die solche Ansichten vertreten, unter Gemeindezucht gestellt werden“ (S. 117). Nur eine Hochschätzung der Heiligen Schrift könnte die Wiedereinführung der biblischen Disziplinierung rechtfertigen. Wie soll sich eine Gemeinde an die gesunde Lehre halten, wenn man sich mit ihren Mitarbeitern, die es mit der Lehre nicht so genau nehmen, nicht auseinandersetzt?

3 Kompromissbereitschaft

Vom Christen, so Schaeffer, darf erwartet werden, dass er sich für die Wahrheit einsetzt. Das traurige Merkmal seiner eigenen Zeit war ein ständiges Suchen nach Kompromissen an allen Fronten, sei es in Lehre oder Praxis. Schaffer war bestürzt darüber, wie viele Diener des Herrn nicht länger gewillt waren, die Gesellschaft mit der Wahrheit Gottes zu konfrontieren. Ein solcher Geist der Gleichgültigkeit führte die Kirche den rutschigen Weg hinab in die Abtrünnigkeit.

Schaeffer sagt: „Die Wahrheit bringt Konfrontation mit sich. Die Wahrheit verlangt nach Konfrontation, zwar liebevoller Konfrontation, aber immer noch Konfrontation. Wenn unsere Reflexhandlungen immer zur Anpassung tendieren und wir uns nicht bewußt werden, daß es hier doch um die zentrale Wahrheit geht, dann ist irgend etwas falsch“ (S. 86). Ohne tief empfundene Treue gegenüber dem Wahrheitsanspruch der Schrift, wie man sie etwa bei theologischen Riesen wie B. B. Warfield (1851–1921), James Orr (1844–1913) und J. Gresham Machen (1881–1937) beobachten konnte, wird die evangelikale Welt nicht in der Lage sein, ihre Kinder auf das vorzubereiten, was die kommenden dunklen Tage mit sich bringen werden.

4 Sozialarbeit

Statt sich auf das Evangelium zu konzentrieren, haben viele evangelikale Glaubensgemeinschaften eine liberale Richtung eingeschlagen und verwechseln „das Reich Gottes mit einem sozialistischen Programm“ (S. 141). Schaeffer leugnete keineswegs die Wichtigkeit, Unterdrückten zu helfen, machte sich aber große Sorgen darüber, wie viele leitende Gemeindemitglieder ihre Weltsicht auf marxistische Lehren, statt auf die Heilige Schrift, gründeten.

Die Sünde war Schaeffers Ansicht nach nicht auf ungerechte gesellschaftliche Umstände zurückzuführen, sondern auf die innere Bosheit des Menschen. Gottlosigkeit gibt es unter Armen und Reichen. Die Vorstellung, der Mensch könne sich selbst verbessern, stammt nicht aus der Heiligen Schrift, sondern aus dem gefallenen, menschenzentrierten Gedankengut der säkularen Aufklärung. Gerade in Ländern, in denen die politische Welt von kommunistischen Prinzipien regiert wurde, waren die Ergebnisse verheerend. Millionen Menschen wurden auf dem Altar des Sozialismus geopfert. Deshalb witzelte Schaeffer: „Die Antwort liegt nicht in einem sozialistischem Programm“ (S. 145). Freilich muss sich die Kirche um die Armen kümmern, sie muss aber Prioritäten setzen und die Verkündigung zur Vergebung der Sünden durch den Herrn Jesus Christus priorisieren.

5 Die Verlockung der Ökumene

Der Aufruf des Weltkirchenrats (WCC) zur ökumenischen Einheit beunruhigte Schaeffer zutiefst. Es gab im Weltkirchenrat pro-marxistische Tendenzen und es fehlte der ökumenischen Bewegung eine theologische Standfestigkeit. Aus Liebe zur kirchlichen Einheit wurde jeglicher unbiblischen theologischen Fantasterei Tür und Tor geöffnet; so lehnte etwa Dorothee Sölle (1929–2003) den Herrn der Schrift ab; der „himmlische Vater“ wurde zur „himmlischen Mutter“ umfunktioniert, nichtchristliche Religionen wurden als Zugang zum Göttlichen besungen usw. (vgl. S. 158–159).

Das war nichts anderes als falsche Prophetie. Der Weltkirchenrat wurde zum theologischen Giftquell: es war ein „anderes Evangelium“, nein, es war gar kein Evangelium. Nur das Festhalten an einer unfehlbaren und irrtumslosen Bibel kann dieses Kartenhaus des Weltkirchenrats einstürzen lassen.

6 Abtreibung

Statt bei weit verbreiteten und beschönigenden Umschreibungen Zuflucht zu nehmen („Lebensqualität“ oder „Glück und Wohlbefinden der Mutter“ oder „Jedes Kind muss auch gewollt sein“), war Schaeffer überzeugt: Abtreibung ist schlicht das Ergebnis einer wiederbelebten hedonistischen Haltung; das Wohlbefinden des Einzelnen steht demnach sogar über dem heiligen Respekt vor dem menschlichen Leben. Er konnte nicht verstehen, wie jemand den Namen Christi bekennen und gleichzeitig in einer Konfession verbleiben konnte, die die Abtreibung befürwortete.

Abtreibung ist und bleibt ein offener Angriff auf das kostbare Bild Gottes, das durch die Menschheit bekannt gemacht wird. „Das ungeborene Kind ist ein menschliches Wesen, das nach dem Bilde Gottes geschaffen worden ist, und dieses zu verleugnen heißt, die Autorität der Bibel zu verleugnen. Man kann unmöglich den 139. Psalm lesen und seinen Aussagen wirklich glauben, ohne zu erkennen, daß das Leben im Mutterleib wirklich schon menschliches Leben ist. Es ist unmöglich, wirklich an die Inkarnation zu glauben, ohne zu erkennen, daß das durch den Heiligen Geist von Maria empfangene Kind in der Tat vom Zeitpunkt der Empfängnis an Gottes Sohn war“ (S. 139–140).

7 Liberalismus

Die Frucht des theologischen Liberalismus hat viele ehemals intakte Gemeinden aller geistlichen Kraft beraubt. Der Modernismus, beeinflusst von der aus Deutschland stammenden historisch-kritischen Arbeitsweise, hatte die Kardinallehren der säkularen Aufklärung im Namen Christi einfach „getauft“. Was aber zog ein solches Vorgehen nach sich? Schaeffer zählt hier auf: die „Verneinung des Übernatürlichen –, durchdrungen vom Glauben an die allumfassende Fähigkeit der menschlichen Vernunft“, die „Zurückweisung des Sündenfalls“, die „Verneinung der Göttlichkeit Jesu Christi und seiner Auferstehung“, den „Glauben an die Fähigkeit des Menschen, sich selber zu vervollkommnen“, den „Willen, die Botschaft der Bibel zu zersetzen“  (S. 49).

Liberale Prediger wie der gefeierte Harry Emerson Fosdick (1878–1969) konnten sich in ihrer Predigt nicht mehr auf die Autorität der Bibel berufen. Der säkulare Humanismus trat ins Zentrum; eine Lehre, die das Hauptaugenmerk nicht auf den Menschen richtete, wurde zwangsläufig ins Abseits gedrängt. Anstatt, dass die Kirche Einfluss nahm auf die Welt, übernahm die Welt mit ihrem evangeliumsverleugnendem Verständnis die Zügel der Kirche.

8 Hedonismus

Hedonismus ist die Vorstellung, wonach der Sinn des Lebens im Grunde das Glück, das Vergnügen und das momentane Wohlbefinden des Menschen bedeutet. Diese hedonistische Stoßrichtung drängte die gegenwärtige Gesellschaft dazu, die christliche Moral im Namen der Selbstverwirklichung aufzugeben.

Schaeffer war darüber aufgebracht, dass das persönliche Wohlergehen mehr und mehr den Vorrang über das Leben erhielt, wie das etwa bei der Abtreibungsfrage der Fall ist: „Wir sind umgeben von einer Gesellschaft ohne feste Maßstäbe“, schreibt er, „einer Gesellschaft, die alles toleriert. Alles wird psychologisch abgekanzelt oder wegerklärt. Es gibt kein ‚richtig‘ und ‚falsch‘ mehr. Wie es mit dem ‚Wohlbefinden‘ der Mutter gegen das menschliche Leben steht, so wird auch alles, was sich dem ‚Wohlbefinden’ des einzelnen oder der Gesellschaft in den Weg stellt, beseitigt“ [dieses Zitat fehlt in der dt. Ausgabe, in der engl. Ausgabe zu finden auf S. 63; R. K.].

Das selbstsüchtige und unmoralische Wesen des Hedonismus war eine echte Gefahr für die Kirche in Schaeffers Tagen. Das hat sich in unserer Generation nicht geändert. Mancherorts ist die Kirche mehr um ihre „Kundenzufriedenheit“ besorgt als um die wahre Anbetung des dreieinigen Gottes.

9 Der Verlust der Offenbarung

Schaeffer beharrte auf der Notwendigkeit einer hohen Sicht der propositionalen Offenbarung für das geistige und akademische Wohlergehen des zeitgenössischen Protestantismus. Gott, der Schöpfer aller Dinge (auch der Sprache!), existiert und es ist nur natürlich, wenn er sich des Mittels der Sprache bedient, um der Welt seinen Willen anhand klarer Aussagen mitzuteilen.

Francis Schaeffer legte die Betonung nicht auf die subjektiven religiösen Erfahrungen des Gläubigen, sondern auf den objektiven Offenbarungsgehalt der Bibel. Die Erfahrung ist in dem Maße nützlich, wie sie sich an der Lehre der Bibel orientiert. „Worin besteht dieses Fundament?“, fragt Schaeffer. Er antwortet: „Es besteht darin, daß der unendlich-persönliche Gott, der wirklich lebt, nicht geschwiegen hat, sondern lehrsatzmäßige Wahrheit [engl. „propositional truth“; R. K.] in bezug auf alles, was die Bibel lehrt, ausgesprochen hat“ (S. 80–81). Lass die Offenbarung, die sich in klaren Aussagesätzen artikuliert, weg, und die Grundlage des Christentums ist aufgegeben!

10 Die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift

„Wir haben die unfehlbare Bibel“ (S. 86; [im Engl. „inerrant Scripture“, besser mit „irrtumslose Schrift“ zu übersetzen; R. K.]). Ein letztes und wichtiges Anliegen, das sich durch Schaeffers ganzes Buch zieht, ist die Sache der Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift. Schaeffer war bestürzt, dass Evangelikale aus den eigenen Reihen die volle Inspiration der Schrift mit der Behauptung infrage stellten, die Bibel könne durchaus geographische und geschichtliche Irrtümer enthalten, auch wenn ihre Lehre zu Glaube und Moral (meistens) wahr sei. So etwa dachten die neo-orthodoxen Theologen Karl Barth (1986–1968) oder Emil Brunner (1889–1966).

Schaeffer lehnte diese Sichtweise rundweg ab: Die Bibel „ist nicht nur dann unfehlbar [engl. „without error“; R. K.], wenn sie von Werten, dem Bedeutungssystem und religiösen Dingen spricht, sondern auch dann, wenn sie von der Geschichte und dem Kosmos spricht“ (S. 77). Der Amerikaner zielte damit auf die Sicht: Die Bibel ist voll und ganz Gottes Wort. Was Schaeffer betrifft, war eine irrtumsbehaftete Bibel – selbst wenn diese Irrtümer sich nur auf Wissenschaft und Geschichte bezögen – niemals unfehlbar. Unfehlbarkeit [engl. „infallibility“; R. K.] bedingt Irrtumslosigkeit (und umgekehrt).

Obwohl Barth, Brunner und eine Reihe Theologen-Kollegen Anfang des 20. Jahrhunderts eine antiliberale Revolution auf den Weg brachten, war Schaeffer weit davon entfernt, sich mit deren Neo-Orthodoxie zufriedenzugeben. Die Hauptsorge des Amerikaners war deren offenkundiger Verzicht, die Heilige Schrift voll und ganz als Wort Gottes zu betrachten, was auf einen übermäßig subjektiven Ansatz ihrer Theologie zurückzuführen war. Statt zu sagen, die Bibel „enthalte“ das Wort Gottes oder „werde“ zum Wort Gottes, etwa durch die existenzielle Begegnung mit dem auferstandenen Christus, war Schaeffer in dieser Hinsicht streng. Echter Evangelikalismus bekennt: Die Bibel ist „objektive, absolute Wahrheit auf allen Gebieten, die sie anspricht“ (S. 74).

Zusammenfassung

Schaeffers zehn Anliegen können zurückverfolgt werden in die [säkulare; R. K.] Aufklärung, in jene Zeit also, in der der Mensch seine „autonome“ Vernunft über und gegen die verbindliche Offenbarung Gottes in der Bibel stellte.

Es scheint, als stehe die evangelikale Welt heute vor derselben Entscheidung wie die Christen damals: Soll Gottes Wort oder das Gedankengut der gefallenen Menschheit unser Denken und unsere Praxis bestimmen? Wäre Schaeffer heute noch unter uns, hätte er zweifelsfrei für die erste Option gestimmt. Wie steht es mit Ihnen?

Will Graham

– – –

Der Artikel erschien zuerst bei EvangelicalFocus. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt wurde der Beitrag von Ivo Carobbio. Die Zitate sind entommen: Francis A. Schaeffer, Die grosse Anpassung: Der Zeitgeist und die Evangelikalen, Asslar: Schulte u. Gerth, 1988. Das Buch ist als Sonderausgabe lieferbar.

Der Artikel kann hier im PDF-Format heruntergeladen werden: SchaeffersSorgen.pdf.

[asa]3893972668[/asa]

Viele junge Zweifler verlassen die Gemeinden

Die Zahl der »Nicht-Religiösen« hat sich in den USA innerhalb von zwanzig Jahren fast verdoppelt. Wahrscheinlich 70 Prozent der Jugendlichen verlassen ihre Gemeinden im Alter von 18 bis 22. Drew Dyck hat für CT einen Artikel über diesen Trend geschrieben und darin erste Antworten formuliert. Oft sind es unausgesprochene oder unbeantwortete Zweifel, die Jugendliche zur Ablehnung des christlichen Glaubens drängen.

At the 2008 American Sociological Association meeting, scholars from the University of Connecticut and Oregon State University reported that „the most frequently mentioned role of Christians in de-conversion was in amplifying existing doubt.“ De-converts reported „sharing their burgeoning doubts with a Christian friend or family member only to receive trite, unhelpful answers.“

Churches often lack the appropriate resources. We have programs geared for gender- and age-groups and for those struggling with addictions or exploring the faith. But there’s precious little for Christians struggling with the faith. But two recent books suggest this may be changing: Essential Church? Reclaiming a Generation of Dropouts, by Thom and Sam Rainer, and Lost and Found: The Younger Unchurched and the Churches That Reach Them, by Ed Stetzer. Both of these equip churches to reach disaffected people.

The answer, of course, lies in more than offering another program. Nor should we overestimate the efficacy of slicker services or edgy outreach. Only with prayer and thoughtful engagement will at least some of the current exodus be stemmed.

One place to begin is by rethinking how we minister to those from youth to old age. There’s nothing wrong with pizza and video games, nor with seeker-sensitive services, nor with low-commitment small groups that introduce people to the Christian faith. But these cannot replace serious programs of discipleship and catechism. The temptation to wander from the faith is not a new one. The apostle Paul exhorted the church at Ephesus to strive to mature every believer, so that „we may no longer be children, tossed to and fro by the waves and carried about by every wind of doctrine, by human cunning, by craftiness in deceitful schemes“ (Eph. 4:14, ESV).

Es gilt immer noch, was Francis Schaeffer vor fünfzig Jahren forderte: Wir brauchen ehrliche Antworten auf ehrliche Fragen. Und es gibt einen großen Bedarf an solider biblischer Unterweisung in der Kinder- und Jugendarbeit!

Hier: www.christianitytoday.com.

Stephen Nichols: Das Wirken von J. Gresham Machen

J.G.Machen.jpgJ.G. Machen (1881–1937) gehört zu den einflussreichen Theologen des frühen 20. Jahrhunderts. Er studierte an der Johns Hopkins University, der Princeton University und am Princeton Seminary und anschließend in Marburg und Göttingen, wo er herausragende Lehrer der liberalen Theologie wie Wilhelm Herrmann hörte. Von 1915 bis 1929 war er Professor für Neues Testament am Princeton Theological Seminary. Wegen des dort einziehenden Liberalismus gründete er das Westminster Theological Seminary in Philadelphia und wurde zu einer prägenden Gestalt des reformierten Christentums in Nordamerika.

In Werken wie The Origin of Paul’s Religion (1920), Christianity and Liberalism (1923, dt. kürzlich erschienen bei 3L-Verlag  und The Virgin Birth of Christ (1930) verteidigte er die traditionelle christliche Lehre gegen den Modernismus. Wegen seiner konservativen Theologie geriet er in der Presbyterianische Kirche immer mehr unter Druck, so dass unter seiner Mitwirkung 1936 die Orthodoxe presbyterianische Kirche entstand.

Machen prägte viele evangelikale Leiterpersönlichkeiten und spielt eine maßgebliche Rolle bei der Wiederentdeckung der Schriftautorität Anfang des letzten Jahrhunderts. Zu seinen bekanntesten Studenten zählt Francis Schaeffer.

Dr. Stephen Nichols von Ligonier Ministries hat auf der Evangelium21-Konferenz 2016 in Hamburg Leben und Werk von J.G. Machen vorgestellt und auf erstaunliche Parallelen zu den theologischen Herausforderungen unserer Zeit hingewiesen.

Hier der Vortrag, übersetzt von Kai Soltau:

Fire in the Streets

Hanniel hat das Buch Fire in the Streets von Douglas Groothius gelesen. Es geht um die Kritische Rassentheorie. Hier ein Auszug:

Es wird die Aufgabe der Verkündigung innerhalb der nächsten Jahre zu sein, die biblischen Grundkategorien auf die aktuellen Fragen der Zeit anzuwenden. Dazu gehören:

  • Wahre moralische Schuld (Francis Schaeffer, zit. 30): Alle Menschen sind durch wahre moralische Schuld von Gott getrennt.
  • Versöhnung (32f): Die Wiederherstellung des Bruchs durch die wahre moralische Schuld geschieht durch Rechtfertigung von göttlicher Seite. Selbstversöhnung und Selbstrechtfertigung sind unzureichende, unmögliche menschliche Versuche.
  • Anbetung (36): Wenn jemand vor einem anderen Sterblichen niederkniet, kommt dies falscher Anbetung aufgrund von Selbsthass gleich.
  • Bundesschluss (43): Ein (nationaler) Bundesschluss wird mit dem Bewusstsein der Ehre und Verpflichtung gegenüber der transzendenten Realität geschlossen und verfügt über bindende moralische Kraft für alle Bürger.
  • Vaterlandsliebe (56): Qualifizierter Patriotismus dient dem Gemeinwohl. Gott hat uns als Bürger und Mitglieder einer Kirchgemeinde als handelnde Wesen in die Geschichte hineingestellt.
  • Rassismus (64): Individuen, die abwertende Überzeugungen und negative Emotionen über Mitglieder ausserhalb ihrer eigenen Rasse hegen und pflegen
  • Ideologie (88): Eine engstirnige und illegitime, von Eigeninteressen geleitete Sichtweise, die weder rational noch wahr sein kann;

Deshalb sind aus christlicher Sicht abzulehnen:

  • Vergangene Diskriminierung durch gegenwärtige Diskriminierung zu bekämpfen (61)
  • Unqualifizierter Egalitarismus: Er führt zu grassierender Ungleichheit (vgl. 62)
  • Pauschale Schuldzuweisung für sozio-ökonomische Ungleichheiten (66)
  • Standpunkttheorie: Menschen innerhalb einer Gruppe können sich nicht über ihren sozial konditionierten Standpunkt hinausbewegen (vgl. 76)
  • Weisse Menschen sind schwarzen gegenüber minderwertig (77)
  • Zugang zu Institutionen und Stellen nur aufgrund von Gruppenzugehörigkeiten (80)
  • Eine Sicht, die Diskussionen über andere Standpunkte ausser dem eigenen revolutionären ausschliesst (91)

Hier: hanniel.ch.

[asa]B09NL8QH7Z[/asa]

Narrenrede

 

Leseplatz narrenrede os guinness 271967000_1920x1920.

 

Os Guinness, der die Zuschauer durch die hier bereits empfohlene Dokumentation Truth Rising führt, hat im Jahr das Buch Fool’s Talk veröffentlicht. Das Buch ist nun endlich beim Verlag CV als Narrenrede: Die Wiederentdeckung christlicher Überzeugungskunst erschienen.

Carsten Polanz schreibt in seinem Geleitwort zur deutschsprachigen Ausgabe:

Das Buch eignet sich sehr gut als Impulsgeber für tiefgehende und wegweisende Gespräche in unseren Kirchen, Gemeinden und Netzwerken über die Zukunft von Evangelisation und Apologetik. Selbstverständlich müssen wir dem Autor dabei nicht in allem folgen, sollten uns aber auch nicht wertvoller Einsichten und weg- weisender Anregungen selbst berauben, indem wir uns an einzelnen Beispielen und Zuspitzungen stoßen. In Gesprächsrunden können wir dann auch manches weiterdenken – auch die zentrale Rolle, die eine gelebte christliche Gastfreundschaft bei einem tiefgreifenden Sinneswandel glaubensferner Menschen aller sozialen Milieus und Bildungsschichten spielen kann. Guinness’ eigener Mentor Francis Schaeffer hat hier gern von der „finalen Apologetik“ gesprochen (siehe Joh 13,35) – mit Blick auf die von Nichtchristen erfahrbare Liebe in keineswegs vollkommenen, aber durch das Evangelium versöhnt lebenden Gemeinschaften von Nachfolgern Jesu.

Die Lektüre dieses Buches wird sich auf jeden Fall lohnen – nicht nur für christliche Verantwortungsträger, Theologiestudenten und Bibelschüler, die sich in ihren Gesprächsversuchen schon öfter in entmutigenden Sackgassen oder bedrückender Sprachlosigkeit wiedergefunden haben. Es wird auch Sie auf vielfältige Weise dazu motivieren, Gott in Abhängigkeit von seiner Gnade und Weisheit mutiger und kreativer in einer zunehmend pluralistischen und zugleich in weiten Teilen religiös indifferenten Gesellschaft zu bezeugen.

Sehe ich auch so.

Hier eine Leseprobe: leseplatz-narrenrede-os-guinness-271967000-leseprobe.pdf. Bestellt werden kann das Buch hier [#ad].

Die Rettung vor dem Gericht

Francis Schaeffer (Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S .54–55):

Wie sieht nun diese Lösung aus? Paulus sagt, es gebe für den Menschen ohne Bibel und den Menschen mit Bibel dieselbe Lösung. Er nennt uns eine erstaunliche Lösung für das Problem des Menschen. Sie erscheint uns nur dann nicht erstaunlich, wenn wir sie so oft gehört haben, daß wir einfach nicht mehr hinhören. Wenn Sie sich aber einmal in die Lage versetzen könnten, Sie würden mit dieser Antwort plötzlich zum erstenmal konfrontiert, würden also nicht sofort abschalten, weil Sie die evangelikale Phraseologie so gut kennen, sondern wären einmal wirklich gepackt von der Größe der Lösung Gottes für das wirkliche Dilemma, die wahre Schuld des Menschen, dann würden Sie einsehen, daß das Wort »erstaunlich« nicht übertrieben ist.

»Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; es ist ja eine Gotteskraft (das griechische Wort lautet dynamis, das Dynamit Gottes, die explosive Kraft Gottes) zum Heil für jeden, der glaubt, zunächst für den Juden und dann auch für den Griechen« (Rö 1,16). Paulus erweitert das in Rö 3, 23—26: »Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes«. Denken Sie daran, wen Paulus hier anspricht — die intellektuelle und kultivierte griechische und römische Welt. »Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes«. Im Griechischen ist das noch deutlicher — denn alle haben gesündigt (in der Vergangenheit), und sie ermangeln im Augenblick (in der Gegenwart) der Herrlichkeit Gottes. Aber sie werden »geschenkweise gerechtfertigt.«

Hier wird der Errettung keine humanistische Note hinzugefügt. Der Mensch versucht immer wieder der Erlösung seinen Humanismus zur Seite zu stellen. Ob es nun die Juden zur Zeit des Paulus waren, die klassische katholische Kirche mit ihrem Hinzufügen von Werken oder der moderne Theologe — immer ist es dasselbe. Stets versucht der Mensch, ein humanistisches Element in die Errettung hineinzuschmuggeln. Aber wo es um die Errettung des einzelnen geht, lehnt die Heilige Schrift jeden Humanismus ab. Der Mensch wird »aufgrund der Erlösung in Christus Jesus geschenkweise gerechtfertigt. Ihn hat Gott in seinem eigenen Blut als Sühnmal hingestellt durch den Glauben, um seine Gerechtigkeit zu erweisen. Die früher begangenen Sünden ließ er hingehen in der Zeit der Geduld Gottes, weil er seine Gerechtigkeit erweisen wollte in der jetzigen Zeit, auf daß er selbst gerecht sei und den gerecht mache, der aus dem Glauben an Jesus ist.«

Ingmar Bergman ist tot

bergmann.jpgAm 30. Juli verstarb Ingmar Bergman im Alter von 89 Jahren. Wie seine Schwester mitteilte, ist der große schwedische Filmregisseur in seinem Haus auf der Ostseeinsel Farö für immer eingeschlafen.

Bergman hat mit seinen Filmen »die Verzweiflung unserer Generation am deutlichsten dargestellt« schrieb der christliche Apologet Francis Schaeffer 1968. Mit Filmen wie Wilde Erdbeeren, Wie in einem Spiegel, Das Schweigen oder Szenen einer Ehe verstand es Bergman, die seelischen Abgründe und die Einsamkeit der modernen Menschen so eindrucksvoll darzustellen, dass man selbst heute noch beim Zuschauen physischen Schmerz empfinden kann. Wie kein anderer zeigte der Schwede, dass Menschen einander nicht selbstlos lieben können und zum Alleinsein verdammt scheinen.

Die ›Billigproduktion‹ Das Siebente Siegel (1957) mit Max von Sydow als Ritter Antonius Block in der Hauptrolle ist einer meiner Lieblingsfilme. Bergmann sagte über den Film: »Das Siegel ist einer der wenigen Filme, die meinem Herzen wirkliche nahestehen« (Bilder, S. 208). Weiter schrieb Bergman zum Film (Bilder, S. 208–209):

Damals lebte ich mit den welken Resten einer kindlichen Frömigkeit, einer völlig naiven Vorstellung von einer, wie man sie nennen könnte, außerirdischen Erlösung.

Zur gleichen Zeit manifestierte sich meine heutige Überzeugung: Der Mensch trägt seine eigene Heiligkeit, und sie ist irdisch, sie verfügt über keine außerirdischen Erklärungen. In meinem Film lebt also ein leidlich unneurotischer Rest einer aufrichtigen und kindlichen Frömmigkeit. Sie vereinigt sich friedlich mit einer schroffen, rationalen Auffassung der Wirklichkeit.

Das Siegel ist einer der absolut letzten Ausdrücke manifester Glaubensvorstellungen, Glaubensvorstellungen, die ich von meinem Vater geerbt und seit der Kindheit mit mir herumgetragen hatte.

Als ich das Siegel machte, waren Gebet und Fürbitte zentrale Realitäten meines Lebens. Das Verrichten eines Gebets war eine völlig natürliche Handlung.

Holger Lahayne hat in einem Artikel Bergmans Weg in den Unglauben nachgezeichnet.

– – –

Die Zitate entstammen: Ingmar Bergman, Bilder, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1991. Abbildung des Buchcovers mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch (der Titel ist nicht mehr lieferbar).

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner