Gott redet

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich saß in der Vorlesung eines bekannten liberalen Theologen, der darüber spekulierte, wie die Idee Gottes in unsere Welt gekommen sei. Er schloß logisch aus, dass Gott sich uns Menschen sprachlich mitteilen kann. Es fiel der Satz: „Gott kann nicht reden!“. Alles, was wir über Gott wissen, ist das Resultat menschlicher Überlegungen und insofern relativ und endlich. 

Gott kann nicht reden? Warum eigentlich nicht? Plausibel und wohltuend klingt, was Francis Schaeffer vor vielen Jahren dazu gesagt hat (Gott ist keine Illusion, 4. Aufl., 2021, S. 102):

Nach biblischer Lehre hat ein persönlicher Gott den Menschen in seinem Bild erschaffen, und von dieser Voraussetzung her ist die Behauptung, Gott habe sich dem Menschen in sprachlicher Form offenbart, kein Nonsens. Warum sollte er sich nicht in sprachlicher Form mitteilen, nachdem er den Menschen als ein Wesen geschaffen hat, das sich in seinem Denken und in der Kommunikation mit anderen Menschen der Sprache bedient? Hat Gott den Menschen wirklich in seinem Bild erschaffen, warum sollte er sich diesem sprechenden Wesen nicht in dieser Weise offenbaren? Kommunikation vollzöge sich dann auf drei Ebenen: Von Gott zum Menschen und umgekehrt; vom Menschen zum Mitmenschen; und vom Menschen zu sich selbst (im Denken). Natürlich kann man die Voraussetzung bestreiten, aber davon ausgehend ist unsere Behauptung weder widersprüchlich noch unsinnig. Unsinnig wird sie erst dann, wenn man voraussetzt, daß die ganze Welt ein geschlossenes System von Ursache und Wirkung ist. Wer daran festhält, daß Ursache und Wirkung niemals durchbrochen wird oder durchbrochen worden ist, der muß sich allerdings der Frage stellen, ob seine Auffassung wirklich allen uns bekannten Tatsachen gerecht wird.

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3 Kommentare
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Udo
4 Monate zuvor

Man kann diesem liberalen Theologen nur zustimmen Der Gott der liberalen Theologie ist in der Tat ein selbst konstruierter stummer Götze, der nichts mit dem redenden und sich offenbarenden Gott der Bibel zu tun hat.

Schandor
4 Monate zuvor

@Udo
Prädikat: Gut gebrüllt, Löwe!

Helge Beck
4 Monate zuvor

 „Unsinnig wird sie erst dann, wenn man voraussetzt, daß die ganze Welt ein geschlossenes System von Ursache und Wirkung ist.“

Die göttliche Offenbarung durch Sprache ist ebenfalls als ein geschlossenes System von Ursache und Wirkung zu betrachten, da Gott in diesem Fall als Ursache und die sprachliche Offenbarung als Wirkung angesehen wird. Die Argumentation des Autors scheint in diesem Punkt unklar oder inkonsistent zu sein.

Die Schlussfolgerung, dass die Idee einer göttlichen Offenbarung unsinnig wird, wenn man an ein geschlossenes System von Ursache und Wirkung glaubt, ist nicht zwangsläufig gültig.

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