Zehn Anliegen, die Francis Schaffer mit ins Grab nahm

51lxk2nEgNL SX333 BO1 204 203 200Das kurz vor seinem Tod im Jahre 1984 verfasste Buch Die große Anpassung (eng. The Great Evangelical Desaster) lenkte die Aufmerksamkeit auf verschiedene Anliegen, die dem protestantischen Denker schwer auf dem Herzen lagen, bevor er in die Herrlichkeit einging.

Liest man Francis Schaeffers Buch drei Jahrzehnte später, mutet es beinahe prophetisch an: Der amerikanische Lehrer, der in der Schweiz lebte, wies gezielt auf wichtige Themen hin, die die evangelikale Welt von heute vor schwere Prüfungen stellen.

Ich möchte in diesem Artikel auf zehn wichtige Befürchtungen hinweisen, die Schaeffer mit ins Grab nahm und die auch uns heute, die wir uns mit dem evangeliumszentrierten, in der Reformation verwurzelten, protestantischen Glauben identifizieren, schwer auf dem Herzen liegen sollten.

1 Der wachsende Relativismus

Der Relativismus verdankt seine Entstehung der säkularen Aufklärung mit ihrem Augenmerk auf die Selbstbestimmung des Menschen. Nicht länger machte Gott die Regeln, nicht länger hatte Gott das Sagen, es war der Mensch, der von nun an vorgab, was gut und wahr, was schlecht und falsch war. Bereiche wie die der Ethik und Erkenntnistheorie wurden von einer unermesslichen Leidenschaft für Egoismus und Eigeninteresse aufgesogen. Die Öffentlichkeit verwarf das unfehlbare und irrtumslose Wort Gottes. Es folgte nichts, das seinen Platz hätte einnehmen können – es folgten menschliche Erdichtungen.

Schaeffer erkannte: Eine Kirche, die auf dem sandigen Grund des Relativismus erbaut ist, hatte dem Frontalangriff der gefallenen Vernunft nichts entgegenzusetzen. Nur die nicht verhandelbaren absoluten Maßstäbe der Schrift versetzten die Kirche in die Lage, den rechten Kampf zu kämpfen. Es war dieser feste Blick auf die absoluten Maßstäbe, „der es der frühen Kirche ermöglichte, dem Druck des Römischen Imperiums zu widerstehen“ (S. 66). Eine relativistische Kirche hat einer sündigen Kultur nichts zu sagen.

2 Disziplinlosigkeit

Angesichts des heidnischen Relativismus in unserer postmodernen Gesellschaft sind viele Gemeinden in die Falle der Verharmlosung christlicher Lehren (Absoluta) getappt, indem sie falschen Lehrern nicht entschieden entgegengetreten sind. Schaeffer hielt diese Disziplinlosigkeit der Kirche für den eigentlichen Nährboden der Irrlehrer. Genau dieser Mangel führte Anfang des 20. Jahrhundert unter den Presbyterianern in den USA zum Siegeszug der liberalen Theologie.

Schaffer ist hier sehr deutlich: „Die treuen Diener der Kirche hatten es versäumt, in konsequenter Weise Gemeindezucht zu üben“ (S. 113). Ohne Gemeindezucht und konfessionelle Disziplin aus Gründen der Lehre bleibt die Kirche vor dem Ansturm der Lawinen falscher Lehren ungeschützt. Daher schlug er vor: „Deshalb bedeutet das Ausleben der Reinheit der Kirche zuerst einmal Gemeindezucht an denen, die keine eindeutige Position in bezug auf die Lehre der Bibel vertreten“ (S. 114).

Weiter schreibt er: „Immer da, wo man sich von der historischen Auffassung über die Bibel und vom Gehorsam gegenüber Gottes Wort entfernt, müssen diejenigen, die solche Ansichten vertreten, unter Gemeindezucht gestellt werden“ (S. 117). Nur eine Hochschätzung der Heiligen Schrift könnte die Wiedereinführung der biblischen Disziplinierung rechtfertigen. Wie soll sich eine Gemeinde an die gesunde Lehre halten, wenn man sich mit ihren Mitarbeitern, die es mit der Lehre nicht so genau nehmen, nicht auseinandersetzt?

3 Kompromissbereitschaft

Vom Christen, so Schaeffer, darf erwartet werden, dass er sich für die Wahrheit einsetzt. Das traurige Merkmal seiner eigenen Zeit war ein ständiges Suchen nach Kompromissen an allen Fronten, sei es in Lehre oder Praxis. Schaffer war bestürzt darüber, wie viele Diener des Herrn nicht länger gewillt waren, die Gesellschaft mit der Wahrheit Gottes zu konfrontieren. Ein solcher Geist der Gleichgültigkeit führte die Kirche den rutschigen Weg hinab in die Abtrünnigkeit.

Schaeffer sagt: „Die Wahrheit bringt Konfrontation mit sich. Die Wahrheit verlangt nach Konfrontation, zwar liebevoller Konfrontation, aber immer noch Konfrontation. Wenn unsere Reflexhandlungen immer zur Anpassung tendieren und wir uns nicht bewußt werden, daß es hier doch um die zentrale Wahrheit geht, dann ist irgend etwas falsch“ (S. 86). Ohne tief empfundene Treue gegenüber dem Wahrheitsanspruch der Schrift, wie man sie etwa bei theologischen Riesen wie B. B. Warfield (1851–1921), James Orr (1844–1913) und J. Gresham Machen (1881–1937) beobachten konnte, wird die evangelikale Welt nicht in der Lage sein, ihre Kinder auf das vorzubereiten, was die kommenden dunklen Tage mit sich bringen werden.

4 Sozialarbeit

Statt sich auf das Evangelium zu konzentrieren, haben viele evangelikale Glaubensgemeinschaften eine liberale Richtung eingeschlagen und verwechseln „das Reich Gottes mit einem sozialistischen Programm“ (S. 141). Schaeffer leugnete keineswegs die Wichtigkeit, Unterdrückten zu helfen, machte sich aber große Sorgen darüber, wie viele leitende Gemeindemitglieder ihre Weltsicht auf marxistische Lehren, statt auf die Heilige Schrift, gründeten.

Die Sünde war Schaeffers Ansicht nach nicht auf ungerechte gesellschaftliche Umstände zurückzuführen, sondern auf die innere Bosheit des Menschen. Gottlosigkeit gibt es unter Armen und Reichen. Die Vorstellung, der Mensch könne sich selbst verbessern, stammt nicht aus der Heiligen Schrift, sondern aus dem gefallenen, menschenzentrierten Gedankengut der säkularen Aufklärung. Gerade in Ländern, in denen die politische Welt von kommunistischen Prinzipien regiert wurde, waren die Ergebnisse verheerend. Millionen Menschen wurden auf dem Altar des Sozialismus geopfert. Deshalb witzelte Schaeffer: „Die Antwort liegt nicht in einem sozialistischem Programm“ (S. 145). Freilich muss sich die Kirche um die Armen kümmern, sie muss aber Prioritäten setzen und die Verkündigung zur Vergebung der Sünden durch den Herrn Jesus Christus priorisieren.

5 Die Verlockung der Ökumene

Der Aufruf des Weltkirchenrats (WCC) zur ökumenischen Einheit beunruhigte Schaeffer zutiefst. Es gab im Weltkirchenrat pro-marxistische Tendenzen und es fehlte der ökumenischen Bewegung eine theologische Standfestigkeit. Aus Liebe zur kirchlichen Einheit wurde jeglicher unbiblischen theologischen Fantasterei Tür und Tor geöffnet; so lehnte etwa Dorothee Sölle (1929–2003) den Herrn der Schrift ab; der „himmlische Vater“ wurde zur „himmlischen Mutter“ umfunktioniert, nichtchristliche Religionen wurden als Zugang zum Göttlichen besungen usw. (vgl. S. 158–159).

Das war nichts anderes als falsche Prophetie. Der Weltkirchenrat wurde zum theologischen Giftquell: es war ein „anderes Evangelium“, nein, es war gar kein Evangelium. Nur das Festhalten an einer unfehlbaren und irrtumslosen Bibel kann dieses Kartenhaus des Weltkirchenrats einstürzen lassen.

6 Abtreibung

Statt bei weit verbreiteten und beschönigenden Umschreibungen Zuflucht zu nehmen („Lebensqualität“ oder „Glück und Wohlbefinden der Mutter“ oder „Jedes Kind muss auch gewollt sein“), war Schaeffer überzeugt: Abtreibung ist schlicht das Ergebnis einer wiederbelebten hedonistischen Haltung; das Wohlbefinden des Einzelnen steht demnach sogar über dem heiligen Respekt vor dem menschlichen Leben. Er konnte nicht verstehen, wie jemand den Namen Christi bekennen und gleichzeitig in einer Konfession verbleiben konnte, die die Abtreibung befürwortete.

Abtreibung ist und bleibt ein offener Angriff auf das kostbare Bild Gottes, das durch die Menschheit bekannt gemacht wird. „Das ungeborene Kind ist ein menschliches Wesen, das nach dem Bilde Gottes geschaffen worden ist, und dieses zu verleugnen heißt, die Autorität der Bibel zu verleugnen. Man kann unmöglich den 139. Psalm lesen und seinen Aussagen wirklich glauben, ohne zu erkennen, daß das Leben im Mutterleib wirklich schon menschliches Leben ist. Es ist unmöglich, wirklich an die Inkarnation zu glauben, ohne zu erkennen, daß das durch den Heiligen Geist von Maria empfangene Kind in der Tat vom Zeitpunkt der Empfängnis an Gottes Sohn war“ (S. 139–140).

7 Liberalismus

Die Frucht des theologischen Liberalismus hat viele ehemals intakte Gemeinden aller geistlichen Kraft beraubt. Der Modernismus, beeinflusst von der aus Deutschland stammenden historisch-kritischen Arbeitsweise, hatte die Kardinallehren der säkularen Aufklärung im Namen Christi einfach „getauft“. Was aber zog ein solches Vorgehen nach sich? Schaeffer zählt hier auf: die „Verneinung des Übernatürlichen –, durchdrungen vom Glauben an die allumfassende Fähigkeit der menschlichen Vernunft“, die „Zurückweisung des Sündenfalls“, die „Verneinung der Göttlichkeit Jesu Christi und seiner Auferstehung“, den „Glauben an die Fähigkeit des Menschen, sich selber zu vervollkommnen“, den „Willen, die Botschaft der Bibel zu zersetzen“  (S. 49).

Liberale Prediger wie der gefeierte Harry Emerson Fosdick (1878–1969) konnten sich in ihrer Predigt nicht mehr auf die Autorität der Bibel berufen. Der säkulare Humanismus trat ins Zentrum; eine Lehre, die das Hauptaugenmerk nicht auf den Menschen richtete, wurde zwangsläufig ins Abseits gedrängt. Anstatt, dass die Kirche Einfluss nahm auf die Welt, übernahm die Welt mit ihrem evangeliumsverleugnendem Verständnis die Zügel der Kirche.

8 Hedonismus

Hedonismus ist die Vorstellung, wonach der Sinn des Lebens im Grunde das Glück, das Vergnügen und das momentane Wohlbefinden des Menschen bedeutet. Diese hedonistische Stoßrichtung drängte die gegenwärtige Gesellschaft dazu, die christliche Moral im Namen der Selbstverwirklichung aufzugeben.

Schaeffer war darüber aufgebracht, dass das persönliche Wohlergehen mehr und mehr den Vorrang über das Leben erhielt, wie das etwa bei der Abtreibungsfrage der Fall ist: „Wir sind umgeben von einer Gesellschaft ohne feste Maßstäbe“, schreibt er, „einer Gesellschaft, die alles toleriert. Alles wird psychologisch abgekanzelt oder wegerklärt. Es gibt kein ‚richtig‘ und ‚falsch‘ mehr. Wie es mit dem ‚Wohlbefinden‘ der Mutter gegen das menschliche Leben steht, so wird auch alles, was sich dem ‚Wohlbefinden’ des einzelnen oder der Gesellschaft in den Weg stellt, beseitigt“ [dieses Zitat fehlt in der dt. Ausgabe, in der engl. Ausgabe zu finden auf S. 63; R. K.].

Das selbstsüchtige und unmoralische Wesen des Hedonismus war eine echte Gefahr für die Kirche in Schaeffers Tagen. Das hat sich in unserer Generation nicht geändert. Mancherorts ist die Kirche mehr um ihre „Kundenzufriedenheit“ besorgt als um die wahre Anbetung des dreieinigen Gottes.

9 Der Verlust der Offenbarung

Schaeffer beharrte auf der Notwendigkeit einer hohen Sicht der propositionalen Offenbarung für das geistige und akademische Wohlergehen des zeitgenössischen Protestantismus. Gott, der Schöpfer aller Dinge (auch der Sprache!), existiert und es ist nur natürlich, wenn er sich des Mittels der Sprache bedient, um der Welt seinen Willen anhand klarer Aussagen mitzuteilen.

Francis Schaeffer legte die Betonung nicht auf die subjektiven religiösen Erfahrungen des Gläubigen, sondern auf den objektiven Offenbarungsgehalt der Bibel. Die Erfahrung ist in dem Maße nützlich, wie sie sich an der Lehre der Bibel orientiert. „Worin besteht dieses Fundament?“, fragt Schaeffer. Er antwortet: „Es besteht darin, daß der unendlich-persönliche Gott, der wirklich lebt, nicht geschwiegen hat, sondern lehrsatzmäßige Wahrheit [engl. „propositional truth“; R. K.] in bezug auf alles, was die Bibel lehrt, ausgesprochen hat“ (S. 80–81). Lass die Offenbarung, die sich in klaren Aussagesätzen artikuliert, weg, und die Grundlage des Christentums ist aufgegeben!

10 Die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift

„Wir haben die unfehlbare Bibel“ (S. 86; [im Engl. „inerrant Scripture“, besser mit „irrtumslose Schrift“ zu übersetzen; R. K.]). Ein letztes und wichtiges Anliegen, das sich durch Schaeffers ganzes Buch zieht, ist die Sache der Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift. Schaeffer war bestürzt, dass Evangelikale aus den eigenen Reihen die volle Inspiration der Schrift mit der Behauptung infrage stellten, die Bibel könne durchaus geographische und geschichtliche Irrtümer enthalten, auch wenn ihre Lehre zu Glaube und Moral (meistens) wahr sei. So etwa dachten die neo-orthodoxen Theologen Karl Barth (1986–1968) oder Emil Brunner (1889–1966).

Schaeffer lehnte diese Sichtweise rundweg ab: Die Bibel „ist nicht nur dann unfehlbar [engl. „without error“; R. K.], wenn sie von Werten, dem Bedeutungssystem und religiösen Dingen spricht, sondern auch dann, wenn sie von der Geschichte und dem Kosmos spricht“ (S. 77). Der Amerikaner zielte damit auf die Sicht: Die Bibel ist voll und ganz Gottes Wort. Was Schaeffer betrifft, war eine irrtumsbehaftete Bibel – selbst wenn diese Irrtümer sich nur auf Wissenschaft und Geschichte bezögen – niemals unfehlbar. Unfehlbarkeit [engl. „infallibility“; R. K.] bedingt Irrtumslosigkeit (und umgekehrt).

Obwohl Barth, Brunner und eine Reihe Theologen-Kollegen Anfang des 20. Jahrhunderts eine antiliberale Revolution auf den Weg brachten, war Schaeffer weit davon entfernt, sich mit deren Neo-Orthodoxie zufriedenzugeben. Die Hauptsorge des Amerikaners war deren offenkundiger Verzicht, die Heilige Schrift voll und ganz als Wort Gottes zu betrachten, was auf einen übermäßig subjektiven Ansatz ihrer Theologie zurückzuführen war. Statt zu sagen, die Bibel „enthalte“ das Wort Gottes oder „werde“ zum Wort Gottes, etwa durch die existenzielle Begegnung mit dem auferstandenen Christus, war Schaeffer in dieser Hinsicht streng. Echter Evangelikalismus bekennt: Die Bibel ist „objektive, absolute Wahrheit auf allen Gebieten, die sie anspricht“ (S. 74).

Zusammenfassung

Schaeffers zehn Anliegen können zurückverfolgt werden in die [säkulare; R. K.] Aufklärung, in jene Zeit also, in der der Mensch seine „autonome“ Vernunft über und gegen die verbindliche Offenbarung Gottes in der Bibel stellte.

Es scheint, als stehe die evangelikale Welt heute vor derselben Entscheidung wie die Christen damals: Soll Gottes Wort oder das Gedankengut der gefallenen Menschheit unser Denken und unsere Praxis bestimmen? Wäre Schaeffer heute noch unter uns, hätte er zweifelsfrei für die erste Option gestimmt. Wie steht es mit Ihnen?

Will Graham

– – –

Der Artikel erschien zuerst bei EvangelicalFocus. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt wurde der Beitrag von Ivo Carobbio. Die Zitate sind entommen: Francis A. Schaeffer, Die grosse Anpassung: Der Zeitgeist und die Evangelikalen, Asslar: Schulte u. Gerth, 1988. Das Buch ist als Sonderausgabe lieferbar.

Der Artikel kann hier im PDF-Format heruntergeladen werden: SchaeffersSorgen.pdf.

Die große Anpassung von F. Schaeffer

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Kommentare

  1. Das Buch gibt es auch als PDF-Datei http://www.clv-server.de/pdf/255266.pdf
    Gruß Joschie

  2. Marie meint:

    Ich kann diese Befürchtungen in voller Blüte in meinem Umfeld und in Gemeinden beobachten. Letztendlich (wie im Fazit genannt) liegt die Ursache grundsätzlich in der Ablehnung von Gottes Wort als irrtumsloses und wahres Wort. Das wiederum ist ja zurückzuführen auf die Aufklärung. Ich finde es schade dass man nicht mehr Jesus Christus und seinem Wort glaubt, sondern sich Menschen wie z.B. Immanuel Kant unterordnet.

    Vielen Dank für den Verweis auf das ganze Buch.

  3. gandalf meint:

    Ganz beliebtes Totschlagargument, wenn man zu einer Sachfrage auf die klare Offenbarung in der Schrift verweist: Du sprichst denen, die anders darüber denken, damit den Glauben ab. Mir ist zwar schleierhaft, wie dieser Zusammenhang hergestellt wird, oder ob mittlerweile gleichgesetzt wird „falsche Erkenntnis / Irrtum“ = „Unglaube“, aber ich kenne reale Fälle, wo dies, bezeichnenderweise in freikirchlichen Gemeinden, so gehandhabt wurde.

  4. Wir brauchen in Deutschland dringend solche Kämpfer wie Francis Schaeffer. Echte Männer mit rein calvinistischen Überzeugungen, die die Irrtumslosigkeit der Bibel verteidigten und Tacheles reden! Leider traut sich kaum noch jemand was. Wer ist schon heute noch breit, Hohn, Spott, Drohungen und Gewalt auf sich zu nehmen?

  5. Theophil Isegrim meint:

    @ Adler:

    Bibeltreue ist ein „bißchen“ älter als Calvin. Oder gibt es wahre Christen erst seit ihm?

  6. Theophil Isegrim meint:

    @ gandalf:

    Sehr beliebt ist auch: „Aber das ist doch nicht heilsnotwendig. Können wir uns nicht darauf einigen, daß Jesus unser Herr ist. Wir wollen uns doch nicht darüber streiten. Jesus möchte, daß wir uns alle lieb haben.“

  7. @Theophil Isegrim

    Bibeltreue ist ein „bißchen“ älter als Calvin.

    Ich sprach von Calvinismus, nicht von Calvin.

    Oder gibt es wahre Christen erst seit ihm?

    Hat das jemand behaupt? Nein!

  8. Theophil Isegrim meint:

    Die Frage ist, was kann man tun? Im seinem Umfeld diskutieren? Da habe ich die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht.

    Die einen haben es begrüßt, hörten interessiert zu und machten sich darüber Gedanken.
    Andere schüttelten nur den Kopf und frugen, ob das denn wirklich so wichtig sei. Das ist doch alles so kompliziert. Und hatten nicht sonderlich großes Interesse die Diskussion weiter fort zu führen. Hauptsache wir haben uns alle lieb und gut ist.
    Die dritte Gruppe gibt es auch häufig. Sie stammen oft aus bibeltreuen Familien/Gemeinden und haben sich im Laufe der Zeit davon losgesagt. So typische Vertreter sind die zwei von hossatalk, Thorsten Hebel etc.
    In meiner Gemeinde gab es einen Jungpfarrer, der in einer Brüdergemeinde groß wurde. Er hat dann evangelische Theologie auf Lehramt studiert und später noch in Ewersbach. Bei einigen Sachen war er bibeltreu und bei anderen „modern und progressiv“ (zumindest hielt er sich dafür).

    Ich will noch ein paar mehr Gedanken zur dritten Gruppe äußern. Ich denke, daß sie vom Glauben etwas ernüchtert sind. Sie waren bibeltreu, hatten dann aber vielleicht mal eine Glaubenskrise und der Glaube hat nicht so „funktioniert“ wie sie es sich erhofft haben oder auch wie der Glaube es selber verspricht (oder was sie aus der Bibel herausgelesen haben). Der Glaube wurde zur Last, die Anforderungen zu hoch.
    Dann kam vielleicht noch eine intellektuelle Auseinandersetzung hinzu. Bei dem Jungpastor aus meiner ehemaligen Gemeinde mit Sicherheit. Da müssen sie Theologie studieren. Anfangs wohl sehr widersträubend, aber dann gewöhnt man sich daran. Dann wird es verinnerlicht und weil die Erklärungen/Auslegungen plausibel erscheinen, kommt man zum Schluß: so ist es. Ich denke, es hat viel mit Angst zu tun, wenn da jemand widersprechen wöllte. Das machen doch nur die Menschen, denen das Zeug dazu fehlt die Erläuterungen nachzuvollziehen. Die Dummen halt. Die schnallen es nicht, weil sie nicht anders können. Das trifft auf diese jedoch nicht hinzu. Aber nicht so sie. Sie haben alles geblickt und durchschaut. Das ist nunmal die Entwicklung, die sich nicht aufhalten läßt. Wer es versucht, wird weggeweht. Früher oder später wird jeder zu Verstand kommen und einsichtig sein. Gerade wenn man mal mit so einem Thema wie Frauenordination anfängt, dann gibt es anstatt eine Diskussion eher mitleidiges (aber sehr liebevolles) Lächeln.

    Aber sie haben auch ein dickes Problem. Da kann es sein, daß sie schnell verstummen.

    Hauptproblem ist ja immer noch. Wie kann ich erfahren, was Gott wirklich will? Nun, die Bibel kann es ja nicht mehr sein (dann kommt schnell ein Beispiel wie der Bruderkuß, ich müsse doch heute noch andere Brüder küssen, wenn ich bibeltreu sein wolle – hat Paulus nämlich empfohlen). Bzw. gewisse Teile der Bibel können schon ausdrücken, was Gott will. Aber welche Teile sind das? Wer legt das fest und wie? So richtig ohne Bibel wollen sie nämlich auch nicht sein. Aber es gibt kein objektives Kriterium, was in der Bibel gültig sein soll und was nicht. Da ist dann das große Fragezeichen und das ist für sie äußerst unbefriedigend. Daher dann auch der Glaube so kraftlos.

  9. Theophil Isegrim meint:

    @ Adler:

    Wo ist der Unterschied? Gab es keine wahren Christen vor dem Calvinismus?

    Ich bin kein Calvinist. Was nun? Bin ich jetzt kein richtiger Christ? Kann ich dann kein richtiger Kämpfer sein? Oder was willst Du mit Deinen Kommentar ausdrücken?

    Ach, weißt’e, denk was Du willst und zieh Dich am Calvinusmus hoch. Diese Haarspalterei und Wichtigtuerei, damit befasse ich mich nicht weiter. Solche fruchtleeren Diskussionen führe ich nicht mehr.

  10. @Theophil Isegrim
    Natürlich gibt es auch nichtcalvinistische Christen. Natürlich gibt es auch nichtcalvinistische Christen, die Kämpfer sind und die Irrtumslosigkeit vertreten. Ich habe das nie bestritten. Allerdings: Es macht schon einen Unterschied, ob man Calvinist ist oder nicht. Das wirkt sich auf sehr viele Bereiche aus (z.B. Gottesverständnis, Evangelisation, Buße, Heilsgewissheit, Gottesdienst u.v.m.).

  11. Vielen Dank für diesen Beitrag – Schaeffer hätte es durchaus auch auf weniger als 10 Punkte zusammenkürzen können – aber das ist genau der Punkt: Kämpfen für die Wahrheiten des Evangeliums. Die Worte Jesu haben heute Gültigkeit und segnen Menschen, das heisst, helfen Ihnen zu leben!
    Grüße
    Rolf

  12. Schandor meint:

    @Adler

    Auch Du, mein Freund, bist kein Calvinist. Denn dazu muss man die Institutio in- und auswendig kennen. Und danach glauben. Und danach leben. Und das kannst Du nicht, ja, selbst John Piper ist kein Calvinist, denn der glaubt nicht an die Kindertaufe wie Calvin. Daher ist er keiner. Punkt. Nur echte Mitnicker sind Calvinisten.
    Oder meinst Du einfach die reformatorischen Prinzipien? (Die „solas“, TULIP etc.)

  13. @Schandor
    Ich sprach vom Calvinismus, nicht von Johannes Calvin. Es geht mir also nicht um diese historische Person, sondern um das System. Selbstverständlich sind damit auch TULIP und die Solas gemeint. Und das Westminister Bekenntnis. Natürlich Kindertaufe, Bundestheologie, Presbyterianismus, Cessationismus, die Irrtumslosigkeit der Bibel, Sonntagsheiligung, das regulative Prinzip und die Befürwortung der völlig freien Marktwirtschaft.

    John Piper ist kein reiner Calvinist (allein schon deswegen, weil er den Cessationismus ablehnt!). Konsequente Calvinisten sind immer anti-charismatisch.

  14. Henni meint:

    @Adler: Mich befremdet es schon, wie sehr du dich hier von anderen Lehren abgrenzen tust. Gerade das kann doch dazu führen, dass manche Christen in ein anderes Extrem geraten und meinen, alles sei nicht so wichtig.

    Ich denke schon, dass Francis Schaffer im Grundsatz mit seiner Kritik recht hat und dass diese Kritik auch gehört werden sollte. Nur gibt es auch eine „Enge“ in der Theologie, welche nicht die biblische Mitte sucht, sondern subjektive Erkenntnisse überbewertet.

  15. Jutta meint:

    .. was ist der Unterschied zwischen Calvinismus und Calvin ? Will diese Aussage Folgendes damit sagen: Calvin hat in seinen Prinzipien/seiner Theologie beschrieben, wie die Bibel richtig verstanden werden „muss“ ???

    Ich „bin“ ebenfalls kein Calvinist.

    Buchempfehlung: O. Rosenius, Einer starb für alle.

  16. Schandor meint:

    @Adler

    Verstehe. Kann eigentlich überall zustimmen. Nur in einer Sache nicht.
    Hätte der Staat der so genannten „Marktwirtschaft“ freie Hand gelassen,
    wären wir schon sehr sehr lange wieder im Feudalismus angekommen.
    Es gäbe die wenigen Mitglieder des Geldadels, aber es gäbe anders als heute überhaupt keinen Mittelstand mehr. An der Spitze stünde die Geldelite. Und wer ihnen diktiert, weißt Du wohl.

    Aber lassen wir diesen Punkt einfach mal beiseite – da werden wir nie einig – und greifen wir den Punkt des „regulativen Prinzips“ auf: Was genau meinst Du? Das interessiert mich sehr! Hast Du vielleicht einen Literaturvorschlag dazu?

    @Jutta
    Ungemein schwer zu beantworten, diese Frage. Calvin jedenfalls war kein Calvinist. Klingt vielleicht witzig, ist aber ernst gemeint.
    Ich bin sicher: Diese Theologie geht in die „richtigste“ Richtung. Um es mit den Worten Loraine Boettners auszudrücken (sinngemäß): Im Hier und Jetzt gibt es Calvinisten und Arminianer. Im Himmel sind dann alle Calvinisten. 😉
    Rosenius ist wunderschön zu lesen, bes. seine Römerbriefauslegung.
    Einer starb für alle (Kinder Gottes), ja, und wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben – in der Taufe mit Christus, der gelobt sei in alle Ewigkeit!

  17. Tim-Christian meint:
  18. Jutta meint:

    Ich merke wieder wie mich das alles irre macht.
    GOTT sagt, dass Er will, dass alle gerettet werden, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen sollen.
    Dass dem nicht so ist bzw sein wird, das ist leider so, aber für mich nicht nachvollziehbar, dass ER sie von vorneherein zur Hölle bestimmt hat, so wie einige für den Himmel.
    Und komm jetzt bitte nicht wieder einer, damit, dass GOTT alles plant, aber der Mensch trotzdem Verantwortung hat.
    Dass GOTT alles lenkt und gebraucht, so dass es Seinen Plan erfüllt .. .. ja, das glaube ich auch.

    ER starb für die Sünde der Welt. So steht es in der Bibel.

    Ich halte mich wirklich zukünftig von diesem Thema fern… ich glaube lieber kindlich.

  19. Rolf Eicken meint:

    @ Jutta- ich verstehe Sie vollkommen; aber dass bringt nichts; denn das ist „Vogelstraussverhalten“. Mit dieser aus menschlicher Sicht – „Ungerechtigkeit Gottes“ werden wir leben müssen ohne es zu verstehen. Mich macht das auch ganz irre; denn als nachdenkender Mensch kann ich es nicht akzeptieren, was natürlich ganz und gar nicht geht; denn wer bin ich schon?
    LG
    Rolf

  20. Schandor meint:

    @Jutta

    Bitte lass mich Dir ein Buch empfehlen. Siegfried Kettling: „Typisch evangelisch“.
    Dort erhältst Du kurz und prägnant alle Antworten. Und auch Kettling sagt klipp und klar:

    Wir haben keine Leiter, in Gottes ewigen Ratschluß einzusteigen, das ist „verstiegen“. Wir haben kein Maß, Gottes ewige Gedanken zu messen, das ist „vermessen“. Die ungeheure Aussage, daß Gott in seiner Souveränität Menschen schaffe, deren Seligkeit, deren Gemeinschaft mit sich, dem Schöpfer, er gerade nicht wolle, Menschen, die er eigens für die ewige Verdammnis zubereite, diese Aussage müßte schon die explizite Botschaft der Bibel sein, wollten wir sie nachsprechen.

    Das Buch kann aus dem Netz geladen werden.
    Es ist ein Juwel.

  21. @Schandor

    greifen wir den Punkt des „regulativen Prinzips“ auf: Was genau meinst Du? Das interessiert mich sehr! Hast Du vielleicht einen Literaturvorschlag dazu?

    Hör Dir mal die Predigt von Peter Schild an. Er erklärt es sehr gut: http://www.erb-wetzlar.de/index.php/medien/vortraege/serie/4-das-baptistische-glaubensbekenntnis-von-1689#

    Und dann unter Punkt 27 Das regulative Prinzip.

  22. Schandor meint:

    @Adler

    Danke!

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