Apologetik

Michael Green: Frühe Christen hatten Sinn für historische Korrektheit

Michael Green schrieb einmal über die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments (I Believe in the Holy Spirit, Hodder and Stoughton, 1975, S. 48):

Viele Gelehrte des Neuen Testaments scheinen zu glauben, dass die frühen Christen keinen Sinn für historische Korrektheit hatten und es ihnen ein Leichtes war, sich irgendeinen Spruch auszudenken und ihn Jesus zuzuschreiben oder eine Botschaft von einem der christlichen Propheten in der Gemeinde zu hören, um sie dann dem historischen Jesus in den Mund zu legen … Es ist ein verblüffendes Kompliment für ihre historische Zuverlässigkeit, dass wir fast nichts von den großen Problemen, die die Urkirche beschäftigten, in den Evangelien wiederfinden. Wie leicht hätten sie versuchen können, ihre Probleme in Bezug auf Gesetzestreue, Geistbesitz, Beschneidung, Gesetz und Gnade zu lösen, indem sie ‚Worte Jesu‘  erfanden, um die fraglichen Angelegenheiten zu regeln.

Das Zitat habe ich übrigens in diesem Logos-Lexham-Produkt gefunden: John Stott, The Preacher’s Notebook: The Collected Quotes, Illustrations, and Prayers of John Stott, Lexham Press, 2018, das es gerade im Sonderangebot gibt: www.logos.com.

Moltmann: Glauben und Wissen

Wie manche wissen, bin ich kein Freund der moltmannschen Theologie. Ich halte wenig von seiner Politisierung des Evangeliums, kritisiere seine Kreuzestheologie oder auch die Trinitätslehre sowie seine Gotteslehre insgesamt. Trotzdem lese ich Moltmann gern. Er ist ein wirklich gelehrter Theologe, von denen es heute nicht mehr so viele gibt. Ihm kann – im Blick auf die Theologiegeschichte – so schnell niemand etwas vormachen. Er schafft es, Fragestellungen ohne große Umschweife auf den Punkt zu bringen und oft auch auch zu beantworten.

Mein Lieblingstext von Jürgen Moltmann stammt interessanterweise nicht aus seiner Werkausgabe (die ich schätze), sondern aus einer unscheinbaren Aufsatzsammlung (Rudolf Bohren (Hrsg.), Einführung in das Studium der evangelischen Theologie, München  Chr. Kaiser Verlag , 1964). Dort schreibt er in seinem Beitrag zur Dogmatik etwas über den Zusammenhang von Glauben und Wissen, was man besser meines Erachtens nicht sagen kann (S. 103–105):

Mit zwei Fragen kommt jeder Theologiestudent in sein Studium hinein: es sind die Fragen nach dem Glauben und nach dem Wissen. Solange sich einer um „Theologie“ bemüht, ringt er darum, glaubend zu wissen und wissend zu glauben. Er möchte erkennen, verstehen und begreifen, was er glaubt und was er als Evangelium zu hören bekommt. Wie sollte einer Glauben fassen und im Glauben bestehen können, der sich nicht aufmacht, dem nachzudenken mit allen Fragen seines Verstandes, was ihn zum Glauben, zum Hoffen und zum Lieben ruft und nötigt! Er muß danach fragen, worauf er sich im Glauben denn eigentlich einläßt. Er muß kritisch Zusehen, ob das wahr ist, was ihm als Gottes Wahrheit verkündet wird, ob es Gott selbst ist, den er hört, oder nur ein Abgott und ein Götze menschlicher Einbildungskraft, ob es wahrer Glaube oder nur ein Aberglaube ist, den er in seinem Herzen bewegt. Kritisches Fragen nach der Wahrheit und Selbstkritik gehören schlechterdings zum christlichen Glauben. Denn dieser Glaube ist nicht blind, wie das Schicksal, auf das man setzt, ohne zu wissen, ob man gewinnt. Der Gott, der der Vater Jesu Christi genannt wird, ist kein dunkler Gott, den man im Gedankenflug der Spekulation oder in den dunklen Ahnungen des eigenen Herzens finden könnte. Er ist ein offenbarer Gott, ein offenkundiger Gott, den man in der Geschichte Israels und in der Geschichte Jesu Christi sehen und erkennen, hören und vernehmen kann. Darum sind die Glaubenden keineswegs besonders religiös veranlagte Menschen, sondern sie sind Menschen, wie andere auch. Aber sie sehen, was eigentlich jedermann sehen müßte. Sie hören, was eigentlich jeder hören müßte. Sie fassen jene Freude und Zuversicht, die eigentlich jeder fassen müßte. Ihr Glaube ist nicht „blind“ und ist auch kein „Wagnis“ und kein „Sprung in den Abgrund“. Im Neuen Testament bekennen die Menschen vielmehr: „Wir haben geglaubt und erkannt, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Joh. 6, 68). Sie sprechen von dem „Wort des Lebens“, das sie „gehört haben, mit ihren Augen gesehen und mit ihren Händen betastet haben“ (1. Joh. 1,1). Wie sollte darum der Glaube die Augen und die Fragen des Verstandes verschließen können, und nicht vielmehr die Geschichte sehen und zu erkennen trachten, die ihm verkündigt wird!

Es ist der christliche Glaube selber, der nach Erkenntnis und Verstand drängt. Gewöhnlich hört und liest man es zwar umgekehrt, daß der Verstand mit seinem Fragen und Zweifeln den Glauben bedrängt. Doch hat der mittelalterliche Theologe Anselm von Canterbury recht, wenn er die Theologie aus dem Grundsatz entwickelt: fides quaerens intellectum (Der Glaube fragt nach Verstand). Der Glaube hat sich vor den Zweifeln des Verstandes nicht in die Gläubigkeit des Herzens zurückzuziehen, die ihm „keiner nehmen kann“ – die er aber auch keinem mitteilen kann. Er hat seinerseits dem Verstande Fragen zu stellen. Der Glaube fragt den Verstand, und er fragt nach Verstand. Er bringt mit seinem Fragen einen unstillbaren Hunger nach Erkenntnis in den Verstand und wird so zur Unruhe, zum treibenden Motor und zum ständigen „Querulanten“ im Denken des Menschen. Das hält den Verstand des Menschen offen und in Atem. Das läßt ihn keine Ruhe finden bei sich selbst, sondern macht es, daß der menschliche Verstand sich öffnet für die Zukunft und sich selbst und der erfahrbaren Wirklichkeit voraneilt. Wahrer Glaube ist darum nie ohne eine „gewisse Erkenntnis“. Es gehört zu ihm Gewißheit, so daß er sagen kann: Ich weiß, woran ich glaube. Ich weiß, was fest besteht. Daß diese Gewißheit auch in das Wissen komme, darum studiert man Theologie, darum forscht, sucht, diskutiert und hört man. „Erkennen“, so hat der große Theologe der Alten Kirche Augustin einmal gesagt, ist „ein Liebhaben mit dem Verstande“. So ist die theologische Erkenntnis, nach der der Glaube hungert, ein Liebhaben Gottes und Christi mit dem Verstande. Dieses ist das eine: Glaubend zu wissen.

Ein anderes ist es, wissend zu glauben. Auch das bleibt keinem erspart, der mit wachen Sinnen in seiner Zeit lebt. Er muß darum kämpfen, wissend, und zwar wissend mit aller ihm zugänglichen und möglichen Wissenschaft von der Welt, von den Menschen, von der Geschichte und der Gesellschaft, zu glauben. Lessing hat zu Beginn der wissenschaftlichen Aufklärung der Neuzeit einmal von sich bekannt, er sei mit dem Kopf ein Heide, mit dem Herzen aber ein lutherischer Christ. Seither ist diese Bewußtseinsspaltung von modernem Wissen und christlichem Glauben, von Sonntag und Alltag, von Theologie und Wissenschaft, unsere Erbschaft geworden. Sie ist uns so geläufig, daß kaum noch jemand einen Schmerz darüber empfindet. Wer etwas wissen will, darf nichts glauben, sagen die einen. Wer Theologie studiert, verliert seinen Glauben, sagen die anderen. Von Gott kann man nichts wissen, sagen beide; nur ziehen die einen daraus den Schluß: es gibt keinen Gott, Gott ist tot, und die anderen: man muß glauben, ohne zu wissen. Für die Atheisten ist die Unerkennbarkeit Gottes der Grund für die Gottlosigkeit. Für die Frommen ist die Unbeweisbarkeit Gottes der Grund für die Unanfechtbarkeit ihres Herzensglaubens. Beide haben Glauben und Wissen so voneinander geschieden, daß sie sich nichts mehr zu sagen haben. Darum wird die Wissenschaft gottlos und der Glaube blind. Je mehr aber der christliche Glaube sich in seine eigene Innerlichkeit zurückzieht, um Gott drinnen zu suchen, den er draußen nicht mehr finden kann, um so mehr liefert er die Wirklichkeit draußen und die Wissenschaft und Technik, die mit dieser Welt draußen umgehen, der Gottlosigkeit, Sinnlosigkeit und Dunkelheit aus. Erst dieser Rückzug des Glaubens aus der Wirklichkeit und den Wissenschaften hat jene Situation geschaffen, in der der Atheismus bewußt oder unbewußt zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Auf diesem Rückzuge wird der Glaube unbeweisbar und unanfechtbar, aber er hat dieser Welt auch nichts mehr zu sagen und wird ganz überflüssig, wird zum Hobby, das manche sich noch leisten.

Michael Horton: Kultur ansprechen, ohne das Evangelium zu verlieren

In dem Artile „Wie man die Kultur anspricht, ohne das Evangelium zu verlieren“ stellt sich Michael Horton sieben Fragen rund um das Thema „Evangelium und Kultur“. Dabei betont er die Notwendigkeit, die eigenen Kinder in Familie und Gemeinde apologetisch zu schulen und zu stärken, damit sie den Herausforderungen von Morgen gewachsen sind: 

Auch hier fängt es im kleinsten Kreis an: unsere eigenen Kinder und Enkelkinder, dann die Familie Gottes in unserer Ortsgemeinde. Es wird gesagt, dass die meisten jungen Erwachsenen dem Glauben noch vor dem dritten Studienjahr den Rücken zukehren. Das ist ein Skandal. Warum finden sie diese anderen Geschichten so fesselnd, dass sie die „in Christus“-Geschichte, in die sie durch Katechese und Predigt hineingetauft und hineingewachsen sind, für eine andere „in Adam“-Geschichte dieses vergehenden Zeitalters aufgeben wollen? Tauchen wir sie wirklich in diese Geschichte ein? Wird der Dienst des Wortes und des Sakramentes treu ausgeführt? Und zwar nicht nur von der Kanzel, dem Taufbecken und dem Abendmahlstisch, sondern auch in unseren Jugendgruppen, auf Familienfreizeiten und bei regelmäßigen Interaktionen unter der Woche?

Wir müssen aufhören, die jungen Menschen in unserer Gemeinde als selbstverständlich zu betrachten. Sie sind nicht „die Kirche von morgen“, sondern Teil der heutigen Kirche, die Schafe, zu denen Christus uns beruft, sie zu weiden und zu pflegen. Sie brauchen mehr Apologetik als Pizza, mehr Möglichkeiten, aufrichtig Fragen zu stellen und diese auch beantwortet zu bekommen, als Rock-Konzerte. Sie brauchen aber auch eine glaubwürdige Gemeinde, die die Wahrheit des Evangeliums widerspiegelt. Das heißt nicht, dass es eine Gemeinde aus perfekten Menschen oder Besserwissern sein soll (was sowieso nur zu Enttäuschung, Verzweiflung und Zynismus führt), sondern aus Sündern, die sich jede Woche zusammenfinden, um Buße zu tun und an das Evangelium zu glauben und gemeinsam in einer Gemeinschaft von Pilgern verbunden zu sein.

Mehr: www.evangelium21.net.

Studientage „Apologetik“

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An dem Wochenende vom 12.05.–14.05.2023 veranstaltet das MBS-Studienzentrum München Studientage zur „Apologetik“, der „Verteidigungswissenschaft“ des christlichen Glaubens. Wir verbringen die Tage in einem Jugendhaus des Chiemgauer Voralpenlandes mit Selbstversorgung. Bisher waren diese Tage sehr gemeinschaftsfördernd und inspirierend. Die Kosten für das Wochenende liegen pro Person bei 100 Euro. Über die Einzelheiten werden die Teilnehmer in einem Teilnehmerbrief informiert. Mehr Informationen gibt es im Flyer: Apologetik Mai-2023-a.pdf.

Gasthörer sind übrigens herzlich eingeladen. Die Veranstaltung bietet auch eine gute Gelegenheit, das Studienzentrum in München näher kennenzulernen. Wer Interesse hat, kann sich über das Kontaktformular bei mir melden. Eine Kurzvorstellung wäre hilfreich.

Ostern – eine großartige Gelegenheit

Velimir Milenkovic hat das kürzlich hier vorgestellte Buch Ostern unglaublich? besprochen. Er schreibt: 

Die Geschichte über den Tod und die Auferstehung von Jesus wirft bei vielen Hörern gleich mehrere Fragen auf: apologetische und theologische. Die britische Apologetin Rebecca McLaughlin hat ein kurzes Buch über vier der wichtigsten Fragen an die Auferstehung geschrieben. Es heißt Ostern – unglaublich? und ist gerade auf Deutsch erschienen (cvmd und CV Dillenburg, 2023).

Die Autorin hat bereits mit Kreuzverhör und Weihnachten – unglaublich? evangelistische Bestseller vorgelegt. Im neuen »Osterbuch« bleibt sie ihrem bewährten Konzept treu: relevante Fragen über den christlichen Glauben ehrlich, sensibel, bestens informiert und biblisch fundiert zu beantworten. Die »vier Fragen, die jeder an die Auferstehungsgeschichte stellen sollte« (so der Untertitel) lauten:

  1. Ist das Leben Jesu historisch belegbar?
  2. Ist der Tod Jesu ethisch begründbar?
  3. Ist die Auferstehung Jesu historisch glaubwürdig?
  4. Ist das Angebot Jesu attraktiv?

Die beiden Fragen zur Historizität (von Jesu Tod und Auferstehung) gehören zum Bereich der klassischen Apologetik. Hinter der Frage, ob der Tod von Jesus ethisch gerechtfertigt sei, steckt eine brandaktuelle (und -gefährliche) Debatte, die viele Evangelikale verunsichert: Verlangt Gott wirklich nach einem blutigen Opfer für die Sünden der Welt? Rebecca McLaughlin verteidigt in ihrem Buch die biblisch-konservative Lehre des rechtfertigenden Sühnetodes. Das Kapitel zur vierten Frage verdeutlicht das »helle Licht des Evangeliums« und lädt seine Leser zum Glauben an Jesus ein.

Mehr hier: www.gesunde-gemeinden.de.

Bavinck: Es gibt keine atheistische Welt

Herman Bavinck schreibt (Reformed Dogmatics: God and Creation, Bd. 2, S. 56–57):

Nun ist die Tatsache, dass die Welt die Bühne der Selbstoffenbarung Gottes ist, kaum zu leugnen. Daran lässt die Heilige Schrift zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel aufkommen. Sie errichtet keinen Altar für den unbekannten Gott, sondern verkündet den Gott, der die Welt geschaffen hat (vgl. Apg 17,23–24), dessen Macht und Gottheit vom menschlichen Verstand in den geschaffenen Dingen deutlich wahrgenommen werden kann (vgl. Röm 1,19–20), der vor allem die Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat (vgl. Gen 1,26), als seine Nachkommen, die in ihm leben und sich bewegen (vgl. Apg 17,28). Er hat zu ihnen durch Propheten und Apostel gesprochen, vor allem durch seinen Sohn selbst (vgl. Hebr 1,1), und offenbart sich ihnen nun ständig (vgl. Mt 16,17; Joh 14,22-23 usw.). Nach der Heiligen Schrift ist das ganze Universum eine Schöpfung und damit auch eine Offenbarung Gottes.

In einem absoluten Sinn ist also nichts atheistisch. Und dieses Zeugnis der Heiligen Schrift wird von allen Seiten bestätigt. Es gibt keine atheistische Welt. Es gibt keine atheistischen Völker. Es gibt auch keine atheistischen Personen. Die Welt kann nicht atheistisch gedacht werden, denn dann könnte sie nicht das Werk Gottes sein, sondern müsste die Schöpfung eines Anti-Gottes sein.

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Rezension: Der Siegeszug des modernen Selbst

Thimo Schnittjer hat eine sehr hilfreiche Rezension zum Buch: Der Siegeszug des modernen Selbst von Carl Trueman für den Bibelbund verfasst. Er schreibt: 

Carl R. Trueman, Historiker und Theologe, hat mit diesem Werk, welches im Jahr 2020 zunächst in Englisch veröffentlicht wurde, eine bedeutende Analyse des modernen Selbst vorgelegt. Das Werk fand weite Verbreitung (vgl. z.B. die ungewöhnlich hohe Bewertungsanzahl bei Amazon) und traf offenbar den Nerv der Zeit. Die Übersetzung ins Deutsche ist aber nicht nur deshalb, sondern gerade wegen der starken Analyse sehr zu begrüßen.

Grundlegend für Truemans Darstellung sind die Forschungserträge des Philosophen Charles Taylor, des Soziologen Philip Rieff und des Ehtikers Alasdair MacIntyre. Von Charles Taylor übernimmt er u.a. die Erkenntnis, dass die westliche Weltsicht die Welt nunmehr als Rohmaterial begreift, „aus dem sich das Individuum Sinn und Bedeutung erschaffen kann“ (S. 47), ganz im Gegensatz zur früheren Sichtweise, wonach die Welt eine Ordnung und einen Sinn habe, die es zu ergründen gelte (sog. Übergang von der mimetischen zur poietischen Sichtweise).

Rieff dagegen beschreibt die Kultur des Menschen mit verschiedenen Typen. Der momentan vorherrschende Menschentyp sei der des „psychologischen Menschen“, der seine Identität „durch die nach innen gerichtete Suche nach persönlichem Glück“ (S. 54) finde. Die (moderne) Sinnstiftung, eigenen Gefühlen und Wünschen Ausdruck zu verleihen, bezeichnet Taylor als expressiven Individualismus. Die therapeutischen Bedürfnisse des Menschen stehen bei dieser Weltsicht im Mittelpunkt.

Diese Weltsicht hat weitreichende und ernstzunehmende Folgen für die Gesellschaft. Traditionelle Moralvorstellungen werden als problematisch angesehen, weil sie den inneren Wünschen im Wege stehen. Auch Meinungs- und Redefreiheit werden als Unterdrückungsmittel verstanden (so z.B. bei Herbert Marcuse), wie sich in der Diskussion um die Wortneuschöpfung „Hassrede“ zeigt. Rieff beschreibt deshalb die aktuelle Situation nicht als Kultur, sondern als Antikultur, die darauf ausgerichtet ist, traditionelle Ordnungen bewusst zu destabilisieren bzw. zu zerstören. Später bezeichnet Trueman sie auch als antihistorisch, weil sie auf verschiedene Art und Weise Gegebenheiten zu vergessen machen sucht (S. 114ff.).

Mehr hier: bibelbund.de.

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Gegenkatechese für ein digitales Zeitalter

Wir werden heute täglich mit säkularen Narrativen bombardiert, etwa in Werbung, Tweets, Musik, Geschichten, Stellungnahmen usw. Säkulare Narrative sind Überzeugungen über die Wirklichkeit, die uns von den meisten kulturellen Institutionen als unumstößliche, offensichtliche Wahrheiten eingeschärft werden. Etwa:

  • Identität: „Man muss sich selbst treu sein.“
  • Freiheit: „Man sollte frei sein, so zu leben, wie man will, solange man niemandem wehtut.“
  • Glück: „Du musst das tun, was dich glücklich macht. Das darfst du für niemanden opfern.“
  • Wissenschaft: „Der einzige Weg, unsere Probleme zu lösen, ist durch objektive Wissenschaft und Fakten.“
  • Moral: „Jeder hat das Recht, selbst zu entscheiden, was richtig und falsch ist.“
  • Gerechtigkeit: „Wir sind verpflichtet, für die Freiheit, die Rechte und das Wohl aller Menschen auf der Welt zu arbeiten.“
  • Geschichte: „Die Geschichte neigt sich dem sozialen Fortschritt zu und weg von der Religion.“

Ein jüngstes Beispiel: Der Kinofilm „Call Jane“ vermittelt die Botschaft, dass Abtreibung eine Angelegenheit frauenfreundlicher Gesundheitsversorgung ist und die allermeisten, die abgetrieben haben, froh über ihre Entscheidung sind. Die Perspektiven der Kinder, die abgetrieben wurden, bekommen keinen Raum. Wichtig ist, dass der Entschluss zum Schwangerschaftsabbruch das Leben leichter macht. Was wir lernen sollen: Ein Recht auf Abtreibung macht die Welt gerechter, solidarischer und schöner.

Tim Keller meint, dass wir – um der Wucht solcher säkularen Narrative begegnen zu können, so etwas wie eine Gegenkatechese benötigen. Denn:

Während jede dieser kulturellen Botschaften teilweise wahr ist (und tatsächlich, trotz Verzerrungen, historisch in der christlichen Lehre verwurzelt ist), sind sie alle theologisch falsch und in der Tat sogar schädlich für das menschliche Leben. Viele biblische Lehren und Wahrheiten untergraben, schwächen oder gleichen alle diese Narrative aus, und doch zeigt unsere gegenwärtige geistliche Unterweisung das nicht. Wir brauchen einen Gegenkatechismus, der die Katechismen der Welt den Christen erklärt, widerlegt und neu erzählt. In unserer Gegenkatechese wird jede der grundlegenden Narrative des säkularen Katechismus identifiziert, mit Beispielen aus der heutigen Kultur belegt, zum Teil bejaht, weil sie gewöhnlich eine Verzerrung oder ein götzendienerisches Ungleichgewicht von etwas Wahrem darstellen. Außerdem müssen sie untergraben und kritisiert werden, und es muss gezeigt werden, dass sie in ihrer besten Form nur in Christus erfüllt werden.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Rebecca McLaughlin: Kreuzverhör

246231 e85aeab7 ac89 5b1e 8e4e cdb50d53efedDie Christliche Verlagsgesellschaft hat in Kooperation mit dem Christlichen Veranstaltungs- und Mediendienst (cvmd) zwei hilfreiche apologetische Bücher von Rebecca McLaughlin herausgegeben. Das Buch Kreuzverhör: 12 harte Fragen an den christlichen Glauben wendet sich an Jugendliche und Erwachsene und behandelt Fragen wie: Fördert Religion nicht Gewalt? Hat die Wissenschaft den christlichen Glauben nicht widerlegt? Wie kann ein liebender Gott so viel Leid zulassen? usw. Das Buch 10 Fragen über Gott, die sich jeder junge Mensch stellen sollte wendet sich an Teenies und behandelt ähnliche Fragen niederschwelliger. Der Verlag schreibt:

Wie können wir glauben, dass die Bibel wahr ist? Warum können wir uns nicht einfach darauf einigen, dass Liebe Liebe ist? Ist das Christentum nicht gegen Vielfalt und Diversität? Auf dem Weg zur Schule, beim Abhängen mit Freunden oder beim Scrollen durch die sozialen Medien werden Teenager mit Sicherheit vor echte Herausforderungen in Bezug auf den Glauben an Jesus Christus gestellt. Und unabhängig davon, ob Sie sich selbst als Nachfolger Christi betrachten oder nicht, können diese Fragen wie eine Zerreißprobe wirken. Gestützt auf modernste Forschung, persönliche Geschichten, Bilder und Vergleiche aus der Jugendliteratur und sorgfältiges Bibelstudium weicht dieses Buch den schwierigen Fragen nicht aus. Stattdessen lädt es junge Menschen dazu ein, ihre drängendsten Fragen über den christlichen Glauben zu stellen und überraschende, Leben spendende Antworten zu finden.

Die Bücher gibt es es zum Beispiel in den christliche Bücherstuben hier und hier.

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