Der vergessene Wegbereiter der „Neuen Calvinisten“

Wenn du Kenner der Evangelikalen danach fragst, wer in den 70er und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts den reformierten Flügel dieser großen Bewegung geprägt hat, wirst du Namen wie J.I. Packer, Martyn Lloyd-Jones, John Stott, Francis Schaeffer, R.C. Sproul oder James Montgomery Boice hören. Ihre Predigten, Vorträge und Bücher konnten eine beachtliche Wirkung entfalten und werden heute noch gern gelesen. Von David F. Wells haben – besonders in Europa – nur sehr wenige etwas gehört. Es wird also Zeit, dass Sarah Eekhoff Zylstras Artikel über diesen beeindrucken Mann in der deutschen Sprache erscheint. Vielen Dank an die Mitarbeiter von Evangelium21 für die Übertragungsarbeit!

Wells Buch No Place for Truth kann ich herzlich empfehlen. Wells beschreibt dort ein sich wandelndes Wahrheitsverständnis der Frommen in den Vereinigten Staaten. Dazu schreibt Sarah Eekhoff Zylstra:

Amerikaner begannen damit, Medikamente, Selbsthilfebücher und Therapeuten zu suchen, um mit dieser Scham fertig zu werden. Und Christen, die dieselben öffentlichen Schulen besuchten und dieselben Fernsehprogramme sahen, waren dieser Veränderung gegenüber nicht immun.

Anstatt das Leben an der Bibel auszurichten, begannen Christen, sich an ihren Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen zu orientieren, wofür sie dann entsprechende Bibelstellen heraussuchten. Pastoren fokussierten sich nicht mehr darauf, biblische Lehre zu studieren und zu erklären, sondern begannen, den Menschen zu helfen, sich in ihrem Leben zurechtzufinden. Die Gemeinden gaben schwierigere Lehren zugunsten von besucherfreundlichem Marketing auf. Die Emerging Church interpretierte Anbetung, Evangelisation und was es bedeutet, Pastor zu sein, um.

Zunehmend verlagerte sich auch der Unterricht in den theologischen Seminaren von systematischer Theologie oder hebräischer Exegese zu Kursen wie „Geistliches Wachstum“ oder zu Themen wie Theologie und die Künste. Christliche Buchläden, die einst vor Theologiebüchern strotzten, tauschten diese langsam gegen weniger ernsthafte Bücher aus, bevor sie selbst diese gegen Poster und Potpourri eintauschten, bemerkte der Präsident des Southern Baptist Theological Seminary, Al Mohler.

„Wenn man seinen geistlichen Dienst beginnt, sind diese Einsichten, wie das Evangelium auf die Gemeinschaft und die Kultur einwirkt, sehr wichtig“, sagt Pastor Chris Castaldo, der kurz nach dem Erscheinen von No Place am Moody Bible Institute und anschließend bei Wells am Gordon-Conwell studierte. „Wells war eine der Stimmen, die das auf eine Art und Weise angesprochen haben, die durchdacht und klar war. Er hatte keine Angst, Dinge zu benennen und zu sagen: ‚Das ist so nicht richtig‘“.

Wells geht in No Place nicht so sehr auf die Lösung ein, was bei einigen Lesern Kritik hervorgerufen hat. Der Grund hierfür war aber schlicht, dass er noch nicht fertig war (No Place wurde zu einer Reihe ausgebaut) und weil er dachte, die Antwort sei selbstverständlich: Kehre zurück zum Evangelium. Lebe ein gottzentriertes, durch die Gnade und das Opfer Christi bestimmtes Leben.

Mehr: www.evangelium21.net.

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6 Kommentare
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Udo
Udo
9 Monate zuvor

Das biblische Analphabetentum verbreitet sich leider auch in „evangelikalen“ Gemeinden rasant. Kein Wunder, dass es vielen dann nicht mehr auffällt, wie einseitig und theologisch verarmt Verkündigung geworden ist. Die lebensverändernde Kraft des göttlichen Wortes, das Menschen zur Umkehr ruft, Sünde und Verlorenheit aufdeckt, Jesus Christus leuchtend in die Mitte stellt und zur Nachfolge ruft und Gemeinden, die diese Nachfolge ohne Schönfärberei mit Ernst und authentischer Liebe leben, werden dringend benötigt.

Matze
Matze
9 Monate zuvor

@Ron und Udo Das ganze Thema muß man denke ich, in einen größeren Bezug stellen: Die USA sahen sich schon nach ihrer Gründung als Heimstatt für religiöse Bewegungen was einerseits ja positiv ist andererseits eben auch die Entstehung von Mormonen und Zeugen Jehovas etc. möglich gemacht hat. So meine ich, dass diese große Bandbreite in den Staaten sich natürlich auch irgendwann auf das Denken konservativer Christen auswirkt. Wenn wir den Toleranzrahmen in ethischen Fragen immer weiter stecken werden sich viele Fromme auch von einer biblischen Theologie abwenden. Das ist ja bei uns nichts anderes. „Sieben Sekten“ ist ein kleines Büchlein in meinem Bestand aus den 70 er Jahren wo biblisch fundiert vor Mormomen usw. gewarnt wurde. Solche Literatur heute? Fehlanzeige. Vielmehr lässt man sich z.B. die NAK an die ACK annähern ohne dass es dagegen aus den „Evangelikalen“ heraus großen Widerstand gibt. Dieser wäre auch unglaubwürdig, da man sich durch die undifferenzierte Aufnahme der Pfingstbewegung in die EAD auch das… Weiterlesen »

Udo
Udo
9 Monate zuvor

@Matze: Ja, sicher ein kompliziertes Thema für eine Blogdiskussion. Ich denke aber schon, dass es auch heute viel gute Literatur gibt, die Irrlehren und Fehlentwicklungen sachlich und kompetent aufdeckt. Hier gibt es meiner Meinung nach auf der Bibelbund Webseite, bei Evangelium21 oder bei „Bibel und Bekenntnis“ viel Hilfreiches und Konstruktives und auch entsprechende Beitrage auf YouTube, z.B. von Michael Kotsch. Darüberhinaus ist es wichtig, dass man sich vernetzt. Auch hier finde ich die oben genannten Initiativen wichtig und hilfreich, wobei leider noch zu Wenige dort mitmachen. Darüberhinaus sollte sich jeder genau überlegen, wo er sein Spendengeld investiert und seine ehrenamtliche/ hauptamtliche Zeit verbringt. Auf jeden Fall braucht es bei aller Besonnenheit Mut zur klaren Sprache der Bibel, auch wenn man dann schnell in der Hasspredigerecke landen wird. Das sollten wir aushalten, wenn man bedenkt, was Christen in anderen Ländern wegen ihres Glaubens erdulden müssen.

Matze
Matze
9 Monate zuvor

@Udo
Danke für Deine Rückinfo. Nur: in meinem Umfeld in den Gemeinden kennt fast niemand E21, Bibelbund, Bibel und Bekenntnis sowie Michael Kotsch.
Es ist sogar eher anders herum und zeigt sich an den Leuten, die sich an Coming in beteiligen beispielhaft: In vielen oft kongrealistisch organisierten Freikirchen und Gemeinschaftsverbänden findet die Liberalität schon in den Bewegungen statt und es wird sich an der jeweiligen Leitung orientiert. Da sind doch die o.g. nur ein Unruheherd
Und wo soll die Unterscheidung denn herkommen? Wenn man in der EAD bleiben will oder auch keine Bekenntnissynode anstrebt wo unterscheidet man sich dann?
Man trägt doch dann den Kurs mit. Bibel und Bekenntnis würde aus meiner Sicht viel mehr Leute ansprechen, wenn es ein Verbund NEBEN und nicht IN der EAD wäre.

Udo
Udo
9 Monate zuvor

Ja, eine spannende Frage, ob bzw. was man im evangelischen Bereich noch von innen heraus reformieren kann. Ich bin da auch eher pessimistisch. Vor allem was die ev. Kirche betrifft. Aber auch im freikirchlichen Bereich nimmt die geistliche und theologische Desorientierungen und Verflachung erschreckend zu. Ich komme noch einmal zurück zu einer früheren Diskussion. Mir scheint, dass uns mit den Latzel Brüdern ein „Denkmal“ (denk mal nach) gesetzt wurde. Da ist Olaf Latzel, der in Luther Manier Klartext redet und damit von Kirche und Staat als Volksverhetzer verurteilt wird und da ist sein Bruder Thorsten, der die Synode der rheinischen Kirche mit seiner Vision einer evangelischen Kirche „als weltoffene Gemeinschaft mit einem freien Glauben“ und vielen anderen theologischen Worthülsen so überzeugt, dass man ihn dann zum Präses wählt. Nach eigenen Angaben von TL trennen in theologisch Welten von seinem Bruder Olaf. Damit hat er es doch auf dem Punkt gebracht: UNS TRENNEN WELTEN! Um so wichtiger ist es, sich von… Weiterlesen »

Matze
Matze
9 Monate zuvor

@Udo
Volle Zustimmung. Es wird auf die Dauer ohne eine stärkere Unterscheidung nicht gehen. In den Stellungnahmen zur Impfpflicht steht sinngemäß was ich wegen Anmeldesperre bei Idea nicht mehr lesen kann, dass es sowohl in ethischen als auch in theologischen Fragen Pluralität gibt. Schön und gut, nur wie weit geht die Vielfalt?
Gibt es die auf Basis der Schrift oder überspitzt gesagt kann ich in der evangelikalen Bewegung auch völlig liberal sein und mich trotzdem dazugehörig fühlen?