Zitate

„Wir haben geglaubt und erkannt“

Hans-Joachim Iwand (Nachgelassene Werke, Bd. 1, Glauben und Wissen, 1962, S. 24–25):

Lassen Sie mich nun noch zum Schluß ein weniges andeuten über den biblischen Sinn jener Formel: wir haben geglaubt und erkannt, so wie er sich mir zu erschließen scheint. Es ist auffällig, in welch betonter Weise das Wissen, das Erkennen neben den Glauben tritt. Dieser biblische Glaube ist gerade kein blinder Glaube, sondern es gehört zum Glauben, daß ihm die Gabe des Sehend-Werdens zuteil wird. Unwissenheit ist bereits im Alten Testament Sünde und Strafe zugleich. Die Leugnung Gottes ist nicht Sache des Erkennens, sondern im Gegenteil Zeichen der Torheit. Würde unser Erkennen wirklich das sein, was es zu sein bestimmt ist, nämlich Begreifen der Wahrheit, dann wäre es gar nicht denkbar, daß wir Gott leugnen. Die These: «es ist kein Gott» ist nicht das Ergebnis, sondern vielmehr die erste Setzung, durch die unser Erkennen sich um seine eigentliche, seine wahre Erleuchtung gebracht hat. Es ist — nach biblischer Meinung — doch nicht so, als ob der Satz, daß Gott ist, ein Satz subjektiver Setzung wäre, während der andere, daß kein Gott ist, sich auf allgemeingültige Erkenntnis, auf wissenschaftliche Einsicht berufen könnte. Würde der Satz, daß Gott ist, Ursprung und Ziel unseres Erkennens geblieben sein, dann — ja dann wäre es in der Tat nicht nötig, von Glauben und Erkennen zu sprechen. Dann wäre es nicht nötig, daß uns als Verkündigung — als moria tou kerygmatos (1 Kor 1,21; [dt. die Torheit der Predigt]) — begegnete, was uns als Einsicht je und je schon innewohnt.

Vom Ideal der reinen Vernunft

Hans-Joachim Iwand (Nachgelassene Werke, Bd. 1, Glauben und Wissen, 1962, S. 21): 

Nie wird das Erkennen so frei, so autoritätslos sein, wie es dem Ideal der reinen Vernunft entspricht, nie wird es aus seinem eigenen Prinzip leben können, sondern es wird die Autorschaft des Wortes Gottes in allen seinen Sätzen und Aussagen an der Stirn tragen, und das Leben, dem dies Erkennen gilt, wird immer verborgen bleiben: „meditatio vitae futurae“ [dt. Meditation über das Leben zu kommen].

Der Gottesdienst und die Psalmen

Dietrich Bonhoeffer schreibt (Gemeinsames Leben; Das Gebetbuch der Bibel, Werkausgabe, Bd. 5, S. 115–116, unter Logos):

In vielen Kirchen werden sonntäglich oder sogar täglich Psalmen im Wechsel gelesen oder gesungen. Diese Kirchen haben sich einen unermeßlichen Reichtum bewahrt, denn nur im täglichen Gebrauch wächst man in jenes göttliche Gebetbuch hinein. Bei nur gelegentlichem Lesen sind uns diese Gebete zu übermächtig in Gedanken und Kraft, als daß wir uns nicht immer wieder zu leichterer Kost wendeten. Wer aber den Psalter ernstlich und regelmäßig zu beten angefangen hat, der wird den anderen, leichten, eigenen „andächtigen Gebetlein bald Urlaub geben und sagen: ach, es ist nicht der Saft, Kraft, Brunst und Feuer, die ich im Psalter finde, es schmeckt mir zu kalt und zu hart“ (Luther).

Wo wir also in unseren Kirchen die Psalmen nicht mehr beten, da müssen wir den Psalter um so mehr in unsere täglichen Morgen- und Abendandachten aufnehmen, jeden Tag mehrere Psalmen möglichst gemeinsam lesen und beten, damit wir mehrmals im Jahr durch dieses Buch hindurchkommen und immer tiefer eindringen. Wir dürfen dann auch keine Auswahl nach eigenem Gutdünken vornehmen, damit tun wir dem Gebetbuch der Bibel Unehre und meinen besser zu wissen, was wir beten sollen, als Gott selbst. In der alten Kirche war es nichts Ungewöhnliches, „den ganzen David“ auswendig zu können. In einer orientalischen Kirche war dies Voraussetzung für das kirchliche Amt. Der Kirchenvater Hieronymus erzählt, daß man zu seiner Zeit in Feldern und Gärten Psalmen singen hörte. Der Psalter erfüllte das Leben der jungen Christenheit. Wichtiger als dies alles aber ist, daß Jesus mit Worten der Psalmen auf den Lippen am Kreuz gestorben ist.

[asa]3579018752[/asa]

Feinberg: Für die Neo-Orthodoxen kann die Schrift nicht Gottes Wort sein

John Feinberg (Light in a Dark Place, 2018, S. 389):

Für Barth leitet sich die Autorität der Bibel allein aus ihrer Funktion ab. Diese Funktion besteht darin, auf Gott selbst hinzuweisen, auf jenen „Anderen“, mit dem Barth die Offenbarung meinte (für Barth ist Gott in der persönlichen Begegnung mit uns durch Jesus Christus Offenbarung), die die wahre Autorität ist. Die Schrift an sich hat keine Autorität. Es ist leicht, zu verstehen, warum Barth diese Ansicht vertreten hat. Wenn die Schrift Autorität an sich hat, muss es einen Grund dafür geben. Der Grund, auf den sich Evangelikale immer berufen haben, ist, dass sie Gottes Wort ist. Aber wenn die biblische und historische Kritik mit all den behaupteten Fehlern in der Schrift Recht hat, wie können dann die Worte der Schrift göttliche Offenbarung sein? Gott würde doch nicht lügen, noch könnte er sich in irgendeiner Sache irren. Für die Neo-Orthodoxen kann die Schrift also nicht Gottes Wort sein und daher kann sie nicht an sich autoritativ sein.

[asa]1433539276[/asa]

Augustnius: Wie der Heilige Geist die Schrift geformt hat

Aurelius Augustinus (De doctrina Christiana, Buch 2,VII,8,15)::

Denn prächtig und heilsam hat der Hl. Geist die Hl. Schrift so umgeformt, daß er mit klareren Stellen dem Hunger begegnet, mit den dunkleren aber den Überdruß vertreibt. Fast nichts nämlich wird in jenen dunklen Stellen aufgestöbert, was nicht anderswo in klarster Weise ausgedrückt gefunden werden kann.

Heideggers Universitätskritik

Ich habe mehrfach darüber berichtet, dass der Wissenschaftsbetrieb an den Universitäten teilweise sehr „glattgebügelt“ worden ist. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Suche nach Wahrheit zugunsten der „Diversität“ vernachlässigt (vgl. hier). Wir haben inzwischen eine politisch korrekte Monokultur im Forschungsbetrieb. Anstatt Wahrheitsansprüche zu prüfen, suchen Studierende Aussagen ihrer Professoren, die emotional verletzen könnten. Lehrende und Kommilitonen werden in den USA wegen sogenannter „Mikroaggressionen“ inzwischen sogar denunziert.

In diesem Zusammenhang viel mir eine Aussage auf, die Peter Trawny in seinem frischen Heidegger-Buch zur Universitätskritik des Freiburger Philosophen gemacht hat (Heidegger Fragmente, 2018, S. 51):

Heidegger und die „Forschung“? Wer kann sich ernsthaft Heideggers Vorlesungen übers „faktische Leben“ oder über „Hölderlins ‚Ister‘“ an einer aktuellen Universität vorstellen?

Daher hat Heideggers Universitätskritik einen Punkt. Was, „wenn die Universität selbst keine Möglichkeit mehr bietet, einen Raum der Gefährlichkeit des eigentlichen Denkens freizugeben“? Gefahr meint hier intellektuelles Risiko, Lust zum Experiment, zum Abwegigen, zum Randständigen, philosophische Kreativität, Abstand zu den konformistischen Techniken, die nicht nur die Studierenden, sondern die Dozierenden selbst langweilen.

Ein paar Jahre später hat sich Heideggers Betroffenheit kanalisiert. „Lange Vermutetes“ bestätige sich „immer deutlicher durch die Organisation der Wissenschaften aus der Organisation ihrer Probleme“. Die Wissenschaften seien „während der letzten hundert Jahre auf das sichere Geleise ihres technischen Wesens gekommen“. Noch einmal der Hinweis auf die Gefahr-Reduzierung und Verharmlosung, d. h. auf die Unterdrückung improvisatorischer Spontaneität zugunsten bräsiger Forschungsprojekte („sichere Geleise“), die es im Philosophieren ohnehin nicht gibt.

[asa]3103972997[/asa]

Von der Gebetslosigkeit in den Gemeinden

John Onwuchekwa schreibt über das Gebet:

Ich habe in den letzten zehn Jahren in zwei Gemeinden pastoral gearbeitet. Ich war in Netzwerken, Organisationen, Seminaren, Kollektiven und anderen christlichen Gruppen tätig. Ich habe mit visionären Leitern zusammengesessen, die Gemeinden haben, die mit großartigen Strategien vorangehen. Ich habe auch mit Leitern zusammengesessen, die nicht besonders visionär sind und die Gemeinden mit schlechten Strategien betreuen. Ich habe mit begabten Menschen gearbeitet, mit Menschen mit durchschnittlichen Gaben und Menschen mit eher wenigen Gaben oder Fähigkeiten. Ich habe mit attraktiven Kirchen, Missionskirchen, Megakirchen, mittleren Kirchen und mageren Kirchen zusammengearbeitet.

Aus meiner Erfahrung heraus habe ich gelernt, dass diese Unterscheidungen nicht die wichtigsten sind, sondern unwesentlich und sekundär. Wenn ich eine Grenze ziehen müsste, um zwei Kategorien von Kirchen zu schaffen, würde sie sich nicht an diesen Unterschieden entlang ziehen. Ich habe gelernt, zwischen Kirchen die beten und solchen, die nicht beten, zu unterscheiden. Die Verpflichtung einer Gemeinde zum Gebet ist einer der wichtigsten Faktoren im Blick auf ihre Wirksamkeit im Dienst. Das Gebet ist Sauerstoff für den Christen. Es unterstützt uns. Daraus folgt, dass das Gebet eine Quelle des Lebens für jede Gemeinschaft von Christen sein muss.

Mehr: credomag.com.

[asa]B07BDKC419[/asa]

Lernen, christlich und selig zu sterben

Heinrich Bullinger (Unterweisung der Kranken, Schriften I, S. 109):

Wir hinfälligen, zerbrechlichen Menschen sind so nachlässig, dass wir bis auf unser Ende verschieben, was wir doch vor allem und unser ganzes Leben hindurch lernen sollten, nämlich christlich und selig zu sterben. Denn der Mensch, der so stirbt, hat den Kranz des Sieges und der Ehre errungen. Wer daher darüber nachsinnt, wie und wodurch er zu einem seligen Ende gelangen kann, kümmert sich um die höchste Weisheit. So gibt es jetzt Menschen, die das Wort „Tod“ gar nicht hören wollen, weil sie glauben, dadurch vor dem Tod sicherer zu sein. Sie schreien mit dem Propheten [Sir 41,1]: „O Tod, wie ist dein Gedächtnis so bitter“, bedenken aber nicht, dass derselbe Prophet hinzufügt: „Ja, für den Menschen ist es bitter, der seinen Trost in diesem Leben auf große Gabe und großes Gut setzt.“ Anders verhält es ach mit dem Menschen, der seine Zuversicht und sein Streben auf Gott und auf das ewige Leben setzt. Dieser betrachtet oftmals sein Ende, entledigt sich der irdischen Dinge und erfreut ach an den himmlischen. Daher hat auch Salomo gesprochen [Pred 7,3]: „Es ist besser, in das Haus der Trauer zu gehen als in das Haus des Prassens. Denn dort sieht man, wie alle Menschen enden, und wer andere tot sieht, bedenkt auch, wie es ihm selbst ergehen wird.“

Wie werden wir abschneiden?

Francis Schaeffer (Die große Anpassung, 1988, S. 87):

Gottes Wort wird nie vergehen, aber wenn wir auf die Zeiten des Alten Testaments und auf die Zeit nach Christus zurückblicken, dann müssen wir unter Tränen sagen, daß Gottes Wort aufgrund fehlender Standhaftigkeit und Treue des Volkes Gottes vielfach herabgewürdigt wurde, um es der gerade aktuellen, aber vergänglichen und sich verändernden Kultur der jeweiligen Zeit anzupassen, statt die Bibel als das unfehlbare Wort Gottes fest gegründet stehenzulassen, um den Zeitgeist und die kulturelle Umwelt der jeweiligen Epoche zu beurteilen. Im Namen des Herrn Jesus Christus: mögen unsere Kinder und Enkelkinder nicht sagen, daß man dies auch von uns behaupten kann.

[asa]3893972668[/asa]

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner