Das Wort Gottes und die Kultur

Francis Schaeffer (Die große Anpassung, 1988, S. 75):

Oder, um es anders zu formulieren: die Kultur muß ständig aufgrund der Bibel beurteilt und nicht etwa die Bibel ständig der sie umgebenden Kultur unterworfen werden. Die frühe Kirche nahm die Bibel zum Maßstab, um damit die römischgriechische Kultur ihrer Tage zu beurteilen. Die Reformation tat dies zu ihrer Zeit in bezug auf die Ende des Mittelalters auftretende Kultur. Und wir dürfen nicht vergessen, daß all die großen Erweckungsprediger dasselbe taten, als sie die Kultur ihrer Tage beurteilten. Die christliche Kirche tat dies in jeder ihrer großen Epochen in der Geschichte.

Die große Anpassung von F. Schaeffer

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Kommentare

  1. Schandor meint:

    Ihr sollt den Rand eures Haupthaares nicht rundum abschneiden, auch sollst du den Rand deines Bartes nicht beschädigen. Ihr sollt keine Einschnitte an eurem Leib machen für eine [abgeschiedene] Seele, und ihr sollt euch keine Zeichen einätzen! Ich bin der HERR.

    Ich kenn Leute (Christen!), die beschädigen nicht nur den Rand des Bartes, sondern schneiden ihn komplett ab.
    Christen, die sich Zeichen einätzen, gibts eh nicht.

    Aber im Ernst: Wo grenzt man ab?
    Dürfen Frauen jetzt Pastorinnen/Pfarrerinnen werden oder nicht?
    Dürfen Frauen im Gottesdienst beten ohne Kopfbedeckung, oder nicht? Oder sind einfach lange Haare gemeint?
    Ist’s nicht so, dass keiner eine Ahnung hat, wie’s wirklich ist?
    Woran erkennt man, was kulturell verändert werden darf und was nicht?
    Handelt es sich bei alledem nicht um Äußerlichkeiten? (Außer die Ordinationsgeschichte freilich)
    Da sagt doch jeder was anderes. Biblizitisch einfach Augen zu und durch?

    Die Erweckungsprediger hatten es leicht:
    * Kein Google, Kein Internet, Kein Facebook, keinen Fernseher, kein Auto …
    * Keine Linken, keine Grünen, keine Schwulen, keine Lesben, keine Feministen, keine Feministinnen, keine Gender*innen, GenderInnen, GenderX/innen, keine Genderbeauftragten/Innen*innen*außen*queer*x

    Wir vergessen sie nicht, die Erweckungsprediger. Aber sie sollten auch an unsere Schwierigkeiten denken da oben!

    Schaeffers Ansicht ist beizupflichten. Auch wenn das Zitat hier vage bleiben muss.
    Vielleicht entspannt sich mal wieder ’n konstruktiver Disput.

  2. Eben ist meine Rezi zu diesem Buch (erneut) erschienen.
    http://clv.de/clv-server.de/wwwroot/pdf/fut/218/fut218%20Geistliches%20Leben.pdf

  3. Schandor meint:

    Ja, eine gelungene Rezension! Ich hab das Buch gelesen.

    Mir fällt allerdings die Grenzziehung schwer. Meine Fragen sind durchaus ernst gemeint. Nur ist die Gesamtaussage einfach zu vage; damit kann man kaum etwas anfangen.
    Muss man den Lebensstil ändern? Aber ist das nicht für jeden etwas anderes?
    Mir ist klar, dass es sich auch (!) um Äußerlichkeiten handeln kann, da ja zum Beispiel nicht egal ist, wer was trägt.
    Auch wird man nicht bei Gelagen mitmachen können und dergleichen.
    Aber jedes Mal, wenn ich eine Gruppe betrachte, die sich durch den Lebensstil von anderen abhebt, komm ich nicht umhin, das mitunter äußerst seltsam zu finden.
    Mich würde interessieren, wo man da ansetzt.

  4. @ Schandor
    ich habe mich aus aktuellem Anlass gefragt ob es kulturbedingt ist, dass
    – zusätzliche Lehren wie aus der katholische Kirche gleichwertig neben der Schrift anerkannt werden sollen und
    – dass ein Fluß, der uns jahrhundertelang von Gott getrennt hat, seinen Lauf verändert hat, dass die Brücke Jesus über den Fluß nicht mehr notwendig ist und alle Weltanschauungen gleichwertig nebeneinander gelten sollen und das Evnagelium damit keine absolute Wahrheit mehr ist 🙂

  5. Helge Beck meint:

    Das Wort Gottes ist ein Kulturprodukt.

  6. Schandor meint:

    @Matze

    Die Katholika ist sicher nicht kulturbedingt. Das hat andere Ursachen (das alte Lied: Bibel=Kind der Gemeinde/Gemeinde= Kind der Bibel).
    Aber das andere, das könnte gut sein; eine postmoderne Zeiterscheinung. Die kann nicht lange überleben, weil sie sich – gut hegelisch – selbst aufhebt.

    @Helge Beck

    Stimme zu. Ein „Produkt“ aus der Kultur Gottes eben.

  7. Helge Beck meint:

    Ich mag den Sohn Schaeffers.

  8. Christ meint:

    Ich kann Schandor gut verstehen, da ich diese Fragen auch habe. Leider bemüht man sich – auch hier – kaum, darauf eine Antwort zu geben. Schade.

    Wo setzt man an? Grundsätzlich würde ich das Alte Testament da außen vor lassen, da es sich dabei um Gottes Wort an Israel handelt.
    Ist nun ALLES, was wir im Neuen Testament finden, eins zu eins quasi in den Rang einer nichtveränderbaren christlichen Kultur zu erheben? Oder gibt es auch da Weiterentwicklungen etc.? Hat man z.B. damals mit der Forderung nach der Abschaffung der Sklaverei schon den Boden der biblischen Wahrheit verlassen? Ist mann übers Wort hinaus gegangen?
    Aber zurück zu heute: Wie wichtig und zeugnishaft sind z.B. Kopfbedeckung, Kleiderordnung, Erziehungsformen oder – um ein anderes Gebiet zu benennen – Form und Struktur der Gemeindezusammenkünfte? Und welchen Stellenwert hat bei alledem die Barmherzigkeit?

    JA, wir brauchen eine Rückbesinnung auf die „Kultur Gottes“, aber ich denke manchmal, dass uns dabei (abseits der üblichen Themen Abtreibung, Feminismus, Homosexualität usw) dann doch auch sehr ungemütlich werden könnte.

    Und noch etwas berührt mich immer sehr merkwürdig: leider muss man sich fast schämen, bei diesen Fragestellungen das Wort Liebe einzuwerfen. Und nein, damit meine ich nicht die „Liebe“, die alles gleich gültig macht und jedes klare Wort scheut. Sondern die Liebe, die Barmherzigkeit mit den Schwachen und Gestrauchelten übt.

    Und ein Letztes: „Verkündiger, welche nicht auf der festen Basis von
    Gottes Wort stehen, müssen unter Gemeindezucht
    gestellt werden “ Schon aus diesem Grund ist es unerlässlich, die Frage nach der Basis zu klären. Sonst drohten uns Verhältnisse, die ich mir nicht vorstellen möchte.

  9. Schandor meint:

    @Christ

    Mir aus der Seele gesprochen.

  10. @ Schandor und Christ
    einverstanden, mit meiner ersten Einlassung habe ich versucht etwas überspitzt zu beschreiben, dass, wenn wir uns über die großen Fragen nicht einigen können, es bei den genannten Fragestellungen noch viel schwieriger wird.
    Aus meiner Einschätzung ist das so:
    Im NT wird klar zwischen richtiger Lehre und Irrlehre unterschieden, andererseits gibt es Aussagen wie „ein jeder sei seiner Meinung gewiß“. Ich denke, dass es zu vielen Alltagsfragen unser Gewissen entscheidet (wie früher: mache ich Zivildienst oder gehe ich zum Bund, was viele ernsthafte Christen unterschiedlich entschieden haben). Dies kann AUCH aus der mich umgebenden Kultur resultieren. Wo es aber einen eifernden Gott gibt ist bei Grundsatzfragen und wo man moralisch sich zu weit vom Wort Gottes entfernt. Beispiel: Ich kann akzeptieren, dass eine Frau predigt, kann es aber nicht für gut heissen, wenn eine unverheiratete Pastorin schwanger wird und die Gemeinde dann ach so tolerant wird und sie dann nicht beurlaubt wird. Deshalb sind für mich Bekleidungsfragen, Art der Musik in der Gemeinde, Länge und Ablauf der Versammlungen usw. zweitrangig; zu Grundsatzfragen wie Erlösung,
    alles rund um Ehe, Gender etc. brauchen wir aber einen klaren Stand
    Die Prüfsteine sind aus meiner Sicht auf den einzelnen und die Gemeinde bezogen:
    – Ist Jesus wirklich DER Weg, DIE Wahrheit und DAS Leben mit dieser Ausschliesslichkeit?
    – Wollen wir möglichst nahe an der Schrift bleiben?
    – Verlassen wir uns alleine auf seine Gnade oder auf Werke ?
    – Wollen wir Jesus von ganzem Herzen lieben, auch, wenn es uns etwas kostet?

    Ich denke, dass wir in den zweitrangigen Fragen großzügig sein können, bei dem Grundsätzlichen aber schon fragen sollten wie in dem alten DDR Lied: „sag mir wo Du stehst“. Zu diesen grundlegenden Fragen werden wir Stellung beziehen müssen und da wird es auch zu Klarstellungen in Gemeinden kommen(müssen).

  11. Christ meint:

    @ Matze
    Danke und 100 % Zustimmung.
    Eins vielleicht noch dazu als Ergänzung: Da mit Worten heute alles und nichts erklärt werden kann, braucht es oft ein genaueres Nachfragen, was eigentlich gemeint ist. Leider benutzen viele heute die gleichen Worte und meinen Unterschiedliches (siehe apostolisches Glaubensbekenntnis).
    In der letzten Zeit ist mir besonders beim Lesen der Johannesbriefe deutlich geworden, dass bei Irrlehrern (damals die Gnostiker) der christusferne (entweder total selbstbezogener oder aber lebensverneinender Lebensstil) aufdeckte, was hinter den wohlklingenden Worten steckte. Johannes stellte dem die Liebe als Lebenskraft in fast schon inflationärer Weise entgegen.

  12. @ Christ
    Danke für beide Anmerkungen. Beides ist fast schon inflationär und das mangelnde Verständnis der Schrift führt zu einem falschen Liebesverständnis: Es wird massiv über Liebe geredet, aber nicht nach der Schrift geliebt („Lasst uns nicht mit Worten lieben sondern mit der Tat und in der Wahrheit“), was einschliesst auch in Liebe zu ermahnen und zurechtzubringen.

  13. Johannes G. meint:

    Will sich hier denn keiner in die Nesseln setzen? Dann gehe ich mal mit gutem Beispiel voran. Hier ist er, der ultimative Ratgeber (ohne Gewähr 😉 ):

    „Biblical Propositions and Culture – A Shopper´s Guide“

    >Biblische Anweisung

    -> Rationale bzw. allgemein einsichtige moralische Anweisung, die ohne spezifische Offenbarung erkannt und begründet werden kann
    (z.B. Fragen bezgl. Lebens-, Eigentums- und Freiheitsrechte, Friedensethik, Wirtschaftsethik, Sexualethik etc.)

    –> Anweisung ist für Christen sowie Nichtchristen bindend
    –> Rational nachvollziehbare (naturrechtliche) Begründung der Anweisung für eine konstruktive Auseinandersetzung mit Andersdenkenden formulieren

    -> Ordnende, Symbolische / Zeremonielle Anweisung

    –> Anweisung findet sich nur im AT und wird im NT nicht mehr aufgenommen (z.B. div. Reinheitsgebote, das AT-Priestertum etc.)

    —-> Anweisung ist für Christen nicht bindend und muss nicht mehr befolgt werden
    —-> Sollte die Aufrechterhaltung der Verkündigung des Evangeliums schaden, darf die Anweisung nicht mehr befolgt werden

    –> Anweisung findet sich (sowohl im AT als auch) im NT oder wird im NT ggf. transformiert

    —> Anweisung ist „klar“ (d.h. es gibt eine verständliche Begründung, die eine geistliche Realität / ein geistliches Prinzip wiederspiegelt und bestenfalls klar in Tradition und Kirchengeschichte verankert ist) (z.B. Verantwortung / Leiterschaft in Ehe und Gemeinde)

    —–> Anweisung ist für Christen bindend
    —–> Die Anweisung muss ggf. dem kulturellen Kontext insofern angepasst werden, dass die geistliche Realität / das geistliche Prinzip) verständlich vermittelt wird (was nicht mit allgemeiner bzw. „weltliche“ Zustimmung verwechselt werden sollte)

    —> Anweisung ist „unklar“ (d.h. es findet sich – auch unter Einbezug der Tradition bzw. der Kirchengeschichte – keine klar verständliche Begründung oder diese kann nicht eindeutig ermittelt werden) (z.B. manche Fragen bezgl. äußerem Erscheinungsbild, Kleiderordnung, Gottesdienstgestaltung und -ordnung)

    —–> Anweisung darf und soll unter Christen kontrovers diskutiert werden
    —–> Unterschiedliche Sichtweisen sollten toleriert und der eigene Standpunkt nicht verabsolutiert werden

    —> Anweisung ist „klar“ und wird mit kulturellen Gegebenheiten begründet bzw. ergibt sich aus der damaligen Situation (z.B. Fragen bezgl. des Umgangs mit Sklaven, des Verhaltens von Sklaven, Fragen bezgl. Heirat oder Ehelosigkeit im Kontext der damaligen. Situation)

    —-> Anweisung ist für Christen nicht bindend und muss nicht mehr befolgt werden
    —-> Sollte die Aufrechterhaltung der Verkündigung des Evangeliums schaden, darf die Anweisung nicht mehr befolgt werden

    Natürlich ist diese Aufstellung mit einem gewissen Augenzwinkern zu verstehen, da sich auch mit dieser oder einer ähnlichen Systematik offenkundig nicht alle theologischen Streitfragen zur allgemeinen Zufriedenheit und mit Einmütigkeit klären lassen. Gerade wenn es eher umfangreiche und / oder mehrdeutige Aussagen zu einem Sachverhalt gibt und die Tradition keine klare oder eindeutige Linie aufweist, wird es schwierig (z.B. beim Verständnis von Abendmahl, Taufe oder Sühnetod). Die Diskussion entbrennt zudem ja nicht selten bereits an der Frage was eben „klar“ und was „unklar“ ist.

    Ich denke da helfen nur ehrliche, substantielle Debatten (d.h. eine intensive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Positionen) und die ständige Bereitschaft den eigenen Standpunkt auch zu ändern. Wenn ich z.B. sehe, wie Ulrich Parzany die Frauenordination im Vorbeigehen mit drei lose aneinandergereihten Bibelstellen begründet (s. z.B. biblipedia.de), dann darf er sich meiner Einschätzung nach auch nicht beschweren, wenn seine argumentativen Gegner in anderen Bereichen (z.B. in der Sexualethik) ebenso „hemdsärmelig“ argumentieren.

    Was die „Debattenkultur“ angeht, sehe ich zumindest im deutschsprachigen Raum erhebliche Defizite…

    LG
    Jo

  14. Matze meint:

    Noch eine Ergänzung aus meinem sehr aktuellen Erleben vor allem in Richtung Liebe, was von @Christ sehr betont wurde.

    Unsere Kultur hat sich sehr stark verändert in den letzten Jahrzehnten aus verschiedensten Gründen. Das ist alles so lange kein Problem, solange die Kultur den Spiegel des Wortes Gottes vorgehalten bekommt, was mit dem Text von Schaeffer wahrscheinlich gemeint ist.
    Wenn die Gemeinde Jesu beginnt diesen Spiegel nicht mehr Ernst zu nehmen werden sich die moralischen Maßstäbe und die von Gott gesetzten Strukturen nicht mehr geachtet. Da brauchen wir bloß bei den 10 Geboten anfangen und prüfen, wie diese in den Gemeinden heute gelebt werden . Was auf jeden Fall auf der Strecke bleibt ist die Liebe: Gottes Gebote sind keine Einschränkungen, sondern ein Schutz für uns. Wenn wir darin nicht mehr leben und z.B. „Ehre Vater und Mutter“ nicht mehr anerkennen wird die Liebe erkalten. Wahrscheinlich ist das auch der endzeitliche Aspekt:
    Wort Gottes wird nicht mehr anerkannt – > Anbiederung an die herrschende Kultur -> biblische Werte werden nicht mehr geachtet -> Liebe in den Gemeinden geht verloren – > Damit Kraft zum zeugnishaften Leben und damit zur Evangelisation
    Ausweg:
    zurück zum Wort

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