»Jesus hat Sie lieb« ist Kündigungsgrund

Kunden missionieren ist ein Kündigungsgrund, befand das Landgericht Hamm. Ein Callcenter-Agent hatte sich stets mit »Jesus hat Sie lieb« verabschiedet.

Mit religiösen Überzeugungen halten sich Arbeitnehmer Kunden und Kollegen gegenüber besser zurück. »Der Arbeitsplatz ist nicht der Platz, um religiöse Weltanschauungen zu verbreiten«, sagt der Arbeitsrechtler Michael Eckert aus Heidelberg. »Arbeitnehmer dürfen also nicht den Missionar spielen und versuchen, Kunden oder Kollegen zu bekehren«, erläuterte Eckert, der Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltvereins ist. Tun sie es dennoch und widersetzen sich damit dem Willen des Arbeitgebers, berechtige das zu einer Abmahnung und in der Folge zur Kündigung.

Das Landesarbeitsgericht in Hamm hat die fristlose Kündigung eines tief religiösen Callcenter-Agenten aus Bochum bestätigt. Der Versandhandel QVC hatte den Mann Anfang 2010 entlassen, weil er sich von Kunden am Telefon stets mit den Worten »Jesus hat Sie lieb« verabschiedet hatte.

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Joel213
11 Jahre zuvor

Also ich musste ja schon schmunzeln, als ich gelesen hatte das er in der 1. Instanz gewonnen hatte. Unsere Arbeitsgerichte sind schon recht Arbeitnehmer freundlich. Ich seh den Kündigungsgrund aber auch auf jedenfall. Der Arbeitnehmer muss sich da schon seinem Arbeitgeber fügen und bei Aufforderung seine firmenfremden Verabschiedungsformen unterlassen.

Schandor
11 Jahre zuvor

Und vor allem: Was bezweckt der Arbeitnehmer mit einer solchen gesellschaftlich deplacierten Aussage überhaupt? Doch wohl nicht, Mission zu treiben, oder? Ich stelle mir einen John Wesley vor, der im Vorübergehen einen Passanten anspricht, um ihm zu sagen, dass Jesus ihn liebt. Meine erste Frage dazu wäre: Woher wissen Sie das? Stehen Sie in Kontakt mit ihm? Darauf würde er vielleicht seine Bibel zücken und mir ein paar Stellen vorlesen. Ich würde ihn fragen, ob er sie nicht etwa aus dem Kontext reiße? Ich würde ihn fragen, ob ich denn nicht unter dem Zorn Gottes stehe (weil ich gerade die Predigt von John Owen gelesen habe)? Vielleicht gehe ich ein paar Schritte weiter und treffe auf jemanden, der mir eröffnet: „Jesus ist die Antwort!“. Ich bin erleichtert — jetzt kenne ich die Antwort. Muss nur noch rausfinden, auf welche Frage. Nein. Einen Kunden mit den Worten „Jesus hat Sie lieb“ zu verabschieden, das ist nicht Evangelisation, das ist billiger Missbrauch… Weiterlesen »

Roderich
11 Jahre zuvor

Das stimmt, Schandor. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass die Leute im Mittelalter durch die Strassen gelaufen sind und gesagt haben: „Jesus hat Dich lieb“. (Luther, Calvin und Augustinus jedenfalls nicht). Irgendwie ist unsere Theologie doch stark abgeflacht. Auf der anderen Seite muss jeder das tun, was er von Gott als richtig erkannt hat. In der Hinsicht ist dieser Mitarbeiter vielleicht mutiger als viele Christen, die alle Theorie richtig haben, aber nie mehr auf die Strasse gehen, oder sich so etwas nicht trauen wuerden. Insofern: ein gewisses Quentchen Respekt darf man schon haben vor dem Arbeitnehmer. (So ein „Jesus hat Sie lieb“ ist womoeglich immerhin ein Gespraechsaufhaenger, aus dem sich mehr ergeben kann; etwas, das bei ganz Kirchenfernen evtl ein Nachdenken ausloesen kann, egal wie falsch die Theologie ist). In unserer Stadt gibt es eine Gemeinde, die aus meiner Sicht zu gesetzlich ist, aber sie missionieren sehr sehr viel. Ich kenne einige, die durch diese Einsaetze zum Glauben gefunden… Weiterlesen »

Schandor
11 Jahre zuvor

@Roderich Ja, als ich mich kurz nach dem Verfassen meines Kommentars ins Auto gesetzt habe, um wegzufahren, hat mich ein ungutes Gefühl beschlichen wegen dieser Sache. Mag sein, dass diese Aussage ein „Aufhänger“ für ein Gespräch wird, und ja: jeder soll tun, was er für richtig hält (in dem Sinne, den Du intendiert hast). Auch ich würde gerne mit Menschen über den Glauben reden, aber ich schäme mich unendlich, jemandem einen losen Brocken einer Sache hinzuwerfen, die mein ganzes Leben infiltriert hat. Das kommt mir wie absichtliche Inflation der wichtigsten Sache, ja, der „Hauptsache“ (Hebr 8,1) vor. Ich schäme mich nicht für das Evangelium, nein, aber ich schäme mich, so damit umzugehen. So schweige ich lieber, denn ich KANN nicht reden, wenn es zwischen Tür und Angel sein soll. Außerdem ticken die Menschen bei uns vielleicht ein wenig anders: Wenn man da so etwas sagt und nicht schon im Vornherein weiß, dass einen die Menschen dann für einen Spinner halten,… Weiterlesen »

Roderich
11 Jahre zuvor

@Schandor, glaubst Du, dass der Herr Dir das gerne offenbaren wuerde, wie Du evangelistisch taetig werden kannst, wenn Du Ihn bittest? (Siehe Jakobus 1,6). (Ich denke: Jaaa). Noch eine Anmerkung: ein Bekannter sagte mir mal, wenn das eigene Herz ganz voll ist von Jesus, dann KANN man nicht anders, als ueber Ihn reden. (Man darf dann beten, dass Gott einen zu Leuten hinfuehrt, die offen sind, so wie Paulus in Apostelgeschichte 16,14-15: Er „merkte“, dass Gott einer Person das Herz aufgetan hatte). Das Problem von intellektuell orientierten Christen ist: oft lesen sie mehr Sekundaerliteratur als die Bibel. Dann ist das Herz „voll von Theologie“ oder „voll von korrekter Weltanschauung“ oder „voll von der korrekten biblischen Ethik“ – aber eben nicht voll von Jesus Christus. Wenn wir „mehr von Jesus“ in unserem Herzen haben wollen – wenn wir das wirklich wollen – dann hilft alles nichts, und wir MUESSEN mehr Zeit mit Gottes Wort verbringen, mehr beten und / oder Gott… Weiterlesen »

Schandor
11 Jahre zuvor

„glaubst Du, dass der Herr Dir das gerne offenbaren wuerde, wie Du evangelistisch taetig werden kannst, wenn Du Ihn bittest?“ Nein. Das glaube ich nicht. Schon lange nicht mehr. Zu viele Bitten, zu viel Warten, zu viele Geheimnisse, zu viel Enttäuschung, zu viele Illusionen, zuviel Einbildung. Nein. Ich glaube nicht. „Wenn wir “mehr von Jesus” in unserem Herzen haben wollen – wenn wir das wirklich wollen – dann hilft alles nichts, und wir MUESSEN mehr Zeit mit Gottes Wort verbringen, mehr beten und / oder Gott mehr gehorchen.“ Ja. Aber dann ist das etwas äußerst Triviales: Jesus kommt über das Lesen in mein „Herz“, und nicht anders. So kann JEDER in mein Herz kommen. Der Unterschied besteht dann nur noch in der Person. Mehr beten — Beten ist kein Leistungssport. Jesus sagt, wir müssten nicht viele Worte machen, da unser Vater weiß, wes wir bedürften. Paulus ändert das schon ab. Bei ihm wird es ein Beten ohne Unterlass. Eine Art… Weiterlesen »

Schandor
11 Jahre zuvor

@Roderich Ich habe noch was vergessen: „Das Problem von intellektuell orientierten Christen ist: oft lesen sie mehr Sekundaerliteratur als die Bibel.“ Das stimmt. Was mich betrifft, stimmt es insofern, als ich die Bibel ohne diese Hilfen überhaupt nicht verstehe. Ich kann einen Römerbrief 1000x lesen und verstehe nicht ein Quentchen von dem, was mir Rosenius (homiletisch) Barth (existentialistisch), Charles Hodge (exegetisch) u. a. sagen können. Mir geht es da wie dam Schatzmeister aus Ägypten: Je mehr ich lese, desto weniger verstehe ich. Davon abgesehen kann ich sie nicht im Grundtext lesen, und selbst wenn: Ich könnte nimmer so denken wie der Grieche von damals. Ich brauche die Sekundärliteratur deshalb, weil ich in der Bibel sonst lauter Widersprüche finde. Nun weiß ich wohl, dass die Widersprüche nicht auf die Schrift selbst zurückzuführen sind, sondern auf meine Nicht-Erkenntnis. Es könnte allerdings sein (und ich vermute das schon seit längerem), dass das Lesen der Schrift *an sich*, auch das beten zu Gott *an… Weiterlesen »

Schandor
11 Jahre zuvor

@Roderich Eine Frage noch abschließend: Wieviel Zeit sollte ich pro Tag mit Gebet verbringen? Diese Frage beschäftigt mich seit langem. Manche Puritaner beteten ja bis zu 8 Stunden pro Tag, und wenn man gar Andrew Murray ansieht … Gebet kostet Kraft. Und da beginnt das Problem: Wenn ich bete, erzeuge ich in mir Hoffnung. Was, wenn ich keine Kraft mehr habe, enttäuschte Hoffnungen zu ertragen? Dann muss ich doch vorsichtig sein, was die Eigengeneration an Enttäuschungspotential betrifft, oder? Wer unendlich enttäuscht ist, baut sich nicht gern neuerliche Hoffnungen auf, da die Angst, sie könnten wieder enttäuscht werden, zu groß ist. Es ist schlicht gesagt zu gefährlich, oder nicht? Ich würde ja gerne beten, aber ich traue mich nicht mehr. Die Ursachen, weshalb Gott Gebet nicht erhört, können Legion sein. Und warum beten, wenn man nicht erhört wird? Ich finde keine Antwort auf diese Fragen, und unzählige Christen haben nichts als fromme Plattheiten bereit, das ist das Schlimme. Auch Bücher über… Weiterlesen »

Roderich
11 Jahre zuvor

Lieber Schandor, vielen Dank fuer Deine ehrlichen Worte. In der Tat, es gibt einen Zustand, nennen wir ihn „Krise“, bei dem helfen Ratschlaege im Sinne eines geistlichen Fitnessprogramms nur wenig. Man kann sich – anders als Muenchhausen – nur sehr bedingt selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen… Und in der Tat, Gott ist der massgebliche Faktor, nicht unser Handeln. Auf Gott sollten wir im Prinzip alles setzen. (Gott hat uns erloest, Er hat uns fest in Seiner Hand, Er hat uns zu Seinen Kindern gemacht, Er hat uns unverrueckbare Verheissungen gegeben). (In der Bibel gibt es aber, das sollte ich trotzdem erwaehnen, immer die beiden Faktoren: Gottes souveraenes Wirken, Gottes Handeln, und menschliche Verantwortung / menschliches Handeln). Wenn ich es recht sehe, fehlt Dir im Moment der Glaube, dass Gott ueberhaupt Gebete beantwortet, und dass Gott ueberhaupt spricht (mit Dir). Dem gegenueber stelle ich erst mal neutral fest: wir brauchen aber „Glauben“, um Gott zu gefallen. Als Konsequenz… Weiterlesen »

Roderich
11 Jahre zuvor

@Schandor, auf Deine Frage: „Wie lange sollte man pro Tag beten?“: – So lange Dir der Glaube fehlt, dass Gott Gebete beantwortet, bringt es vermutlich nicht so viel, zu beten. Dann muss es zwangsweise eine reine Krampf- bzw. Leistungsangelegenheit bleiben. Ganz allgemein wuerde ich antworten: man sollte fuer die Beantwortung dieser Frage („wieviel beten“?) die allgemeinen hermeneutischen Prinzipien verwenden: – Gott gibt in Seinem Wort z.T. „direkte Anweisungen“, also wenn z.B. Jesus, Petrus oder Paulus etwas ueber das Gebet sagt. – Gott bzw. der Heilige Geist spricht auch indirekt in der Bibel, also z.B. dadurch, dass er das Leben von Personen beschreibt. Das Leben von Glaubensleuten ist uns u.a. als „Vorbild“ aufgezeichnet. – Du kannst (auf Basis von Gottes Wort) auch Deine Vernunft anwenden und 1 1 zusammenzaehlen. – Und schliesslich kann Gott auch ganz persoenlich zu Dir reden. Ich wuerde jedem ganz allgemein empfehlen, diese Frage mal an Gott selber zu richten: „Wieviel soll ich pro Tag beten“, und… Weiterlesen »

Schandor
11 Jahre zuvor

@Roderich

Lieber Freund! Ich danke Dir für Deinen Worte. Sie lassen gottseidank jegliche Besserwisserei vermissen. Ich werde es so tun, wie Du mir empfiehlst (das mit den Psalmen halte ich für eine sehr gute Idee; ich habe das früher mal gemacht und werd‘ es also wieder machen. Mit den Liedern hab ich’s nicht so sehr, höchstens mit den Texten…).

Das mit dem Beten ist eine Frage, die prinzipiell nicht objektiv zu beantworten ist, da wir als Einzelpersonen einer dreieinigen „Einzel“-Person gegenüberstehen. Ich kann ja auch nicht sagen, du musst so und so lange mit dieser und jener Person sprechen, damit du die Beziehung mit ihr verbesserst. Aber ich verstehe schon.

Danke,
Schandor

Jörg
11 Jahre zuvor

Mir hat hinsichtlich des Betens der Gedankengang geholfen, dass ich Gott nicht informieren muss, da er allwissend ist, und auch nicht zum Tun des Guten bewegen muss und kann, da er souverän und gut ist. Gebet darf deshalb nicht in der Sprache der Information (wie Nachrichten) oder Manipulation (wie Werbung) sondern eine Sprache der Freundschaft (wie Verliebte). Natürlich sind diese Elemente nicht wechselseitig ausgeschlossen und müssen es auch nicht sein (manchmal will ich meine Frau ja auch informieren oder zu etwas bewegen), aber es geht um den Hauptfokus, mit der ich der anderen Person gegenübertrete. So verstehe ich auch Jesus in der Bergpredigt (Abba vs. viele Worte, um die Gottheit zu manipulieren) und Paulus (allezeit beten vs. nur 3malige Bitte, den Stachel aus dem Fleisch zu entfernen) Konkret heißt das für mich, dass ich, wenn ich mir bewusst Zeit nehme mit Gott, ihm sage (oft schriftlich), was mich bewegt, oder was mich bewegt hat, oder was mir begegnet ist. Auch… Weiterlesen »

Schandor
11 Jahre zuvor

@Jörg

Danke für die Hinweise. Das hilft mir.

lg.
Schandor

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