Augustinus: Niemand sagt: „Herr ist Jesus“ außer im Heiligen Geist

Augustinus über den Heiligen Geist (lo. eu. tr. 74,2; CCL 36,513):

„Niemand sagt: Herr ist Jesus“ (1Kor 12,3) im Geist, im Wort, in der Tat, im Herzen, im Mund, im Werk, „niemand sagt: Herr ist Jesus außer im Heiligen Geist„ (1Kor 12,3), und niemand spricht so, außer er liebt. So sagten die Apostel schon: „Herr ist Jesus“, und wenn sie es in der Weise sagten, daß sie es nicht heuchelten, indem sie es mit dem Mund bekannten, im Herzen jedoch und in ihren Taten leugneten, wenn sie es also durchaus wahrhaftig sagten, dann liebten sie zweifelsohne. Wie also liebten sie außer im Heiligen Geist? Und doch wurden sie vorher schon geheißen, ihn zu lieben und seine Gebote zu halten, um den Heiligen Geist zu empfangen, ohne den sie in der Tat nicht lieben und die Gebote halten könnten. Es bleibt also nichts anderes übrig, als daß wir begreifen, daß der den Heiligen Geist hat, welcher liebt, und dadurch, daß er ihn hat, verdient, ihn noch mehr zu haben, und dadurch daß er ihn mehr hat, mehr liebt.

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Chrissen
3 Jahre zuvor

Hm … Was meint er mit: „… im Herzen jedoch und in ihren Taten leugneten …“? Wieso sollte man es sagen, aber im Herzen und in den Taten leugnen? Das ist doch unlogisch, oder?

Das verunsichert mich jetzt. Woran merke ich denn, daß ich es nicht heuchel im Herzen und in den Taten?

Last edited 3 Jahre zuvor by Chrissen
3 Jahre zuvor

Ich finde die zweite Frage von Chrissen völlig berechtigt. „Herr ist Jesus“ – das werden alle Christ*innen mit dem Mund bekennen. Aber leben sie es auch? Wohl keiner wird von sich behaupten, dass er es in vollkommener Weise lebe. Im Gegenteil: Wir leugnen es alle mit unseren Taten und im Herzen. Ich finde das nicht unlogisch, sondern es liegt in der Natur der Sache: Wir sind nicht perfekt – vor allem im Glauben und Lieben nicht.

Also heucheln wir im Herzen und in den Taten. Das ist einerseits schlimm, andererseits nicht. Schlimm ist es, weil wir nicht so leben, wie wir sollten. Schlimm ist es nicht, weil über all unserem Versagen Gottes Liebe steht. „Pecca fortiter – crede fortius“ sagte M. Luther: „Sündige stark, glaube stärker!“ Oder anders gesagt: Wenn du schon schwer sündigst, dann glaube noch stärker daran, dass nichts dich von Gottes Liebe trennen kann (Röm 8,38f) – auch du selbst nicht.

Clemens Altenberg
3 Jahre zuvor

off topic: Ein interessanter Artikel darüber, wie Augustinus die Prostitution legitimierte und wie Luther und die Reformatoren ihn dafür kritisierten:

https://www.derstandard.at/story/2000126732115/warum-die-kirche-prostitution-tolerierte-und-wieder-verdammte

3 Jahre zuvor

@Ron und Chrissen: Ich verstehe Mt 7,21ff so, dass es Menschen gibt, die mit dem Munde den Herrn bekennen (V21), es aber nicht mit dem Herzen tun. Man kann Jesus leicht im Munde führen, ohne dass das Herz von ihm erfüllt ist. Jesus kennt diese Menschen aber nicht (V23), weil er nie in ihrem Herzen gewesen ist. Die, in deren Herzen er war, werden aber auch die entsprechenden Taten vollbringen. Denn ein guter Baum bringt auch gute Früchte (V17), ja er KANN gar keine schlechten Früchte bringen (V18). Mit anderen Worten: Diejenigen, die Jesus mit dem Herzen bekennen (also gute Bäume sind), werden ihn auch mit Worten und Taten bekennen (gute Früchte bringen). In Bezug auf Chrissens Frage würde das bedeuten: Eigentlich müssten alle, die Jesus mit dem Herzen bekennen, ihn auch mit Worten und Taten bekennen. Weil wir aber Jesu Wirken in uns unterlaufen (wir sind Sünder), verleugnen wir ihn auch mit Worten und Taten (bringen keine guten Früchte).… Weiterlesen »

Chrissen
3 Jahre zuvor

Guten Abend Ron und Klaus!

Vielen Dank für das, was Ihr geschrieben habt. Jetzt verstehe ich das natürlich. Ich kenne die Bibelstelle. Es gibt leider tatsächlich in unserer Christenheit Menschen, die viel über und von Jesus reden, Ihn öffentlich „bekennen“, „Herr, Herr“ sagen, aber erstens nicht das, was Er will, tun, sich zweitens nicht an das, was Gott in der Schrift sagt, halten, und sich drittens nie wirklich bekehrt haben – sie bekennen den Herrn Jesus „nach dem Mund“, das war’s dann aber auch, ansonsten machen sie ihr eigenes „Ding“, das sie mit dem Herrn Jesus „ausschmücken“ …

Übrigens, Ron: Herzlichen Dank für Deine Artikel hier, für Deine Arbeit bei theoblog.de! Ich komme jeden Tag mehrmals hier vorbei. Du hast eine angenehm unaufgeregte, klare, nüchterne, sachliche und „souveräne“ Art, Christliches zu vermitteln, zu thematisieren, zu behandeln. Gottes Segen!

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