Arthur F. Holmes über Husserl und Heidegger

Arthur F. Holmes (1924–2011) hat als Philosophieprofessor am Wheaton College (Illinois, USA) berüchtigt gute Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie gehalten. Hier der Mitschnitt einer Vorlesung über Husserl und Heidegger.

Hier gibt es noch eine Vorlesung zu Nietzsche.

VD: SD

Kommentare

  1. Vielen Dank für den Hinweis. Damit könntest du mich ein, zwei Wochen einsperren. Meine Frau meinte schon: „Du warst ganz weg.“ Übrigens hat Holmes Schaeffer inhaltlich kritisiert und insbesondere zu Kierkegaard eine andere Position eingenommen. Hier meine Rezi von „All Truth is God’s Truth“, https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/R360AKB2WZWOHM/ref=cm_cr_arp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=0802817017

  2. Wie Barry Hankins in seinem Buch zeigt (Francis Schaeffer and the Shaping of Evangelical America, S. 211), konnte Holmes durchaus Positives über Schaeffer sagen. Seine Sicht zu Kierkegaard und auch anderes hat er allerdings scharf kritisiert („We … use Schaeffer as an example how not to do philosophy.“). Obwohl ich auch der Meinung bin, dass Schaeffer kein Philosoph war, verteidige ich die Auffassung, dass Schaeffer Kierkegaard recht gut verstanden hat. Im Übrigen konnte ja Schaeffer auch sehr viel Positives über Kierkegaard sagen.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Schandor meint:

    Ich habe Kierkegaard viel gelesen. Früher. Und konnte Schaeffers Sichtweise auch nicht verstehen.
    Kierkegaard sprach vom Sprung des Glaubens. Und wie ich ihn verstanden habe, meinte er nicht den Sprung ins Irrationale, sondern einfach das Wesen des Glaubens selbst: Es besteht im blinden Vertrauen dort, wo wir nicht sehen können.
    Wenigstens hier hat Schaeffer K. mE nicht verstanden. Oder absichtlich falsch verstanden.

  4. @Schandor: Kierkegaard meint, der Glaube habe keine Gründe. Also: Der Glaube ist irrational. Je weniger Evidenz für die objektive Wahrheit, desto besser für die leidenschaftliche Innerlichkeit, den Glauben. Denn für den Glaubenden „bedeuten drei Gründe nicht mehr als drei Flaschen oder drei Hirsche“ (KzT: 317).

    Liebe Grüße, Ron

  5. Dieses Zitat könnte gut von Kierkegaard stammen:

    Der evangelische Glaube ist etwas anderes. Er ist die Hingabe an Gott, die sich nicht auf Wissen und nicht auf einem Willensentschluß gründet, sondern auf die Überwindung unseres Ich dadurch, daß Gott in unser Leben tritt: durch ein Erlebnis, das uns völlig demütigt und doch beseligt und erhebt, uns in eine neue Welt versetzt. Dies Erlebnis nennen wir Offenbarung Gottes.

    Der Verfasser ist aber nicht der liebenswerte Sören, sondern der Kierkegaard-Schüler Rudolf Bultmann.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Schandor meint:

    Dann wusste er nicht, was er sagt.
    Man hat IMMER und ausnahmslos Gründe für den Glauben.
    Als Existenzialist hätte K. das wissen müssen.
    Grundlos ist nur der Wille der libertären Willensfreiheitsbefürworter.
    Sonst nichts.
    Jedenfalls muss auch K. Gründe gehabt haben für die Annahme, der Glaube habe keine Gründe.
    Eine grundlose Aussage ist bipplip. Und selbst diese Aussage hat ihren Grund.
    K. war seiner Philosophie nicht treu, denn man kann nicht keine Gründe für etwas haben — selbst Epileptiker haben Gründe, wenn sie ihnen vielleicht auch nicht ins Bewusstsein treten.
    Aber gut: Diese Aussage von K. habe ich vergessen.
    Aber ich weiß dennoch, was K. für einen Grund gehabt hat: die unmittelbare Evidenzlosigkeit. Und unter der Spannung müssen wir alle glauben.

  7. @Schandor: Unmittelbare Evidenzlosigkeit. Interessante Wortschöpfung!

    Im Ernst: Die Evidenz ist überwältigend, Himmel und Erde erzählen die Herrlichkeit Gottes.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Tim-Christian meint:

    @Ron

    Aber: „Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern.“ 😉

  9. @Ron

    Ja, langsam verstehe ich den Knoten. Bultmanns Faselei ist mir unbegreiflich.

    Diese grammatikalischen Sinnverkürzungsepigonen verbergen sich hinter dunklen Phrasen, und hätte Schopenhauer sie noch gekannt, er hätte sie in seinen schönen Satz aufgenommen:

    Jedoch die größte Frechheit im Auftischen baaren Unsinns, im Zusammenschmieren sinnleerer, rasender Wortgeflechte, wie man sie bis dahin nur in Tollhäusern vernommen hatte, trat endlich im Hegel auf und wurde das Werkzeug der plumpesten allgemeinen Mystifikation, die je gewesen, mit einem Erfolg, welcher der Nachwelt fabelhaft erscheint und ein Denkmal Deutscher Niaserie bleiben wird.

    Wenn DAS der Sprung ist, den Kierkegaard gemeint hat (also die Bultmannsche Faselei), dann ist alles klar. Dann bin ich überredet.

  10. @Schandor: Also Kierkegaard hätte wahrscheinlich auch mit Bultmann seine Schwierigkeiten gehabt. Aber m.E. ist Bultmann konsequent gewesen, wenn er dann für den Glauben auch keine Auferstehung mehr brauchte. Kierkegaard hat das vielleicht nicht gewollt, aber er hat genau diese Enwicklung, diesen Existentialismus, angestoßen.

    Insofern beunruhigt mich die Kierkegaard-Euphorie unter den evangelikalen oder auch reformierten Denkern etwas, damit einhergehend auch die Geringschätzung Hegels (der durchaus seine eigenen Probleme mitbringt) oder, weniger philosophisch, Schaeffers.

    Es gibt einen Vortrag von Prof. Jon Stewart zu Hegel und Kierkegaard. Stewart weist dort nach, ganz auf der Linie, wie ich es vor 10 Jahren getan habe, dass der Formalismus Kierkegaards (!) in die Inhaltslosigkeit geführt hat und der böse Hegel – rückblickend, der bessere Apoleget des christlichen Glaubens war, da es ihm nicht um das Gefühl der Innerlichkeit, sondern um den Inhalt des Glaubens ging.

    Hier gibt es den Vortrag:

    https://www.fernuni-hagen.de/videostreaming/ksw/forum/20140403.shtml

    Liebe Grüße, Ron

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