Brauchen wir noch Partner?

Freier als jemals zuvor wählen die Menschen heute zwischen vielen Spielarten von Beziehungen. Caroline Jebens und Elena Witzeck haben für die FAZ in dem Artikel „Brauchen wir wirklich noch die eine Person an unserer Seite?“ die neuesten Trends, zu denen Liebe auf Distanz, Polyamorie und Queerness gehören, zusammengetragen. Die Kategorie des Ehebundes verliert weiter an Bedeutung. Wichtig ist heute die stetige Aushand­lung (vgl. auch hier). Queere Lebensweisen böten – so wird Katja Kullmann zitiert –  auch Chancen für heteronormative Beziehungen:

Sind Paarbeziehungen unattraktiver geworden, seit Frauen emanzipierter sind? Im Durchschnitt halten Ehen heutzutage fast 15 Jahre, mehr als die Hälfte der Scheidungsanträge werden von Frauen gestellt. Laut dem Statistischen Bundesamt steigt vor allem die Zahl der Scheidungen nach der Silberhochzeit. Eine Studie der Universität Bern begründet den Zeitpunkt damit, dass nach dem Renteneintritt manche Paare in eine Krise geraten: zu viel Zeit – und zu wenig zu sagen. Trennt sich ein Paar in diesem Alter, tun es ihm befreundete Paare gleich. Entsteht in dieser Hinsicht ein neuer Mut bei der Aussicht, die späteren Lebensjahre mit Freunden zu verbringen? „Leute trauen sich, für sie als schlecht empfundene Beziehungen aufzulösen und sich jemand anderem zuzuwenden.“ Und das, sagt Kullmann, sei doch wohl eine gute Nachricht.

Neben der Emanzipation seien es vor allem queere Lebensweisen, die die Vorstellung davon, wie wir lieben und leben wollen, verändern. Kullmann sieht darin eine „Chance für heteronormative Beziehungen“: Wenn infrage gestellt wird, was Mannsein und Frausein eigentlich bedeutet und wie man sich innerhalb einer Beziehung verhält, könne das auch für konventionelle Paare befreiend sein. Mit der Queerness haben sich auch neue Lebensmodelle entwickelt, die oft viel pragmatischer aushandeln, wie man zusammenlebt. Alleinerziehende zum Beispiel, die sich mit Kinderlosen Wohnraum und Aufgaben teilen. Und historisch ist das noch nicht einmal Avantgarde: Bis zur Sesshaftigkeit, aus der die Ehe entstand, lebten Menschen in Sippschaften, in denen sich, vereinfacht gesagt, alle um alle kümmerten.

Ich glaube, dass auf die christlichen Gemeinden hier große Aufgaben zukommen. Wir brauchen also nicht nur eine Apologetik der christlichen Sexualethik, sondern auch eine Verteidigung der christlichen Ehe und Familie. Wünschenswert wäre, wenn diese Apologetik durch anziehende und mutmachende Ehen flankiert würde. Die jungen Leute, die heute in das Abendteuer Ehe starten, brauchen Vorbilder.

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Genschrott
8 Monate zuvor

J. D. Unwin hatte bereits in „Sex and Culture“ gezeigt, daß Promiskuität immer mit zivilisatorischem Verfall einhergeht. F. Roger Devlins „Sex – Macht – Utopie“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, in „Sex – Macht – Utopie“ geht es um die vielen kaputten Ehen.
Was brachte es mir, daß mein Vater seinen Trieb ausleben konnte, und ich kaputt in einee F(l)ickwerk-Familie aufwuchs? Depression, Fettsucht, Selbstmordversuch. Wir brauchen das Zuchthaus zurück. Selbst Psychiater schlagen Alarm ob der grassierenden Vaterlosigkeit:

https://www.wirindortmund.de/aplerbeck/vortrag-vaterlosigkeit-und-ihre-folgen-stiess-auf-grosses-interesse-66988

Fürchtete ich nicht die Hölle, tötete ich mich

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