Leerformel

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes erörterte auf der Mitgliederversammlung des Dachverbandes die »Bibelkritik von rechts«:

Nach Ansicht Morgners drücken Begriffe wie bibelgläubig, bibeltreu und schriftgläubig nicht nur hohen Respekt gegenüber der Heiligen Schrift aus, sondern signalisieren auch eine Schwerpunktverlagerung: Die Bibel bekomme für den Glauben denselben Stellenwert wie Jesus Christus. Die Vertreter dieser Überzeugung konzentrierten sich auf den Nachweis, dass die Bibel keine Fehler und Widersprüche enthalte. Damit werde die Bibel zu einem Buch degradiert, dessen Geheimnisse man mit Hilfe der Vernunft entschlüsseln könne. »Das ist Bibelkritik von rechts«, so Morgner.

Ob er sich wohl selbst verstanden hat?

Hier der vollständige Beitrag: www.idea.de.

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Achti
Gast

Ist das ein echtes Verständnisproblem oder ein rhetorischer Kniff, um den eigenen Unmut auszudrücken? 😉

Ich verstehe den Satz sehr gut und teile diese Ansicht. Aber vielleicht ist es viel komplizierter, als ich dachte…

Johannes
Gast

Ich musste erstmal lachen: „Rechte Bibelkritiker“! – Ist das jetzt die neue Variante für „Fundamentalisten“?

Für mich klingt dieses Zitat nach einem Widerspruch in sich – aber ich vermute, es geht mehr um Stimmung, als um Inhalt? Sollte das, was den Gemeinschaftsverband über mehr als ein Jahrhundert ausgezeichnet hat, nämlich Bibelgläubigkeit, nun verkehrt sein? War die Gemeinschaftsbewegung dann ein Jahrhundert auf dem Irrweg? Hat das tatsächlich der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes behauptet?

Nehmen wir es mit Humor!

Liebe Grüße, Johannes

Michael
Gast

„Jesus Christus treu zu sein ist wichtiger, als der Bibel treu zu sein. Nur dort, wo wir Jesus Christus treu bleiben können, dürfen wir auch der Bibel treu bleiben. Im Konfliktfall argumentieren wir ohne jedes Zögern mit Jesus Christus gegen die Bibel! […] Hätte Jesus auch alle erstgeborenen Söhne der ägyptischen Bevölkerung im Schlaf erwürgt, weil der Pharao verstockt war (vgl. Ex 11)? Hätte Jesus auch sämtliche Baalspriester umbringen lassen, wie es von Elia berichtet wird (vgl. 1 Kg 18,40)? […] Der Ausdruck »bibeltreu« hat auf diejenigen, die mit ihm aufgewachsen sind, eine tiefe emotionale Wirkung. Das Gegenteil von »treu«… Weiterlesen »

Michael
Gast

„Die Bibel ist das Wort Gottes.“ Genau genommen und provokativ formuliert ist das ein bibelkritischer Satz. Denn hier fällt ja jemand ein (logisches) Urteil über die Bibel der Art: x kommt (nicht) die Qualität/die Eigenschaft y zu. Auch mit der Aussage „die Bibel ist (nicht) x“ stellst sich jemand über die Bibel und kategorisiert sie. Ein solches Urteil über die Qualität der Bibel wäre nur dem möglich, der über der Bibel steht und der die Kompetenz hätte, sie einzuschätzen. […] Im Rahmen einer Hermeneutik der Demut muss es ein Anliegen sein, wenn möglich alle Reste eines cartesianischen Urteilsstandpunktes auszumerzen [Das… Weiterlesen »

Tom
Gast

Lieber Ron, 1. Jemand, der für Bibeltreue eintritt, betet die Bibel an (Bibel hat den gleichen Stellenwert wie Jesus Christus). Nicht jeder, in manchen Diskussionen kann man diesen Eindruck allerdings gewinnen. 2. Jemand, der für Bibeltreue eintritt, konzentriert sich auf den Nachweis, dass die Bibel keine Widersprüche enthält. Er kann ja sonst mit der Bibel nichts anfangen. (Also betet er die Bibel doch nicht an?) Nicht jeder, aber bei manchen hat man den Eindruck, sie fallen innerlich zusammen, wenn da nur der Hauch eines Widerspruchs in der Bibel vorhanden sein könnte. Allein eine vernünftige Diskussion ist manchmal gar nicht möglich.… Weiterlesen »

Andreas
Gast

Empfehlen möchte ich zum Thema „Bibeltreu“ den Aufsatz von Bernhard Kaiser
„Was ist Bibeltreue?“ Dieser geht auch auf die Positionen von Dr. Heinzpeter Hempelmann ein.
http://www.irt-ggmbh.de/downloads/bibeltreue.pdf

Liebe Grüße,
Andreas

Peter
Gast
Peter

statt „Bibelritik von rechts“ würde ich ja einfach „Bibelkult“ sagen, das trifft es ganz gut…

Achti
Gast

Ich hatte Morgners Zitat als Anspielung auf die Chicago-Erklärung verstanden. Denn, soweit ich sie verstehe, definiert sie ja, in welchen Bereichen die Irrtumslosigkeit nicht gilt. Im Grunde alle problematischen Stellen.
Wenn man also alle Probleme ausklammert, ist es leicht den Rest als Irrtumslos zu bezeichnen – eine philosophische Kategorie, die der Schrift uneigentlich ist.

Fazit: Die Schrift wird als irrtumslos definiert und damit handhabbar gemacht. Das empfinde ich schon als Bibelkritik, weil man sich über sie stellt und versucht, in den Griff zu bekommen.