Michael Polany: Personales Wissen – endlich in deutscher Sprache

Endlich ist das Buch Personales Wissen: Auf dem Weg zu einer postkritischen Philosophie von Michael Polany in deutscher Sprache erschienen. Der renommierte Übersetzer philosophischer Werke, Joachim Schulte, hat es für den Suhrkamp Verlag glanzvoll übertragen. Rebekka Ladewig hat das Projekt geleitet und das Buch mit einem Nachwort und Register versehen. Der Verlag schreibt über das Buch:

In seinem zum Klassiker gewordenen Buch Personales Wissen von 1958 legt Michael Polanyi das Augenmerk auf die personengebundenen Elemente wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse – auf Erfahrung und Vorwissen, Geschicklichkeit und Können. Mit dieser Intervention leuchtet er den blinden Fleck einer am Objektivitätsideal ausgerichteten Wissenschaftslogik aus, nämlich den verkörperten, vergesellschafteten Forscher selbst. Als „personales“ und in der Folge als „implizites Wissen“ konzeptualisiert, ist sein epistemologischer Ansatz zu einem der wichtigsten Beiträge der gegenwärtigen Wissenschaftsforschung avanciert. Polanyis Hauptwerk liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Hier die ersten drei Absätze aus dem Vorwort von 

In der vorliegenden Untersuchung geht es vor allem um das Wesen die Rechtfertigung der wissenschaftlichen Erkenntnis. Doch Überlegungen zur wissenschaftlichen Erkenntnis führen darüber dahinaus zu einem weiten Bereich außerwissenschaftlicher Fragen.

Zunächst lehne ich das Ideal der wissenschaftlichen Distantanz ab. Dabei ist dieses Ideal in den exakten Wissenschaften vielleicht harmlos, denn faktisch wird ihm dort von den Wissenschaften keine Beachtung geschenkt. Doch wie wir sehen werden, in der Biologie, der Psychologie und der Soziologie einen destruktiven Einfluss aus und verfälscht unsere ganze Einstellung in einem weit über den Bereich der Wissenschaft hinausgehenden Maß. Ich möchte, ganz allgemein gesprochen, ein alternatives Ideal Wissen aufstellen.

Daher rühren die große Reichweite dieses Buchs sowie die Prägüng des neuen Ausdrucks, den ich zur Formulierung des Titels „personales Wissen“. Vielleicht hat es den Anschein, diese Wörter widersprächen einander, denn wahres Wissen gilt unabhängig, allgemein begründet, objektiv. Aber der Widerspruch lässt sich auflösen, indem wir unsere Vorstellung vom Wissen und Erkennen modifizieren.

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4 Kommentare
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David
2 Monate zuvor

Das ist ja krass! Das ist der gleiche Mann der 1934 (mit Orowan und Taylor) den atomaren Mechanismus der Verformbarkeit von Metallen vorhergesagt hat…

David
2 Monate zuvor

Falls es jemanden interessiert:-)

Polanyi, M. Über eine Art Gitterstörung, die einen Kristall plastisch machen könnte. Z. Physik 89, 660–664 (1934).
https://doi.org/10.1007/BF01341481

Ben
2 Monate zuvor

@ David, würde mich schon interessieren, sofern ich auch nur ein Wort verstehen würde. 😂Da sind die Geisteswissenschaften irgendwie verständlicher.

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