Nochmal: War Jesus verheiratet?

2012 wurde ein frühchristliches Fragment bekannt, in dem Jesus von „meiner Frau“ spricht. Während einige Wissenschaftler dem Befund gegenüber skeptisch blieben, waren andere begeistert. Vor allem die feministische Karen Leigh King hat sehr lang für die Echtheit des Fragments plädiert. Die WELT schrieb 2014:

ls die Religionshistorikerin Karen Leigh King im September 2012 ihre Deutung des Papyrus-Fetzens den in Rom versammelten Kollegen vorstellte, wollten nicht wenige sich gar nicht erst mit dem Inhalt beschäftigen. Der Satz „Jesus sagte zu ihnen, ,meine Frau‘“ schien zu sehr aus dem popkulturellen Universum eines Dan Brown („Sakrileg“) zu stammen, der in seinem Bestseller „Sakrileg“ (2003) die These vertreten hatte, Jesus hätte mit Maria Magdalena Kinder gezeugt, deren Nachfahren noch heute die Erde bevölkerten. Es müsse sich bei dem „Beweisstück“ demnach um eine Fälschung handeln, war der Tenor. Bei weniger kritischen Beobachtern machte der Text dagegen bald als „Evangelium von Jesu Frau“ die Runde.

Den Anhängern der Fälschungstheorie kann Karen King, Inhaberin des renommierten Hollis-Lehrstuhls an der Universität Harvard, jetzt mit guten Argumenten widersprechen. Bei dem Papyrus handelt es sich nicht um eine moderne Fälschung, sondern um ein historisches Dokument. Radiokarbontests hätten eindeutig bewiesen, dass das vier mal 7,5 Zentimeter große Bruchstück zwischen 659 und 859 entstanden ist. Auch Schriftbild und Buchstaben passten zu dieser Datierung.

Inzwischen ist viel Wasser den Bach heruntergelaufen (hier eine Zusammenstellung der Entwicklung). Aber was der Journalist Ariel Sabar 2016 ans Licht gebracht hat, liest sich spannender als ein guter Krimi. Auch wenn es nicht mehr ganz aktuell ist:  Wer wissen möchte, was das Jesuspapyrus mit Deutschland zu tun hat, sollte sich die verrückte Geschichte irgendwie erschließen.

Hier: www.theatlantic.com.

Hier gibt es ein kurzes Video dazu:

Kommentare

  1. Dan Browns Seufzer …

  2. In dieser Angelegenheit hatte ich vor längerer Zeit einen hervoragenden Beitrag von Michael Kruger gelesen, in dem dieser auf einen anderen Artikel eingeht, der ganz im Narrativ von Karen Leigh King und Dan Brown steht.
    Michael Krugers Beitrag finde ich auch heute noch sehr lesenswert und möchte ihn gern verlinken:
    https://www.michaeljkruger.com/was-jesus-married-to-mary-magdalene-revisiting-a-stubborn-conspiracy-theory/

    Desweiteren ist auch folgender Artikel des selben Autors lesenswert (in der gleichen Angelegenheit):
    https://www.michaeljkruger.com/was-jesus-married-with-children-here-we-go-again/

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