Theodor Adorno: Der Geist des Konformismus

Der späte Theodor Adorno war im Blick auf die sich formierende Neue Linke durchaus auch kritisch. Er ärgerte sich über den Aktionismus und schrieb in seinem Aufsatz „Marginalien zu Theorie und Praxis“ aus dem Jahr 1969, dass einem Studenten sein Zimmer verwüstet worden sei, weil er lieber gearbeitet habe, als sich an den Studentenprotesten zu beteiligen (vgl. Stuart Jeffries, Grand Hotel Abrund, 2019, S. 11). Adorno sah sogar, dass Nazis und Neue Linke ähnliche Persönlichkeitstypen angezogen bzw. hervorgebracht haben (Stuart Jeffries, Grand Hotel Abrund, 2019, S. 12):

Frappierend an Adornos kritischem Denken im Jahr 1969 ist nun allerdings, dass er den autoritären Persönlichkeitstypus, der sich im Hitlerregime entfaltete, und den damit einhergehenden Geist des Konformismus als quicklebendigen Wiedergänger in der Neuen Linken und in der Studentenbewegung diagnostizierte. Beide gerierten sich als antiautoritäre Bewegungen, reproduzierten dabei jedoch gleichzeitig die repressiven Strukturen, die sie angeblich überwinden wollten. „Die am heftigsten protestieren«, so Adorno, „gleichen den autoritätsgebundenen Charakteren in der Abwehr von Introspektion“ [Anm.: im Sinne, sie verweigerten sich der Auseinandersetzung mit sich selbst].

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Confessor Reformatus
2 Monate zuvor

Interessant. Und überaus relevant für heute!
(Das Buch werde ich mir bei Gelegenheit besorgen.)

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