„Wir brauchen kein Glaubensbekenntnis, die Bibel genügt“

Viele Christen kennen den Satz: „Wir brauchen kein Glaubensbekenntnis, die Bibel genügt“. Vielleicht ist dieser Satz in einer Predigt oder in einer Bibelstunde gefallen. Vielleicht hat jemand diese oder eine ähnliche Aussage in einem Gespräch gemacht, in dem es darum ging, was den christlichen Glauben eigentlich ausmacht. Die Aussage ist kurz und klar. Aber ist sie auch ein verlässlicher und hilfreicher Grundsatz, der uns als Christen in unserem Denken über christliche Wahrheit und Autorität leiten sollte?

Carl Trueman sagt dazu:

Bevor man solche Überzeugungen kritisiert, muss man zunächst verstehen, welche Wahrheit damit eigentlich transportiert und geschützt werden soll: die Autorität und Hinlänglichkeit der Bibel als zuverlässige Quelle und höchster Maßstab des christlichen Glaubens. Dieses biblische Prinzip hat seine Wurzeln in der Reformation, als die protestantischen Reformatoren feststellten, dass viele Lehren der mittelalterlichen Kirche, etwa das Fegefeuer, der Ablass und die ausgefeilte Theorie der Transsubstantiation, nicht nur jeder biblischen Grundlage entbehrten, sondern mit der Bibel unvereinbar waren. Sie waren Erfindungen und Spekulationen einer Kirche, die für sich in Anspruch nahm, Zugang zu einer Tradition christlicher Wahrheit zu haben, die von der biblischen Offenbarung unabhängig war.

Vor diesem Hintergrund unterstreicht die grundsätzliche Ablehnung von Glaubensbekenntnissen eine wichtige Wahrheit: Die Bibel liefert den Inhalt der christlichen Lehre und die Grundsätze für die Beurteilung, ob eine Lehraussage wahr ist oder nicht. Werden wir aus Glauben allein gerechtfertigt? Ja, denn Paulus lehrt es im Römerbrief. Kann jemand Gottes Gunst durch den Erwerb eines Ablassbriefes erkaufen? Nein, denn die Bibel lehrt dies nicht nur an keiner Stelle – sie lehrt sogar das Gegenteil, wie es der Fall von Simon verdeutlicht, dem Magier in Apostelgeschichte 8. Der Wunsch, die Vorrangstellung der Bibel zu schützen, ist daher begrüßenswert.

Hier geht es weiter: www.evangelium21.net.

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13 Kommentare
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Matze
7 Tage zuvor

Es stimmt soweit, aber immer dann, wenn zu Jesus und der Erlösung durch ihn dazukommt, was notwendig zu Erlösung ist verlassen wir den biblischen Weg. Es gibt leider viele Glaubensgrundsätze mancherorts, die absolut gesetzt sind, oft nicht schriftlich niedergelegt sind, aber die Bedeutung eines Glaubenskenntnisses haben. Daher kann ich den einleitenden Satz nicht so stehen lassen

Stephan
7 Tage zuvor

@Matze: Das „Problem“ ist aus einer, dass Glaubensbekenntnisse ebenso interpretierbar sind wie die Bibel. Da sprechen zwei Menschen zusammen das Blaubensbekenntnis, und jeder hat ein eigenes Bild, oder, wie ich es häufig in den Amtskirchen erlebe, werden Passagen wie „-geboren von der Jungfrau Maria …“ nicht mitgesprochen. Wenn man abseits an der Orgel sitzt, dann bemerkt man die Lautstärkeunterschiede recht deutlich. Sicherlich wäre es von Zeit zu Zeit notwendig, in der Lehre die einzelnen Aussagen des Glaubensbekenntnisses anhand der biblischen Fundstellen zum Thema zu erläutern. Auch weil die Bibel Vorrang hat. Der Vorteil eines Glaubensbekenntnisses oder auch eines Katechismus liegt aus meiner Sicht darin, dass es (hoffentlich) die grundlegenden Auffassungen der Gemeinde reflektiert, also quasi die „Dogmen“ sind. Komme ich mit dem Glaubensbekennnis / Katechismus schon nicht klar, dann muss ich auch nicht anfangen Diskussionen über Aussagen der Bibel zu führen. Es ist also für mich eine Checkliste, ob ich die Gemeinde auch anderen empfehlen kann, oder ob ich mich… Weiterlesen »

Matze
6 Tage zuvor

Vielen Dank @ Stephan. Volle Zustimmung. Beim Lesen kam mir aber noch ein weiterer Gedanke: Eigentlich kann es nicht um Bibel vs. Glaubensbekenntnis gehen. Bei UNUM 24 konnten sicher alle das Apostolische Glaubensbekenntnis mitsprechen egal ob die einzelnen Passagen reell oder symbolisch verstanden haben. Eigentlich geht es im Kern um einzelne wenige zentrale Fragen, in denen es Klarheit braucht und an denen auch das Verständnis der Schrift hängt. Bei weniger wichtigen Fragen ergeben sich z. B. bei der Frage des Zeitpunktes der Entrückung nur unnötige Diskussionen. Auf der anderen Seite aber haben wir eine Weite, die sich der Klarheit in diesen zentralen Frsgen entzieht. Schau Dir zum Beispiel mal die Verantwortlichen der JESUS 25 an. Das ist sicher gut gemeint, aber die Leute und Organisationen, die sich daran beteiligen gehen teilweise über den biblischen Befund hinaus und andere die klar stehen wurden aus was für Gründen aussen vorgelassen. Das geschieht alles dann, wenn des Pudels Kern nicht klar ist und… Weiterlesen »

Udo
6 Tage zuvor

@Matze: Du schreibst: „Schau Dir zum Beispiel mal die Verantwortlichen der JESUS 25 an. Das ist sicher gut gemeint, aber die Leute und Organisationen, die sich daran beteiligen gehen teilweise über den biblischen Befund hinaus und andere die klar stehen wurden aus was für Gründen aussen vorgelassen.“

Kannst du das konkretisieren? Wo wird über den biblischen Befund hinausgegangen, wer sind die anderen, die außen vorgelassen wurden und worin siehst du, dass diese klar stehen und die anderen nicht?

Matze
5 Tage zuvor

@Udo
Die Veranstaltung soll eine schriftgemässe Theologie fördern. Warum lässt man dann es zu, dass die EAD in ihrer Gesamtheit als Projektpartner auftritt. Eine EAD die zu Ehe und Familie in ihrem Verbund zur Schrift widersprüchliche Theologien zulässt, sich nicht klar von Extremcharismatismus abgrenzt und in Teilen Jesus nicht als den alleinigen Heilsweg zu Gott ansieht usw. Auf der anderen Seite ( „richtig stehen“ nehme ich als missverständlich zurück) nehmen Organisationen wie EBTC, KfG, usw und Personen wie zum Beispiel Wolfgang Nestvogel nicht daran teil. Warum beschränkt man sich, wenn man schriftgemäss sein will, nur auf innerhalb der EAD?

Tony
5 Tage zuvor

Selbst beim Apostolikum gibt es unter bibeltreuen Christen verschiedene Ansichten, z.B. in Bezug auf die Worte „niedergefahren zur Hölle“, „descendit ad inferna“ (oder, wie es in der heutigen Fassung etwas geglättet heißt, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“). So schreibt Wayne Grudem in seiner „Biblischen Dogmatik“ (S. 658): „[Dieser Passus] ist für moderne Christen bestenfalls verwirrend und in den meisten Fällen irreführend. Mein eigenes Urteil ist, dass es nur Gewinn und kein Verlust wäre, wenn er ein für alle Mal aus dem Glaubensbekenntnis gestrichen würde. Bezüglich der dogmatischen Frage, ob Christus zur Hölle niederfuhr, nachdem er verstorben war, muss unsere aus mehreren Bibelstellen gewonnene Antwort offenbar ein deutliches Nein sein“. Auch John Piper hat ähnliche Aussagen gemacht. Würde mich echt mal interessieren, wie Ron und ihr Brüder dazu steht.

Stephan
5 Tage zuvor

@Tony: Lassen wir mal bitte den Begriff „Hölle“ weg, denn der ist an dieser Stelle aus meiner Sicht theologisch falsch. Im Gleichnis vom armen und vom reichen Lazarus gibt es „In Abrahams Schoss geborgen“ oder jenseits der Kluft noch eine „Abteilung“ mit „unangenehmen Existenzbedingungen“ dazu. Noch haben keine Entrückung (außer in Einzelfällen wie Henoch), keine Auferstehung der Toten, kein „jüngstes Gericht und die Überstellung in den Feuerphuhl stattgefunden. Die Verstorbenen sind jetzt also zeitlich begrenzt in einem von zwei Lagern. Nun bleiben noch Joh 5,25 sowie 28 und 1. Petr. 3,19. Demnach ist Jesus in das „Totenreich“ hinabgestiegen, und wenn in mindestens zwei Schriftstellen der Befund steht, dass den Toten das Evangelium verkündet wird (im Sinne von „es ist vollbracht, Jesus hat Tod und Sünde bezwungen“), würde ich daran nicht rütteln wollen. Die menschliche Logik (die sich allerdings irren kann) sagt mir zusätzlich, dass zwischen Tod am Kreuz und Auferstehung Jesus ja „irgendwo“ gewesen sein muss – die Himmelfahrt steht… Weiterlesen »

Udo
5 Tage zuvor

@Matze: Die Kritik an der EAD ist auch aus meiner Sicht berechtigt, und du könntest bei der FeG Bundesleitung und nicht wenigen FeGs und ihrer Ausbildungsstätte Eversbach direkt weitermachen. – Der Bibelbund ist ja mit Karl-Heinz Vanheiden würdig vertreten, wobei ich Wolfgang Nestvogel im BB schon länger nicht wahrgenommen habe. Ob sein Redestil gerade vor dem Hintergrund, dass Wahrheit und Liebe ein unzertrennliches Paar sein sollten, immer hilfreich ist, sei einmal dahingestellt.
Ich bin auch kein Anhänger von Großveranstaltungen, sehe aber hier im Trägerkreis viele glaubwürdige bibeltreue Vertreter.

Udo
5 Tage zuvor

@Tony: Ich glaube das Bekenntnisschriften und vor allem Katechismen hilfreich sind. Ein Satz im Apostolikum „descendit ad inferna“ zeigt aber auch die Grenzen auf. Er fehlt wohl in älteren Fassungen und kam wohl erst im 4. Jahrhundert hinein. War es nun das Totenreich oder die Hölle und was hat Jesus denn da wohl gemacht? Fest steht, dass die Bibel dazu keine klare Auskunft gibt. Insofern könnte man den Satz auch streichen. Zumindest muss man es erklären, mit dem, worüber die Bibel eine klare Auskunft gibt: Christus hat die Macht von Sünde, Hölle, Tod und Teufel ein für alle Mal gebrochen, was durch Auferstehung, Himmelfahrt und Sitzen zur Rechten des Vaters deutlich wird

Matze
5 Tage zuvor

@ Udo
Und was ist die Konsequenz? Zu einer Konferenz für schriftgemässe Theologie lädt man Organisationen ein die dich in weiten Teilen von Schrfttreue distanzieren, Nestvogel und andere , die recht nahe an der Schrift sind lädt man wegen ihres Redestils nicht ein. Das ist doch sehr unlogisch oder?!

Udo
5 Tage zuvor

@Matze: Wie man den Trägerkreis rekrutiert hat und wer eingeladen wurde, ist natürlich nicht bekannt. Könnte man mal Markus Till fragen. Ich denke, dass eine solche Veranstaltung helfen kann, gerade die bibeltreuen und bekenntnistreuen Kräfte in den von progressiven und liberalen antichristlichen Lehren unterwanderten Organisationen zu stärken.

Matze
4 Tage zuvor

@Udo
Aus meiner Sicht läuft es aber oft genau anders herum: weil Bekenntnustreue in Dachorganisationen verbleiben, die immer liberaler werden meinen diese sich in ihren Haltungen an das Liberale anpassen zu müssen. Ich habe schon so viele Leute diesen Weg gehen sehen. Wenn man bekenntnistreu bleiben will braucht es Distanz. Der Schwanz kann nicht mit dem Hund wedeln

Christ
1 Tag zuvor

Das sehe ich anders. Der Wert des Glaubensbekenntnisses liegt darin, dass es grundlegende Dinge von nachrangigen trennt. Und die formulierten Festlegungen sind in Phasen harten Kampfes gegen Irrlehren in der alten Kirche erstritten und erkämpft worden.

Und Danke für die eindrückliche Darstellung, dass das mit „wir haben doch die Bibel“ nie etwas wird. Am Ende geht es doch wieder nur um Personen, a la „wenn der da mitmacht, kann es ja nichts wert sein, denn der hat ja mal …

Da lob ich mir das apostolische Glaubensbekenntnis, das knapp formuliert und bewusst auch weglässt, was heute auch noch unbedingt mit reinmüsste ( der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt).

Und übrigens: ich liebe die Bibel und glaube Gott.

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