Der verirrte Westen

Laut Benedict Neff ist das Hauptproblem des Westens der Selbstzweifel. Der Westen glaube nicht mehr an seine eigene Erzählung. Ich würde da weitergehen: Das Hauptproblem des Westens ist die Gottvergessenheit. Trotzdem empfehle ich „Der grösste Feind des Westens ist der Westen“, schon allein wegen dem folgenden Abschnitt: 

Heute leidet der Westen nicht an einer auf die Antike fixierten Selbstüberhöhung, sondern an Selbstzerfleischung: Unter dem Eindruck des Postkolonialismus steht das gesamte westliche Erbe unter Anklage. Die Selbstkritik des Westens droht in einer Weise pervertiert zu werden, dass sie in Richtung Selbstzerstörung weist. Federführend dabei, und das verspricht nichts Gutes, sind die Universitäten. Unter dem Eindruck des Gaza-Krieges solidarisieren sich progressive Studenten, Professoren und Intellektuelle weltweit mit der Hamas. Es scheint, als sei im Westen der Sinn für Freiheit und Unfreiheit abhandengekommen.

Niall Ferguson schreibt: «Vielleicht ist die wirkliche Bedrohung gar nicht der Aufstieg Chinas und des Islam oder der Anstieg der CO2-Emissionen, sondern unser eigener verlorener Glaube an die Zivilisation, die wir von unseren Vorfahren ererbt haben.» Die Ablehnung der Erzählung des Westens, mit allen kritischen Punkten und Ambivalenzen, ist das Ende des Westens. Dem Kampf der Kulturen entkommt man nicht.

Mehr: www.nzz.ch.

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Jörg
28 Tage zuvor

Ein Gedanke, den ich aus den Vorlesungen von Thomas Schirrmacher mitgenommen habe, war, dass (die durch Gott eingeimpfte) Selbstkritik zur DNA von Gottes Gläubigen gehört.

Losgelöst von Gottes Geschenk und Zuspruch der Gnade und Vergebung und dort ihr Ende findend, also säkularisiert, wird sie scheinbar (mit innerer Notwendigkeit) in den christlich-jüdisch geprägten Gesellschaften zur nihilistischen Todesspirale.

Wobei es mir so vorkommt, als ob diese übersteuerte Selbstkritik sich nur auf bestimmte Bereiche richtet, während für andere Bereiche, die eine ehrliche, realistische Selbstkritik nötig hätten, nichts mehr übrig ist.

Was dann in der Zusammenschau beider Aspekte die Abwärtsspirale zementiert: die nihilistische Selbstkritik zieht nach unten, während die Fähigkeiten zur möglichen Korrektur gelähmt werden.

Matze
28 Tage zuvor

Der Autor irrt,weil „den Westen“ gibt es schon mal gar nicht, weil es sehr große Unterschiede im Nationalbewusstsein, dem Umgang mit Schuld durch die eigene Nation ( damit such mit dem Selbstzweifel) und anderen Fragen gibt. Daher sind such seine weiteren Schlüsse so durchgängig nicht richtig

Daniel
24 Tage zuvor

@Jörg: Das erinnert mich an Chestertons Zitat… „The modern world is not evil; in some ways the modern world is far too good. It is full of wild and wasted virtues. When a religious scheme is shattered (as Christianity was shattered at the Reformation), it is not merely the vices that are let loose. The vices are, indeed, let loose, and they wander and do damage. But the virtues are let loose also; and the virtues wander more wildly, and the virtues do more terrible damage. The modern world is full of the old Christian virtues gone mad. The virtues have gone mad because they have been isolated from each other and are wandering alone. Thus some scientists care for truth; and their truth is pitiless. Thus some humanitarians only care for pity; and their pity (I am sorry to say) is often untruthful.“ Als Katholik konnte er sich den Seitenhieb auf die Reformation wohl nicht verkneifen… 😉 Aber „virtues… Weiterlesen »

Helge Beck
24 Tage zuvor

Was der Westen über sich selbst denkt oder glaubt ist doch zunehmend irrelevant. Der Westen hat doch immer weniger zu sagen. Gott sei dank möchte man sagen. Die Macht schwindet, und was er noch an Phrasen von sich gibt hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Ist nur zu befürchten dass er bei seinem Abstieg alles andere mit in den Abgrund reißt.

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