Gottes Wort vertrauen – Barmherzigkeit leben

Der Gnadauer Verband hat in einer Erklärung zur evangelikalen Debatte der letzten Monate Stellung bezogen. Es heißt in „Gottes Wort vertrauen – Barmherzigkeit leben“ unter anderem:

Wir bekennen uns unverändert dazu, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. In der lebenslangen Einehe hat die menschliche Sexualität einen einzigartigen Raum zur Entfaltung und Gestaltung. Menschen, die nicht in einer Ehe leben, sind unabhängig von Geschlecht und Alter zur Enthaltsamkeit aufgerufen, zu der Gott „Wollen und Vollbringen“ schenken kann.

Weil die Lebensform eines Menschen immer „mit-spricht“ und „mit- verkündigt“, berufen wir Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, weder in den Verkündigungsdienst noch in Leitungsaufgaben. Denn Leben und Lehre gehören zusammen.

Zu lesen ist aber auch:

Wir nehmen jedoch eine Spannung wahr zwischen dem biblischen Befund und dem Leben in einer homosexuellen Beziehung. Aus unserer Sicht lassen sich biblische Aussagen über den Willen Gottes und eine homosexuelle Lebensweise nicht in Einklang bringen. – Gleichwohl gibt es einige unter uns, die an dieser Stelle eine andere exegetische Einsicht haben oder die aus dem gleichen exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen.

Ulrich Parzany hat inzwischen für das Netzwerk Bibel und Bekenntnis hilfreich Stellung genommen. Er schreibt unter anderem:

Ich bin dankbar für die Klärungen, lese aber zugleich mit Verwunderung: „Wir nehmen jedoch eine Spannung wahr zwischen dem biblischen Befund und dem Leben in einer homosexuellen Beziehung.“ Da besteht aber nicht nur eine Spannung, sondern offensichtlich ein Widerspruch.  Selbst auf der Basis verschiedener Bibelverständnisse lassen sich biblische  Aussagen über den Willen Gottes und eine homosexuelle Praxis nicht in Einklang bringen.

Hier der vollständige Text: www.bibelundbekenntnis.de.

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13 Kommentare
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Gast

Dass es eine klaren Widerspruch zwischen dem biblischen Befund und dem Leben in einer homosexuellen Beziehung gibt, ist eine Binsenweisheit. Gääähn!

Die wichtigste Botschaft der Gnadauer ist die, dass diese Spannungen bewusst ausgehalten werden sollen.

Und da frage ich, warum? Auf welcher Grundlage? Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass die Gnadauer die Kirche organisatorisch zusammenhalten wollen, vor allem die Konservativen mit immer neuen Lippenbekenntnissen hinhalten wollen – auf dass die Konservativen diesen liberalen Gesinnungshaufen noch lange finanzieren. Dass es um etwas anderes gehen sollte, das konnte mir noch niemand glaubhaft erklären.

Schandor

Aus unserer Sicht lassen sich biblische Aussagen über den Willen Gottes und eine homosexuelle Lebensweise nicht in Einklang bringen. Aus der Sicht der Bibel auch nicht! Gleichwohl gibt es einige unter uns (!!!), die an dieser Stelle eine andere exegetische Einsicht (!!!) haben oder die aus dem gleichen exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen. Der euphemistischste Euphemismus, den ich je gelesen habe. A=A A≠NonA Gleichwohl gibt es einige unter uns, die an dieser Stelle eine andere logische Einsicht haben oder die aus dem gleichen syllogistischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen. Klar gibt es die, und die nimmt logischerweise niemand für voll. Ich bin kein biblizistischer Fundamentalist, aber wenn man in exegetischer (!) Hinsicht, also dort, wo man das logisch Unproblematische problematisiert, „Einsicht“ zugibt, so weiß man längst nicht mehr, wie man einsehen soll. Da tut man nämlich nicht mehr der Exegese, der Bibel, der Sprache und der Logik Gewalt an, sondern schlicht dem gesunden Menschenverstand. Aso ja, das geht ja in der… Weiterlesen »

Klaro Caro

Sie mögen klare Widersprüche erkennen zwischen biblischem Befund und dem Leben in einer homosexuellen Beziehung. Viele (sehr viele) Menschen sehen diesen Widerspruch nicht. Es hat schon was Hochmütiges zu behaupten, dass man nicht zu anderen Überzeugungen gelangen kann als sie. Sie sind doch wohl nicht ernsthaft der Ansicht, dass alle, die auch nur einen Schritt links von ihnen stehen geistig und geistlich unterbelichtet sind.

Ich finde den Text des Gnadauer Verbands stark. Es wird klar Stellung bezogen: Biblische Wahrheit wird im Aufruf zu einer Kultur der Barmherzigkeit gesehen und nicht in der Verurteilung von Menschen, die (geprägt durch ihr Verständnis des Evangeliums) zu anderen Einsichten gelangen. Der Text strahlt Achtung vor der theologischen Arbeit anderer aus, die auf diesem Weg zu anderen Positionen gelangen.

Parzany schreibt: „Selbst auf der Basis verschiedener Bibelverständnisse lassen sich biblische Aussagen über den Willen Gottes und eine homosexuelle Praxis nicht in Einklang bringen.“
Das ist ja leider kein Witz, aber dennoch eine unsinnige Behauptung.

Johannes Strehle

Volle Zustimmung für Schandor.
Parzanys Stellungnahme ist nicht „hilfreich“, sondern hilflos!
Das ist keine „Radikalität für die Wahrheit und für Christus“,
sondern das alte Lied.
Ich lese solche zahnlosen Stellungnahmen seit 50 Jahren.
Wenn ich älter wäre, läse ich sie schon länger.
Das Ritual zwischen Progressiven und Konservativen nimmt seinen Lauf,
das hält weder Ochs noch Esel auf.
Gewinner sind zwangsläufig immer die Progressiven.
Wenn das Netzwerk „Bibel und Bekenntnis“ nicht mehr zu bieten hat,
ist es genauso wenig ernst zu nehmen wie seine Vorgänger.
Die Konsequenzen aus dieser Erklärung,
die die Mitgliederversammlung des Gnadauer Verbandes beschlossen hat,
liegen auf der Hand.
(Wenn man nicht in den Ritualen des evangelikalen Downgrades,
des „großen evangelikalen Desasters“ befangen ist)
Diener ist selbstverständlich nach wie vor
hauptamtlicher Präses und Repräsentant des Gnadauer Verbandes,
der sich in seiner Erklärung
ausdrücklich für die Akzeptanz des „Sauerteiges“ ausgesprochen hat.

Gast

Strehle

Vielen Dank für Ihre Beobachtung. Ich schließe mich dem grundsätzlich an. Gleichwohl gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es diesmal anders wird. Die Zeit ist reifer. Und die aktuelle gesellschaftliche Lage fördert die Auseinandersetzung. Links-liberale Phrasen haben einen schweren Stand, ja, gar keinen Stand, wenn es konkret wird.

Johannes Strehle

@ Ron
So ist es.
Schandor hat (bisher) gar nichts zur Stellungnahme von Parzany geschrieben,
aber (wie Parzany) zur „Gnadauer“ Erklärung.
Ich hätte eine Leerzeile einfügen sollen. Aber da nach meiner Erfahrung
Blog-Programme das nicht mitmachen, habe ich es nicht versucht.
Ich finde, Schandor hat auf seine Art schön beschrieben,
welches Denken zu solchen Erklärungen führt.
Prof. Dr. Wilder-Smith hat immer wieder darauf hingewiesen,
wie Menschen ihre Fähigkeit, klar zu denken, dauerhaft beeinträchtigen können.
Erstens durch die Gewöhnung an widersprüchliches Denken.
Zweitens durch mangelnde praktische Konsequenzen aus klarem Denken.
Die Bibel lehrt,
dass eine Verhärtung des Herzens unser Denkvermögen nachhaltig beeinträchtigt.
Die Akzeptanz von Sünde stumpft ab.

Matze


Wilder-Smith hat Recht. Die Akzeptanz von Sünde geschieht aber auch dadurch, dass sie aus dem Blickfeld gerät und über Sünde im Normalfall zu WENIG gepredigt wird. Wenn uns unsere Sündhaftigkeit nicht klar ist schwächt dies auch das Bewußtsein wie groß die Gnade ist und welch Glück es ist erlöst zu sein.

Johannes Strehle

„Wir sind sehr froh, dass es gelungen ist, die Einheit Gnadaus nach schwierigen Wochen wieder herzustellen und wollen uns nun auf die großen Herausforderungen und Ziele der nächsten Jahre konzentrieren.“ Frank Spatz, Generalsekretär des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes Abgehakt und weiter. Ein Schritt nach dem anderen. Praktizierende Homosexuelle sind als Mitglieder und Mitarbeiter endlich, dem Präses Diener sei Dank, willkommen – die Zeit war reif –, lediglich „im Verkündigungsdienst und in Leitungsaufgaben“ (noch) nicht. Für Verkündigungsdienst und Leitungsaufgaben geeignet ist im Gnadauer Gemeinschaftsverband, wer die „biblizistische“ und die „historisch-kritische Methode“ der Bibelauslegung für gleichberechtigt hält. Bultmann, der Papst der theologischen historisch-kritischen Methode, kam zum Ergebnis, dass wir aus der Bibel über den historischen Jesus nichts zuverlässig wissen außer dem „dass seines Gewesenseins“. Sein Ergebnis zur Auferstehung ist allgemein bekannt. Dass theologisch historisch kritisch nichts gegen praktizierende Homosexuelle im Verkündigungsdienst und in Leitungsaufgaben einzuwenden ist, haben die Landeskirchen den landeskirchlichen Gemeinschaften, der Basis des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, gezeigt. Es geht nun darum, wie bewährt,… Weiterlesen »