Gründlich hören (1): Von der Wichtigkeit der Theologie

Vor längerer Zeit habe ich angefangen, einige Texte zum kritischen Lesen vorzuschlagen. Im Jahr 2015 startete die Reihe mit dem Beitrag: Braucht Gott dich?.

Heute wird allerdings gar nicht mehr so viel gelesen. Vor allem jüngere Leute hören, zum Beispiel beim Joggen oder im Stau. So erlaube ich mir, einen Vortrag für das gründliche Hören zu empfehlen:

Manuel Schmid, Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona und Theologiebeauftragter der ICF-Bewegung, hat kürzlich einen Vortrag zum Thema: „Warum diese Welt Theologen braucht“, gehalten. Pastor Schmid ist definitiv ein guter Kommunikator (Leute, die mit dem Schweizer Deutsch nicht so gut klar kommen, mögen das etwas anders sehen. Ich liebe es.). Seine evangelikale Selbstkritik bringt echte Nöte auf den Punkt und ich selbst bin offen für eine faire Kritik des Evangelikalismus. Dennoch geht der Vortrag in eine merkwürdige Richtung. Die Empfehlung einer „Jesus-Hermeneutik“ und das Finale mit der Rob Bell’schen Losung „Das letzte Wort hat die Liebe“ relativiert letztendlich die Kompliziertheit und zugleich die Einfachheit der Theologie empfindlich. Ich freue mich auf die Kommentare!

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11 Kommentare
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Sergio

Es tut mir leid, aber ich kriege die Krise bei diesem weinerlichen Getue, ganz zu schweigen von der hypnotischen Musik gegen Ende (wahrscheinlich um die „Gegenwart Gottes“ herbeizuführen). Und dann immer die – teilweise impliziten – Seitenhiebe auf die Theologie: „Ich habe nicht versucht, zu erklären, warum das passiert ist …“ Und andere hätten das?! Das Schlimmste finde ich die Aussage, dass Gott sicher nicht gewollt habe, das diese schlimme Sache passiert … Wie will der Typ das wissen? Diese Absage an Gottes Souveränität begegnet mir in letzter Zeit häufiger bei jungen „Predigern“, so nach dem Motto „Mein Gott lässt so etwas nicht zu.“ Gott ist aber immer noch der selbe, egal wie viel wir herumheulen und alle umarmen wollen. Die Welt braucht braucht Theologen, aber solche, die diese Bezeichnung verdienen.

Tut mir leid, dass ich etwas ungehalten bin, aber es scheint echt im Eilzugstempo bergab zu gehen – und da werd ich hin und wieder sauer.

Raphael

Hallo Ron, Ich überlege seit langen einen Kommentar zu einem deiner vielen (sehr guten) Beiträgen zu schreiben. Nun ist es wirklich einmal so weit. Die Predigt des Herrn Schmid stimmt mich wirklich traurig. Mittlerweile rege ich mich bei solchen Personen oder Themen garnicht mehr auf, da es zu nichts führt, außer das ich mich versündigen würde. Solche Predigten stimmen mich einfach so sehr traurig deshalb, weil all den vielen Ungläubigen Menschen, die diese vielen Beiträge hören, sehen, lesen die wahre Chance zur Umkehr genommen wird. Es wird sehr viel über Liebe, und Gott und Jesus und Theologie gesprochen. Aber von Umkehr, Buße, oder Sündenerkenntnis ist NIE die Rede. Das wahre Evangelium von Jesus Christus, der für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist wird NIE erwähnt. Es wird zwar von Erlösung gesprochen, aber den Weg ZUR Erlösung hin wird nie offenbart. Es wird nie erwähnt, das wir an Jesus Christus und seine Tat glauben müssen um gerettet zu werden! Es macht… Weiterlesen »

Hanniel

Ich habe 2016 versucht, eine Antwort auf die Frage zu geben, wie wir als Christen im 21. Jahrhundert leben sollen.
„Wie wir als junge Christen im 21. Jahrhundert leben sollen, beginnt mit unserem Verständnis von Wahrheit und dem Stellenwert, den wir der Bibel einräumen. Es wird wesentlich von dem beeinflusst, wie wir über Gott und über Jesus Christus denken und wie wir uns selbst in den Blick nehmen. Aus diesen vier grundlegenden Betrachtungen – Wahrheit, Gott, Jesus, Mensch – speist sich unser Verständnis von Kirche, von Heiligung und von unserem Dienst in der Welt.“
Ich empfehle zum genauen Hören: Was sagt der Referent zur Wahrheitsfrage? Welches Bild von Gott vermittelt er? Wie stellt er Jesus dar? Und was sagt er über die Verfassung von uns Menschen?
Ich bin ein schreibender Mensch, Auftritte strengen mich an. Ausnahmsweise wurde der Vortrag vor rund 100 jungen Erwachsenen aufgenommen und auf Youtube hochgeladen. http://www.youtube.com/watch?v=gmdzKP_m2to
Schriftlich hier: https://www.evangelium21.net/downloads/pdf/H.Strebel_Wie_Leben.pdf

Sergio

@Raphael

Gut geschrieben. Ich würde das sofort unterschreiben. Nach dem ersten Ärger würde ich es wohl auch etwa so ausdrücken 😉

Davids

Hallo, danke für die vielen wertvollen Hinweise im Blog! Zu diesem Vortrag: Kluge Beobachtungen im ersten Drittel, die konterkariert werden durch seine eigenen Thesen in den beiden weiteren, v.a. im letzten Drittel. Der Referent widerspricht sich. Zunächst persifliert er einen naiven „Jesus“-Glauben, dem es genügt, zu sagen: „Ich brauche keine Theologie, mir genügen meine Bibel und mein Jesus.“ und illustriert knackig, wie wenig weit eine solche Auffassung im Zweifel trägt. Doch was ist dann schlussendlich sein Ergebnis? „Jesus ist die beste Theologie.“ (43:53) Ja, Jesus ist die beste Theologie. Aber welcher Jesus? Doch der Rechtfertigungs-Jesus. Und nicht der Jesus, der hergenommen wird, um die Wahrheitsfrage vom Tisch zu wischen. Wieder werden Jesus und die Bibel tendenziell zwischen den Zeilen gegeneinander ausgespielt. Vielleicht ist das auch ein Mangel oder eine Unlust – oder ein Ablehnen? – systematischer Konsequenz im Durchbuchstabieren der eigenen Position. Dann doch lieber jener schlichte Jesus-Glaube, der die Bibel beim Wort nimmt, sich ganz auf den Herrn wirft,… Weiterlesen »

Peter

Leider bleibt uns Manuel Antworten auf zwei wichtige Fragen schuldig:
1) Wer ist dieser Jesus und wie bzw. wo können wir verlässliche Informationen über ihn herbekommen (eigentlich hatte er die Antwort dazu schon im vorderen Teil des Vortrags gegeben gehabt, nämlich aus der Bibel, stellt das aber anscheinend im hinteren Teil des Vortrags wieder in Frage).
2) Wie wird Gottes Liebe definiert? Worin besteht sie? Was ist ihr Wesen? Ich bin froh, dass die Bibel selber das sehr klar definiert: «Denn so [auf diese Weise] hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.»

Allein das Wort Gottes

Unsere Zeit brauch echte Prediger, die klar und deutlich dass Wort Gottes verkündigen.

Die ICF Bewegung tut mehr Schaden als dass es Segen bringt. Keiner dieser Predigt hat eine Ausstrahlung und Kraft wie deutsche Prediger vergangenen Epochen. Wilhem Busch,Ullrich Parzany, Jonathan Paul, Johann Christoph Blumhardt, Reinhold Ulonska und so weiter.

Die wachsenden Gemeinden von heute wie Hillsong, ICF, Christusgemeinde Wuppertal haben nicht diese Kraft, in diesen Gottesdienste geht es um Event, Musik, Show und emotionale Predigten ohne solide Theologie.

Wir brauchen Prediger in der Kraft Gottes, die den Menschen trifft und ihn als einen Sünder darstellt und den Herrn Jesus Christus verherrlicht.

Wir haben heute kaum stark im Wort Gottes verwurzelte Gemeinden.

Ben

@ Allein das Wort Gottes Die Analyse stimmt im Allgemeinen schon. Wir dürfen nur nicht dem Pessimismus von Elia verfallen und glauben, es wären nur ein oder zwei der biblischen Botschaft treue Prediger oder Gemeinden mit gesunder Lehre in unserem Land übrig (siehe 1.Kön 19,18; Röm 11,4). Die Prediger/Gemeinden mit schlechter Lehre haben m.E. einfach nur ein größeres Mundwerk und machen auf sich aufmerksam – etwas, das Prediger, die der Bibel treu sein wollen, nicht nötig haben. Auch wenn man sich manchmal mehr Aufmerksamkeit wünschen würde, wir predigen eben eine Botschaft, die für jeden natürlichen Menschen unattraktiv, lächerlich oder zu schlicht ist. Gerade die Schlichtheit des „alten Evangeliums“ wird von meiner Schwiegerfamilie (die zum großen Teil aus ICFlern stammt) immer wieder bemängelt und belächelt. Seis drum. Die Kraft Gottes zeigt sich eben auf andere Weise (siehe 2.Kor 4 und 12). Busch, Parzany usw. waren Werkzeuge Gottes, die viel Sichtbares bewirken durften, aber ich bin nicht sicher, ob wir dieses Sichtbare… Weiterlesen »

Sergio

@Ben
Da hast du recht. Ich muss immer aufpassen, dass ich nicht zu negativ werde in meinem Denken über diese Dinge …

Frank Mueller

Was mir an der Predigt auffällt, ist die Veränderung dessen, was es bedeutet, die Bibel auf die Vollendung in Christus hin zu betrachten. Wir wissen, dass die Gottesfülle in ihm ist, dass alles von und zu ihm hin ist, also spricht es uns an, wenn Manuel Schmid sagt, dass wir die Bibel von Jesus her lesen sollen. Und doch verändert er den Inhalt, indem er zuvor unterstellt, dass man aus der Bibel alle möglichen Lehren entwickeln kann. Die Vorgehensweise erinnert an eine Aussage des Ökonomen Hayek: „Die erfolgreichste Technik besteht darin, die alten Worte beizubehalten, aber ihren Sinn zu ändern.“