Interview mit Francis Schaeffer

So mancher wird sich fragen: „Wie kann es sein, dass Francis Schaeffer ausgerechnet bei „Pat“ Robertson im TV-Studio erschienen ist?“ Wie auch immer, hier ist das Gespräch zwischen Robertson und Schaeffer aus dem Jahre 1982:

Kommentare

  1. gandalf meint:

    Es sind auch in neuerer Zeit namhafte Personen (mir fallen spontan Tim Keller und RC Sproul ein) bei Pat Robertson gewesen. Ich sehe da auch nicht wirklich ein Problem darin. Robertson’s Publikum hört zumindest etwas Gutes.

  2. Clemens Altenberg meint:

    @ Ron (Ich probiere es hier, beim anderen Eintrag funktioniert es nicht)

    Bitte entschuldige die persönliche Frage, aber: Du führst also eine Beziehung mit Gott in der er, wie du denkst, alles was aus dir selbst kommt ablehnt und nur das, was er in dich legt, zu schätzen weiß?

    Ich kann mir so etwas nicht vorstellen. „Je mehr Gottesvorstellung, desto mehr Selbst; je mehr Selbst, desto mehr Gottesvorstellung“ schreibt Kierkegaard in der „Krankheit zum Tode“. Dort heißt es auch „Sünde ist: vor Gott verzweifelt nicht man selbst sein wollen oder vor Gott verzweifelt man selbst sein wollen.“ Verzweifelt man selbst sein wollen, das klingt nach Adams Sünde, verzweifelt nicht man selbst sein wollen, das klingt nach der von dir bevorzugten Theologie, die damit von der anderen Seite vom Pferd fliegt.

    Ich bin kein Optimist, was die menschliche Natur betrifft, kein Pelagianer. Schon gar nicht glaube ich an eine uneingeschränkte Freiheit. Lustig, dass immer wenn ich gegen Extrempositionen schreibe, mir immer gleich die entgegengesetzte Extremposition unterstellt wird. Ich bleibe bei dem alten Kompromiss: Gnade hebt die Natur nicht auf, sondern setzt sie voraus.

    Freud hat Luther sicher nicht bestätigt, denn Freud hat nie behauptet der Mensch könne überhaupt nicht tun was er will. Gut, er hat gesagt: „Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus“ – das sieht er jedoch als nichts Endgültiges, und die Psychoanalyse konzipierte er als Weg für das Ich sich mehr Platz zu verschaffen. „Wo Es war, soll Ich werden.“ Freud erkannte, wie schwer es die Vernunft gegen die Triebe hat, das Ich gegen das Es, aber er war ein Apostel der Vernunft. Luthers Ideal ist hingegen, modern gesprochen, das Es durch das Über-Ich (die Stimme Gottes) zu ersetzen und das Ich möglichst auszulöschen.

    Was habe ich an Luthers Kritik der Vernunft nicht verstanden? Entweder die Vernunft ist eine Hure oder nicht. Wenn er woanders das Gegenteil schreibt, ist das noch mehr ein Beweis für seinen sophistischen Zugang zu der Sache – doppelte Beweisführung. Die Sophisten sind dafür gescholten worden, und Luther wird beklatscht? Ich habe leider vom „Prinzen der Finsternis“ Aristoteles gelernt, dass eine Sache nicht zugleich ihr Gegenteil sein kann.

    Francis Schaeffer hat immer Konzepte kritisiert, in denen Wahrheit nicht mehr auf der Vernunft basiert. Dabei sagte schon Luther „farewell to reason“. Die reformierte Theologie redet doppelzüngig von der Vernunft. Sie beansprucht eine widerspruchsfreie Vernunft und zugleich verwirft sie dieses Axiom mit der Verdammung des Aristoteles. Es kann dich also nicht wundern, dass ich um eine Klärung der Begriffe bitte.

    Ich frage mich: Was ist für dich Philosophie, wenn du ihr Grundprinzip ablehnst? Der Glaube der Philosophie, sofern sie nicht sophistisch oder postmodern ist, ist folgender: Es gibt nur einen Logos, das Wahre, das Gute und das Schöne sind eins, und der Mensch kann sich selbstständig danach auf die Suche machen. Das sehe ich als Grundlage des philosophischen Argumentierens, andernfalls wird ihm der Boden entzogen und wir enden im Relativismus.

    Das ist auch der ursprünglich christliche Zugang zur Philosophie. Justin der Märtyrer nannte die heidnische Philosophie eines der besten Dinge die Gott den Menschen geschenkt hat. Sie war ein wichtiges Werkzeug für die christliche Theologie, denn in der Bibel finden sich keine ausgearbeiteten philosophischen Konzepte. Ich meine, das hat seinen Grund. Gott will, dass wir selber denken. Philosophie als fortgesetzter Gottesdienst.

    Philosophie schützt den Menschen vor der Hybris gottgleich zu sein, es sind Ideologie und Dogmatik, die ihn dazu verführen. Steckt nicht gerade hinter der Überzeugung genau die richte Bibelauslegung zu kennen, genau die richtige Lehre zu haben, latent eine Art Gott-Komplex?

    P.S. Wie Francis Schaeffer in seinen „moods“ mit seiner Frau umging soll nicht Teil unserer theologischen Diskussion sein. Ich will nicht über Personen diskutieren, sondern über Ideen, argumenta ad rem und nicht ad hominem. Schon gar nicht geht es mir darum in deinem blog dein Idol anzupatzen. Das war auch nicht das Motiv für Frank, als er „Crazy for God“ schrieb. Wer das Buch gelesen hat weiß, dass es nicht so ist. Ich bin erst durch diese Lektüre zu einem Bewunderer von Francis Schaeffer geworden, er war trotz seiner „moods“ und seiner Theologie, die ich in manchem nicht teilen kann, für mich ein beeindruckender Mensch. Edith Schaeffer hat die „skandalöse“ Autobiographie ihres Sohnes gekannt und ihn ermuntert so weiter zu machen (nachzulesen im Artikel „A tribute to my evangelical leader mum“: http://www.huffingtonpost.com/frank-schaeffer/a-tribute-to-my-evangelic_b_2983906.html ) Beleidigt und empört waren vor allem Leute die Francis nicht so gekannt haben wie seine Familie ihn gekannt hat. Wer sich sein eigenes Bild von Frank Schaeffer machen will, sollte sich dieses Gespräch anschauen, ich verspreche es ist getragen von Liebe und Respekt zu seinen Eltern, und es fällt kein böses Wort über sie: https://www.youtube.com/watch?v=X4dSNWKPgg4

  3. Johannes Strehle meint:

    Eines der weitverbreiteten Übel unter den Christen ist, dass sie die Schlagseiten der christlichen Führer mit frommen Begründungen diskret behandeln wollen. Sie erreichen zuverlässig das Gegenteil: Unglaubwürdigkeit, also mit das Übelste für Christen. (Wie auch im öffentlichen Leben) Das kommt davon, wenn Christen ihre Vorstellungen von Frömmigkeit über die Maßstäbe der Bibel stellen. Ein herausragendes Beispiel der Bibel für den Umgang mit Verfehlungen ist David. Dadurch hat Davids Glaubwürdigkeit nicht gelitten, im Gegenteil: Offenheit ist die Voraussetzung für Glaubwürdigkeit.
    Eine unserer Erfahrungen: Wir haben lange die Entwicklung eines evangelikalen „Werks“ in der Nähe mit erlebt und verfolgt. Wir kannten eine Reihe von zuverlässigen Leuten, die aus erster Hand wussten, was sich bei Personalentscheidungen hinter den Kulissen abspielte. Diese Entscheidungen wurden dann öffentlich mit frommen Worten „verkauft“. Ich habe in einem Brief mit Hinweis auf die Bibel einen anderen Umgang damit angemahnt. Die Antwort war (mit meinen Worten): (Nur) unser Verhalten ist christlich.

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