Paul Minot: Was ist mit der Psychiatrie los?

Ich zitiere mal aus einem Twitterbeitrag von Paul Minot: 

Ich bin seit 38 Jahren in der Psychiatrie tätig. Ich liebe meine Arbeit, meine Kollegen und meine Patienten. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich an dem größten intellektuellen Betrug dieser Zeit beteiligt bin. Wir behaupten, eine Wissenschaft zu sein, haben aber keine Ahnung, wie Gedanken oder Verhalten entstehen. Viele Milliarden Dollar werden jedes Jahr in einer Industrie ausgegeben, die auf einer korrupten Pseudowissenschaft aufbaut, die seit Jahrzehnten von Geldgebern kultiviert und ausgenutzt wird. 

Bei dem Versuch, ein korporatistisches, medikamentenorientiertes Behandlungsmodell zu verkaufen, war die Psychiatrie erstaunlich erfolgreich, neu zu definieren, was es bedeutet, ein menschliches Wesen zu sein. In der Zwischenzeit haben 20 Jahre Spitzenpsychiatrie zu einem 30%-igen Anstieg der Selbstmorde in den Vereinigten Staaten geführt – und die amerikanische Psychiatrie hat absolut nichts Konstruktives dazu zu sagen.

Mehr: threadreaderapp.com.

Ähnliche Beiträge:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

5 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Jörg D.
8 Monate zuvor

Bei aller berechtigten Kritik: ohne die Psychiatrie wäre die Not noch größer und die Zahl der Suizide noch höher.

Schandor
7 Monate zuvor

Gerd Postel hat das vor vielen Jahren schon sehr anschaulich bewiesen.

Ploni Almoni
7 Monate zuvor

Es muss um das Jahr 2004 herum gewesen sein, ich weiß es nicht mehr genau, als ich in der Gedenkstätte Hadamar war. Man konnte dort die Gaskammer, die noch aus dem Dritten Reich erhalten war, besichtigen und sogar betreten; auch der Seziertisch dahinter war noch im Original erhalten; nur die Verbrennungsöfen waren zugemauert. Heute versteckt man sich hinter Euphemismen: „Psychiatrie“, „psychische Erkrankung“, „psychiatrische Klinik“, „geschützte Station“ … Ich habe den Teufel gesehen, auch als ich noch gar nicht gläubig war. In Höchst gab es eine Klapsmühle. Die Geschlossene war eng und dunkel; sie war oft überbelegt; es war bedrückend. Ruhelose irrten umher; einige lagen fixiert offen auf dem Flur im Eingangsbereich. Jeder konnte sie anstarren, und sie wurden angestarrt … auch von mir, so entsetzt war ich. Menschen, mit denen man sich anfangs noch etwas unterhalten konnte, wurden kurze Zeit später zu sabbernden Zombies, die entweder noch ruheloser wurden oder nur schliefen Stunde um Stunde, Tag um Tag. Ich war… Weiterlesen »

Jörg D.
7 Monate zuvor

@Ploni Almoni ich kann Ihre Eindrücke von der Psychiatrie gut verstehen. Was ist aber die Alternative, wenn jemand an einer schwere Psychose leidet, der in seinen Wahnvorstellungen sich und andere gefährdet? Diese Person ist ja in keinerlei Weise ansprechbar und hat eine fehlende Krankheitseinsicht.Hier noch ein Beispiel: Eine befreundete Nachbarin leidet an einer Schizophrenie. Vor ein paar Wochen merkten wir Veränderungen in ihrem Verhalten und Reden. Aus der Vergangenheit sind uns die Anzeichen eines Krankheitsschubes vertraut. Es stellte sich heraus, dass sie ihre Medikamente abgesetzt hat. Glücklicherweise ließ sie sich nach einiger Zeit auf eine Einweisung in die Psychiatrie ein. Dort wurde sie wieder neu medikamentös eingestellt und nach ca. 2 Wochen ohne Wahnvorstellungen entlassen.

Ploni Almoni
7 Monate zuvor

Jörg, das muss jeder selbst sehen. Ich kann und will das nicht für andere entscheiden. Was ist Wahn? Was ist fehlende Krankheitseinsicht? Was ist merkwürdiges Reden? – Ich jedenfalls weiß es nicht. Damals in der Klapsmühle in Höchst war eine junge Frau, die durch diese Mittel „gekrampfte Augen“ hatte und sich die Augäpfel somit ständig nach oben „krampften“, so dass sie schon gar nicht mehr richtig sehen konnte, was vor ihr auf dem Boden lag. Das tat auch weh. Ich selbst hatte bei Amisulprid die ersten Tage verkrampfte Lippen/einen verkrampften Mund, was aussah, als würde ich jemanden küssen wollen. Das war schrecklich, mal ganz zu schweigen von der schlimmen Sitzunruhe. Am Tag kann man das noch ausgleichen, indem man wie die Ruhelosen umherläuft, aber nachts, wenn man schlafen will, ist es unerträglich. Wenn man dann nett bittet, doch etwas dagegen zu bekommen, wird man angepampt. Letztlich bekam ich Akineton, was alles dankenswerterweise sehr linderte. (Ich habe bis vor einem Jahr… Weiterlesen »

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner