Robert Spaemann (1927–2018)

Der Philosoph Robert Spaemann ist gestern im Alter von 91 Jahren in Stuttgart gestorben. Zur Erinnerung an den katholischen Intellektuellen erinnere ich an sein Gespräch mit dem Schweizer Philosophen Hans Saner (1934–2017) über das Thema: „Kann man an Gott glauben und vernünftig sein?“:

Kommentare

  1. Schade – Hans Saner entstammt aus einem pietistischen Elternhaus. Haben wir wieder einen Philosophen verloren, u.a. weil das Denken im Pietismus phasenweise als keine Tugend angesehen wurde? Wie wäre es gelaufen, wenn man dort in der Jugendstunde bei Saner (wenigstens alle drei Monate mal) in einführender Natur über eine christliche Philosophie gelehrt hätte? Oder allgemein über „Glaube und Denken“?

    (Er nennt den übertriebenen „Zwang“ als die Ursache für seine Abkehr – das ist nebenbei gesagt keine inhaltliche Aussage. Es kann ja auch für eine wahre Sache fälschlich zu viel Zwang angewendet werden).

    Laut Saner ist Gott nur ein „Gedankending“. Ich stimme Spaemann zu, dass das ein selbstwidersprüchlicher Gedanke ist, zumindest wenn ein „realer Gott“ das Gedankending ist, denn dann wäre es widersprüchlich zugleich zu denken, dass der „reale Gott nicht real“ ist.
    Dazu muss man gar nicht – wie Spaemann – gleich Anselm von Canterbury’s Ontologisches Argument bemühen.

    Der gute Kant scheint Saner auch sehr beeindruckt zu haben.
    (Soweit bis 15 min).

  2. Der Pietismus hat bekanntlichermaßen viele Atheisten erzeugt.
    Die Pastorensöhne halt, z. B. Nietzsche.
    Mich wundert das nicht. Ich hab Saner das sofort geglaubt.
    So kann einer, der als Kind vergewaltigt worden ist, selbst durch höchstes Denken nicht wiedererlangen, was ihm die Eltern genommen haben.
    Der Zwang, mit dem hier umgegangen worden ist, ist aus der Hölle. Denn genau dorthin hat er so viele geschickt.
    Der Pietismus hat die Frömmigkeit ins Gewissen gelegt und es damit so sehr belastet, dass viele daran zugrunde gegangen sind.

    Interessant ist das Gottesargument Spaemanns zur Wahrheit (bei Nietzsche). Er hat ja ein schönes kleines Büchlein dazu geschrieben: Der letzte Gottesbeweis. In der Tat ist dieser Beweis zwar ein gedanklicher und wie mir scheinen will auch ein gelungener, aber Beweise können selten überzeugen, da der Mensch ja kein erkenntnistheoretisches, sondern ein moralisches Problem hat.

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