Warum Pastorin Nadia Bolz-Weber für das Abtreibungsrecht kämpft

Nadia Bolz-Weber ist in Deutschland keine Unbekannte. Die lutherische Gemeindegründerin und Pastorin ist etwa mit Christina Brudereck aufgetreten, der Brendow Verlag hat eines ihrer Bücher veröffentlicht, die ZEIT sprach wohlwollend mit ihr über den Reformstau in der Kirche. Tobias Faix ist von dieser wortstarken und tollen Frau begeistert, das MEDIENMAGAZIN PRO berichtete sogar davon, dass laut Nadia Bolz-Weber deutlicher über Sünde gesprochen werden müsse.

Reden wir über Sünde.

Nadia Bolz-Weber hat ein neues Buch geschrieben und ich vermute, es wird demnächst in den christlichen Buchläden Europas landen. Es verkauft sich in den USA bereits blendend. Sex sells. In Shameless: A Sexual Reformation tritt sie als Sexualreformerin auf und beschreibt, wie konservative christliche Normen rund um die Sexualität die Gläubigen in jedem Aspekt ihres Lebens beeinflussen, sagen wir besser: „beschädigen“.

Die progressiven Rezensenten werden jubeln. Endlich stellt mal wieder jemand die „strenge“ christliche Sexualethik auf den Prüfstand und ermutigt zu mehr experimenteller Freiheit (vgl. Die „Neue-Sex-Perspektive“).

Die Freiheit, die Nadia Bolz-Weber einfordert, hat freilich ihren Preis. Gezahlt wird dieser von den Schwächsten, etwa von den Ungeborenen, die bei einem Schwangerschaftsabbruch getötet werden. Die grenzenlose Gnade, die Nadia Bolz-Weber so gern predigt, stößt an Grenzen, wenn es um die uneingeschränkte Selbstentfaltung sexuellen Begehrens geht. Den kleinen Kindern, die sich nicht wehren können, gilt sie nicht. Pastorin Bolz-Weber, die selbst abgetrieben hat und ihre Entscheidung nicht bereut, ist Aktivistin der Pro-Choice Bewegung und plädiert leidenschaftlich für das Recht auf Abtreibung.

Sie tut das bewusst als Christin und begründet ihre Position theologisch: In 1. Mose heißt es nämlich, dass der Mensch genau dann eine lebendige Seele wurde, als Gott ihm den Odem in seine Nase geblasen hat. Es muss also einen Zusammenhang zwischen Menschsein und Atem geben. „Diese Idee, dass Leben und Atem miteinander verbunden sind, ist etwas, woran die Menschen festhalten können, wenn sie immer noch eine Bindung an das jüdisch-christliche Denken haben.“ Der Mensch ist erst ein Mensch, wenn er atmet und so könne eine Frau bis zu dem Moment, in dem das Kind nach Luft schnappt, entscheiden, „ob sie die Schwangerschaft durchzieht oder nicht“, sagte sie im Januar 2019 in einem Interview mit NPR.

Miese Exegesen können fatale Konsequenzen haben. Oder: Wie gern instrumentalisieren wir doch die Heilige Schrift für unsere unheiligen Interessen.

Das ist die gleiche Argumentationslinie, mit der Hillary Clinton an die Öffentlichkeit ging: „Eine ungeborene Person hat keine verfassungsmäßigen Rechte“. Die Begründung ist freilich unchristlich. Um es mal mit Karl Barth zu sagen: „Das ungeborene Kind ist nämlich vom ersten Stadium an ein Kind, ein noch keimender, noch unselbständig lebender Mensch, aber ein Mensch, kein Etwas, nicht nur ein Teil des Mutterleibes“ (KD, § 55 Freiheit zum Leben, S. 473).

Warum die Befürwortung des Schwangerschaftsabbruchs nicht mit der Entmenschlichung eines Ungeborenen begründet werden sollte, erklären Jonathan Leeman und Matthew Arbo in ihrem Beitrag: „Why Abortion Makes Sense“.

Kommentare

  1. Richte nicht auf dass du nicht gerichtet wirst.

    Natürlich kann ein befruchtetes Ei zu einem Menschen werden.
    Wenn dieser Satz auch philosophischen Ansprüchen genügen sollte, so hat die Argumentation der Pastorin einen Hintergrund.

    Welcher Mensch darf sich erfrechen mir meine Meinung zu verbieten.
    Nichts gegen Diskussion.

    Letzten Endes werde ich die Wahrheit erfahren!

    P.S.: Auch mein Blog verwendet Akismet.

  2. Apg 20,28 ff:

    In jenen Tagen sagte Paulus zu den Ältesten der Gemeinde von Ephesus: Gebt acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Bischöfen bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche Gottes sorgt, die er sich durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat.

    Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen. Und selbst aus eurer Mitte werden Männer (Frauen) auftreten, die mit ihren falschen Reden die Jünger auf ihre Seite ziehen.

    Seid also wachsam, und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, unter Tränen jeden einzelnen zu ermahnen.

    Und jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen.

  3. Theophil Isegrim meint

    „Diese sind Brunnen ohne Wasser und Nebel, vom Sturmwind getrieben; und ihnen ist das Dunkel der Finsternis aufbewahrt. Denn sie führen geschwollene, nichtige Reden und locken mit fleischlichen Begierden durch Ausschweifungen diejenigen an, die kaum denen entflohen sind, die im Irrtum wandeln; sie versprechen ihnen Freiheit, während sie selbst Sklaven des Verderbens sind; denn von wem jemand überwältigt ist, dem ist er auch als Sklave unterworfen. Denn wenn sie den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus entflohen sind, aber wieder in diese verwickelt und überwältigt werden, so ist für sie das Letzte schlimmer geworden als das Erste. Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als sich, nachdem sie ihn erkannt haben, wieder abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort ergangen: Der Hund kehrt wieder um zu seinem eigenen Gespei, und: Die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.“ (2. Petrus 2,17-22)

    Diese Bibelstelle beschreibt die selbsternannte Prophetin hervorragend, wie ich meine. Sie hat von der Freiheit, die Christus schenken kann, nicht den blassesten Schimmer. Die Freiheit von unseren Wünschen, unseren unheiligen Zielen, die Freiheit von unserem Egoismus. Echte Gemeinschaft mit Gott, die wir so dringend benötigen. Stattdessen hat sie Freiheit von Christus und ist ein Sklave der Sünde. Wer dieser Lehre folgt, der trennt sich von Gott und umarmt die Sünde und damit den Tod. Vielleicht hat sie deshalb so viel Sympathie fürs Töten, weil sie nicht mehr in der Lage ist eine klaren Blick zu fassen.

    Wenn ich so einer begegnen würde, würde es Sinn machen sich mit einer solchen auseinanderzusetzen? Ich tendiere eher zu nein. Was soll das bringen? Die ist ja vollkommen verwirrt.

  4. „Miese Exegesen können fatale Konsequenzen haben.“ – Ein beherzigenswerter Satz!
    Der blanke Materialismus spricht aus der Begründung Nadia Bolz-Webers. Wie wohltuend ist es da auf
    https://www.geolitico.de/2019/01/01/die-jusos-und-der-kindermord/
    zu lesen, dass eben keinesfalls das menschliche Leben erst mit dem ersten Atemzug beginne.

  5. Zur Info: http://www.idea.de.
    Liebe Grüße, Ron

  6. Johannes meint

    PRO berichtet/kommentiert inzwischen auch:

    https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/02/05/nadia-bolz-webers-fragwuerdiges-argument-fuer-abtreibung/

    Adam zum Kronzeugen für ein vermeintliches Recht auf Abtreibung zu machen ist bei näherer Betrachtung besonders perfide. Der erste Mensch ist bekanntlich nicht nur nicht geboren worden, sondern wurde als erwachsener (!) Mann geschaffen. In letzter Konsequenz würde diese Auslegung bedeuten: Lebensrecht frühestens ab 18. Schaurig! Auch wenn Frau Bolz-Weber soweit dann natürlich nicht geht.

  7. @Ron
    Ich frage mich, warum „idea“ nicht klarer Stellung bezieht … In so einer Frage sollte ein christliches Magazin doch nicht einfach „objektiv“ berichten und dieser Person indirekt eine Plattform bieten, oder sehe ich das falsch?

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