Was Not tut

Es gibt in der dynamischen christlichen Szene einen Leiterwahn. Durch Schulungen von Leitern sollen Gemeinden auf eine neue, auf eine höhere Ebene geführt werden (siehe auch hier). Die armen Leiter. Können sie diese Lasten wirklich tragen?

Leiterausbildung ist wichtig. Aber Programme, Leitbilder, Persönlichkeitsentwicklung, Visionen und allerlei »Tools« werden nicht weiterhelfen, solange geistliche Leiter das Anliegen der ersten Jünger in Jerusalem vernachlässigen. Die Jünger bekannten in Apg 6,4:

Wir aber werden festhalten am Gebet und am Dienst des Wortes.

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11 Comments
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Charly
10 Jahre zuvor

Eventuell liegt dieser „Leiterwahn“ auch daran, dass so viele dem Irrtum glauben, dass Leiter Gemeinde bauen würden?
Laut Bibel baut Jesus seine Gemeinde, Leiter haben lediglich bestimmte Aufgaben und Verantwortungen darin.
Die Formel: „Die Quantität oder auch (die wahrlich zu hinterfragenden) Qualität von Leitern ist der Garant oder die Quelle der Quantitativen oder Qualitativen Vermehrung der Gemeinde.“ ist irrig.

Markus L.
10 Jahre zuvor

Spricht dann Lukas 12,12 gegen die ebenso verbreiteten Seminare zum Thema „neuen Medien“ und „Umgang mit der Presse“? 😉

Christian
Christian
10 Jahre zuvor

@Markus L.
Genau so viel oder wenig wie der Impuls von Ron gegen Leiterausbildung.
Ganz abgesehen davon, geht es in Apg 6 tatsächlich um Leitung, in Lukas 12 dagegen um Gerichtsverhandlungen. Na gut, wenn man bedenkt, wie gerne Presse urteilt anstatt zu informieren, mag man sogar eine Parallele finden …
Aber um die Gedanken mal zusammenzubringen. Ich erlebe leider immer wieder, dass von vielen christlichen Leitern in Gemeinden und Werken eher erwartet wird, dass sie sich gut öffentlich darstellen können (z.B. im „Umgang mit der Presse“ oder in den „neuen Medien“) als dass sie Beter sind. Wenn ich mit jungen Theologen als Berufsanfängern rede, dann kenne ich leider kein Beispiel, wo jemand beim Bewerbungsgespräch in der Gemeinde oder einem christlichen Werk auf sein persönliches Gebetsleben angesprochen worden wäre. Fragen nach Umgang mit Presse oder einem eigenen Blog gehören dagegen inzwischen zum Standard. Ich sehe das persönlich als gefährliche Richtung.

Markus L.
10 Jahre zuvor

@christian: verstehe schon! deswegen ja auch der smiley. Ich denke, dass es da ganz klar ein doppeltes Defizit gibt. Das was Ron eigentlich anspricht und mit Apg. 6 ja auch herausstellt. Luthers empfohlene Art der Predigtvorbereitung, die zumindest theoretisch bis vor wenigen Jahrzehnten noch angesehen war – der Prediger der betend die Bibel erschließt -, findet sich heute schon aus Zeitgründen kaum noch. Das andere Defizit – dass dem angesprochenen nicht als Kontra entgegen steht! – wiegt ähnlich schwer: in unseren Gemeinden herrscht ebenso eine intellektuelle und ästhetische Dürre vor. Nicht nur geistlich, auch intellektuell, entsprechen die Inhalte und die Methoden unserer Vermittlung und Predigt nicht dem, was nötig ist. Oft geht beides einher: eine Predigt, die nur aus einem Andachtsbüchlein oder einer Predigtdatenbank kopiert wurde, ermangelt beidem: geistlicher und geistiger Tiefe. Und das merkt man unseren Gemeinden, gleich welcher Couleur an. Denn soweit kann man gehen: die Verkündigung des neuen Christusglaubens war qualitativ von geistiger und geistlicher Kompetenz geprägt… Weiterlesen »

Johannes Strehle
Johannes Strehle
10 Jahre zuvor

Zunächst die These: Gute Leitung ist keine Garantie (Beispiel Mose), aber unerlässliche Voraussetzung für gute Gemeinde. Mir fällt kein Beispiel aus der Bibel für gute Gemeinde unter schlechter Leitung ein, auch nicht aus der Kirchengeschichte und der Gegenwart. Wenn es Ausnahmen geben sollte, bestätigen sie die Regel. Aus der Geschichte Israels können und sollen wir dazu viel lernen. Nach dem 1.Brief an die Korinther(10,11) ist sie u.a. deshalb aufgeschrieben. Zweite These: Soweit ich die (deutsche) evangelikale „Szene“ überblicke, werden die Grundanforderungen bzw. Auswahlkriterien an Gemeindeleitung nach dem 1. Brief an Timotheus und dem Brief an Titus nicht beachtet, nicht ernst genommen oder aus „Liebe“ nicht konsequent angewendet, insbesondere nicht für Pastoren. Als Beispiel die Grundanforderung „nicht eigensinnig oder eigenmächtig“. Dritte These: Auch die beste Gemeindeleitung wird in Krisen an schlechten oder verkehrten Strukturen scheitern, oder sie wird zu faulen Kompromissen gezwungen, die sowohl die Leitung als auch die Gemeinde kompromittieren. Die Gemeinde Jesu Christi ist weder eine Monarchie noch eine… Weiterlesen »

Charly
10 Jahre zuvor

Zitat: „Die historisch kritische Forschung hat nämlich festgestellt, dass ursprünglich im Brief an die Epheser nicht nur von Aposteln, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern
zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi (Elberfelder Übersetzung) die Rede war, sondern auch (hauptsächlich) von Monarchen.“

Ja, kann ich nachvollziehen. Auf sowas kommen wohl nur Anhänger einer solchen irrigen Methode der Bibelauslegung.
Fakt ist, dass diese Annahme jede Äußerung Jesu über Leitungsfunktionen im Leib Christi widerspricht. Eines will Jesus ganz sicher nicht in seinem Leib: Monarchen!

Charly
10 Jahre zuvor

Na denn 🙂 Mir sind wohl schon zu viel „Monarchenlehren“ unter Christen begegnet.

Johannes Strehle
Johannes Strehle
10 Jahre zuvor

Ja, ich wollte ironisch in komprimierter Form zugleich die historisch kritische Forschung u n d die Gemeinde-Monarchen aufs Korn nehmen. Dabei ist offensichtlich die Erkennbarkeit der Ironie auf der Strecke geblieben. Ich stimme sowohl Ron als auch Charly zu. Geistliche Reife, erkennbar an der neunfachen Frucht des Geistes, ist nicht durch Seminare und Konferenzen zu erwerben. Im günstigsten Fall können sie Lernschritte anstoßen. Auch das Handwerkszeug ist besser in einer praktischen Lehre (Beispiel Josua bei Mose) zu erwerben. Wachsen, Reifen, Lernen braucht Zeit. Gott lässt sich und uns Zeit. Einerseits profitieren wir davon, andererseits macht es uns zu schaffen. Oft „nutzen“ wir allerdings die Zeit, um auf der Stelle zu treten. Mose hat zunächst die beste Ausbildung seiner Zeit genossen, sodass er zu gegebener Zeit Pharao und der ägyptischen Elite – wie man heute sagt – auf Augenhöhe begegnen konnte. Danach hat er 40 Jahre echte pastorale Lehrzeit (als Schafhirte) absolviert. (Das war auch Davids Grundausbildung.) Dann erst war Mose… Weiterlesen »