N.T. Wright: Wie Gott König wurde

201204120533.jpgIn seinem neusten Buch How God Became King: The Forgotten Story of the Gospels votiert N.T. Wright für ein radikales Überdenken des Evangeliums. „Seit Jahren habe ich zunehmend den Eindruck, dass der Großteil der westlichen christlichen Tradition einfach vergessen hat, was die Evangelien sind“ (S. vii), schreibt er in dem für ihn charakteristisch selbstsicheren Stil. Wo liegt das Problem? Während die Glaubensbekenntnisse den Schwerpunkt darauf legen, dass Jesus Gott ist, zeigen die Evangelien, wie Gott König wird (vgl. S. 20). Es gilt, die politische Dimension des Evangeliums zu entdecken. Wright wird sehr politisch. Warum mussten wir bloß 2000 Jahre warten, bis endlich jemand erklärt, wie das Evangelium zu verstehen ist?

Matthew Barrett und Michael A.G. Haykin schreiben in ihrer Rezension:

God’s kingdom is not only in heaven but on earth. Therefore, Christianity cannot be just a religion. At the climax of his argument is this simple truth: first-century Jews would have balked at the separation of church and state. Consequently, though this is a word many fear, Wright believes we need to resurrect the word theocracy if we are to make proper sense of the Gospels and the reign of King Jesus on earth. Wright says, “It is, of course, the absence of any equivalent to Temple or Torah in our contemporary culture that makes our own way of posing the political questions so very different from those of the Jews of Jesus’s day” (173). And again, “Theocracy, a genuine Israel-style theocracy, will occur only when the other ‘lords’ have been overthrown” (206). A “new empire,” a “new theocracy” has been inaugurated that trumps Caesar’s empire. Exactly what this theocracy should look like, however, is undefined. Wright is clear, however, that it has no barriers between church and state and no government that bears the sword. But the divine right of rulers is reinstated.

In other words, for Wright the cross is not so much about vicarious substitution for the forgiveness of sins but bringing to earth social justice and a new and improved political agenda. “Those who are put right with God through the cross are to be putting-right people for the world. … From this there flows both a new missiology, including an integrated political theology, and the new ecclesiology that will be needed to support it, a community whose very heart will be forgiveness” (244). However, the NT never advocates such an “integrated political theology” supported by the church. To the contrary, the primary application of the cross is about “how to have your sins forgiven” (Acts 2:38). The gospel Christians proclaim to the nations is not a political one, but a message of salvation for sinners (Mark 16:15).

To conclude, Wright does a lot of blaming. The early church fathers, the orthodox creeds, evangelicals, democracy, Western Christianity, and others all get blamed for messing up Jesus. But fear not, Wright has come to the rescue after 2,000 years of misunderstanding and butchering Jesus to show us the true meaning of the life of Jesus that we have all missed. One begins to get the feeling by the end of the book that in Wright’s mind, everyone else has got it wrong. However, as this review has briefly sought to demonstrate, Wright’s way of looking at Jesus and the kingdom is not so much a return to the biblical text but the agenda of an Anglican churchman seeking to apply a political theology to the Gospel narratives.

Hier: thegospelcoalition.org.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

20 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Lukas_2
Lukas_2
8 Jahre zuvor

Da sage ich nur: Herr, bewahre uns vor den Theokraten, welche nicht abwarten wollen, bis Du das Königreich aufrichtest. Und: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Sylvia
Sylvia
8 Jahre zuvor

Den Eindruck, dass man vergisst, was die Evangelien sind, hab ich auch. Es wird viel über die Briefe gesprochen und zitier, aber wo bleibt die Lehre von Jesus, das fehlt mir oft sehr. Ich muss sagen, dass ich die Evangelien sehr liebe zu lesen und entdecke immer wieder was neues und kann auch mein Verhalten ändern und im Glauben wachsen, was oft nicht leicht ist 🙂 Gott ist in Jesus zu uns in die Welt gekommen und wurde Mensch. Er hat uns vorgelebt, wie man nach dem Reich Gottes streben soll: sei barmherzig, vergib deinen Feinden, segne, hilfe, verurteile nicht,… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
8 Jahre zuvor

@Lukas_2 Ja, da stimme ich Dir zu: Der Herr bewahre uns vor Theokraten, die es nicht abwarten können! ABER: Dass Jesu Christi Reich nicht von dieser Welt ist, heißt nicht, dass es auch nicht für diese Welt ist!!! Mit Deiner Erlaubnis werde ich das Vaterunser auch in Zukunft sehr wohl im Hinblick auf die Verwirklichung von mehr als innerlichem Christentum beten! Ich sehne mich nach der Umformung dieser Welt, und sie soll nicht durch Macht und Kraft, sondern durch SEINEN GEIST geschehen! Selbstverständlich werden aber Menschen dies verwirklichen, aber sicher nicht durch politische Konzepte oder gar latent umstürzlerische N.T.Wrong-Spielereien! Skepsis… Weiterlesen »

John
John
8 Jahre zuvor

Schade. Mit Polemik wie „Wright does a lot of blaming“ kann man sich leicht gegen Anfragen immunisieren und das Kind (Gute Gedanken) mit dem Bade (etwas einseitige Formulierungen/Gedanken) ausschütten.
Ich halte die Frage, was die Evangelien wirklich sind und in uns Lesern bewirken wollen, für sehr wichtig;
und ich finde es wertvoll, wie Wright das „Kingdom“ und „Cross“ zusammendenkt und es ablehnt, weder nur das Kingdom zu betonen (Gefahr der Aktivisten) oder nur das Cross zu betonen (Gefahr der Gospel Coalition).
Explizit sagt er das in seinem Vortrag auf der Wheaton Konferenz 2010:
http://www2.wheaton.edu/wetn/lectures-theology10.htm
http://espace.wheaton.edu/media/wetn/BITH/mp3/100416WrightPM.mp3

Christoph Heilig
Christoph Heilig
8 Jahre zuvor

Dass die beiden Elemente „Kreuz“ und „Königreich“ – mit jeweils unguten Folgen – tatsächlich häufig (natürlich nicht „immer“ – behauptet das Wright?) getrennt und einseitig gewertet wurden, empfinde ich als durchaus korrekt. Das Buch selbst habe ich noch nicht gelesen; ich kenne nur den Vortrag in Marburg letztes Jahr, in welchem er darstellte, wie die beiden Elemente in den Evangelien zusammengehören. Fand ich eigentlich sehr ausgewogen – würde mich daher wundern, wenn er nun tatsächlich so einseitig argumentieren würde, wie obige Rezension nahelegt: Wenn ich bei Barrett und Haykin lese, dass „for Wright the cross is not so much about… Weiterlesen »

Patrick
Patrick
8 Jahre zuvor

Neben Johannes 18,36 scheint mir auch 1. Korinther 5,9-13 gegen „theokratische“ Bestrebungen zu sprechen. Zudem kann man aus der Tatsache, dass die ersten Christen die Wiederkunft Jesu zu ihren Lebzeiten erwarteten (1. Korinther 1,7, 1. Thessalonicher 1,10, 3,13, 4,15-17, 5,4, 5,23, Hebräer 10,25, Jakobus 5,7-8, 1. Petrus 4,7, 1. Johannes 2,28) schliessen, dass ihnen solche Bestrebungen fremd waren.

John
John
8 Jahre zuvor

@Ron: Das Reich Gottes muss durch die Herzen gehen, auf jeden Fall – aber wäre doch schade, wenn es nur da bleibt. Zumal das Ziel der Weltgeschichte die Neuschöpfung (Römer 8, 1Kor 15, Off 21-22) ist, und es seit der Auferstehung von Jesus sicher ist, dass Gott dieses Ziel erreichen wird. Das als Horizont der christlichen Existenz zu betonen, tut sicher gut. Wie man auch immer zu Wright steht – wenn er den Begriff „Theokratie“ in den Mund nimmt, kann man ihm sicher keine Anbiederung an die säkulare Gesellschaft vorwerfen. Hat es nicht was theokratisches, wenn man sagt: „Jesus ist… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
8 Jahre zuvor

„Um zu verstehen, was Gott denkt und will, wird mal wohl auf das nächste Buch von ihm warten müssen.“

LOOOL!!! ROTFL!!! 🙂 🙂 🙂

Lukas_2
Lukas_2
8 Jahre zuvor

@ Lieber Schandor, ich glaube, dass der Herr in seinem Reich alle Dinge wiederherstellen wird, und dass dieses Reich nichts Innerweltliches sein wird, sondern in Macht und Herrlichkeit kommen wird. Die Frage ist aber: Ist die Parusie ein Teil dieser Geschichte oder das Ende der Geschichte? Ich habe den Dispensationalismus begonnen zu hinterfragen, als ich merkte, dass seine Deutung der Entrückung, des irdischen Tausendjährigen Reiches mit einem national-theokratischen Israel und einem Dritten Tempel in Jerusalem, des Jüngsten Gerichts usw. zu diesseitig, zu immanent ist – auffällig modern und rationalistisch. (Wie der Fundamentalismus überhaupt.) Meiner Meinung nach ist die Parusie einfach… Weiterlesen »

Christoph Heilig
Christoph Heilig
8 Jahre zuvor

Hier gibt es eine interessante Buchbesprechung von einem Wright-Wohlgesonnenen, der dieses Buch aber kritisch sieht: http://the12.squarespace.com/james-ka-smith/2012/3/27/kings-creeds-and-the-canon-musing-on-nt-wright.html
Unter anderem wirft er Wright eben auch vor, seine Thesen als komplette Neuheiten in der Theologiegeschichte auszugeben. Sehr interessant ist das Ganze auch, weil Wright in den Kommentaren selbst antwortet!

Schandor
Schandor
8 Jahre zuvor

Unter etwas „Überrealisiertem“ kann ich mir persönlich nicht das Allergeringste vorstellen, es sei denn, der Begriff soll eine übertriebene Erwartung umschreiben, derzufolge der Heilige Geist tatsächlich die Welt noch verändern wird/kann/soll. Präsentisch-hoffnungsvoll – das hieße dann: Reich Gottes im Inneren (Veränderung des Denksinnes [=Herzens]) und auch ein klein wenig nach außen? Ich selbst meine, den Unterschied zwischen den vorletzten und letzten Dingen noch im Auge zu haben. Ganz sicher aus den Augen verloren haben ihn jene deutschen Theologen mit ihrer sonderbaren Kunstsprache und ihren Konzepten, bei denen sich erst der Verstand in „Höhen“ schrauben muss, die normalsterbliche Menschen wie ich… Weiterlesen »

Peter
Peter
8 Jahre zuvor

@Schandor:
“Um zu verstehen, was Gott denkt und will, wird mal wohl auf das nächste Buch von ihm warten müssen…”

Kleine Anekdote:
Warum ist Karl Barth so alt geworden? Weil Gott lesen wollte, was Barth noch alles über IHN schreibt. 🙂

Peter

trackback

best social media campaigns

N.T. Wright: Wie Gott König wurde | TheoBlog.de

trackback

[…] König“ von N. T. Wrights „göttlichem König“ unterscheidet (vgl. N. T. Wright, How God Became King, 2012). Treat beantwortet die Frage auf S. 247 in einer längeren Fußnote. Nach eigener Aussage […]