Derzeit sind zwei Serien über Amadeus Mozart im Gespräch, „Amadeus“ auf SKY/WOW und „Mozart/Mozart“ von der ARD. Und beide Serien illustrieren, dass der postmoderne Zeitgeist nicht nur an historischer Amnesie leidet (gemeint ist das Vergessen, Verdrängen oder Nicht-Wahrnehmen historischer Zusammenhänge, Ereignisse und Erfahrungen), sondern genüßlich und verführerisch Geschichtsverfälschung betreibt. Mühelos wird der woke und postkoloniale Geist in die Vergangenheit zurückprojeziert.
Beim Mozart der ARD sieht das laut FAZ so aus:
Zur Vorstellungskraft der Autoren gehört, dass Amadeus – er benutzte „Amadeus“ nie, sondern meist „Amadé“, wurde von Liebmeinenden gern „Wolferl“ genannt – drogensüchtig ist und in eine Entzugsklinik muss. Da litauische und lettische Geldgeber wichtige Ko-Produzenten dieser „Event-Serie“ sind, sieht diese Klinik aus wie das Schloss eines bal tendeutschen Barons aus dem späten 19. Jahrhundert (Mozart und dessen Frau trugen schon bei der Hochzeit Blumenkränze im Haar wie bei lettischen Jānis-Festen am Johannistag). Zur Vorstellungskraft der Autoren gehört auch, dass wegen dieser Drogensucht ihres Bruders Maria Anna das Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ komponiert. Amadeus konnte nämlich gar nicht komponieren, zuvörderst aus gesundheit lichen Gründen. Zur Vorstellungskraft der Autoren gehört ferner, dass Leopold Mozart, der Vater der Geschwister, vor 21 Jahren eine afroeuropäische Geliebte hatte, die aufgrund ihrer Hautfarbe – „Schauen Sie mich doch an!“ – keine Karriere als Opernsängerin machen konnte. Ausgerechnet diese Eleonora Maxim, kurz „Nora“ genannt (Ibsen, ick hör dir trapsen!), wird von Maria Anna überredet, im Ari enwettstreit mit dem fiesen, aber feschen Antonio Salieri um die Vergabe eines Auftrags von Kaiser Joseph II. zur neuen „Volksoper“ anzutreten.
Während uns der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Mozart präsentiert, der nicht komponieren kann und seine eigene Musik verachtet, hat sich die Produktion von SKY/WOW der Teilhabegerechtigkeit verschrieben:
Allerdings muss auch bei Farino und Seabright rückwirkend in der Geschichte Teilhabegerechtigkeit für verschiedenste soziale Gruppen hergestellt werden. Deshalb ist Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr eine person of colour und Lorenzo da Ponte, Mozarts Lieblingslibrettist, nicht nur schwarz, sondern auch schwul. Dass der genetische Abstand Süßmayrs und da Pontes zu Afrika, der Mutter der Menschheit, geringer war als bei Mozart selbst, wäre ein neuer Befund, ist aber wahrscheinlich nur eine politisch korrekte historische Inkorrektheit.
Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.
Das Filme oft im Dienste des säkularen Missionsbefehls stehen und versuchen, unser Denken und Fühlen zu vereinnahmen, habe ich vor einigen Jahren in dem Artikel „Das Kino im Herzen“ zu zeigen versucht: www.evangelium21.net.