Seminar: „Existenzielle Verzweiflung“
Studenten lesen keine Literatur mehr – außer bei Justin McDaniel. Der Professor erlöst sie vom Smartphone. Sein Rezept: Ausgerechnet „Bücher, die traurig anfangen, in der Mitte traurig sind und traurig enden“ machen die jungen Leute glücklich und frei.
Die Story ist so lustig und schön, dass ich sie gern empfehle. Zwei Auszüge:
Von einem säkularen Wunder ist zu berichten: Justin McDaniel, einem Professor an der University of Pennsylvania, ist es gelungen, seine Studentinnen und Studenten zu verführen, dass sie ihre Nasen in leibhaftige Bücher stecken. Nicht in irgendwelche Bücher, sondern in Romane. Nicht in irgendwelche Romane, sondern Literatur; keine leichte Kost, keine Strandlektüre, sondern Bücher über existenzielle Probleme. Dafür schalten die Kids sogar ihre Smartphones aus.
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Justin McDaniels Seminar heißt: „Existenzielle Verzweiflung“. Er sagt den jungen Leuten: „Hier werden Bücher gelesen, die traurig anfangen, in der Mitte traurig sind und traurig enden.“ Warum das so ist? „Weil die Leute viel Selbsthilfebücher lesen, viel Malcolm Gladwell, Romane, in denen es darum geht, Schwierigkeiten zu überwinden und ähnlichen Blödsinn.“ In McDaniels Seminar geht es hingegen darum, dass Menschen komplizierte Wesen sind; dass es häufig keine Lösungen gibt. „Eigentlich“, sagt der vergnügte Mann mit der Hornbrille, „eigentlich will ich sie fürs mittlere Alter stählen. Dann sterben die Eltern. Man hat vielleicht schon eine Scheidung hinter sich. Die Karriere hat sich nicht so entwickelt, wie sie sollte. Man versucht, selber Kinder großzuziehen.“ Er selber habe vor ein paar Jahren einen schweren Herzinfarkt überlebt.
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