Feuilleton

Feuilleton & Kunst

Wir brauchen eine Revolte gegen die KI-Sprache

Laut einer Analyse des Internetdienstleisters „Graphite“ wurden im Mai des vergangenen Jahres 52 Prozent aller neu publizierten Internetartikel von künstlicher Intelligenz verfasst. Insgesamt betrug der Anteil an KI-generierten Texten im Internet – also inklusive der vor Mai 2025 publizierten Artikel – sogar 57 Prozent.

Jens Ulrich Eckhard plädiert dafür, diesem Trend etwas entgegenzusetzen. Zum Beispiel Gedichte. Denn die Poesie überfordert die Dummheit der digitalen Logik.

Zitat: 

Gedichte werden den Lauf der Zeit nicht aufhalten, generative KI wird weiter das Internet fluten. Worum es vielmehr geht, ist die Frage, wie wir uns dazu verhalten. Irgendetwas macht es mit uns, dass es seit einigen Jahren diese digitalen Maschinen gibt, die in unserer Sprache herumfuhrwerken und Sätze nach Wahrscheinlichkeiten bilden.

Einen Hinweis auf die Dimension dieser Umwälzung liefert Rüdiger Safranski, dessen für Herbst angekündigtes Buch den Titel „Die vierte Kränkung. Der Mensch im Schatten der Künstlichen Intelligenz“ trägt. Nach der kopernikanischen Wende, Darwins Evolutionstheorie und Freuds Entdeckung des Unbewussten hat nun das „rechnende Denken“ Einzug in unsere Sprache gehalten. Generative KI macht uns einmal mehr klar: Der Mensch ist nichts Besonderes, seine Kommunikation ist reproduzierbar und sein „Haus des Seins“, wie Heidegger die Sprache nannte, hat er sich fortan mit den Algorithmen zu teilen.

Gegen die Schwemmgebiete im Digitalen, die sprachliche Landschaften aus Kies und Geröll hinterlassen, hilft somit nur die Ausweichbewegung in die Höhe. Das Gedicht als karstiger Fels, in dessen Spalten züngelnde Salamander hausen. Wer Weltfremdheit aushält, wird dort oben eine schöne Zeit haben.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Die Abwärtsspirale bei den Bildungsleistungen

Was Heiko Schmoll heute in der FAZ schreibt, klingt schon wie ein Offenbarungseid. Die Reformpädagogik mit ihrer Bedürfnisorientierung und dem Kompetenzetwicklungswahn hat den Weg frei gemacht für die Verblödung und Infantilisierung der Gesellschaft. Und sie hat auch den wirtschaftlichen Absturz vorbereitet, der nämlich sehr viel mit Neugier und Leistungswilligkeit zu tun hat. 

Hier ein Auszug aus „Abwärtsspirale im Deutschunterricht“ (FAZ, 20.01.2026, Nr. 16, S. 1):

Eigentlich waren die Klassiker in einfacher Sprache für den Deutschunterricht an allen Schulen gedacht, aber nicht für die Gymnasien. Inzwischen nutzen Deutschlehrer sie auch für die Oberstufe des Gymnasiums. Denn das in vielen Ländern mehr oder weniger zugangsfreie Gymnasium ist längst zu einer Art Einheitsschule geworden, die mit unterschiedlichsten Schülern und Sprachniveaus zurechtkommen muss. Wie sehr auch die Gymnasien in den Sog der Abwärtsspirale bei den Bildungsleistungen geraten sind, hat der letzte Ländervergleich des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen gezeigt.

Im Unterschied zum Englischunterricht, den Schüler wegen der vielen filmischen und aktuellen Zugänge attraktiv finden, wird der Deutschunterricht als langweilig und angestaubt empfunden. In beiden Fächern ist die Lektüre von bestimmten Klassikern in vielen Ländern nicht mehr verpflichtend. Goethes Faust I (von Faust II ganz zu schweigen) ist häufig aus den Lehrplanempfehlungen ebenso verschwunden wie Shakespeare – selbst im Leistungsfach Englisch.

Oft genug wird Literatur nicht als eigener Inhalt oder ästhetische Kategorie gesehen, sondern funktionalisiert. Literarische Texte werden analysiert, um sprachliche, kommunikative und mediale Fähigkeiten einzuüben. Hinzu kommt, dass der Deutschunterricht als Querschnittsfach gesehen wird. So steht etwa im Kernlehrplan Nordrhein-Westfalens nicht nur Literatur im Mittelpunkt, sondern auch Menschenrechtsbildung, Werteerziehung, Demokratieerziehung, Bildung für die digitale Welt oder für nachhaltige Entwicklung.

Dabei bietet die Schule für die meisten Schüler die einzige Möglichkeit, die Hürde zu einer fremd wirkenden sprachlichen Welt zu überwinden. Die erste Lektüre eines klassischen literarischen Textes erfordert Anstrengung, mehrfaches Lesen, Sicheinlassen auf eine andere, neue Welt, sich auf eine gedankliche Erkundung zu begeben.

Warum eigentlich trauen Lehrer ihren Schülern immer weniger zu, obwohl die Bildungsforschung erwiesen hat, dass niedrigere Erwartungen auch zu schwächeren Leistungen führen? Warum entwickeln viele so wenig Phantasie, wenn es darum geht, Schülern Zugänge zu Klassikern zu schaffen?

Religiöse Symbole reichen nicht

Francis Schaeffer (#ad Gott ist keine Illusion, 1974, S. 62–63):

Auf den ersten Blick erscheint die Neo-Orthodoxie sehr „geistlich“. „Ich frage nicht nach Antworten, ich glaube einfach.“ Das klingt ungeheuer fromm, und viele Menschen lassen sich dadurch täuschen, besonders junge Männer und Frauen, die sich nicht damit begnügen, die Phrasen des intellektuellen oder geistlichen Status quo nachzuplappern. Sie sind zu Recht unzufrieden mit den abgedroschenen Sprüchen einer verstaubten und selbstgefälligen Orthodoxie. Die moderne Theologie hingegen erscheint ihnen geistlich und schwungvoll, und so tappen sie in die Falle.

Sie zahlen jedoch für diese vermeintliche „Geistlichkeit“ einen hohen Preis, denn wer im oberen Bereich mit Undefinierten religiösen Wörtern arbeitet, der verliert die Möglichkeit des Erkennens und Handelns für den ganzen Menschen, ja gibt seine Ganzheit auf. Diese jungen Leute dürfen wir nicht auffordem, zu einem erbärmlichen Status quo zurückzukehren, sondern wir müssen sie zu einer lebendigen Orthodoxie rufen, die sich mit dem Verhältnis des ganzen Menschen zu Gott befaßt – einschließlich seiner Vernunft und seines Intellekts.

Wo immer Menschen nach der letzten Wirklichkeit suchen, müssen wir ihnen das wahre Christentum zeigen. Hier können sie die Wirklichkeit finden, denn hier begegnen sie dem Gott, der da ist und der Aussagen über sich selbst gemacht hat, und nicht nur den Symbolen „Gott“ oder „Christus“, die zwar geistlich klingen, es aber nicht sind. Die Menschen, die lediglich das Symbol gebrauchen müßten eigentlich Pessimisten sein, denn das Wort Gott oder die Idee Gott allein bietet keine ausreichende Grundlage für den Optimismus, den sie zur Schau stellen. 

Gott begegnen mitten im Alten Testament

E21 Regio Schweiz 2026 Website.59a9e555.

„Gott begegnen – mitten im Alten Testament“ – so lautet der Titel der Evangelium21-Regionalkonferenz Schweiz 2026, die vom 30. bis 31. Januar 2026 in Schönenwerd bei Aarau stattfinden wird. Prof. Benjamin Kilchör (STH Basel) wird dabei über das Wohnen Gottes unter uns Menschen sprechen – ein Bild, das sich durch die gesamte Heilsgeschichte hindurch zieht. 

Mehr Infos hier: www.evangelium21.net.

Vom steten Rückbezug auf das Evangelium

 

Sehnsucht-nach-glueck-im-theologischen-horizont-complete (verschoben).

Mark P. Linden schreibt in seiner Dissertation (zu der ich herzlich gratuliere): Sehnsucht nach Glück im theologischen Horizont: Jonathan Edwards’ und John Pipers Beitrag zu einer erfahrungstheologischen Vertiefung eines anthropologischen Grundbedürfnisses (Tübingen: Mohr Siebeck, 2025, S. 374–375)

„Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben, mein Ruhplatz ist in dir allein. Hier ist die Ruh, hier ist Vergnügen, drum folg’ ich deinen sel’gen Zügen“, formuliert Gerhard Tersteegen in Ich bete an die Macht der Liebe (1750), Strophe 6. Statt eine „inhumane Perfektionsideologie“ zu befördern, liegt der Fokus einer Theologie des Glücks auf dem reditus ad perfectum: Die Lösung von einer rastlosen und selbstzentrierten – und dadurch unvollkommenen – Frömmigkeit liegt in der Konzentration auf das bei Gott vollkommene Glück, an welchem er die Menschen teilhaben lassen möchte. Glück bedeutet, von der Fülle, dem Überfluss des Glücks Gottes erfüllt zu sein und an diesem Glück zu partizipieren. Gerade die Auseinandersetzung mit erfahrungstheologischen Konzeptionen, die als ein maßgebliches Kennzeichen ihrer Anthropologie der Wiedergeborenen die sinnliche Erneuerung hervorheben, gebietet eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Fehlbarkeit des Wiedergeborenen und seiner Gefühle. Die für Jonathan Edwards wichtigen Verse aus 2. Pet 1,3–4 zeigen in nuce das Potenzial seines Heiligungsverständnisses für eine Theologie des Glücks: 3 Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. Durch sie sind uns die kostbaren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr durch sie Anteil bekommt an der göttlichen Natur, wenn ihr der Vergänglichkeit entflieht, die durch Begierde in der Welt ist. Heiligung ist erstens ein Beschenktwerden durch die Kraft Gottes (V. 3), zweitens die Erkenntnis der Herrlichkeit und Kraft Gottes (V. 3f.) und drittens die Teilhabe am Wesen Gottes durch die Abwendung von vergänglichen Glücksversprechen (V. 4). Gerade angesichts der persönlichen Unzulänglichkeiten kann die Zusage seiner Kraft Gelassenheit schenken. Die Verheißung der Teilhabe an seinem Wesen – Edwards spricht in diesem Kontext von Partizipation – ist eine in hohem Maße befreiende und beglückende Zusage zugleich, die sich von einer mitunter quälenden Interospektion und selbstzentrierter Frömmigkeit zu lösen vermag. Entscheidend dabei ist die certitudo, die von Gott zugesprochene Heilsgewisseheit [sic!], nicht aber die Gier nach Erfahrung und – Edwards nannte dies „affected with their affections“ – der Wunsch nach Fixierung der Glaubensgefühle im Sinne menschlicher securitas. Das christliche Verständnis von Glück ist ein promissionales. Wer sein Glück im innertrinitarisch vollkommenen Glück Gottes gründet und daran partizipiert, ist vom Richtigen beglückt, aber bleibend gefährdet, die Abhängigkeit von Gott mit der Abhängigkeit von sich und seinen Gefühlen zu verwechseln. Passend dazu formulierte es der für John Pipers Theologie sehr prägende C.S. Lewis in Mere Christianity: „Though our feelings come and go, God’s love for us does not.“ Auch der Wiedergeborene bleibt – wie bereits deutlich wurde – gefährdet, seine Erweckung und Heiligung zur Eigenleistung zu erklären, statt sich von der unerschütterlichen Liebe Gottes abhängig zu machen – man könnte sogar noch stärker sagen: ganz von ihm absorbiert zu werden, wie es Edwards nennt.

Das Buch gibt es hier.

Zwei neue Serien über Mozart liefern politisch korrekten Nonsens

Derzeit sind zwei Serien über Amadeus Mozart im Gespräch, „Amadeus“ auf SKY/WOW und „Mozart/Mozart“ von der ARD. Und beide Serien illustrieren, dass der postmoderne Zeitgeist nicht nur an historischer Amnesie leidet (gemeint ist das Vergessen, Verdrängen oder Nicht-Wahrnehmen historischer Zusammenhänge, Ereignisse und Erfahrungen), sondern genüßlich und verführerisch Geschichtsverfälschung betreibt. Mühelos wird der woke und postkoloniale Geist in die Vergangenheit zurückprojeziert.

Beim Mozart der ARD sieht das laut FAZ so aus:

Zur Vorstellungskraft der Autoren gehört, dass Amadeus – er benutzte „Amadeus“ nie, sondern meist „Amadé“, wurde von Liebmeinenden gern „Wolferl“ genannt – drogensüchtig ist und in eine Entzugsklinik muss. Da litauische und lettische Geldgeber wichtige Ko-Produzenten dieser „Event-Serie“ sind, sieht diese Klinik aus wie das Schloss eines bal tendeutschen Barons aus dem späten 19. Jahrhundert (Mozart und dessen Frau trugen schon bei der Hochzeit Blumenkränze im Haar wie bei lettischen Jānis-Festen am Johannistag). Zur Vorstellungskraft der Autoren gehört auch, dass wegen dieser Drogensucht ihres Bruders Maria Anna das Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ komponiert. Amadeus konnte nämlich gar nicht komponieren, zuvörderst aus gesundheit lichen Gründen. Zur Vorstellungskraft der Autoren gehört ferner, dass Leopold Mozart, der Vater der Geschwister, vor 21 Jahren eine afroeuropäische Geliebte hatte, die aufgrund ihrer Hautfarbe – „Schauen Sie mich doch an!“ – keine Karriere als Opernsängerin machen konnte. Ausgerechnet diese Eleonora Maxim, kurz „Nora“ genannt (Ibsen, ick hör dir trapsen!), wird von Maria Anna überredet, im Ari enwettstreit mit dem fiesen, aber feschen Antonio Salieri um die Vergabe eines Auftrags von Kaiser Joseph II. zur neuen „Volksoper“ anzutreten.

Während uns der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Mozart präsentiert, der nicht komponieren kann und seine eigene Musik verachtet, hat sich die Produktion von SKY/WOW der Teilhabegerechtigkeit verschrieben: 

Allerdings muss auch bei Farino und Seabright rückwirkend in der Geschichte Teilhabegerechtigkeit für verschiedenste soziale Gruppen hergestellt werden. Deshalb ist Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr eine person of colour und Lorenzo da Ponte, Mozarts Lieblingslibrettist, nicht nur schwarz, sondern auch schwul. Dass der genetische Abstand Süßmayrs und da Pontes zu Afrika, der Mutter der Menschheit, geringer war als bei Mozart selbst, wäre ein neuer Befund, ist aber wahrscheinlich nur eine politisch korrekte historische Inkorrektheit.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net

Das Filme oft im Dienste des säkularen Missionsbefehls stehen und versuchen, unser Denken und Fühlen zu vereinnahmen, habe ich vor einigen Jahren in dem Artikel „Das Kino im Herzen“ zu zeigen versucht: www.evangelium21.net.

Ralf Frisch: Gott

Frisch Cover.

In seinem neuen Buch Gott kritisiert Ralf Frisch die anthropozentrische Theologie unserer Zeit. Genauso wenig, wie Bäckereien überleben werden, wenn sie Hungrigen Steine statt Brot verkaufen, wird eine Kirche bestehen können, wenn der Mensch die Antwort auf alle Fragen ist.

Hier aus meiner Rezension: 

Aber wer ist dieser Gott, von dem die Kirche zu reden hat? Frisch verteidigt das „Deus semper maior“. Gott ist immer größer, als Menschen glauben und denken. Er übersteigt alle menschlichen Versuche, ihn mit der Vernunft zu fassen (vgl. S. 62). „Der Mensch ist Mensch. Und Gott ist Gott … Gott kann nicht das Wesen sein, dem die Welt überlegen sein könnte. Sonst wäre er nicht Gott“ (S. 63). Doch auch wenn sich Gott den positiven Definitionen entziehe, könne ausgeführt werden, was Gott nicht ist. Gott sei kein vergöttlichter Mensch und keine Chiffre für humanitäre Solidarität (vgl. S. 64 f.). Gott könne laut Frisch auch keine unpersönliche Macht, sondern müsse ein personales Wesen sein. Denn ein „Gott, der keine Person ist, verdient den Namen Gott nicht. Ein Gott, der nur irgendwie da wäre, aber nicht wissen und fühlen würde, wie es ist, ‚da‘ zu sein, wäre kein Gott“ (S. 71).

Es ärgert Frisch, dass die akademische Theologie verlernt hat, über Gott zu staunen. Sie duldet nicht, dass Gott die menschlichen Rationalisierungen aufbricht und „in den intellektuell, psychisch und moralisch abgeriegelten Raum der Welt eindringt“ (S. 85). „Dass Gott in irgendeiner Weise zu fürchten und ihm nicht mit Hochmut, sondern mit Demut zu begegnen sein könnte, ist eine Vorstellung, die von der humanistischen Theologie unserer Gegenwart nahezu rückstandslos entsorgt wird“ (S. 93).

„Eine erschreckend weltfremde Identifizierung von Gott und Natur und von Gottvertrauen und Naturvertrauen im Namen einer naturverklärenden Schöpfungsspiritualität inklusive der theologisch im Blick auf den HERRN längst verabschiedeten Demuts- und Ehrfurchtrhetorik greift immer unverhohlener und immer unwidersprochener um sich.“ (S. 98)

„Von Gottesfurcht und Gottesschrecken, die in der Bibel mit jeder Epiphanie einhergehen, ist vielleicht tatsächlich nur noch die Angst der aufgeklärten Christinnen und Christen übriggeblieben, Gott zum Thema zu machen“ (S. 85 f.). Unter Berufung auf Rudolf Otto und Ludwig Wittgenstein plädiert Frisch dafür, das Unaussprechliche dadurch zu ehren, dass man anbetend schweigt (vgl. S. 88): „Vielleicht herrscht im Protestantismus zu viel Ethos und zu wenig Sprachlosigkeit, also zu wenig Kultus und zu wenig Mystik“ (S. 87).

Mehr: www.evangelium21.net.

Evangelium21-Hauptkonferenz 2026: „Ein Glaube, der bleibt – von Generation zu Generation“

SCR 20251210 qnwp.

Die nächste Evangelium21-Hauptkonferenz findet vom 30. April bis zum 2. Mai 2026 in der Arche Gemeinde in Hamburg statt. Das Thema der Konferenz lautet „Ein Glaube, der bleibt – von Generation zu Generation“. Dazu heißt es: 

Der christliche Glaube versteht sich als einer, der weitergegeben werden muss – von Generation zu Generation. Jede Generation muss dabei neu für den Glauben gewonnen und begeistert werden, damit Gottes Reich wächst. Auf der diesjährigen E21-Hauptkonferenz wollen wir uns anhand des 2. Timotheusbriefs anschauen, wie diese Glaubensvermittlung gelingen kann – in verschiedenen Bereichen, wie dem des pastoralen Trainings, der Familie und Jüngerschaft. Wir sehnen uns danach, dass bereits auf der Konferenz das Miteinander der Generationen für den Glauben an unseren dreieinen Gott sichtbar wird.

Einblicke in das Hauptprogramm und die Seminarangebote gibt es zusammen mit einer Anmeldemöglichkeit hier: www.evangelium21.net.

Orwells „Neusprech“ im großen Sprachumbau von heute

Matthias Heine hat einen Auszug aus seinem Buch Der große Sprachumbau in der WELT veröffentlicht. Nachdem er das Grammatik-Kapitel am Ende von Orwells Roman 1984 gelesen hatte, entdeckte er verstörende Parallelen zur gesteuerten Sprachentwicklung in unseren Tagen: 

Orwell beschreibt den Zweck des Neusprechs so: Er „bestand nicht nur darin, ein Ausdrucksmedium für die Weltanschauung und die geistigen Gepflogenheiten der Anhänger des Engsoz bereitzustellen, sondern insbesondere alle anderen gedanklichen Formen unmöglich zu machen.“ Ein Gedanke, der von den Prinzipien des Engsoz abwich, sollte „buchstäblich undenkbar“ sein, „zumindest insofern, als das Denken von Wörtern abhängt.“

Zu diesem Zwecke wurden nicht nur neue Wörter erfunden, sondern vor allem alte Wörter ausgelöscht und der Wortschatz total reduziert: „Kein Wort, das entbehrlich war, durfte überleben. Neusprech war konzipiert, um die gedankliche Vielfalt nicht zu erweitern, sondern zu verkleinern (Hervorhebung von Orwell).“ Das erinnert an den Plan heutiger Sprachumbauer, man müsse die „Reproduktion“ von ungerechten Wörtern wie Neger oder Zigeuner stoppen, indem man sie nicht einmal mehr in historischen Zitaten oder alten Büchern zulässt.

In manchen Punkten sind die Spracharchitekten in unserer Wirklichkeit sogar radikaler als die von Ozeanien. Während in Orwells Phantasiestaat ein Wort wie frei immerhin weiter existieren kann, nachdem man es von seinem unerwünschten Sinn befreit und auf harmlose Bedeutungen wie „frei von Flöhen“, „frei von Unkraut“ eingeengt hatte, genügt heute die bloße äußere Ähnlichkeit des Ortsnamens Negernbötel mit dem Wort Neger, um ihn zur Löschung reif zu machen. Dabei geht der Bestandteil Negern im Namen des Dorfes auf eine alte mundartliche Form von näher zurück und bezeichnet bloß das nähere Bötel (plattdeutsch für Wohnstätte).

Auch auf dem Gebiet der Grammatik gibt es Ähnlichkeiten zwischen „1984“ und dem neuen Korrektheitsjargon. Orwell schreibt, eine der Eigenschaften der Neusprech-Grammatik sei „eine fast vollständige Austauschbarkeit verschiedener Wortarten“. Erste Schritte in diese Richtung finden heute auch statt: Die Herauslösung des substantivischen Trans- im zusammengesetzten Wort Transpersonen und seine Umwandlung in ein indeklinables Adjektiv beim erwünschten Terminus trans Personen geht in diese Richtung.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Hexenjagd

Jakob Hayner hat mit Bernd Stegemann und Angela Richter ein hochinteressantes Interview über die Woke-Kultur in der deutschen Kulturlandschaft geführt. Zum Hintergrund: Im Jahr 2021 klagten 1.500 Theaterleute den Dramaturgen Bernd Stegemann wegen Rassismus an. Zu den Unterzeichnern ihres Offenen Briefs zählte auch die Regisseurin Angela Richter. Im Gespräch mit Stegemann erklärt sie nun, warum sie die Aktion heute bereut und welche Auswirkungen die „Woke“-Bewegung hatte.

Hier einige Auszüge: 

Angela Richter: Ich erlebe einen Verlust an künstlerischer Freiheit. Was ich vor einigen Jahren als frei und offen empfunden habe, ist plötzlich von vielen unausgesprochenen Regeln moralischer und ideologischer Art durchsetzt. Zum Beispiel wollte ich die wahre Geschichte einer Detransition erzählen, also eines rückgängig gemachten Geschlechtswechsels. Ich bin naiv und unvoreingenommen an die Arbeit rangegangen, mich hat das Schicksal dieses Menschen berührt. Ich habe die aufgeladene Debatte über Trans völlig unterschätzt. Bereits nach der Leseprobe wurde ich als „transphob“ gebrandmarkt. Das Stück wurde nicht gespielt. Oder als ich einen Artikel über den Philosophen René Girard veröffentlichte – den frühen Diagnostiker unserer übersteigerten Opfermacht – und erwähnte, dass Peter Thiel und Elon Musk bei ihm studiert haben, ohne das obligatorische Verdammungsmantra abzuspulen: Schon galt ich als „rechts“. Das hat mich schockiert.

Bernd Stegemann: Theater wird eigentlich von Menschen gemacht, die den Mut haben, Geschichten, Gefühle und Widersprüche öffentlich sichtbar zu machen. Heute haben sie den Mut verloren und sind ängstlich darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Das falsche Thema, ein falsches Wort, eine falsche Situation, alles kann missverstanden werden und jemand könnte sich gekränkt fühlen. So entsteht eine neue Beklommenheit am Theater. Man will eindeutige Botschaften versenden, die einen moralisch gut aussehen lassen und niemanden irritieren. Früher hätte man das Propagandatheater oder Tendenzdrama genannt. Also das Gegenteil von gutem Theater, das immer mit Widersprüchen zu tun hat. Die Widersprüche zwischen den Figuren und die Widersprüche zwischen der Inszenierung und den Erwartungen des Publikums werden von der tugendhaften Beklommenheit kassiert. Man ist dabei, dem Theater seinen Lebensnerv zu ziehen.

Angela Richter: Ich beobachte einen freiwilligen und vorauseilenden Gehorsam im Theater. Man unterwirft sich fragwürdigen ideologischen Moden. Wer das nicht tut, gilt als zurückgeblieben und gestrig.

Angela Richter: Ich selbst war lange in diesem Mechanismus gefangen. Ein Reflexmilieu wie bei Pawlow: Jemand ruft „rechts“ – und alle bellen, als wäre Denken optional. So habe auch ich mich vor ein paar Jahren an einem offenen Brief gegen Bernd Stegemann beteiligt. Ausgelöst durch Rassismusvorwürfe gegen einen Regisseur, den er in der „FAZ“ verteidigt hatte. Der Brief eskalierte zu einem massiven Shitstorm. Heute würde ich sagen: Wir verloren die Kontrolle, es wurde eine Hexenjagd.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner