Die große Umkehrung

Tim Keller schreibt über die Erlösung (Hoffnung in Zeiten der Angst, 2022, S. 128): 

Wenn Jesus uns dazu auffordert, unser Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen (Matthäus 16,24), bedeutet das: Um durch die große Umkehrung gerettet und verändert zu werden, müssen wir durch unsere eigene „Umkehrung“ gehen. So wie Jesus unsere Erlösung nicht durch das Ausüben seiner Macht bewirkte, sondern durch die freiwillige Aufgabe von Macht, so erlangen wir diese Erlösung nicht dadurch, dass wir all unsere Kraft zusammennehmen, um moralisch perfekt zu werden, sondern indem wir unsere totale Schwäche, Hilflosigkeit und Bedürftigkeit eingestehen. Und so wie bei Jesus Schwachheit und Schande der einzige Weg zu wahrer Kraft und Herrlichkeit war, so ist bei uns die Reue über unsere Schuld und Sünde der einzige Weg zu größter Zuversicht und Ehre – zu dem Wissen, dass wir in Christus von dem Herrn des Universums angenommen und geliebt sind.

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10 Kommentare
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Ernst
1 Monat zuvor

Bitte um zusätzliche Erklärung.

Unsere Rettung hängt also davon ab, daß wir erstens uns etwas eingestehen und zweitens etwas bereuen. Und damit ist ja sicherlich kein seelischer Zustand gemeint, nicht wahr, sondern Reue im biblischen Sinn, also Umdenken, also Umkehr. Oder wie?

Schandor
1 Monat zuvor

@Ernst

Tim Keller = reformierte Theologie. Da ist längst die Werksgerechtigkeit drin. Das hat Gresham Machen schon bekämpfen wollen, wohl vergeblich. Sieht man auch bei John Piper ziemlich deutlich. Die Hauptaussagelinie ist klar: Jesus hat alles vollbracht. Aber in den Erläuterungen kommt dann das Kleingedruckte — wie oben im Text.
Hast Du Dich schon mal mit Luthers Galaterkommentar beschäftigt? Lies da mal rein — das ist eine etwas andere Botschaft, ein echtes Evangelium, würd ich sagen …

Udo
1 Monat zuvor

Nun bei einer Sache dürften sich Lutheraner und Reformierte wohl einig sein, wenn sie nicht doch in Wahrheit theologisch anders unterwegs sind. Vergebung ohne Buße gibt es nicht. Das macht Jesus deutlich, z.B. im Gespräch mit Nikodemus und den Bezug zur Geschichte mit der ehernen Schlange (4. Mose 21,9; Joh 3, 14-15). Das machen Petrus und Paulus (Apg 2, 37; 17,30) klar. Buße fällt menschlich gesehen sicher leichter, wenn man seine eigene Bedürftigkeit erkennt, da hat Tim Keller doch recht. Buße ist 100% Menschensache und gleichzeitig 100% Gottessache. Göttliche Realität hält sich halt nicht an unsere verengte, vordefinierte Weltwahrnehmung.

Schandor
1 Monat zuvor

@Udo Mir ist zwar nicht ganz klar, wem Du hier „verengte, vordefinierte Weltwahrnehmung“ unterschiebst, ich selbst fühle mich da jedenfalls nicht im Mindesten betroffen. Abgesehen von der Trivialität freilich der Unvollkommenheit der Weltwahrnehmen, die ja jeden Menschen trifft. Die „Buße“ gibt es in der Bibel gar nicht, das ist eine römisch-katholische Vorstellung. Leider hat sich Luther nicht von diesem Fehl(be)griff gelöst. Ich gehe aber davon aus, daß Du Umdenken, Umkehr meinst. Vergebung, ja, da gebe ich Dir recht, gibt es erst auf Anfrage, auf ein Geständnis der eigenen Schuld und mit der Bitte um Vergebung. Alles andere wäre Amnesie. Aber hier scheiden sich die Geister und die Wege: Viele Reformierte tun sich schwer zu glauben, daß diese Umkehr aus Glauben geschieht, weil sie in der Regel den Glauben zu einer frommen Tugend umgedeutet haben, und die ist menschliches Tun, nicht Gottes Geschenk. Da haben die Lutheraner einen Vorteil. Aber noch einmal gebe ich Dir recht: Die Umkehr fällt dann leichter,… Weiterlesen »

Udo
1 Monat zuvor

Ob Buße oder Umdenken oder Umkehr, diese Begriffe sind im biblischen Zusammenhang erklärungsbedürftig und vor Irrtümern nicht geschützt. Umdenken ist einseitig, als wenn es hier nur um einen kognitiven Vorgang gehen würde, Umkehr ist aus der Perspektive des Sünders als wäre man weiter auf dem alten Weg unterwegs, nur in die andere Richtung. Jesus selbst redet wohl primär von Umkehr und davon, an das Evangelium zu glauben. Hier redet aber auch die Hauptperson, zu der wir umkehren sollen und der wir glauben sollen. Aus der Perspektive des Sünders geht es aber noch um einige andere Aspekte. Ja, Buße bedeutet Umkehr, Sinneswandlung, Umdenken, Bekennen, Bekehrung, die Einstellung ändern, den alten Weg verlassen und einen besseren Weg gehen, sich vom Bösen abwenden. Sie ist aber noch viel mehr, weil sie sich eben an den Einen und Einzigen richtet, der Schuld vergeben kann und zu dem wir umkehren dürfen, dem wir vertrauen, dem wir dienen und dem wir nachfolgen sollen. Buße bedeutet auch… Weiterlesen »

Udo
1 Monat zuvor

… und noch zu dem Satz „Göttliche Realität hält sich halt nicht an unsere verengte, vordefinierte Weltwahrnehmung.“ Aus meiner Sicht neigt jeder Mensch mehr oder weniger zu einer verengten, vordefinierten Weltwahrnehmung. Es ist der Charakterzug des erlösungsbedürftigen Menschen. In dem Zusammenhang dieser Diskussion meinte ich aber, dass wir uns auch in der theologischen Diskussion oft schwer tun mit der Komplementarität biblischen Denkens.
Mehr dazu: https://professorenforum.de/ressourcen/die-entdeckung-der-komplementaritaet-ihre-uebertragung-auf-die-theologie-und-ihre-bedeutung-fuer-das-biblische-denken/

Schandor
1 Monat zuvor

… womit meine anfängliche Einschätzung bestätigt ist: Ohne Werkstätigkeit keine Erlösung. Es ist eben doch nicht so, daß Jesus kommt und rettet, sondern daß er kommt, um Errettung gegen eine angemessene Gegenleistung nur anzubieten. Der atheistische Philosoph Slavoj Žižek hat das besser verstanden, als er den Calvinismus als das reinste Christentum bezeichnet hat. Der Buße-Begriff ist und bleibt ein katastrophaler Fehl(be)griff. Aber wie Du schon zurecht sagst, sie (die Buße) ist noch viel mehr … aber halt vor allem ein Tun des Menschen. Und somit ist ein Buß-Christentum einzureihen in die Riege der Religionen, denn in ausnahmslos jeder Religion muß der Mensch etwas mitbringen, in wirklich jeder. Zumindest die Bereitschaft (Pietismus) oder eben die Buße. Sonst gibt es kein Heil. Damit ist auch der Schächer am Kreuz natürlich in Wahrheit verloren, da er keine Zeit mehr zur Buße hatte. Wer umdenkt, handelt um. Es gibt keinen „bloß kognitiven Vorgang“, das ist ein Gespenst, das leider umgeht. Wer umdenkt, handelt dann… Weiterlesen »

Udo
1 Monat zuvor

Erschließt sich mir nicht, dein verbaler Kampf gegen den Terminus Buße und was das mit Werksgerechtigkeit zu tun haben soll. Gerade der Schächer ist nach meinem Verständnis ein schönes Beispiel für biblische Komplementarität. Er hatte Zeit zur Buße, und er hat sie auch getan, aber ohne Jesu Annahme und seine Zusage, wäre das wertlos gewesen (Lukas 23 (NeÜ)): „Einer der beiden Verbrecher höhnte: „Bist du nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und uns!“ 40 Doch der andere fuhr ihn an: „Hast du denn gar keinen Respekt vor Gott? Du bist genauso zum Tod verurteilt wie er, 41 und du bist es mit Recht! Wir beide bekommen, was wir verdient haben, aber der da hat nichts Unrechtes getan.“ 42 Dann sagte er: „Jesus, denk an mich, wenn deine Herrschaft beginnt!“ 43 Jesus erwiderte ihm: „Ich versichere dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Warum wurde wohl nur ein Verbrecher gerettet? Der Calvinismus tendiert meiner Ansicht nach bei Prädestination und Eigenverantwortung zur Überbetonung einer Seite der… Weiterlesen »

Schandor
1 Monat zuvor

Ja, diesen Äußerungen kann ich prinzipiell zustimmen. Besonders gut finde ich die Bucer-Zitate. Die Komplementaritätstheorie (denn mehr ist es nicht) überzeugt mich nicht, sie ist halt immer dann ungemein praktisch, wenn eine Sache nicht entschieden werden kann. Denn im Grunde führt sie zu einer Art kognitiven Dissonanz: Zwei Dinge, die einander widersprechen, sollen so dargestellt werden, daß sie sich zu ergänzen scheinen. Das kann ich nicht glauben. Die Sache mit der Vorbestimmung enthält Elemente, die wir nicht kennen. Zum Calvinismus kann ich Dir aber versichern: Er überbetont beide Seiten (denk an Spurgeon, zum Beispiel)! Einseitigkeit kann man gerade ihm nicht vorwerfen. Aber zurück zum Thema Buße: So oder so kann der Mensch nicht glauben, daß er gerettet wird, ohne wenigstens den Rettungsring zu ergreifen, nein, das hält er nicht aus. Zur Not muß dann die Komlementarität herhalten. Ich selbst bin überzeugt, daß Gott rettet — und der Mensch deshalb nicht untätig ist und bleibt. So wird ein Schuh daraus. Alles… Weiterlesen »

Udo
1 Monat zuvor

Das Komplementaritätsprinzip, dass zwei methodisch verschiedene Beobachtungen oder Beschreibungen eines Sachverhaltes einander ausschließen, aber dennoch zusammengehören und ergänzen, ist ja in der Physik zu Hause. Ich denke aber, dass es auch erkenntnistheoretisch in der Theologie hilfreich sein kann. Es gibt ja einige Gegensätze, die im biblischen Denken zusammengehören, wie z.B. Jesus: Mensch und Gott, die Bibel: Menschenwort und Gotteswort. Überhaupt scheint mir hebräisches Denken immer wieder in diese Richtung zu gehen. Ich zitiere hier einmal aus „Die Entdeckung der Komplementarität, ihre Übertragung auf die Theologie und ihre Bedeutung für das biblische Denken“ (Thomas Schirrmacher, MBS Texte 66, 2006, Seite 10; https://www.bucer.de/fileadmin/_migrated/tx_org/mbstexte066_1_.pdf): „In Ps 73,23: „Dennoch bleibe ich stets bei dir, denn du hältst mich an meiner rechten Hand.“ Dass der Gläubige sich an Gott festhält, wird damit begründet, dass Gott ihn festhält. Wer hält hier wen fest? Beide Seiten gehören untrennbar zusammen.“ Wahrscheinlich ist dieser Text aus Psalm 73 auch eine gute Denkaufgabe, um zu verstehen, worum es bei der… Weiterlesen »

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