Die Kinder Gottes

Der Herold Verlag hat Evangelium21 freundlicherweise ein Kapitel des Klassikers Gott erkennen von J.I. Packer zur Verfügung gestellt. Im Kapitel „Die Kinder Gottes“ geht Packer besonders auf das Thema „Adoption“ ein, das in vielen Dogmatiken nur am Rande behandelt wird und auch in den Predigten selten vorkommt. Darin sagt Packer: 

Im Römerbrief, wo wir Paulus‘ umfassendste Interpretation des Evangeliums finden – nach Luthers Aussage, „das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium“ –, wird als erstes die Rechtfertigung durch das Kreuz Christi ausgeführt (Kapitel 1–5) und allem anderen zugrunde gelegt. Überall spricht Paulus von der Gerechtigkeit, der Vergebung der Sünden und der Rechtfertigung als der ersten und unmittelbaren Folge des Todes Jesu für uns (Röm 3,22–26; 2 Kor 5,18–21; Gal 3,13–14; Eph 1,7; u.a.). Und wie die Rechtfertigung der primäre Segen ist, so ist sie auch der fundamentale Segen, weil sie bei allem anderen, was unsere Erlösung betrifft, vorausgesetzt wird und alles auf ihr beruht – auch die Adoption oder Gotteskindschaft.

Aber das bedeutet nicht, dass die Rechtfertigung der größte Segen des Evangeliums ist. Die Adoption ist weit größer, aufgrund der tieferen Gemeinschaft mit Gott, die sie beinhaltet. Manche Lehrbücher über die christliche Dogmatik – zum Beispiel die von Berkhof – behandeln die Adoption lediglich als Teil der Rechtfertigung, aber das wird ihr nicht gerecht. Wir müssen die beiden Konzepte unterscheiden, und die Adoption als das erhabenere betrachten. Die Rechtfertigung ist eine forensische Vorstellung, die auf dem Gesetz basiert und Gott als Richter sieht. In der Rechtfertigung erklärt Gott den bußfertigen Gläubigen für gerecht. D.h., dass er nie mehr den Tod ertragen muss, den er aufgrund seiner Sünden verdient hat, weil Jesus Christus, unser Stellvertreter und Opfer, an unserer Stelle den Tod am Kreuz erlitten hat.

Das Geschenk von Freispruch und Friede, das uns auf Golgatha erworben wurde, ist gewiss schon etwas überaus Kostbares – aber die Rechtfertigung als solche bringt uns nicht die innige und tiefe Gemeinschaft mit Gott, dem Richter. Zumindest theoretisch könnte man die Rechtfertigung auch ohne eine engere Beziehung zu Gott erhalten.

Stellen wir dies nun der Adoption oder Gotteskindschaft gegenüber. Die Adoption ist eine familiäre Vorstellung, die auf der Liebe basiert und Gott als Vater betrachtet. Bei der Adoption nimmt Gott uns in seine Familie und Gemeinschaft auf – Er erklärt uns zu seinen Kindern und Erben. Vertrautheit, Zuneigung und Großzügigkeit sind das Herzstück dieser Beziehung. Von Gott, dem Richter, für gerecht erklärt zu werden, ist eine großartige Sache, aber von Gott, dem Vater, geliebt und umsorgt zu werden, ist etwas viel Großartigeres.

Hier geht es zum Download des gesamten Kapitels: www.evangelium21.net.

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12 Kommentare
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Wenn man unsere Rechtfertigung als Eigenschaft seines Auferstehungslebens auffasst, dann ist sie wesensmässig sehr nah bei der Adoption als Gottes Kind. Als gerecht betrachtet werde ich dann nämlich nur, wenn ich in Christus, dem Stammvater eines neuen Menschengeschlechts wiedergeboren bin. …Auferweckt um unserer Rechtfertigung willen…auf dass wir _in Ihm_ Gottes Gerechtigkeit würden.

Dass wir in Christi Tod und Auferstehung hineingetauft sind, wird immer nur in der Leib-Dimension betrachtet, m. E. jedoch nicht in der Blut-Dimension.

Theophil Isegrim

Sehr schönes Kapitel. Ich sollte das Buch endlich mal lesen. Könnte ich im Urlaub machen.

Manfred Reichelt

Nun ja. Ein ganz schönes Geschwurbel, das nichts erklärt. Frei werden wir nur indem wir Christus gleich werden. https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/10/02/zielstrebigkeit/

Schlotti

@Manfred Reichelt

Genau! J.I. Packer hat nichts vom Evangelium verstanden. Genauso wie Ravi Zacharias, stimmts?

Liebe Grüße
Schlotti

PeterG

@Manfred Reichelt
Ihr Text hat mehr von Selbsterlösung als von biblischer Theologie.

Manfred Reichelt

@Peter G. Mit anderen Worten; es entspricht nicht Ihren Vorstellungen. Dann sind eben Ihre Vorstellungen irrig. Nur so, wie von mir geschildert, ist für den Menschen Erlösung möglich.

Manfred Reichelt

@ Schlotti.Unverstandene Traditionen verdecken den Blick auf das Evangelium. Hier finden Sie Klarheit: https://manfredreichelt.wordpress.com/2016/10/15/jesus-der-christus-traditionslos/

Schlotti

@Manfred Reichelt

Nein, leider findet man bei ihnen keine Klarheit, kein Evangelium, keine Gnade, sondern Verwirrung, Verblendung und Selbsttäuschung die man nur als tragisch bezeichnen kann.

Es ist überhaupt nicht meine Art, aber ich muss es so deutlich sagen: Ich hoffe sehr, dass niemand durch ihre Beiträge hier und anderswo auf ihren Blog kommt und dadurch verwirrt oder in die Irre geführt wird.

Liebe Grüße
Schlotti

Jutta

@Schlotti, Peter G.
Danke für die klaren Worte, dem möchte ich mich von ganzem herzen anschliessen.

Ich werde das Buch jetzt doch mal lesen.
Ich habe es zweimal versucht, und irgendwie … aber was mich sehr – in dem dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Kapitel – getroffen hat, und was „ich“ tief im Inneren wusste, aber dem immer ausgewichen bin – ist Folgendes:

„…Aber Gott ist kein schlechter, sondern ein vollkommen guter Vater. Wenn wir bei Christen Depressionen, Konfusion und Unreife erleben, dann müssen wir uns ernstlich fragen, ob sie sich des heilsamen Einflusses bewusst sind, der der beständigen Geborgenheit der wahren Kinder Gottes entspringt. …“

Last edited 2 Monate zuvor by Jutta
Manfred Reichelt

.Ich weiß nicht, was Sie an meinem Text auszusetzen haben. Ist er Ihrer Meinung nach nicht zutreffend? – Da stellt endlich mal jemand den Wirklichkeitsbezug her und erklärt das Zentrum des christl. Glaubens mit verständlichen Worten und schon kommt die Gnostizismus-Keule. Ja wollen wir denn weiterhin erkenntnislos etwas daherstammeln, das weder unsere Vorfahren verstanden haben, noch wir?

Man kann froh und dankbar sein, dass es endlich einen so klaren Text zur Sache gibt. Zur weiteren Vertiefung empfehle ich Ihnen den Text „Der Sündenfall“: https://manfredreichelt.wordpress.com/2018/02/22/der-suendenfall/

Manfred Reichelt

@Schlotti. Wenn Sie an meinen Texten etwas auszusetzen haben, haben SIE ein Problem. Wer christlich sozialisiert wurde übernimmt eben einfach die Tradition, in die er hineingeboren wurde, ohne sich viel Gedanken zu machen, ob das, was er immer wieder hört, auch wirklich stimmig ist. So ist die gesamte Christenheit in christl. Ideologien hineingeraten, die wenig mit der Realität zu tun haben. In die Tiefe gelangt man in den allermeisten Fällen überhaupt nicht.
Wer nicht in der Heiligung lebt, versteht auch nichts vom christl. Glauben. Ob man in der Heiligung steht, kann man daran prüfen: https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/02/17/jeder-christ-ein-psychologe/

Nein, vor meinen Artikel muss man ganz gewiss nicht warnen. Eher vor denen, die mir widersprechen.