Die neue Seichtheit des Glaubens

Nachfolgend ein Gastbeitrag von Hans-Christian Beese über neue „light“-Varianten des Glaubens:

Glaube „light“ und „strong“

Ich lese seit einiger Zeit emergente Blogs und kann sagen: Man muss ganz schön umdenken! Aber es lohnt sich, erhält man doch von (fast) allen Eckpunkten des christlichen Glaubens eine attraktive, bekömmliche „light“-Variante:

  1. (Schöpfung) – light: nicht punktuell und vollkommen, sondern unvollkommen und evolutionär.
  2. (Sündenfall) – light: keine ethische Rebellion sondern natürliche Schwäche aufgrund unserer Endlichkeit und (unvollkommenen) Geschöpflichkeit. Dem entsprechend:
  3. (Erlösung) – light: Unsere Erlösung und Vergebung hat Gott bei weitem nicht so viel gekostet, wie wir es gewohnt waren zu denken: Es gab kein stellvertretendes Sühneopfer, weil keines nötig war. Und schließlich:
  4. (Gott selbst) – light: nicht der all-mächtige, souveräne, alles bestimmende, Sünde hassende, auch zornige Gott, der Blutopfer benötigt, um versöhnt zu werden (falsche Konzepte vergangener Generationen), sondern einer, der eigentlich hauptsächlich dafür da ist, uns Gutes zu tun, uns bedingungslos zu vergeben und alle zu erlösen.
  5. (Wort Gottes) – light: Nicht der festgeschriebene, für alle Zeiten verbindliche „Buchstabe“, sondern das Wort Gottes zwischen den Zeilen, das sich im Hörer ereignet, denn der Buchstabe tötet und der Geist macht lebendig, zumal das geschriebene Wort durch vier (!) Fehlerquellen relativiert wird: Es wurde von den Autoren fehlerhaft empfangen, fehlerhaft notiert, wird von den Hörern/Lesern fehlerhaft verstanden und ist zudem in einen willkürlichen bzw. rein zufälligen Kanon zusammengewürfelt.

Und alle, die ihr Christenleben bisher als schmalen Weg mit enger Pforte verstanden hatten, dürfen ebenfalls aufatmen.

Ich schrieb in Klammern das Wort „fast“, weil es eine Ausnahme gibt: Vom Menschen gibt es ab sofort die „strong“-Variante: Er ist bei weitem nicht so ohnmächtig, tot und verloren, wie uns die Calvinisten weismachen wollten. Er kann, wenn er will, (auch ohne an Christus zu glauben) gerecht sein: Er muss nur einfach mal anfangen, gerecht zu handeln!

Wie gesagt, attraktiv – man muss „light“ nur mögen. Schmeckt ja schon irgendwie anders.

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15 Comments
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Joel213
Joel213
7 Jahre zuvor

Sind diese Ideen denn so neu? Das ist doch eigentlich alles kalter Kaffee der liberalen Theologie. Im Prinzip sind die selbsternannten „Emergenten“ doch nur liberale Theologie bevorzugende Menschen aus dem „evangelikalen Milieu“ oder irre ich mich da jetzt?

Christian
7 Jahre zuvor

Du irrst dich keineswegs. Es ist im wahrsten Sinn des Wortes kalter Kaffee, aber sehr aktuell. Eine hybride Mischung aus moderner Philosophie und liberaler Theologie, mit der systematisch bis zur letzten Vase alles zerschlagen wird, was den christlichen Theismus ausmacht.

ernst
ernst
7 Jahre zuvor

Die Einteilung in ´light´ und ´strong´ ist in sich durchaus problematisch/oberflächlich und keinesfalls so sachbezogen oder eindeutig, wie hier suggeriert wird.

ali
ali
7 Jahre zuvor

Jud 1:4 Denn gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen, die längst zu diesem Gericht vorher aufgezeichnet sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.

Peter
Peter
7 Jahre zuvor

@ernst
Naja – ich zitiere hier mal jemandens Frage (leider weiß ich nicht mehr, bei wem ich sie gelesen haben):

Bleibt meine persönliche Jesus-Beziehung davon unberührt, dass ich biblische Lehren ablehne?

Gruß
Peter

ernst
ernst
7 Jahre zuvor

@ Peter
worin besteht eine persönliche Beziehung? Im „Für-Wahr-Halten“ einer „Lehre“?
Das ist doch wohl nicht Dein Ernst…

Peter
Peter
7 Jahre zuvor

@ernst
Wie du Worte verdrehen kannst … 🙁

Kannst du eine Beziehung aufrechterhalten, wenn du den Worten des anderen nicht Vertrauen schenken kannst?

Matthias
Matthias
7 Jahre zuvor

zu Peter und Ernst: Wir haben in unserer aktuellen Theologie sehr oft das Wort Beziehung. Die Beziehung zu Jesus hat als Basis das Wissen aus dem Wort Gottes und dessen Verständnis. Durch das Wort wird mir erst klar, wie sehr mich Gott liebt und mir vergibt durch die persönliche Annahme der Erlösungstat Jesu. Andererseits erkenne ich aber Gott in seiner Heiligkeit Gerechtigkeit und Macht durch das Wort. Ein Glaube light führt dazu, dass ich Gott nicht in seiner ganze Fülle erkenne und damit auch meine Beziehung zu Gott qualitativ mindere Zu Strong: Es wurde ja im Text nicht der Gegensatz… Weiterlesen »

Johannes G.
Johannes G.
7 Jahre zuvor

Lieber Christian, mir ist die Absicht des Textes und die Kategorisierung nicht ersichtlich. Willst du damit provozieren, den Dialog fördern, jemanden für deine Argumente gewinnen, …? Und inwiefern hat die Ablehnung einer der genannten Punkte etwas mit der Eigenschaft „light“ zu tun? Bedeutet „light“ verwässert, oder nicht orthodox, oder nicht reformiert / calvinistisch, oder nicht „bibletreu“, oder…? Ab wann gehört man zu den „light“ Glaubenden? Wenn man einen der genannten Punkte bzw. Unterpunkte (Die Punkte 3 und 4 z.B. bestehen ja aus mehreren Einzelaussagen) ablehnt oder wenn es mehr als zwei von fünf sind..? Mir scheint hier liegt die Annahme… Weiterlesen »

Johannes G.
Johannes G.
7 Jahre zuvor

EDIT: Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich noch anfügen, dass ich mich im zweiten, dritten und vierten Absatz auf das Gegenteil der Aussagen (was hier wohl als „strong“ bezeichnet wird) beziehe.

Liebe Grüße
Jo

Christian Beese
7 Jahre zuvor

Hallo Jo, der Beitrag entstand als Blog-Kommentar, nach ausgiebiger Lektüre diverser emergenter Blogs und besteht großenteils aus Zitaten (also keine Strohmann-Argumente), die ich der Ordnung halber in eine Reihenfolge gebracht habe. Alle hängen inhaltlich zusammen. Man könnte die Ordnung auch umdrehen, oder an jedem beliebigen Punkt beginnen, z. B. bei dem zeit-abhängigen, kulturrelativen Verständnis des Wortes Gottes. Als „light“ bezeichnete ich die Standpunkte deshalb, weil sie eine niedrige Sicht von Gott und der Inspiration seines Wortes, und eine hohe Sicht vom (un-erneuerten) Menschen widerspiegeln. Ich hätte auch „low“ schreiben können. Es ist zudem eine sehr verkürzte Darstellung, denn hinzu kommt… Weiterlesen »

trackback

[…] Beese schrieb für theoblog eine Zusammenfassung seiner Beobachtungen. Ich stimme ihnen […]

Johannes G.
Johannes G.
7 Jahre zuvor

Hallo Christian, vielen Dank für deine Rückmeldung. Mir ist der Zweck dieser Aufstellung nach wie vor nicht ganz klar. Wenn ich es richtig sehe sind das einzelne Standpunkte unterschiedlicher Blogbetreiber die sich mit der Eigenschaft „emergent“ schmücken. Ich finde solche verkürzten Verallgemeinerungen bzw. das Scheren über einen Kamm fast immer problematisch, da es selten entsprechend homogene Gruppen gibt. Meinst du, dass es tatsächlich einen „emergenten Christen“ gibt, der seine Auffassung als „anti-theistisch und anthropozentrisch“ charakterisieren bzw. deiner Einschätzung zustimmen würde? Ich bin sicher kein Kenner der emergenten Bewegung, aber hier allgemein von einer anti-theistischen Tendenz zu sprechen, ist ein schwerwiegender… Weiterlesen »

Roderich
Roderich
7 Jahre zuvor

@Jo,
vielleicht ist es besser, wenn man mal die positiven Ausnahmen auf emergenter Seite als Zitate bringt – dann muss man hier im Blog keine konkreten Namen als Negativbeispiele nennen.
(Kennst Du denn irgendwelche emergenten Blogs, die z.B. Punkte 4 und 5 nicht so sehen wie von Christian beschrieben?)

Johannes G.
Johannes G.
7 Jahre zuvor

Hi Rod,
Ich kenne mich mit den „Emergenten“ nicht wirklich aus. Daher ja auch meine Rückfragen. Bezüglich der Punkte 3 und 4 (Charakter und Notwendigkeit des Kreuzestodes) wollte ich nur darauf hinweisen, dass es hier auch unter „konservativen“ Theologen teilweise signifikante Unterschiede gibt.

Gruß
Jo