Die Pflichten der Kinder

Die westliche Kindererziehung funktioniere nicht mehr, sagt die US-Autorin Michaeleen Doucleff. In indigenen Gemeinschaften habe sie herausgefunden, wie Kinder Selbstvertrauen gewinnen. Zum Beispiel dadurch, dass sie selbstverständlich in die Pflichten der Erwachsenen eingebunden werden. Im Gespräch mit Caroline Rosales erklärt sie, warum es falsch ist, Kinder ständig in den Mittelpunkt zu stellen:

Genau das ist der Widerspruch. Dazu kommt, dass wir unsere Kinder ständig völlig übertrieben loben. Während ich mein Buch schrieb, habe ich mich einmal selbst beobachtet und dokumentiert, um festzustellen, wie oft ich meine Tochter am Tag lobe. Das Ergebnis: Ich tat es ständig für die absurdesten Kleinigkeiten. Die Blume, die sie gemalt hatte, zum Beispiel. Aber wenn man auf die Weltgeschichte und andere Kulturen als die westliche schaut, wurden Kinder dort selten in den Mittelpunkt gestellt und schon für die geringste Leistung gelobt. Und so wurden aus ihnen genau die Persönlichkeiten, die wir uns als Eltern wünschen. Genügsame, höfliche Menschen, die sich nicht ständig die Aufmerksamkeit und die Anerkennung der anderen suchen. Ich habe festgestellt, dass die Kinder in den indigenen Gemeinden viel weniger Lob erfahren. Die Eltern dort lächeln oder nicken nur leicht, wenn ihr Kind etwas gut gemacht hat. Seitdem ich das mit Rosie mache, sucht sie wesentlich weniger meine Aufmerksamkeit. Dieses Bedürfnis, sich über Erwachsene zu definieren, ist plötzlich weg.

Mehr hier, leider hinter einer Bezahlschranke: www.zeit.de.

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Peter Gast

Lieber Herr Kubsch, ich bestelle den Feed Ihres Blogs nun ab. Viele Jahre habe ich ihn (seit 2016) per Newsfeed abonniert und gelesen. Mancher Beitrag hat mich zum Nachdenken gebracht und mir interessante Lektürehinweise gegeben. Eines aber hat mich immer irritiert, die menschliche Kühle, die manchmal emotionale Gleichgültigkeit und der gelegentliche Zynismus Ihrer Beiträge. Ich las es gemäß der Selbstbeschreibung Ihres Blogs, hier in diesem Blog nur inhaltliche Argumente gelten zu lassen und keine persönlichen Gefühle. In diesem letzten Beitrag hier spüre ich jedoch noch einmal sehr deutlich und schmerzlich, was hinter Ihrer emotionalen Distanz tatsächlich stecken könnte. Denn gänzlich unemotional und rein sachlich sind Ihre Beiträge tatsächlich ja nicht, sie sind nur vor allem bedrückend negativ und pessismistisch, manchmal passiv-aggressiv gestimmt und sehr oft ein Plädoyer für mehr emotionale Distanz zu bestimmten Gruppen oder Einzelpersonen. Dass Sie diese emotionale Distanz nun auch für den Umgang mit Kindern empfehlen, ist für mich nun – auch unter dem Eindruck unserer letzten… Weiterlesen »

Jutta

Peter Gast:
Michael Winterhoff
https://www.michael-winterhoff.com

https://www.buecher.de/shop/aktuelle-debatten–zeitfragen/warum-unsere-kinder-tyrannen-werden/winterhoff-michael/products_products/detail/prod_id/23322365/

Um der Ausgewogenheit willen:
https://www.ksta.de/kritik-an-bestseller-warum-unsere-kinder-tyrannen-werden-13264328?cb=1618289979715

.. die Bibel ist meines Wissens das einzige Heilige Buch – und sowieso das einzige wirkliche Heilige Buch – in dem geschrieben steht, dass Väter ihre Kinder nicht zum Zorn reizen sollen.

Ein Stück emotionale Distanz ist gesund.
Und wenn Sie so wollen: mich hat die Überemotionalität krank gemacht.
Emotionale Distanz bedeutet einfach: Sachlichkeit.
Was soll daran falsch sein?

Ich bin sogar fast sicher, dass Kinder Sachlichkeit bevorzugen.
Sachlichkeit hat nichts mit Kälte zu tun, wird aber in der heutigen Zeit gerne verwechselt.
Für mich ist das ein amerikanisches Symptom.
Hollywood besteht nur aus „Gefühl“ .. und ach, die Momente der Wahrheit in den Filmen.. tatatataaaaaaa.

Man entschuldige meine Ironie.
Wenn man mal andere Filme anschaut … dann erlebt man eine normale Welt, mit Menschen, die normal aussehen, und Geschichten, die trotzdem spannend sind.

Filmtipp auf YouTube: Der Jugenrichter, mit Heinz Rühmann.
Ich war erstaunt.

Last edited 28 Tage zuvor by Jutta