Neuauflage von Nestle-Aland/UBS 2021/2022 erwartet

Die Herausgeber für das Greek New Testament und das Novum Testamentum Graece („Nestle-Aland“) haben sich kürzlich im neu eröffneten „Museum of the Bible“ (MOTB) in der amerikanischen Hauptstadt Washington getroffen. Nach der Tagung zeichnen sich die Konturen für Neuauflagen der beiden weltweit maßgeblichen wissenschaftlichen Ausgaben des griechischen Neuen Testaments ab. Die Ausgaben sind für 2021/2022 geplant.

Ich zitiere aus der Pressemitteilung:

„Die Erforschung des Textes des Neuen Testaments befindet sich in einem spannenden Stadium“, berichtet Florian Voss. Im Rahmen eines groß angelegten, internationalen Forschungsprojektes wird in Münster, Birmingham und anderen Städten der griechische Ausgangstext des gesamten NT, der sogenannte Urtext, neu konstituiert. Im Ergebnis führt das unter anderem dazu, dass der griechische Text sich an vielen Stellen ändert. „Das wird sich auch auf die Textauslegung und die Übersetzung auswirken“, erläutert der Lektor der Deutschen Bibelgesellschaft. Geplant sind Neuauflagen für 2021/2022. Sie werden besonders im Markusevangelium und der Apostelgeschichte Änderungen bringen. Außerdem überlegen die Wissenschaftler, die Reihenfolge der neutestamentlichen Schriften an die in den Handschriften vorherrschende Tradition anzupassen, wonach auf die Apostelgeschichte unmittelbar die sogenannten katholischen Briefe folgen, die Briefe des Jakobus, Petrus, Johannes und Judas.

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8 Kommentare
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Armin
4 Jahre zuvor

Also ich bin definitiv kein Experte was den griechischen Text angeht. Kann mal jemand erklären, was der Gedankengang dahinter ist, was Nestle Aland dazu bewegt dies zu tun?
Ich verstehe bei Nestle Aland so einiges nicht. Beispiel Joh. 1,18: NA schreibt da ( in Ausgabe 27 – Nr 28 habe ich nicht) „… der eingeborene Gott…“ Belegt ist das durch sehr wenige Schriften. Die überwältigende Mehrheit der Handschriften schreibt „… der eingeborene Sohn …“ Nun ist mir schon klar, dass NA das im Textkritischen Teil anmerkt.
Aber kann es sein, das bei NA ein gewisses Gedankengut / Sichtweise vorliegt, die mehr um sich greift?
Mir geht es def. nicht um eine Diskussion NA oder TR!
Ich finde es nur schwierig, wenn schon im NA, mit dem viele Ausleger etc. arbeiten, eine gewisse Ideologie steckt. Versteht ihr was ich meine?
Vielleicht kann sich ja mal ein Experte dazu äußern.

Viele Grüße

Armin

Adnan
4 Jahre zuvor

Der Nestle Aland ist die textkritische Standardausgabe des griechischen NT. Die Arbeitsweise ist in dem guten Buch von Kurt und Barbara Aland „Der Text des Neuen Testamentes“ erklaert. Das grossartige am NA ist, dass er auch dem Laien die Möglichkeit gibt, zu jedem Vers des Neuen Testamentes festzustellen, in welchen Handschriften er vorkommt und wie der Text in einer bestimmten Handschrift genau lautet. Die Sammlung der so bearbeiteten Handschriften ist zwar leider nicht vollstaendig aber doch sehr umfangreich. Auf die sich hin und wieder einmal aendernde Meinung der fehlbaren Experten ist man also auch als Laie nicht angewiesen, vielmehr kann man sich anhand des NA selbst ein Urteil bilden. Das erfordert für den Laien allerdings, dass er sich in die Handschriften einarbeitet, denn nicht etwa mit der Zahl der Handschriften, sondern mit ihrer Qualitaet gewichtet kommt man zu einem ausgewogenen Urteil. All das ist in dem Werk von Aland gut dargestellt, auch hier muss man keineswegs alle Theorien der Autoren… Weiterlesen »

Adnan
4 Jahre zuvor

Vielleicht noch eine Anmerkung zu textkritischem Arbeiten. Die im Internet frei zugaengliche NET Bible (https://lumina.bible.org/bible/John+1) diskutiert praktisch alle textkritischen Fragen sehr ausführlich mit für und wieder für unterschiedliche Rekonstruktionen des Urtextes. Hieran kann man sich also mit seiner eigenen Urteilsfindung orientieren, das Material ist gut aufbereitet. Die NET Bible kommt dabei hin und wieder zu begründet anderen Auffassungen als die Herausgeber von NA (wobei ja auch dort im Laufe der Zeit Aenderungen auftreten). Da das Beispiel Joh.1:18 erwaehnt wurde, hier ein Zitat aus der NET Bible, die im Text die Lesart „der einzige Gott“ für ursprünglich haelt: tc The textual problem μονογενὴς θεός (monogenēs theos, “the only God”) versus ὁ μονογενὴς υἱός (ho monogenēs huios, “the only son”) is a notoriously difficult one. Only one letter would have differentiated the readings in the mss, since both words would have been contracted as nomina sacra: thus qMs or uMs. Externally, there are several variants, but they can be grouped essentially by… Weiterlesen »

Armin
4 Jahre zuvor

Mir geht es nicht darum blind irgendwelchen Experten zu vertrauen. Aber mal im Ernst. Wenige benutzen für ihre Vorbereitungen konsequent den gr. Text. Und wieviele davon haben ein solides Wissen bezüglich des textkritischen Teils? Und selbst unter den wirklichen Experten, gehen die Meinungen und Bewertungen von Handschriften auseinander. NA legt viel Gewicht auf Sinaiticus und Vaticanus. Das machen andere nicht so. Wenn selbst die, die sich mit diesem komplexen Thema wirklich beschäftigt haben, zu anderen Bewertungen kommen, wird es dann am Ende doch willkürlich? Denn die Differenzen fangen doch schon sehr weit vorne an, wo es um die Bewertung der Qualität von Handschriften geht. Nur weil es von einer Lesart viele Handschriften gibt, ist nicht unbedingt gesagt, dass dies für die Qualität spricht. Anders herum aber auch nicht. Und natürlich vertraut jeder, und dies zurecht, auf das Fachwissen und ordentliche Arbeit der Experten. Denn nicht jeder kann und soll sich so tief in eine Materie einarbeiten. Wie soll das gehen.… Weiterlesen »

Armin
4 Jahre zuvor

Ok. In der Pressemitteilung habe ich einen Satz gefunden, der mir hilft meine Frage konkreter zu formulieren: “ So wird sichergestellt, dass die Erfahrungen und Interessen sowohl verschiedener Regionen als auch Konfessionen (evangelisch, katholisch und orthodox) einfließen.“
Kann jemand sagen, was diese Interessen sind?

Gruß
Armin

Jörg
4 Jahre zuvor

Sowohl NA als auch TR (letzterer insofern eingeschränkt, als dass sein Urheber ERasmus in Offenbarung einige Verse aus dem Lateinischen rückübersetzt und insofern „erfunden“ hat) spiegeln jeweils (Teile von) Bibeln wider, die irgendwann im Verlauf der letzten 2000 Jahren irgendwo von Christen als Wort Gottes gelesen wurden – und offenbar hat Gott kein Problem damit gehabt, es zuzulassen, dass die einen X und die andern Y gelesen haben. Die Unterschiede sind in erster Linie sprachlicher und stilistischer Natur. INhaltliche Unterschiede (wenn mal etwas weggelassen wird – was meiner Ansicht nach aber bei NA zu oft und unkritsch passiert, weil Auslassung der häufigste Abschreiberfehler ist) lassen sich durch Parallelstellen eigentlich vollständig ausmerzen. „Fehler“ ist insofern ein sehr starkes Wort dafür, aber ich benutze es trotzdem mal. Einen Fehler, den man 1000 mal abschreibt, ist immer noch ein Fehler, deshalb ist „Die Mehrzahl der Handschriften…“ kein stichhaltiges Argument. Andererseits ist auch ein alter Fehler immer noch ein Fehler – deshalb ist ein… Weiterlesen »

Schandor
4 Jahre zuvor

Schade. 🙁

So ein wackeliges „Wort Gottes“ haben wir.

Und auf was verlassen wir uns jetzt?

Antwort: Auf die derzeitige Version.

Also bis zum nächsten Mal.

Hoffentlich ist Jesus dann immer noch Gott.

Jörg
4 Jahre zuvor

Luther, Schlachter, Elberfelder, Menge, NL, NG, Basisbibel, GN, Einheitsübersetzung,… – so ein unklares, wackeliges Wort Gottes haben wir. Und auf was verlassen wir uns jetzt? Antwort: Auf die aktuelle (oder eine bestimmte vergangene) Revision einer bestimmten Handschr, äh Handausgabe. Also bis zum nächsten Mal. Jesus ist zwar dann immer noch Gott (manchmal sogar an bisher „neuer“ Stelle, wie das oben angesprochene Joh 1:18 beim bösen NA) und alle anderen Inhalte bleiben gleich. Aber ein paar Worte oder Konstruktionen haben sich, vielleicht, geändert. PS: Wer die Unterschiede zwischen den oben genannten Übersetzungen (die größer sind als die Unterschiede innerhalb der griechischen Überlieferung und zwischen griechischer Überlieferung und jeder Übersetzung) ertragen kann, weil er weiß, dass man sowieso die Schrift als Ganzes – und damit immer die Parallelstellen mit-lesen muss und die Zusammenschau verschiedener Perspektiven bei der Wahrheitssuche und -findung oft helfen, der wird sich auf die Gesamtschau der griechischen Überlieferung (Apparat) und den Versuch, den Originalwortlaut zu rekonstruieren, freuen, bei aller… Weiterlesen »

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