Ohne Glaubenssubstanz keine Mission

Missionarischer Gemeindeaufbau braucht einen klaren theologischen Kompass, meint  Philipp Bartholomä und schreibt:

Dekonstruktion ist ein zentraler Ansatz unserer heutigen postmodernen Zeit. So ist es auch nicht mehr nur in Kreisen üblich, die man herkömmlicherweise als „theologisch liberal“ bezeichnet hat, zentrale theologische Wahrheiten zu „dekonstruieren“, also zu hinterfragen, umzudeuten und gegebenenfalls ganz aufzugeben. Auch unter Evangelikalen sind früher unantastbare Glaubensinhalte nicht mehr selbstverständlich. Theologisch steht vieles zur Disposition, wie etwa die Inspiration, Wahrheit und Einheit der Heiligen Schrift, die vollkommene Sündhaftigkeit des Menschen, die Jungfrauengeburt, das stellvertretende Sühneopfer des Mensch gewordenen Gottessohnes, der doppelte Ausgang des Endgerichts zu ewigem Leben mit Gott oder ewiger Trennung von Gott.

Auch im ethischen Bereich kommt es zu grundlegenden Neubewertungen, beispielsweise im Blick auf vorehelichen Geschlechtsverkehr oder Homosexualität. Man müsse, so häufig die Argumentation, traditionelle theologische Deutungen im Licht heutiger Erkenntnisse neu beurteilen. Durch einen solch „neuen Blick“ auf bisher missverstandene oder falsch angewendete biblische Texte könnte man dann auch angemessener auf die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen reagieren und somit die Relevanz des Glaubens wieder deutlicher machen. In dieser Hinsicht sei es vielfach notwendig, sperrige, unbequeme und mit vorherrschenden kulturellen Empfindungen in Konflikt stehende Aussagen der Heiligen Schrift auszublenden, umzudeuten oder der beschriebenen Neubewertung zu unterziehen.

Dass die Kontextualisierung biblischer Inhalte notwendig ist, um intellektuelle wie emotionale Brücken zu bauen und den kulturellen Abstand zu denen zu verringern, die wir erreichen wollen, steht außer Frage. Problematisch wird es dann, wenn die theologische Substanz und damit zentrale Glaubensinhalte in ihrem Kern verändert werden. Oft kann man den Eindruck gewinnen, dass nicht mehr biblische Einsichten für Fragen des Glaubens und der Lebensgestaltung maßgeblich sind, sondern postmoderne Befindlichkeiten und Überzeugungen.

Demgegenüber wird in der Bibel immer wieder deutlich: Es schadet dem Volk Gottes, wenn Gottes Wort infrage gestellt, verdreht oder gar bewusst ignoriert wird:

„Dies ist’s, was ich dir heute gebiete: dass du den HERRN, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der HERR, dein Gott, wird dich segnen in dem Lande, in das du ziehst, es einzunehmen. Wendet sich aber dein Herz und du gehorchst nicht, sondern lässt dich verführen, dass du andere Götter anbetest und ihnen dienst, so verkünde ich euch heute, dass ihr umkommen und nicht lange in dem Lande bleiben werdet, in das du über den Jordan ziehst, es einzunehmen.“ (5Mo 30,16–18, vgl. Jer 44,4–6; Neh 9,29–30; Ps 89,31–33 u.v.a.)

„Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“ (Mt 7,24–27)

Jesus hat oft davon gesprochen, dass die Liebe zu ihm und der Gehorsam gegenüber seinen Geboten zusammengehören, wie zwei Seiten einer Medaille. Wer ihm nachfolgt und ihn liebt, soll sich nicht dadurch auszeichnen, dass er göttliche Maßstäbe allzu leicht relativiert, sondern dass er sie gern befolgt, auch wenn einem der gesellschaftliche Gegenwind ins Gesicht bläst:

„Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. … Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt.“ (Joh 14,15.21; vgl. 1Joh 5,3 u.a.)

Schließlich findet sich im Neuen Testament die eindringliche Mahnung, an der Schrift als glaubwürdigem und autoritativem Wort Gottes festzuhalten und Gottes Wahrheit nicht an zeitgenössische Meinungen und kulturelle Trends anzupassen:

„Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. … Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.“ (2Tim 3,14–16 und 4,3–4; vgl. Offb 3,8.10 u.a.)

Mehr: www.evangelium21.net.

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26 Kommentare
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Martin
6 Monate zuvor

Das dazugehörige Buch (Gemeinde mit Mission) kann ich sehr empfehlen!

Alex aus Cloppenburg
6 Monate zuvor

Wer liest solche Bücher? Warum werden solche Bücher geschrieben?
Die Betonung der Bibelhörigkeit ist ja schön und gut, von Erweckung ist aber in unseren Breitengraden keine Spur. Diese Bücher sind wie Abnehmtipps in Frauenzeitschriften. Würde das Geschriebene einigermaßen stimmen, müsste es weniger Dicke oder Ungläubige geben.

Udo
6 Monate zuvor

Missionarische Wirksamkeit macht sich offensichtlich qualitativ und nicht unbedingt quantitativ bemerkbar. Siehe Matth. 7, 13+14.

Alex aus Cloppenburg
6 Monate zuvor

@ Udo: wenn der Weg zum Verderben eh breit ist mit den vielen, die darauf wandeln, dann verstehe ich die ganze Aufregung um die vermeintlichen Häretiker nicht. Wenn sich die „Qualität“ sowieso durchsetzt, wird die Mission nicht an irgendwelchen liberalen Hirngespinsten scheitern.

Martin
6 Monate zuvor

@Alex aus Cloppenburg: Es macht ja immer Sinn, mehr als einen Ausschnitt aus einem Kapitel zu lesen. Es geht neben der eben nicht beliebigen Frage nach einer verlässlichen Grundlage sehr zentral auch um die Frage wie Freikirchen einem säkularen Kontext begegnen können. Dass es da Nachholbedarf und viel zu lernen gibt, ist eine der zentralen Thesen des Autors und ein Gegenstand seiner Forschungen. Die Frage nach der Substanz ist deshalb aber ja nicht belanglos. Ich sollte ja wissen, wofür ich als Gemeinde stehe…

Alex aus Cloppenburg
6 Monate zuvor

@Martin: Stimme absolut zu, dass eine Gemeinde wissen sollte, was die eigene Glaubensbasis ist. Allerdings suggerieren sowohl Titel als auch der entsprechende Abschnitt des Buches, dass man nur schön rechtgläubig bleiben soll, dann würde sich der missionarische Erfolg schon einstellen.
Und das trifft auf unsere westlichen Gesellschaften nun mal nicht zu. Den Niedergang des Christentums haben nicht nur die sogenannten liberalen Volkskirchen zu verantworten, sondern auch und vor allem die evangelikale Seite des Spektrums.
Die Frommen sind somit Teil des Problems, genauso wie sie ein Produkt der (Post-) Moderne sind.

Alin
6 Monate zuvor

Die Dekonstruktion der traditionellen Glaubensinhalte ist der einzige Weg, wie sie überhaupt noch irgendwie am Leben erhalten werden können. Ohne diese lebenserhaltende Maßnahme würden die traditionellen Glaubensinhalte an ihren inneren Wiedersprüchen, fehlenden Plausibilitäten und Falschaussagen sterben. Die böse Postmoderne kann nicht an allem Schuld sein…

Johannes
6 Monate zuvor

Ich halte es für wahnwitzig, ausgerechnet die Dekonstruktion des Glaubens für seine Rettung zu halten. Richtig ist, dass auch die „Frommen“ im Verlauf der Kirchengeschichte schwere Fehler gemacht haben. Für einen großen Sündenfall der Spätantike halte ich z. B. die Unterstützung des byzantinischen Usurpators Phokas (reg. 602-610 n. Chr.) durch Papst Gregor d. Gr. und seine Nachfolger. Trotz einer gewissen Neubewertung des Phokasbildes in der Geschichtswissenschaft handelte es sich zweifellos um einen sadistischen Massenmörder. Ähnliches hat sich später mehrfach wiederholt, bis hin zu Hitler. Heute noch legt eine Säule in Rom Zeugnis von der damaligen Phokas-Propaganda ab, auch wenn diese nicht von einem Papst errichtet wurde. Es folgten Missionierungen mit Einsatz von Gewalt, starke antisemitische und später auch andere rassistische Verwerfungen, ein falsches Staatskirchentum und die mehrfache Unterwerfung unter falsche, vom jeweiligen Zeitgeist bestimmte Ideologien sowohl von links als auch von rechts. Jesus hat nie eine uneingeschränkte Erfolgsgeschichte christlicher Mission versprochen. Schon als Paulus nach Rom kam wurde der christlichen… Weiterlesen »

Alex aus Cloppenburg
6 Monate zuvor

@Alin:
Bin ganz deiner Meinung, dass die Postmoderne zu oft für alles Mögliche herhalten muss. Das zeugt ein mal mehr von dieser frommen Phantasielosigkeit der Rechtgläubigen.
Ich würde aber gerne auch widersprechen, denn denn die traditionellen Glaubensinhalte brauchen keine lebensverlängernden Maßnahmen. Sie werden bleiben – mit all dem Widersprüchlichen und dem Unplausiblen. Denn ein gesunder Glauben kann mit all dem leben und schafft es sogar auszuhalten, dass der ein oder andere von uns mal dekonstruiert. Christentumsgeschichte hat viel mehr Vielfalt zu bieten als es so manchen Evangelikalen lieb ist.

Alin
6 Monate zuvor

Es geht nicht darum, wer wann etwas im Laufe der Kirchengeschichte falsch gemacht hat oder die Evangelikalen zu wenig Bewusstsein für die Vielfalt des Glaubens haben!

Um im Bild zu bleiben: Traditionelle Glaubensinhalte sind deshalb zum Tode verurteilt, weil eine möglichst unvoreingenommene Exegese neutestamentlicher Stellen ihren Tod besiegelt. Mehrheitlich gründen sie auf apokalyptischen Denkweisen (Ja, Jesus war auch ein Apokalyptiker), die sich in ihren Grundannahmen als falsch erwiesen und deshalb wenig Relevanz für die Gegenwart haben. Richtig ist aber auch, dass eine Rettung durch Dekonstruktion zum Ende jeder Mission führen muss….

DanielV
6 Monate zuvor

Auf die Gefahr hin missverstanden zu werden… es tut mir leid, wirklich ganz aufrichtig, dass doch einige Theoblog-Leser so viele miese Erfahrungen mit Christen gemacht haben – ganz egal ob man sie nun konservativ oder freikirchlich oder evangelikal nennen mag. Ich persönlich habe nur hier und da mal absurde Sachen erlebt. Aber manche in meinem Freundeskreis könnten da Sachen erzählen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann über das, was sich die Frommen so leisten… mit einem engstirnigen, drögen, hartherzigen, platten, cringy oder kalten Glauben. Ich denke, monokausale Problemanalysen und Erklärungsmodelle helfen hier inhaltlich wenig weiter, sei es in Sachen Rechtgläubigkeit oder „Heil durch Dekonstruktion“. Ich habe mich gefragt: Gilt das Versprechen oder die Dringlichkeit der Dekonstruktion auch für andere Religionen? Und welcher Strang der vielen modernen oder spätmodernen Denkrichtungen soll uns dafür den allgemeingültigen Maßstab geben? Was würden Menschen aus der Geschichte oder aus anderen Kulturen wohl über die Argumente und Behauptungen hier in den Kommentaren denken bzw.… Weiterlesen »

Schandor
6 Monate zuvor

@Alin
Jesus war Apokalyptiker? Gute Bemerkung! Klar war er Apokalyptiker, er hat die Apokalypse sogar gegeben!
Was mich interessiert hätte: Was sind apokalyptische Denkweisen und wo haben sie sich in ihren Grundannahmen geirrt?
Ist nicht minutiös alles eingetroffen, was vorausgesagt worden war? 😉

Wer die Glaubensinhalte dekonstruiert, den wird auch Gott dekonstruieren. Gott lässt sich nicht spotten, soviel ist sicher.

Helge Beck
6 Monate zuvor

Hier gibt es einen Zirkelschluss in der Argumentation. Der Text argumentiert, dass das Befolgen der biblischen Gebote unerlässlich ist, weil die Bibel selbst dies sagt. Die Argumentation stützt sich auf die Prämisse, die sie zu beweisen versucht.

Matze
6 Monate zuvor

Wenn ich das NT richtig verstehe war Mission ein Ergebnis der Arbeit der ersten Gemeinden, aber nicht der Punkt, um den es in erster Linie ging. Wichtig war an Jesus entsprechend der Erfahrungen der Jünger und den Aussagen des ATs zu glauben Die Folge davon war ihre gelebte Liebe, die Ihnen Hochachtung vom Volk brachte und die missionarische Wirkung entfaltete. Vielleicht sollten wir das alles mal an dem Punkt der Liebe untereinander messen. Wo sehen das die Nichtchristen heute an uns? Einige Fragen dazu. Haben wir während Corona trotzdem Seelsorge betrieben auch wenn es vielleicht die gesetzlichen Regeln gesprengt hat? Dann: materielle Not haben heute wenige, aber fangen Gemeinden Menschen die in seelischer Not sind wirklich auf? Es gibt soviel seelische Not durch den Krieg, die wirtschaftliche Unsicherheit und die Vereinsamung vieler Menschen usw. Begegnet man in den Gemeinden diesen Nöten so, dass dies Menschen von aussen mitbekommen oder grinsen wir uns am Sonntag nur eine Stunde freundlich an und… Weiterlesen »

Schlotti
6 Monate zuvor

@Alex aus Cloppenburg Du hast da in einem Kommentar eine Aussage gemacht, ohne diese jedoch irgendwie zu begründen. Deshalb würde ich gerne ernsthaft nachfragen, um dich richtig zu verstehen. Du schreibst: „Den Niedergang des Christentums haben nicht nur die sogenannten liberalen Volkskirchen zu verantworten, sondern auch und vor allem die evangelikale Seite des Spektrums.“ Darf ich fragen, inwiefern es vor allem die Evangelikalen sind, die am Niedergang des Christentums schuldig sind?“ Und dann noch eine zweite Frage. Du schreibst weiter: „Die Frommen sind somit Teil des Problems, genauso wie sie ein Produkt der (Post-) Moderne sind.“ Auch hier habe ich eine ernst gemeinte Frage: Warum sind die Evangelikalen ein Produkt der (Post-) Moderne? Beides sind für mich erst einmal Thesen. Sind sie selbsterklärend? Für mich nicht. @Alin Du schreibst: „… weil eine möglichst unvoreingenommene Exegese neutestamentlicher Stellen ihren Tod besiegelt.“ Ist das nicht ein wenig naiv? Selbst Evangelikale gestehen ein, dass eine unvoreingenommene Exegese (selbst mit dem Zusatz möglichst) kaum… Weiterlesen »

Schlotti
6 Monate zuvor

Hallo Ron,

könntest du mal nach meinem Kommentar schauen? Ist irgendwie verloren gegangen.

Liebe Grüße
Schlotti

DanielV
6 Monate zuvor

Nur ein kurzer Gedanke zu Helge Becks Beobachtung. Ich kann den Einwand verstehen, wenn man es so weiterdenken und zuspitzen möchte.Aber ich sehe da offen gesagt nicht sofort einen klassischen Zirkelschluss (den wir ja vermeiden sollten, weil er logisch nicht zulässig ist). Ich könnte mir das zum Teil auch auf der Ebene der „Letztbegründung“ sehen (die man ab einer bestimmten Begründungsebene irgendwann nicht mehr vermeiden kann)… aber das hängt dann sicherlich auch davon ab, ob man die Bibel oder wenigstes Teile davon als göttlich inspiriert, verständlich und verlässlich ansieht oder anderen das zumindest theoretisch zugesteht.Oder der Gedankengang könnte weitergedacht auch eine praktisch ausgerichtete „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“ (petitio principii) sein. Das wäre dann auch logisch gültig. Jedenfalls kommen (echte und vermeintliche) Zirkelschlüsse auch im immer wieder im normalen Leben vor: Zum Beispiel den Satz „Das Befolgen des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ist unerlässlich, weil die Verfassung selbst uns das vorschreibt.“ – den finde ich gut, richtig und wichtig.Die Illustration mag… Weiterlesen »

Alex aus Cloppenburg
6 Monate zuvor

@Schlotti:  Danke für deine Fragen, hatte schon vergessen, was ich geschrieben habe. Versuche kurz zu antworten:  Die Evangelikalen sind Teil des Problems, weil sie das Christentum auf bestimmte Dogmen (Bekehrung&Wiedergeburt, Irrtumslosigkeit der Schrift usw.) verengen und u.a. damit auf die Gesellschaft abschreckend wirken. Um es kurz zu machen: sie sind in den Augen vieler einfach nur schräg. Sie schrecken ab. (Während die liberalen Volkskirchen beliebig und profillos sind und niemanden mehr interessieren) Zu der (Post-)Moderne: Die Evangelikalen waren Teil der sogenannten „Moderne“, weil sie lange Zeit für Fortschritt und Aufbruch standen. Gleichzeitig kamen auch sie ins Fahrwasser der Postmoderne, weil sie einerseits den kulturellen Entwicklungen der Postmoderne entgegenstanden bzw. -stehen wollten und andererseits- von der letztgenannten beeinflusst – Misstrauen, Skipsis und Ablehnung des Fortschritts entwickelten sowie traditionelle christliche Überzeugungen, u.a. Autoritäten wie Obrigkeit oder Kirche, in gewisser Weise dekonstruieren. Viele Evangelikale sind erschreckend traditionslos. (Bsp.: Siegeszug der Lobpreismusik) Klar, es sind sehr pauschale Aussagen, die furchtbar vereinfachen. Kernaussage soll sein:… Weiterlesen »

Schlotti
6 Monate zuvor

@Alex aus Cloppenburg Vielen Dank für die Antwort. Zu Punkt 1 würde ich anmerken, dass man erst einmal beweisen muss, dass die Evangelikalen den christlichen Glauben verengen. Jeder hat blinde Flecken, da stimme ich zu. Vielleicht betonen wir bestimmte Punkte mehr als andere. Aber folgen wir damit nicht auch dem Zeugnis der Bibel selbst? Das Evangelium ist nun mal zentral, wie Paulus in 1. Kor 15 bezeugt (… vor allem …). Und die Schriftfrage wird hier eng mit dem Evangelium verbunden (gemäß den Schriften). Vor allem ist aber deine Aussage wichtig, dass die Gesellschaft die Evangelikalen als schräg und abschreckend empfinden. Das stimmt. Aber genau das war das Wesen des christlichen Glaubens von Anfang an! Die Römer und Griechen hätten nichts gegen einen weiteren Gott gehabt. Aber nur einen? Der einen Absolutheitsanspruch erhebt? Der gekreuzigt wurde? Das war einfach zu viel, abstoßend und ekelhaft! Die Auferstehung? Wie bescheuert die Christen doch sind, an so einen Unsinn zu glauben. Der christliche… Weiterlesen »

Last edited 6 Monate zuvor by Schlotti
Alin
6 Monate zuvor

@ schlotti
Zu suggerieren, nur historisch-kritische Exegese wäre wirkliche Exegese, weil sie möglichst unvoreingenommen arbeitet, hinkt doch der Zeit etwas hinterher.‘

Ich wüsste nicht, wann und wo ich das getan hätte.

Es geht nicht um philosophische Erkenntnisfragen. Es geht um den Sachverhalt, dass evangelikale Exegeten das Ergebnis ihrer Untersuchungen vorher schon kennen und bereit sind, die ungewöhnlichsten exegetischen Verrenkungen zu Unternehmen, um dieses zu bestätigen.

Schlotti
6 Monate zuvor

@Alin Es geht nicht um philosophische Erkenntnisfragen. Es geht um den Sachverhalt, dass historisch-kritische Exegeten (oder auch die postmoderne Hermeneutik) das Ergebnis ihrer Untersuchungen vorher bereits kennen und bereit sind, die ungewöhnlichsten exegetischen Verrenkungen zu Unternehmen, um dieses zu bestätigen. Damit will ich mich nicht lustig machen. Aber genau das ist doch der Punkt. Hier wird ein Vorwurf an die evangelikale Exegese gerichtet, den man ohne große Mühe umkehren kann. Historisch-kritische Exegese geht z. B. von der Voraussetzung eines naturalistischen Weltbildes aus, in dem es keine Wunder geben kann. Was also ist das Ergebnis, wenn sie sich mit der Auferstehung befassen? Richtig, Jesus ist nicht auferstanden. Das Ergebnis steht fest, bevor die Exegese überhaupt begonnen hat. Den Vorwurf das Ergebnis stehe bereits im Vorfeld fest, lässt sich daher genauso umdrehen. Und natürlich spielen dabei Erkenntnisfragen eine Rolle. Ich frage mich ernsthaft, wie man das bestreiten kann. Die Frage, wie ich erkenne, beeinflusst zwangsläufig, wie ich die Bibel auslege und deren… Weiterlesen »

Alin
6 Monate zuvor

@Schlotti

Es gibt nicht die HKM-Methode!

Wenn es Beweise für Wunder geben würde, würden Wunder auch akzeptiert werden. Jede Behauptung benötigt mehr oder weniger Nachweise, um sie zu akzeptieren. Eine außerordentliche Behauptung (Auferstehung Jesu) benötigt auch außerordentliche Nachweise…wenn diese außerhalb der Bibel selbst nicht aufzufinden sind, dann hat eine Skepsis gegenüber der Auferstehung sicherlich nichts mit einem naturalistischen Weltbild zu tun, sondern mit rationalem Denken!

Die Bibel ist religiöse Literatur. Warum ihr nicht mit den gleichen Vorannahmen begegnen wie anderer religiöser Literatur, wie z. B. dem Koran oder dem Buch Mormon?

Die unterschiedlichen Auffassung hinsichtlich des historischen Jesus zeigen doch gerade auf, dass ergebnisoffen gearbeitet wird! Hier ist, wie in der Wissenschaft üblich, der Konsens entscheidend!

Du bist bisher meiner ursprünglichen Aussage ausgewichen: eine ehrliche Auseinandersetzung mit den nicht zutreffenden, apokalyptischen Aussagen des NT. Hierfür ist keine HKM nötig….

Schlotti
6 Monate zuvor

@Alin „Es gibt nicht die HkM!“ Das ist ein Truismus. Stimmt, es gibt nicht die HkM. Es gibt aber weltanschauliche Voraussetzungen, die die HkM bestimmen. Der Naturalismus gehört eindeutig dazu. Empfehlung: Ulrich Wilckens „Kritik der historischen Bibelkritik“. „außerordentliche Nachweise … außerhalb der Bibel“ Hier liegt schon die Crux. Für mich schließen sich Wissenschaft und Vertrauen zur Bibel nicht aus. Ich kann aus Überzeugung jedoch kein Minimalist sein, der Aussagen der Bibel nur dann zustimmt, wenn sie „unabhängig“, außerhalb der Bibel bezeugt werden. Für mich gibt es viele Gründe, die Bibel als historisch zuverlässig anzusehen. Deshalb ist sie die Grundlage für mich, um zu verstehen. Beim Thema Auferstehung suche ich deshalb nicht nach Beweisen außerhalb der Bibel und beurteile diese dann daraufhin. Meine generelle Sicht bleibt bestehen. Jeder Exeget geht mit einer Weltanschauung an die Texte heran, mit Vorverständnissen. Entscheidend ist, sich diesen bewusst zu sein. „nicht Naturalismus, sondern rationales Denken“ Für mich ist eine gewisse Überheblichkeit des westlichen Denkens immer… Weiterlesen »

Ben
6 Monate zuvor

Schade, dass DanielVs Kommentar so wenig Beachtung geschenkt wird. Denn genau der trifft eigentlich den Kern der Sache.
Dass er aber nicht beachtet wird, deckt eigentlich ein großes Problem auf: dass solche Foren-Diskussionen immer kränker werden. Es geht überhaupt nicht darum, eine Sache zu besprechen, sich auszutauschen, stehen zu lassen und ggf. etwas vom anderen zu lernen, sondern es geht einfach nur darum, seiner Meinung (und seinen Gefühlen) Luft zu machen, sch… egal, was die anderen denken.
Das schwappt mittlerweile auch immer mehr von der digitalen auf die reale Welt über. Gespräche und Diskussionen werden immer unsachlicher und immer weniger zielführend.
(So, jetzt hab ich meiner Meinung und meinen Gefühlen auch mal wieder Luft gemacht! Besser gehts mir aber nicht.)

Alex aus Cloppenburg
6 Monate zuvor

@Ben: ich selber habe den Kommentar von Daniel IV nicht verstanden, daher auch nichts zu geschrieben.
Aber grundsätzlich finde ich diese Diskussion hier gar nicht so verkehrt, denn ich habe nicht den Eindruck, dass es den Beteiligten egal ist, was andere denken. Es werden im Grunde schon immer dieselben Argumente zwischen den unterschiedlichen Bibelverständissen ausgetauscht- man erfährt zwar selten Neues, aber es wird respektvoll und -soweit es möglich ist- sorgfältig argumentiert.

Matze
6 Monate zuvor

Mal überlegen, ob die Frage nicht falsch gestellt ist: ohne klaren theologischen Kompass braucht es auch keinen missionarischen Gemeindeaufbau. Wenn es nicht um Bekehrung oder die Frage wo wirst Du die Ewigkeit verbringen geht wie bei vielen Postevangelikalen und anderen, dann sollte man doch nicht von Mission sondern Mitgliederwerbung, Steigerung von Veranstaltungsbesuchen oder ähnlichem reden

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