Postmodernismus: Eine Kritik von links

41t1Y mMVBL SX351 BO1 204 203 200Der zur SPD gehörende Politikwissenschaftler Nils Heisterhagen macht den postmodernen Pluralismus für die Krise der Moderne verantwortlich. Ich zitiere mal aus dem Fazit seines Buches Kritik der Postmoderne (Springer, 2017, S. 241ff.):

Der Sprengstoff, der das Zusammenleben bedroht, ist der Relativismus . Es ist die Auffassung der Absage an Begründbarkeit, es ist die Aufgabe von Allgemeinheit.

Der Relativismus regiert. Der Relativismus beherrscht den Zeitgeist. Der Blick für das Ganze geht so auch verloren. Das Subjekt schaut immer mehr auf sich. Das Wachsen des individualistischen Moments sorgt für eine Erosion der Moderne. Die Suche nach der Wahrheit und dem Gemeinsamen geht verloren. Der Neoliberalismus als hegemoniales Denken ist in so einem postmodernen Rahmennahezu logisch. Der Neoliberalismus passt zum postmodernen Zeitgeist. Es ist eine Hochzeit des Subjektivismus, die beide zusammengeführt hat. Die Postmoderne ist das Gerüst, wodurch der Neoliberalismus überhaupt erfolgreich stehen kann. Ohne die Postmoderne wäre der Neoliberalismus niemals so hegemonial. Der zusammengeführte postmoderne Liberalismus reklamiert für sich die Individuen befreit zu haben, aber er hat so gleichsam das Ganze geopfert. Der Blick für das Ganze ist verstellt. Das Allgemeine als Kategorie ist erodiert. Und die Postmoderne ist schuld. Die Schuld der Postmoderne liegt also darin, dem Relativismus alle Türen geöffnet zu haben, und sie liegt darin, dem Neoliberalismus zur Hegemonie verholfen zu haben.

Der postmoderne Zeitgeist ist aber ein Resultat eines Irrtums, eines Fehlers der Philosophiegeschichte. Und auch der Neoliberalismus ist eine Verirrung, auch er ist ein Fehler .

Ein neuer Konsens ist so gefordert. Findet er sich nicht, könnte auch zunehmend die Toleranz erodieren, die die postmodernen relativistischen Gesellschaften des Westens momentan noch einigermaßen befriedet. Ein Toleranzethos hält die relativistischen Gesellschaften noch zusammen. Als Toleranzdemokratien funktionieren die liberalen Demokratien noch. Aber sobald die Toleranz mehr und mehr schwindet, und der Antagonismus, der immer eine Möglichkeit des Relativismus ist, voll durchbricht, werden die liberalen Demokratien auch wieder zu Demokratien werden, wo Gewalt, Hass und Hetze als legitime Mittel des politischen Streits angesehen werden.

Wir müssen aufhören der Illusion zu erliegen, dass das „Ende der Geschichte“ (vgl. Fukuyama 1992) bereits erreicht sei. Denn das Ende ist nicht erreicht. Die Postmoderne darf nicht das Ende sein. Es muss weiter gehen. Der Relativismus ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Der Relativismus ist sogar das Ende der Philosophie. Dabei darf es nicht bleiben. Das war es einfach noch nicht. Das „goldene Zeitalter“ ist noch nicht erreicht.

Es braucht nun eine neue Philosophie.

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6 Kommentare
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Karlo
Karlo
1 Monat zuvor

Gibt es eigentlich die früheren Kommentatoren wie Schandor, Roderich und Johannes Stehle noch?

Karlo
Karlo
1 Monat zuvor

Verständlich. Schade ist es trotzdem. habe die lebhaften und fruchtbaren Diskussionen früher gerne verfolgt.

Udo
Udo
1 Monat zuvor

Ja, und man könnte ergänzen, dass mit dem Schwinden der Toleranz bzw. der Umdeutung des Toleranzbegriffs, es dann auch nicht mehr weit ist, dass eine liberale Demokratie zum Unrechtsstaat wird. Sie opfert dann nicht die vermeintlich größte Errungenschaft, die Demokratie sondern die wirkliche größte Errungenschaft, den Rechtsstaat.

trackback
1 Monat zuvor

[…] was man von einer Ethik erwartet? Trifft hier nicht genau die Kritik am postmodernen Ethos, die Nils Heisterhagen formuliert hat: Das postmoderne Subjekt schaut immer mehr auf sich, die Kategorie des Allgemeinen ist aufgegeben? […]