„Predigt-Sprache ist verkommen“

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff wirft den Kirchen in Deutschland vor, „lendenlahm“ zu predigen. „Als würde die Predigt in Lenor gewaschen“, sagte Lewitscharoff im Gespräch mit dem DLF:

Die Kirchen sind ja so was von lendenlahm im Predigen. Die verstehen ja vom Tod eigentlich gar nichts mehr. Das ist ja schrecklich. Die sind ja so aufs Diesseits fixiert, die Protestanten noch schärfer als die Katholiken. Aber die Katholiken sind ganz auf diesem Wege auch. Im Grunde hat sich eine areligiöse Gesellschaft in den Kirchen breitgemacht, weil sie vom Jenseits überhaupt keine Vorstellung mehr haben.

Haben Sie mal eine Predigt gehört, die irgendwie von da oben überhaupt handelt? Also, ich wüsste nicht. Also, ich höre die im Radio immer an. Ich gehe manchmal auch in die Kirche, auch mal in katholische Kirche. Das kommt nicht vor. Es gibt die Hoffnung auf Erlösung nicht in irgendeiner Form – sei es wunschnaiv, sei es schönheitstrunken, sei es in Gedichtform irgendwie ausgekleidet. Das gibt es nicht.

Das Gottvertrauen wird beschworen. Ja. Aber worauf vertraut man denn, wenn es nicht ein wirkliches Leben und ein erfülltes Leben nach dem Tod gibt? Und was bedeutet überhaupt Erlösung? Das ist doch eine interessante Frage. Darüber kann man doch predigen.

Mehr: www.deutschlandfunk.de.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

7 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Claus F. Dieterle
15 Tage zuvor

Nicht jeder, der ein geistliches Amt ausübt, ist von Jesus Christus berufen. Manch einer wollte Medizin, Jura usw. studieren und hat keinen Studienplatz bekommen und dann Theologie studiert. Bei anderen war das Motiv, dass man als Pfarrer ja nicht einer Aufsicht und den Anforderungen wie in einem Wirtschaftsunternehmen unterliegt… Andere wollten ein sicheres Einkommen und nichts für ihre Altersvorsorge einzahlen. Und wie in jedem anderen Beruf gibt es natürlich viele, die es sich möglichst bequem machen wollen. Aber, laue Christen wird Jesus Christus aus seinem Mund ausspucken (Offenbarung 3, 14-22) und im Hinblick auf Matthäus 7,22.23 wird es nach der… Weiterlesen »

Jacksulze
Jacksulze
15 Tage zuvor

Und was hat der Kommentar jetzt mit dem Artikel zu tun?

Jutta
Jutta
15 Tage zuvor

Na, der Dame sollten wir mal Olaf Latzel empfehlen. Immerhin auch Kirche.

Jutta
Jutta
15 Tage zuvor

Zusatz: Also, es lohnt sich, den Artikel ganz zu lesen. Ich habe leider noch nichts von ihr gelesen und an manchen Stellen finde ich ihre Einstellung fragwürdig. Warum haben die Evangelischen es notwendiger, dass hart gepredigt wird, als die Katholischen? Und wieso ist Ehebruch keine Sünde mehr, deretwegen jemand in die Hölle käme, und Gott schickt doch in die Hölle und nicht die Menschen. Die Sünde ist doch, ohne Gott zu leben. Zitat: „Dafür muss man doch auch die richtigen Worte finden. Ich sage ja nicht, dass man ein Drohgewitter wie damals Abraham a Sancta Clara auf die Gemeinde loslässt.… Weiterlesen »

ernst
ernst
15 Tage zuvor

Sibylle LEWITSCHAROFF gehört zweifellos zu den wichtigen und wortmächtigen Schriftstellerinnen deutscher Sprache! Wer bereit ist, genau zu lesen bzw. ‚hinzuhören‘, wird sie für sich entdecken – so ging es mir jedenfalls in den letzten Jahren. Im „Blumenberg“-Roman steht eine verrückte Konstellation, einen seinerzeit bekannten deutschen Philosophen sowie einen Löwen betreffend, erweitert durch überraschende Handlungs- und Perspektivwechsel. Außerdem Hat Frau L. einen Krimi geschrieben, der sie auch als versierte Erzählerin ausweist, die mit dem genre zu spielen versteht (‚Killmousky‘). Was mich aber besonders beeindruckt hat, ist zum einen der Roman „Pfingstwunder“, der ihre Affinität zu religiösen, wenn nicht christlichen Vorstellungen ausweist:… Weiterlesen »

Manfred Reichelt
15 Tage zuvor

Lewitscharo „Die Predigten dürften sich nicht immer gedanklich an den Allerdümmsten wenden. Das finde ich schrecklich.“ – Das gesamte Christentum, wie wir es besonders heute erleben, ist eine einzige Kinderei. Wie kann es ein Wachstum in Glauben und Erkenntnis geben, wenn man immer nur – im Bild gesprochen – das ERSTE SCHULJAHR unterrichtet? – Wie fruchtbar echte Theologie sein kann, zeige ich am Beispiel dieses Beitrags:
https://www.academia.edu/41907610/Der_doppelte_Ursprung_des_Menschen

Hier ist der Anschluss an die Naturwissenschaft gewahrt ohne ein Quäntchen christl. Glaubens zu verleugnen.

Dieter Aebi
Dieter Aebi
13 Tage zuvor

Kein Widerspruch? Sehe ich das richtig, dass Manfred Reichelt seinen eigenen Artikel von 1992 als fruchtbare echte Theologie anpreist? – hoch gegriffen. das gesamte Christentum, besonders heute, eine einzige Kinderei? – tatsächlich ist die Oberflächlichkeit vieler Christen erschreckend, das als Kinderei aller Christen abzutun aber auch. Zudem ist zwischen Kinderei iS der andauernden Fleischlichkeit des Christen und Kindlichkeit als gesunde Geisteshaltung zu unterscheiden. Letztere ist Voraussetzung, um in das Reich Gottes zu gelangen. Kindlichkeit gerade als Ausgangspunkt zum Verständnis des Wortes Gottes ist nötig, denn die Weisheit der Welt ist Torheit, auch und gerade, wenn sie sich selber fruchtbare echte… Weiterlesen »