Reformation als Vorläufer des Säkularismus?

Nicht nur aus den Reihen der katholischen Apologetik hören wir, dass die Reformation die Säkularisierung angestoßen hat und somit für die spätmoderne Beliebigkeitskultur (auch in Glaubensfragen) mitverantwortlich ist. Historiker wie Brad S. Gregory zeigen ebenfalls, dass unter dem Einfluss der Reformation der christliche Glaube ein betont subjektives und therapeutisches Profil erhielt (vgl. The Unintended Reformation von von Brad S. Gregory).

Matthew Barrett würde Entwicklungen dieser Art nicht bestreiten. Doch insgesamt plädiert er dafür, besser zu verstehen, dass die Reformatoren in vielen Bereichen in Kontinuität zur historischen Kirche stehen, etwa bei der Formulierung der Dreieinigkeitslehre. Nur dort, wo diese Grundlagen vergessen oder verleugnet werden, kann sich der Subjektivismus durchsetzen. Sein Buch The Reformation as Renewal: Retrieving the One, Holy, Catholic, and Apostolic Church wird daher von vielen Theologen ungeduldig erwartet.

Wer nicht bis zur Veröffentlichung dieses Grundlagenwerkes warten möchte, bekommt durch den Podcast Should we blame the Reformation for secularism? die Möglichkeit, Barrett zuzuhören, wenn er über Metaphysik, Platon, Aristoteles, den Universalienstreit oder Luthers Kritik am Scholastizismus spricht.

Hier: UPDATED–2023_04_06_Parkison–2_mixdown–1.mp3.

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Matze
9 Monate zuvor

Ob die Säkularisierung maßgeblich durch die Reformation, die Entwicklung der Druckkunst, der Weiterentwicklung der Sprache durch Luther als Sprachgenie und das geschriebene Wort entwickelt hat wird sich wahrscheinlich nicht final klären lassen. Wichtiger ist aber was heute geschieht. Man tut sich schon lange schwer in der Kirche und gerade auch in der EAD von geistlich ungesunden Lehren abzugrenzen. Nein, selbst bei sog. Bibeltreuen hat man da in der Regel nichts gelernt. Deshalb sind die Folgen schon vorgezeichnet: wenn sich im frommen Lager nichts ändert wird die Säkularisierung auch gerade in der Theologie weiter fortschreiten..

Manuel
9 Monate zuvor

Barrett gehört leider zum Kreis der Leute, die aktuell eine Überbetonung auf „Die große Tradition“ („The Great Tradition“), Thomas Aquinas und dessen Metaphysik, insbesondere in Bezug auf seine Lehren zu der heiligen Dreieinigkeit und hier die Unteilbarkeit („Immutability“) und „Eternal Generation“ legen. Leider verlässt Aquinas hierbei das Licht der Bibel und lässt sich von der aristotelischen Metaphysik inspirieren. Zudem scheint es nicht sehr ratsam zu sein, sich so auf einen Theologen zu fokussieren, dessen Theologie maßgeblich für die Inhalte des Konzils von Trent und im Katholischen („groß K“) Denken ist. Dieser Trend ist sehr schön zu sehen an dem Credo Magazine (von dem Barrett der Chefredakteur ist). Da geht es fast nur noch um Thomas Aquinas, Scholastik und die große Tradition. Zu dem Kreis gehört auch der von Ihnen geschätze Tim Keller oder Carl Trueman. Oder auch Craig Carter (Interpreting Scripture with the Great Tradition: Recovering the Genius of Premodern Exegesis); Fred Sanders… Früher hatte Barrett gute Bücher aber mittlerweile… Weiterlesen »

Schlotti
9 Monate zuvor

Mir geht es ehrlicherweise in Bezug auf Barrett wie Manuel. Ich denke durchaus, dass die Bibel „simplicity“ und „immutability“ Gottes lehrt. Aber die Interpretation dieser Eigenschaften Gottes durch die Scholastik halte ich auch für schwierig. Denn dabei kann leicht die Personalität Gottes, das Persönliche in der Beziehung zu ihm verloren gehen. Es ist geradezu, als müsse man immer „Angst“ haben, ja nicht falsch über Gott zu denken. Zumindest entsteht bei mir dieses Gefühl, wenn ich Sachen von Swain, Allen usw. lese. Wer an der Debatte aus Sicht von John Frame interessiert ist, dem empfehle ich das kürzlich erschienene Buch von ihm (gesammelte kleine Schriften) mit dem Titel „On Theology: Explorations and Controversies“. Ein ganzer Abschnitt befasst sich mit der „thomist controversy“. Ich halte Frame für sehr hilfreich, weil er zwar an den Eigenschaften Gottes festhält und sie biblisch (!) begründet, aber immer von der absoluten Personalität Gottes her. Ich würde in Bezug zu Manuel nur einschränken, dass Tim Keller nicht… Weiterlesen »

Last edited 9 Monate zuvor by Schlotti
Schlotti
9 Monate zuvor

Mir geht es insgesamt bei der ganzen theologischen Richtung des „theological retrieval“ oder „reformed catholicism“ so, dass ich das Anliegen zwar verstehen kann. Nämlich von der Vergangenheit zu lernen, um die Zukunft des Glaubens zu gestalten. Ich sehe aber immer die Gefahr, dass die historische Theologie bzw. die Bekenntnisse als Maßstab dafür dienen, wie die Bibel ausgelegt wird oder was sie sagt und nicht sagt. Ich lehne die Bekenntnisse gar nicht ab oder erliege dem naiven Irrtum des „kein Bekenntnis außer der Bibel“. Das Verhältnis von Bekenntnissen zum Allein die Schrift und der Gefahr der Willkür von Glaubensinhalten, ist für mich weiterhin in vielen Teilen eine offene Frage. Denn selbstverständlich sind Bekenntnisse entscheidend. Gerade die ökumenischen. Aber grundsätzlich sehe ich das „retrieval“ als Umkehr von Allein die Schrift zu den Bekenntnissen, hin zu Bekenntnissen und deren Begründung durch die Schrift. Dabei spielt dann die Scholastik natürlich auch eine Rolle, indem Kategorien und Sprache gewählt werden, die philosophisch sind, aber nicht… Weiterlesen »

Last edited 9 Monate zuvor by Schlotti
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