Schafft in Deutschland die Kirchensteuer ab!

Da kann ich Martin Reakes-Williams nur zustimmen. Die Ev. Kirche würde zwar massiv schrumpfen, aber zugleich (vielleicht) gesunden.

Eine Abschaffung der Kirchensteuer wäre das Beste, was dem Evangelium in Deutschland passieren könnte. Diese Ansicht vertritt der Pfarrer der anglikanischen Kirche von England, Martin Reakes-Williams (Leipzig), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Reakes-Williams wurde 1995 von seiner Kirche nach Deutschland ausgesandt und gründete die „Leipzig English Church“. Ihm zufolge kommt die Kirche von England gut ohne Kirchensteuer aus. Die Gemeinden lebten von Spenden und von den Menschen, deren Herzen vom Evangelium berührt seien. In Deutschland würden viele Gemeinden nur von der Kirchensteuer am Leben gehalten. Wenn sie wegfiele, würde man merken, dass viele Gemeinden geistlich längst tot seien. Reakes-Williams: „Manchmal scheint es mir, dass die Kirchen in Deutschland wie ein Patient auf der Intensivstation sind.“ Es bestehe ein großer Unterschied zwischen dem noch volkskirchlich geprägten Westen und dem weitgehend atheistisch geprägten Osten. Die Kirchen in der ehemaligen DDR hätten die große Chance, für den Westen Pionierarbeit zu leisten. Dort „müssen die Kirchen gezwungenermaßen darüber nachdenken, wie sie das Evangelium wieder unter die Menschen bringen können“.

Mehr: www.idea.de.

Kommentare

  1. Theophil Isegrim meint:

    Was soll da noch schrumpfen? Wahrscheinlich ist sie dann weg. Da würden wahrscheinlich nur die landeskirchlichen Gemeinschaften über bleiben. Dann wären auch endlich die Verlautbarungen von Bedford-Strohm & Co Vergangenheit.

  2. Schandor meint:

    Deutschland und „abschaffen“ – wieder einmal.

  3. Matze meint:

    Tja, was wäre wenn? Meine Thesen: Eine Lösung für die sozialen Werke würde ich unter einem Träger finden lassen, die Mitgliederzahlen werden massiv zurückgehen, der Gottesdienstbesuch leicht ansteigen, da mancher aus den Freikirchen zurückkommen wird und der evangelische Kirchentag würde zum „Gemeindetag unter dem Wort“. Dei EKD würde dann nur noch eine mediale Randerscheinung sein, auch bei gesellschaftlichen Fragen wäre man kein bedeutender Partner mehr, aber in den Kirchengemeinden, die überleben könnte sich gesundes geistliches Leben entwickeln

  4. Daniel meint:

    Ja, da kann ich mich zu 100% anschliessen! In der Schweiz ist das gleiche….das allerschlimmste ist das Firmen (juristische Personnen)von der Kleinfirma bis zur Ikea, mc donalds etc. auch Kirchensteuer zahlen müssen obligatorisch und können sich nicht einmal abmelden! So sind die „Landeskirchen“ reich an Geld aber sehr arm wenn es um das Evangelium und Mitglieder geht. Leider ist das „historisch“ gewachsen und fast unmöglich abzuschaffen. Für lauwarme Namenschristen und die Merheit im Sraate ist die Landeskirche perfekt….das Evangelium wird nicht gepredigt….die Hölle gibt es nicht….und und und….durch die enge Verbindung mit dem Staat aufgrund des Lieben Geldes Wegen können sie nicht für das Wort einstehen. Da ist es in Amerika viel besser da es nur Freikirchen gibt die unabhängig vom Staat sind.

  5. Abschaffung der Kirchensteuer ist das Beste, was dem Evangelium passieren könnte? Wohl eher das Zweitbeste. Das Beste war und ist immer noch, dass das Evangelium verkündigt wird. Und das kann die Kirchensteuer nicht verhindern 😉

  6. Ohne die Kirchensteuer selbst für das non plus ultra zu halten, ist es doch wichtig, einige fundamentale Missverständnisse und Verkürzungen auszuräumen:

    1) Die Church of England finanziert sich mitnichten nur „von Spenden und von den Menschen, deren Herzen vom Evangelium berührt [sind]“, sondern aus dem Ertrag ihrer Pfründe, die sie als Staatskirche anders als die Kirche in Deutschland, die über die Jahrhunderte hinweg mehrmals Enteignungen ausgesetzt war, nie verloren hat. Ähnlich wie die röm.-kath. Bistümer in Deutschland hat die Church of England über die Jahrhunderte Reichtümer (Land, Wald, Gebäude, etc.) angehäuft, die so viel abwerfen, dass die Kirche davon ganz kommod leben kann. Von den zahlreichen und ethisch fragwürdigen Engagements der Church of England auf den Finanzmärkten ganz zu schweigen.

    2) Gerade die Church of England als eine Institution mit erheblicher Staatsferne zu empfehlen, gerade im Vergleich mit den deutschen Großkirchen, bricht sich an der Realität einer Kirche, die auf vielfältige Weise mit dem Staatswesen verschränkt ist. So sitzen Bischöfe der Kirche im Oberhaus des Parlaments und im Privy Council der Königin, die Nutzung der Kirchen als öffentliche Orte z.B. auch für gleichgeschlechtliche Trauungen ist freigegeben, usw. usf. Im Gegensatz dazu sind die Großkirchen in Deutschland erheblich unabhängiger vom Weh und Wollen staatlicher Organe.

    3) Sowohl im Artikel selbst als auch in den Kommentaren wird insinuiert, es handele sich bei der Kirchensteuer gerade im Vergleich zu Spenden etc. nicht um eine freiwillige Sache. Das ist falsch. Niemand wird gezwungen Kirchensteuer zu bezahlen. Ja, mit der Kirchensteuer ist die Mitgliedschaft in der Körperschaft öffentlichen Rechts begründet, aus der sich handfeste Vorteile ergeben, z.B. Beerdigung auf einem kirchlichen Friedhof etc.. Im Übrigen profitiert auch der Staat erheblich vom Einzug der „Mitgliedsbeiträge“, den er für die röm.-kath. Kirche, die evangelischen Landeskirchen und Jüdische Gemeinden leistet. Er bekommt diese Dienstleistung nämlich im zweistelligen Millionenbereich bezahlt. Übrigens auch abhängig vom Steueraufkommen.

    4) Im Übrigen zahlen viele Christen der Großkirchen überhaupt keine Kirchensteuer. Diese wird an der Einkommenssteuer festgemacht. Arbeitslose, viele alte und junge Menschen zahlen deshalb nicht.

    5) Theophil Isegrim meint in seinem Kommentar, die Großkirchen würden verschwinden, schaffe man die Kirchensteuer ab, übrig blieben die Landeskirchlichen Gemeinschaften. Wie sich das verhalten soll, ist mir nicht ganz klar. Den beiden großen Kirchen gehören zusammen 45 Millionen Menschen an (bei 82 Millionen Gesamtbevölkerung), zu den Gemeinden des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes gehören 300 000 Menschen (darunter gerade im Osten reichlich Überschneidungen). Wie viele Leute denken Sie, müssten auf einmal feststellen, dass ihre jahrelange freiwillige finanzielle Unterstützung der Kirchen grundfalsch war, bis die großen Kirchen auf diesem Niveau angelangt sind: 44,7 Millionen Menschen, die alle nicht wissen, was sie tun?

    6) Matze hat es in seinem Kommentar schon erwähnt: Die Kirchen haben mehr zu tun, als Gemeinde vor Ort zu sein. Diese Aufgaben werden durch die Kirchensteuer finanziert. Dazu gehört das Lobbying bei der Politik, Theologische Kammern, das Synodalsystem, ein vielfältiges Pressewesen (zu dem ja auch Idea gehört, das mit einem sechsstelligen Betrag aus dem Budget der EKD jährlich unterstützt wird), usw. usf. Ich mag mir eine Gesellschaft nicht vorstellen, in der Kirche nur in kleinen Gruppen im Privaten anzutreffen ist.

    7) Gemeinde vor Ort zu sein, ist trotzdem die drängendste Aufgabe der Kirche. Und gerade das wird durch die Kirchensteuer (oder jede andere solidarische Form des Mitgliedsbeitrags) sichergestellt. So kann es auch in Dörfern und Städten mit wenigen Christen eine Anlaufstelle geben, die sich die Gemeinde selbst nicht leisten könnte, nebst so wichtiger Sachen wie konfessioneller Kindergärten, Schulen etc. Herr Reakes-Williams sollte sich da im Osten mal gründlich umschauen! Hier wirkt der Heilige Geist nämlich durch ein komplexes Geldumverteilungssystem innerhalb der Kirchen. Dass es noch im kleinsten Ort und in der größten City seelsorgliche Angebote, offene Kirchen (übrigens geben die Kirchen zusammen mehr Geld für den Denkmalschutz aus als alle anderen Akteure inkl. des Staates zusammen) und professionell ausgebildete Lehrer und Pastoren gibt, ist nicht zuletzt der verlässlichen und – noch einmal – freiwilligen Finanzierung kirchlicher Aufgaben durch die Kirchenmitglieder per Kirchensteuer zu verdanken. Diese Infrastruktur wissen die Christen in den Großkirchen zu schätzen, weshalb sie in übergroßer Zahl gerne Kirchensteuer zahlen.

    8) Im Übrigen zahlen ja auch nicht gerade wenige Evangelikale Kirchensteuer und sind aus guten Gründen (Pfarrer vor Ort mit anständiger Bezahlung z.B.) weiterhin Teil der Landeskirchen. Die finanzielle Lage mancher Freikirchen würde mich an ihrer Stelle mehr bestürzen, weil sie u.a. zu prekären Arbeitsverhältnissen führt.

    Herzlichen Gruß
    Philipp Greifenstein

  7. PeterG meint:

    Die finanzielle Lage mancher Freikirchen würde mich an ihrer Stelle mehr bestürzen, weil sie u.a. zu prekären Arbeitsverhältnissen führt.

    Angesichts meiner Mitgliedschaft in einer Freikirche: Das ist eine böswillige Unterstellung! Angesichts der landeskirchlichen Situation: Die Zusammenlegung von bisher voneinander unabhängigen Pfarrstellen selbst über Dekanatsgrenzen hinweg, das würde ich als prekäres Arbeitsverhältnis für den betreffenden Pfarrer bezeichnen.

  8. @ PeterG: „Das ist eine böswillige Unterstellung!“

    Jetzt wird es argumentativ besonders stark! Womit hangeln sich denn Kirchenmusiker, Katecheten und Gemeindemitarbeiter so durch? Honorarverträge, … Es freut mich, dass es in Ihrer Gemeinde anders ist. Leider nicht überall der Fall. Was Ausbildung und Bezahlung der Pastoren angeht, das Fass mache ich jetzt nicht auf.

    Ein Arbeitsverhältnis wird für sie prekär, wenn aus bisher zwei Pfarrstellen eine wird? Der Pfarrer bekommt aber schon noch seinen Sold, oder auf einmal nur die Hälfte? Das wäre dann immer noch mehr als Pastoren in Freikirchen manchmal „verdienen“.

    Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem Hintergrund prekärer Arbeit beschäftigen: http://www.dgb.de/++co++82df733a-28ca-11e2-b661-00188b4dc422/@@glossary.html

  9. @Philipp und PeterG
    Gehalt in Freikirchen: Man darf hier nicht verallgemeinern. Es gibt Freikirchen, wo das Gehalt sehr gut ist, es gibt aber auch kleine Gemeinden, wo es besser wäre alles ehrenamtlich zu machen, wie Pastoren mit einem 450,-€ Job zu beschäftigen

  10. Theophil Isegrim meint:

    zu 5) Wie viele von den Kirchenmitgliedern besuchen denn die Gottesdienst? Bei der evangelischen Landeskirche habe ich so 5% im Kopf. Wenn die Kirchensteuer wegfällt werden diese Millionen sich bestimmt keine große Mühe machen der Kirche Geld zu überweisen, wenn sie es nichtmal in den Gottesdienst schaffen. Wieviel Spendengeld kommt dann wohl zusammen von den aktiven Kirchenmitgliedern? Wie wollen die denn allein die laufenden Kosten abdecken? Denen ist ja jetzt schon bange, wie sie in ein paar Jahren die Pensionsansprüche bezahlen wollen.

    Die landeskirchlichen Gemeinschaften hingegen sind sehr aktiv und gut besucht. Die werden sich bestimmt durch Spenden selbst finanzieren können, so wie die Freikirchen es auch tun.

  11. PeterG meint:

    Ich kenne keine professionellen Kirchenmusiker oder Katecheten aus Freikirchen [1]. Was soll das für ein Argument von Ihnen sein? Das ist eigentlich Unsinn, was Sie da schreiben.

    [1] Soweit ich weiß, gibt es auch keine, da die Musik in den freikirchlichen Gottesdiensten ehrenamtlich geregelt ist.

  12. @ Peter G: Der ausgebildete Musiker, der in der Band oder an der Orgel spielt, muss auch von etwas leben. Er gibt dann wahrscheinlich Instrumentalunterricht. Aber mir ging es vor allem um die Pastoren, die ja doch erhebliche Ausbildungszeit- und Kosten auf sich nehmen und dann eben schon mal ohne versorgendes Gehalt da stehen.

  13. @ Theophil Isegrim:
    Der Gottesdienstbesuch in der EKD liegt bei 3,4 % also 766 000 Personen
    (Quelle: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/neuer-tiefststand-beim-Gottesdienstbesuch-in-der-ekd-100586.html) Wenn nun die EAD sagt, dass sie ca.
    1,3 Mio Menschen vertritt und wir die Freikirchler abziehen, müsste es sich beim wesentlichen Anteil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher um Leute handeln, die sich der EAD zuordnen lassen. Diese wären also da, egal ob mit oder ohne Kirchensteuer

  14. @Matze: Sie gehen also davon aus, dass außer Evangelikalen niemand mehr in den Gottesdienst geht?

    Dass Sie hier mit den Zahlen ein wildes Kauderwelsch anstellen, ist ihnen bewusst? Es handelt sich auf der einen Seite um Mitgliederzahlen und auf der anderen Seite um einen Durchschnittswert, der zwei Mal im Jahr an einem „normalen“ Sonntag im Jahr erhoben wird und der keinen Rückschluss auf die Kirchenmitgliedschaft der Teilnehmer zulässt.

    Übrigens stimmen die EKD-Zahlen halt so auch nicht. Lesen Sie das mal genau und nicht durch Idea gefiltert, denn obwohl die ja auch Geld von der EKD bekommen, ist denen an einer ordentlichen Berichterstattung über die Landeskirchen leider nicht gelegen, hier bitte sehr: https://www.ekd.de/Gottesdienst-Zahlen-Daten-EKD-17289.htm

  15. @ Theophil Isegrimm: Worum es mir unter 5) vor allem ging: Bitte halten Sie Millionen von Kirchenmitgliedern nicht für bescheuert! Noch nie war es so einfach aus der Kirche auszutreten und trotzdem sind die nach wie vor dabei. Auch wenn Sie das nicht verstehen oder die Gründe Ihnen nicht gefallen, aus irgendeinem guten Grund wollen die das!

    Eher sterben wohl die Landeskirchlichen Gemeinschaften, nicht aus Geldmangel, sondern weil die Jugend woanders hingeht.

  16. @Philipp
    na, zwischen 766 000 und 808 000 ist aber ein gewaltiger Unterschied und das dann idea anzuhängen finde ich seltsam. Ich habe auch nicht gesagt, dass nur Evangelikale in den Gottesdienst der EKD gehen, wenn Sie alle meine Kommentare hier dazu gelesen haben wissen Sie warum

  17. Theophil Isegrim meint:

    Ich habe hier nichts von „bescheuert“ geschrieben. Das kam von Dir. Ist wahrscheinlich Methode. Wenn Du nicht mehr weiter weißt kommen haltlose Unterstellungen.

    Es sind ja immerhin ein paar Millionen in den letzten Jahren aus der Landeskirche ausgetreten. Das ist eine dramatische Entwicklung. Und es bleibt immer noch die Frage offen, warum der Besuch so unterirdisch schlecht ist? Ob nun 3,4% oder etwas mehr fällt nicht ins Gewicht. Es sei denn Du willst die ganze Sache aufbauschen, um vom eigentlichen Problem abzulenken.

    Das war nun wenig überzeugend von Dir. Ich bleibe dabei. Ohne Kirchensteuer geht die Landeskirche baden und die landeskirchlichen Gemeinden finanzieren sich selber durch die aktiven Mitglieder. Das machen sie ja jetzt schon.

  18. Ich wills mal ganz deutlich und überspitzt sagen, dass es klar wird:
    Die Evangelikalen halten letztendlich die EKD durch ihre Gottesdienstbesuche und ihre Spenden zusammen. Sie haben nur einen Fehler:
    Viele Evangelikale lassen sich um des lieben Friedens Willen von den Liberalen am Nasenring durch die Manege ziehen. Wie: indem man theologisch alles mögliche und unbiblische“nur noch dies eine Mal“ toleriert, um dann in einer an den Weltgeist angepassten Kirche aufzuwachen.
    Und: Viele Freikirchen sind nicht weit weg davon

  19. Tim-Christian meint:

    @Theophil; @Matze

    Ich denke wir haben von dieser Seite keine Antworten mehr zu erwarten. Der Abstecher von Philipp Greifenstein in die Gefilde des Theoblogs war nun schon mehrfach Thema auf seinem Twitter-Account. Vermutlich diente die ganze Aktion in erster Linie Recherchezwecken und/oder der Profilierung im eigenen kulturprotestantischen Bekanntenkreis. Nach dem Motto: „Diese obskuranten Evangelikalen, grrr!“ 😉

    Zum Thema des Threads:

    http://www.desiringgod.org/messages/christmas-joy-vs-the-kirchensteuer

    Immer wieder schön anzuhören …

  20. @ Theophil und @Matze:

    Ne, ne, ich les schon noch mit, hatte heute nur nicht so viel Zeit wie gestern, sondern komme erst jetzt zum Nachlesen und Antworten.

    Übrigens: „profilieren“ muss ich mich hier nicht. Wie Sie meinen ausführlichen Kommentaren hier und auch unter anderen Artikeln entnehmen können, lese ich hier regelmäßig, auch wenn ich aus unterschiedlichen Gründen selten bis nie kommentiere. Ein aktueller Beitrag hatte mich dazu gebracht, meine Besorgnis über die Veränderung der Ausrichtung dieses Blogs mitzuteilen. Leider wurde darauf kaum eingegangen.

    Im Übrigen war mein gestriges Kommentieren auch nicht mehrmals Thema auf Twitter, jediglich in einem Tagesabschlusstweet (Link: https://twitter.com/rockToamna/status/884518433135755270 ) bin ich selbstironisch darauf eingegangen, womit ich meinen Tag so verbracht habe. An der Anzahl und Länge meiner gestrigen Kommentare können Sie ja sehen, das ich damit nicht ganz unrecht hatte. Ich freue mich aber über Ihr reges Interesse an meinem „Wirken“ und würde mich freuen, wenn sie meinem – im übrigen ganz und gar nicht ausschließlich „kulturprotestantischen“ – Twitterumfeld erhalten bleiben.

    Mein ausführlicher Kommentar (der mit 1) – 8)) war auch nicht darauf gerichtet, hier bis ins Detail herumzustreiten, sondern ein paar Dinge, die im kurzen Zitat, das ja diesen Blogbeitrag ausmacht, nach meinem Verständnis unzutreffend dargestellt sind zu korrigieren.

    Dazu gehört auch, die von Matze vorgetragene Überzeugung, die Evangelikalen hielten – wie auch immer – die EKD zusammen. Das ist einfach ein schiefes Bild von der Realität, das ich mir nur dadurch erklären kann, dass sie halt auch in Ihrer „Filterblase“ leben. Noch einmal, die Leute sind freiwillig Mitglied ihrer Kirche. Es sind 45 Millionen. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass es in Deutschland gut 1,3 Millionen Evangelikale gibt, von denen tatsächlich die Mehrheit zu evangelischen Landeskirchen gehört. Allein aus diesem Größenverhältnis lässt sich ableiten, dass diese Kirche von ihrer Mitgliedschaft, von ihren ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern und von ihrer Prägung her ganz und gar nicht von den Evangelikalen zusammen gehalten wird – auch wenn sich das örtlich für Sie so anfühlen mag.

    Ebenfalls an Matze: Die Gottesdienstteilnehmerzahl wird – wie oben schon geschrieben – stichprobenhaft an zwei „normalen“ Sonntagen des Kirchenjahres erhoben. Selbstverständlich gibt es in den Landeskirchen viele Kirchenmitglieder, die vor allem zu den Festen kommen – was ich überhaupt nicht verwerflich finde.

    Ein seriöser Vergleich mit den Gottesdienstbesuchszahlen mancher Freikirchen, der mich sehr interessieren würde, ist leider nicht möglich, weil selbst die größeren Verbände solche Zahlen nicht veröffentlichen.

    Und weil ich es gerne mit Fakten habe, auch noch ein Wort zu den „Millionen“, die „in den letzten Jahren“ aus den Landeskirchen ausgetreten sind: Sie wissen ja so gut wie ich, dass diese Zahlen von vielen äußeren Faktoren abhängen, die mit dem kirchlichen Wirken nicht immer in engem Zusammenhang stehen (Steuer auf Kapitalerträge, Tebartz-van-elst-Desaster), aber sei’s drum:

    Ich komme laut diesen Zahlen (http://www.kirchenaustritt.de/statistik), die ich überhaupt nicht verharmlosen will, darauf, dass seit dem Jahr 2010 ca. 1 Million Mitglieder ausgetreten sind, auf die Summe von 3 Millionen (das konstituiert dann „paar Millionen“, die sie vorgeschlagen haben) komme ich einschließlich des Jahres 2001. Immer ohne (!) Beachtung von teils erheblichen Wiedereintrittszahlen gerade in den letzten zehn Jahren.

    Was ich sagen will: Die Lage ist sicher unbefriedigend, aber eben nicht so düster, wie sich leichtfertig dahin gesagte „Millionen von Kirchenaustritten“ anhören. Der Jahrgang 2001 ist nun auch schon 16 Jahre alt. Was bedeuten für Sie „die letzten Jahre“? Wir haben es also, wie ich bereits oben schrieb, mit einer langfristigen Entwicklung zu tun, die auch vor kleineren Religionsgemeinschaften nicht halt macht, auch wenn die Zahlen logischerweise auf Grund der unterschiedlichen Größenverhältnisse nicht so dramatisch wirken. Wie viele Freikirchen haben denn seit 2001 „zu“ gemacht?

    Ganz grundsätzlich verstehe ich auch Ihre Lust darauf nicht, die Landeskirchen untergehen zu sehen. Sie mögen ja mit der „kulturprotestantischen“ oder „liberalen“ Linie nicht einverstanden sein, aber an der EKD hängt ziemlich viel Infrastruktur von der die Evangelikalen und – da bin ich mir sicher – auch Sie ständig profitieren. Etwas überspitzt: Sie sollten den Kirchensteuerzahlern dankbar sein!

  21. Asaph meint:

    Lieber Philipp,
    wenn es sich tatsächlich so verhält, wie Sie sagen, können Sie ja eigentlich nichts gegen die Abschaffung der Kirchensteuer haben. Die vielen aktiven und überzeugten Mitglieder innerhalb der landeskirchlichen Gemeinden werden den Laden durch ihre Spenden schon am Laufen halten, nicht wahr?

  22. Tim-Christian meint:

    @Philipp

    Also ich zähle da drei Tweets mitsamt Screenshot aus dem Kommentarbereich des Theoblogs. Aber sei’s drum. Wir wollen ja nicht päpstlicher sein als der Papst.

    Ihnen – den inhaltlichen Differenzen zum Trotz – alles Gute und Gottes Segen.

  23. @Asaph; und andere:

    Ich habe hier einen umfänglichen Kommentar posten wollen, der allerdings wohl zu lang für die Kommentarfunktion geraten ist. Darin habe ich einmal 7 gute Gründe für die Kirchensteuer aufgeschrieben, die meiner Meinung nach zu selten gesehen werden und die bei einer fairen Betrachtung der Kirchensteuer hilfreich sind. Vor allem nehme ich in meinem Kommentar Bezug auf die hier geäußerte Kritik an der EKD und der Kirchensteuer. Ich habe diesen Beitrag jetzt als Artikel auf meinem eigenen Blog gepostet. Ich würde mich freuen, entweder hier oder dort von Ihnen zu hören. Wer sich von Ihnen dafür interessiert, findet ihn hier:
    https://philipp-greifenstein.de/7-andere-gute-gruende-fuer-die-kirchensteuer/

    @Tim-Christian: Entschuldigen Sie bitte, mir ist das gestern Nacht auch noch aufgegangen. Allerdings handelt es sich dabei nicht – wie insinuiert – um in irgendeiner Weise diese Diskussion oder diesen Blog abwertende Tweets. Ich habe, zusätzlich zu dem bereits oben erwähnten Tweet, hier (https://twitter.com/rockToamna/status/884431863762255873) eine wichtige Klarstellung weitergegeben, von der ich denke, dass auch andere von ihr profitieren können. Und ich habe hier (https://twitter.com/rockToamna/status/884489093589196800) ganz offen danach gefragt, warum Evangelikale mit Vorliebe amerikanische Literatur empfehlen. Ich freue mich, wenn Sie mir auf Twitter gar folgen würden. Ich folge auch Twitteren mit Überzeugungen, die nicht die meinen sind.

  24. PeterG meint:

    @Philipp

    Womit hangeln sich denn Kirchenmusiker, Katecheten und Gemeindemitarbeiter so durch?

    Aber mir ging es vor allem um die Pastoren …

    Zu den Pastoren in den Freikirchen habe ich geschrieben (viele werden in Anlehnung an A13 bezahlt). Außerdem scheinen Sie nicht zu wissen, was Sie meinen bzw. schreiben. Das macht eine Diskussion sehr schwierig.

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