Schafft in Deutschland die Kirchensteuer ab!

Da kann ich Martin Reakes-Williams nur zustimmen. Die Ev. Kirche würde zwar massiv schrumpfen, aber zugleich (vielleicht) gesunden.

Eine Abschaffung der Kirchensteuer wäre das Beste, was dem Evangelium in Deutschland passieren könnte. Diese Ansicht vertritt der Pfarrer der anglikanischen Kirche von England, Martin Reakes-Williams (Leipzig), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Reakes-Williams wurde 1995 von seiner Kirche nach Deutschland ausgesandt und gründete die „Leipzig English Church“. Ihm zufolge kommt die Kirche von England gut ohne Kirchensteuer aus. Die Gemeinden lebten von Spenden und von den Menschen, deren Herzen vom Evangelium berührt seien. In Deutschland würden viele Gemeinden nur von der Kirchensteuer am Leben gehalten. Wenn sie wegfiele, würde man merken, dass viele Gemeinden geistlich längst tot seien. Reakes-Williams: „Manchmal scheint es mir, dass die Kirchen in Deutschland wie ein Patient auf der Intensivstation sind.“ Es bestehe ein großer Unterschied zwischen dem noch volkskirchlich geprägten Westen und dem weitgehend atheistisch geprägten Osten. Die Kirchen in der ehemaligen DDR hätten die große Chance, für den Westen Pionierarbeit zu leisten. Dort „müssen die Kirchen gezwungenermaßen darüber nachdenken, wie sie das Evangelium wieder unter die Menschen bringen können“.

Mehr: www.idea.de.

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Theophil Isegrim

Was soll da noch schrumpfen? Wahrscheinlich ist sie dann weg. Da würden wahrscheinlich nur die landeskirchlichen Gemeinschaften über bleiben. Dann wären auch endlich die Verlautbarungen von Bedford-Strohm & Co Vergangenheit.

Schandor

Deutschland und „abschaffen“ – wieder einmal.

Matze

Tja, was wäre wenn? Meine Thesen: Eine Lösung für die sozialen Werke würde ich unter einem Träger finden lassen, die Mitgliederzahlen werden massiv zurückgehen, der Gottesdienstbesuch leicht ansteigen, da mancher aus den Freikirchen zurückkommen wird und der evangelische Kirchentag würde zum „Gemeindetag unter dem Wort“. Dei EKD würde dann nur noch eine mediale Randerscheinung sein, auch bei gesellschaftlichen Fragen wäre man kein bedeutender Partner mehr, aber in den Kirchengemeinden, die überleben könnte sich gesundes geistliches Leben entwickeln

Daniel

Ja, da kann ich mich zu 100% anschliessen! In der Schweiz ist das gleiche….das allerschlimmste ist das Firmen (juristische Personnen)von der Kleinfirma bis zur Ikea, mc donalds etc. auch Kirchensteuer zahlen müssen obligatorisch und können sich nicht einmal abmelden! So sind die „Landeskirchen“ reich an Geld aber sehr arm wenn es um das Evangelium und Mitglieder geht. Leider ist das „historisch“ gewachsen und fast unmöglich abzuschaffen. Für lauwarme Namenschristen und die Merheit im Sraate ist die Landeskirche perfekt….das Evangelium wird nicht gepredigt….die Hölle gibt es nicht….und und und….durch die enge Verbindung mit dem Staat aufgrund des Lieben Geldes Wegen können sie nicht für das Wort einstehen. Da ist es in Amerika viel besser da es nur Freikirchen gibt die unabhängig vom Staat sind.

PeterG

Abschaffung der Kirchensteuer ist das Beste, was dem Evangelium passieren könnte? Wohl eher das Zweitbeste. Das Beste war und ist immer noch, dass das Evangelium verkündigt wird. Und das kann die Kirchensteuer nicht verhindern 😉

Philipp

Ohne die Kirchensteuer selbst für das non plus ultra zu halten, ist es doch wichtig, einige fundamentale Missverständnisse und Verkürzungen auszuräumen: 1) Die Church of England finanziert sich mitnichten nur „von Spenden und von den Menschen, deren Herzen vom Evangelium berührt [sind]“, sondern aus dem Ertrag ihrer Pfründe, die sie als Staatskirche anders als die Kirche in Deutschland, die über die Jahrhunderte hinweg mehrmals Enteignungen ausgesetzt war, nie verloren hat. Ähnlich wie die röm.-kath. Bistümer in Deutschland hat die Church of England über die Jahrhunderte Reichtümer (Land, Wald, Gebäude, etc.) angehäuft, die so viel abwerfen, dass die Kirche davon ganz kommod leben kann. Von den zahlreichen und ethisch fragwürdigen Engagements der Church of England auf den Finanzmärkten ganz zu schweigen. 2) Gerade die Church of England als eine Institution mit erheblicher Staatsferne zu empfehlen, gerade im Vergleich mit den deutschen Großkirchen, bricht sich an der Realität einer Kirche, die auf vielfältige Weise mit dem Staatswesen verschränkt ist. So sitzen Bischöfe… Weiterlesen »

PeterG

Die finanzielle Lage mancher Freikirchen würde mich an ihrer Stelle mehr bestürzen, weil sie u.a. zu prekären Arbeitsverhältnissen führt.

Angesichts meiner Mitgliedschaft in einer Freikirche: Das ist eine böswillige Unterstellung! Angesichts der landeskirchlichen Situation: Die Zusammenlegung von bisher voneinander unabhängigen Pfarrstellen selbst über Dekanatsgrenzen hinweg, das würde ich als prekäres Arbeitsverhältnis für den betreffenden Pfarrer bezeichnen.

Philipp

@ PeterG: „Das ist eine böswillige Unterstellung!“

Jetzt wird es argumentativ besonders stark! Womit hangeln sich denn Kirchenmusiker, Katecheten und Gemeindemitarbeiter so durch? Honorarverträge, … Es freut mich, dass es in Ihrer Gemeinde anders ist. Leider nicht überall der Fall. Was Ausbildung und Bezahlung der Pastoren angeht, das Fass mache ich jetzt nicht auf.

Ein Arbeitsverhältnis wird für sie prekär, wenn aus bisher zwei Pfarrstellen eine wird? Der Pfarrer bekommt aber schon noch seinen Sold, oder auf einmal nur die Hälfte? Das wäre dann immer noch mehr als Pastoren in Freikirchen manchmal „verdienen“.

Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem Hintergrund prekärer Arbeit beschäftigen: http://www.dgb.de/++co++82df733a-28ca-11e2-b661-00188b4dc422/@@glossary.html

Matze

@Philipp und PeterG
Gehalt in Freikirchen: Man darf hier nicht verallgemeinern. Es gibt Freikirchen, wo das Gehalt sehr gut ist, es gibt aber auch kleine Gemeinden, wo es besser wäre alles ehrenamtlich zu machen, wie Pastoren mit einem 450,-€ Job zu beschäftigen

Theophil Isegrim

zu 5) Wie viele von den Kirchenmitgliedern besuchen denn die Gottesdienst? Bei der evangelischen Landeskirche habe ich so 5% im Kopf. Wenn die Kirchensteuer wegfällt werden diese Millionen sich bestimmt keine große Mühe machen der Kirche Geld zu überweisen, wenn sie es nichtmal in den Gottesdienst schaffen. Wieviel Spendengeld kommt dann wohl zusammen von den aktiven Kirchenmitgliedern? Wie wollen die denn allein die laufenden Kosten abdecken? Denen ist ja jetzt schon bange, wie sie in ein paar Jahren die Pensionsansprüche bezahlen wollen.

Die landeskirchlichen Gemeinschaften hingegen sind sehr aktiv und gut besucht. Die werden sich bestimmt durch Spenden selbst finanzieren können, so wie die Freikirchen es auch tun.

PeterG

Ich kenne keine professionellen Kirchenmusiker oder Katecheten aus Freikirchen [1]. Was soll das für ein Argument von Ihnen sein? Das ist eigentlich Unsinn, was Sie da schreiben.

[1] Soweit ich weiß, gibt es auch keine, da die Musik in den freikirchlichen Gottesdiensten ehrenamtlich geregelt ist.

Philipp

@ Peter G: Der ausgebildete Musiker, der in der Band oder an der Orgel spielt, muss auch von etwas leben. Er gibt dann wahrscheinlich Instrumentalunterricht. Aber mir ging es vor allem um die Pastoren, die ja doch erhebliche Ausbildungszeit- und Kosten auf sich nehmen und dann eben schon mal ohne versorgendes Gehalt da stehen.

Matze

@ Theophil Isegrim:
Der Gottesdienstbesuch in der EKD liegt bei 3,4 % also 766 000 Personen
(Quelle: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/neuer-tiefststand-beim-Gottesdienstbesuch-in-der-ekd-100586.html) Wenn nun die EAD sagt, dass sie ca.
1,3 Mio Menschen vertritt und wir die Freikirchler abziehen, müsste es sich beim wesentlichen Anteil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher um Leute handeln, die sich der EAD zuordnen lassen. Diese wären also da, egal ob mit oder ohne Kirchensteuer

Philipp

@Matze: Sie gehen also davon aus, dass außer Evangelikalen niemand mehr in den Gottesdienst geht?

Dass Sie hier mit den Zahlen ein wildes Kauderwelsch anstellen, ist ihnen bewusst? Es handelt sich auf der einen Seite um Mitgliederzahlen und auf der anderen Seite um einen Durchschnittswert, der zwei Mal im Jahr an einem „normalen“ Sonntag im Jahr erhoben wird und der keinen Rückschluss auf die Kirchenmitgliedschaft der Teilnehmer zulässt.

Übrigens stimmen die EKD-Zahlen halt so auch nicht. Lesen Sie das mal genau und nicht durch Idea gefiltert, denn obwohl die ja auch Geld von der EKD bekommen, ist denen an einer ordentlichen Berichterstattung über die Landeskirchen leider nicht gelegen, hier bitte sehr: https://www.ekd.de/Gottesdienst-Zahlen-Daten-EKD-17289.htm

Philipp

@ Theophil Isegrimm: Worum es mir unter 5) vor allem ging: Bitte halten Sie Millionen von Kirchenmitgliedern nicht für bescheuert! Noch nie war es so einfach aus der Kirche auszutreten und trotzdem sind die nach wie vor dabei. Auch wenn Sie das nicht verstehen oder die Gründe Ihnen nicht gefallen, aus irgendeinem guten Grund wollen die das!

Eher sterben wohl die Landeskirchlichen Gemeinschaften, nicht aus Geldmangel, sondern weil die Jugend woanders hingeht.

Matze

@Philipp
na, zwischen 766 000 und 808 000 ist aber ein gewaltiger Unterschied und das dann idea anzuhängen finde ich seltsam. Ich habe auch nicht gesagt, dass nur Evangelikale in den Gottesdienst der EKD gehen, wenn Sie alle meine Kommentare hier dazu gelesen haben wissen Sie warum

Theophil Isegrim

Ich habe hier nichts von „bescheuert“ geschrieben. Das kam von Dir. Ist wahrscheinlich Methode. Wenn Du nicht mehr weiter weißt kommen haltlose Unterstellungen.

Es sind ja immerhin ein paar Millionen in den letzten Jahren aus der Landeskirche ausgetreten. Das ist eine dramatische Entwicklung. Und es bleibt immer noch die Frage offen, warum der Besuch so unterirdisch schlecht ist? Ob nun 3,4% oder etwas mehr fällt nicht ins Gewicht. Es sei denn Du willst die ganze Sache aufbauschen, um vom eigentlichen Problem abzulenken.

Das war nun wenig überzeugend von Dir. Ich bleibe dabei. Ohne Kirchensteuer geht die Landeskirche baden und die landeskirchlichen Gemeinden finanzieren sich selber durch die aktiven Mitglieder. Das machen sie ja jetzt schon.

Matze

Ich wills mal ganz deutlich und überspitzt sagen, dass es klar wird:
Die Evangelikalen halten letztendlich die EKD durch ihre Gottesdienstbesuche und ihre Spenden zusammen. Sie haben nur einen Fehler:
Viele Evangelikale lassen sich um des lieben Friedens Willen von den Liberalen am Nasenring durch die Manege ziehen. Wie: indem man theologisch alles mögliche und unbiblische“nur noch dies eine Mal“ toleriert, um dann in einer an den Weltgeist angepassten Kirche aufzuwachen.
Und: Viele Freikirchen sind nicht weit weg davon

Tim-Christian

@Theophil; @Matze

Ich denke wir haben von dieser Seite keine Antworten mehr zu erwarten. Der Abstecher von Philipp Greifenstein in die Gefilde des Theoblogs war nun schon mehrfach Thema auf seinem Twitter-Account. Vermutlich diente die ganze Aktion in erster Linie Recherchezwecken und/oder der Profilierung im eigenen kulturprotestantischen Bekanntenkreis. Nach dem Motto: „Diese obskuranten Evangelikalen, grrr!“ 😉

Zum Thema des Threads:

http://www.desiringgod.org/messages/christmas-joy-vs-the-kirchensteuer

Immer wieder schön anzuhören …

Philipp

@ Theophil und @Matze: Ne, ne, ich les schon noch mit, hatte heute nur nicht so viel Zeit wie gestern, sondern komme erst jetzt zum Nachlesen und Antworten. Übrigens: „profilieren“ muss ich mich hier nicht. Wie Sie meinen ausführlichen Kommentaren hier und auch unter anderen Artikeln entnehmen können, lese ich hier regelmäßig, auch wenn ich aus unterschiedlichen Gründen selten bis nie kommentiere. Ein aktueller Beitrag hatte mich dazu gebracht, meine Besorgnis über die Veränderung der Ausrichtung dieses Blogs mitzuteilen. Leider wurde darauf kaum eingegangen. Im Übrigen war mein gestriges Kommentieren auch nicht mehrmals Thema auf Twitter, jediglich in einem Tagesabschlusstweet (Link: https://twitter.com/rockToamna/status/884518433135755270 ) bin ich selbstironisch darauf eingegangen, womit ich meinen Tag so verbracht habe. An der Anzahl und Länge meiner gestrigen Kommentare können Sie ja sehen, das ich damit nicht ganz unrecht hatte. Ich freue mich aber über Ihr reges Interesse an meinem „Wirken“ und würde mich freuen, wenn sie meinem – im übrigen ganz und gar nicht ausschließlich… Weiterlesen »

Asaph

Lieber Philipp,
wenn es sich tatsächlich so verhält, wie Sie sagen, können Sie ja eigentlich nichts gegen die Abschaffung der Kirchensteuer haben. Die vielen aktiven und überzeugten Mitglieder innerhalb der landeskirchlichen Gemeinden werden den Laden durch ihre Spenden schon am Laufen halten, nicht wahr?

Tim-Christian

@Philipp

Also ich zähle da drei Tweets mitsamt Screenshot aus dem Kommentarbereich des Theoblogs. Aber sei’s drum. Wir wollen ja nicht päpstlicher sein als der Papst.

Ihnen – den inhaltlichen Differenzen zum Trotz – alles Gute und Gottes Segen.

Philipp Greifenstein

@Asaph; und andere: Ich habe hier einen umfänglichen Kommentar posten wollen, der allerdings wohl zu lang für die Kommentarfunktion geraten ist. Darin habe ich einmal 7 gute Gründe für die Kirchensteuer aufgeschrieben, die meiner Meinung nach zu selten gesehen werden und die bei einer fairen Betrachtung der Kirchensteuer hilfreich sind. Vor allem nehme ich in meinem Kommentar Bezug auf die hier geäußerte Kritik an der EKD und der Kirchensteuer. Ich habe diesen Beitrag jetzt als Artikel auf meinem eigenen Blog gepostet. Ich würde mich freuen, entweder hier oder dort von Ihnen zu hören. Wer sich von Ihnen dafür interessiert, findet ihn hier: https://philipp-greifenstein.de/7-andere-gute-gruende-fuer-die-kirchensteuer/ @Tim-Christian: Entschuldigen Sie bitte, mir ist das gestern Nacht auch noch aufgegangen. Allerdings handelt es sich dabei nicht – wie insinuiert – um in irgendeiner Weise diese Diskussion oder diesen Blog abwertende Tweets. Ich habe, zusätzlich zu dem bereits oben erwähnten Tweet, hier (https://twitter.com/rockToamna/status/884431863762255873) eine wichtige Klarstellung weitergegeben, von der ich denke, dass auch andere von ihr… Weiterlesen »

PeterG

@Philipp

Womit hangeln sich denn Kirchenmusiker, Katecheten und Gemeindemitarbeiter so durch?

Aber mir ging es vor allem um die Pastoren …

Zu den Pastoren in den Freikirchen habe ich geschrieben (viele werden in Anlehnung an A13 bezahlt). Außerdem scheinen Sie nicht zu wissen, was Sie meinen bzw. schreiben. Das macht eine Diskussion sehr schwierig.

pneumatheou

Ist es nicht naheliegend als Christ, Christus zu fragen, was der heilige Geist zu dem Thema zu sagen hat?