Stoppt die „Influencer“ in der Kirche

Angesichts der Tatsache, dass sich junge „Influencer“ wie Joshua Harris oder Marty Sampson vom christlichen Glauben distanzieren, hat der Musiker John Cooper mit einem erfrischenden Post reagiert.

Ein Auszug:

Meine Schlussfolgerung für die Kirche (alle Christen) lautet: Wir müssen aufhören, Lobpreisleiter, Meinungsbildner, „Influencer“, „coole“ oder „relevante“ Menschen zu den einflussreichsten Persönlichkeiten in der Christenheit zu machen. (Und ja, das schließt Leute wie mich ein!) Ich sage seit 20 Jahren (und es erschien einigen meiner Altersgenossen wahrscheinlich recht verurteilend), dass wir uns an einem gefährlichen Ort befinden, wenn die Kirche auf 20-jährige Anbetungssänger als unsere Quelle der Wahrheit schaut.

Kommentare

  1. Konrad Kugler meint

    Volltreffer!
    Vor einiger Zeit ist mir bewußt geworden, daß in diesen Liedern alles blaß bleibt.
    Mit welcher Begeistung haben wir vor über 60 Jahren gesungen:
    Gott Vater schau auf deine Kinder,
    die um dich her versammelt sind.
    Gott Sohn erbarme dich der Sünder,
    Gott Heilger Geist, lösch aus die Schuld.
    Damals wußten die Gläubigen noch über ihren Glauben Bescheid.

  2. Bei unseren „offiziellen“ Kirchen herrscht zum grossen Teil (nicht überall!) ein schier unerträglicher Elitarismus vor. Als interessierter Gläubiger bekommt man Antworten wie
    „Ich habe ja nicht umsonst 6 Jahre studiert!“ (Autoritätsargument)
    „Das ist zu kompliziert für Laien.“ (Ausweichargument Nr. 1)
    „Im Griechischen Urtext ist dies damit gemeint“ (Ausweichargument Nr 2, natürlich jeweils ohne Belege oder Hinweise, ob Mit Urtext der NA oder MT gemeint sei)
    usw.
    Für mich ein Grund, das Laienpriestertum sehr hoch einzuschätzen. Das schützt nämlich auch davor, dass „der Pfarrer/Pastor“ als Einzelfigur zu viel Einfluss hat. Wenn der dann nämlich komische Ansichten entwickelt – und so etwas passiert häufiger, als man denkt – ist ihm die Gemeinde quasi ausgeliefert.

    Fazit: In der Schweiz brüstet sich zwar kein „Influencer“ mit seinem Glaubensabfall, aber sehr häufig fehlt von vornherein überhaupt die Glaubensbasis und die Gemeindemitglieder werden trotzdem weiter geführt. Insofern ist das noch schlimmer als das von Cooper beschriebene vor allem in den USA beobachtete Phänomen; weil bei uns den Leuten etwas vorgemacht wird, wo häufig nichts ist.

  3. Johannes meint

    Ich finde das einen sehr wichtigen Punkt, über den leider viel zu selten diskutiert wird. Schon vor dem Zeitalter der Web-Influencer haben sich gerade evangelikale christliche Medien wie Idea regelmäßig sofort auf jeden Promi gestürzt, der sich aus irgendeinem Anlass als Christ geoutet hat. Nicht selten dauerte es dann nicht lange, bis diese Personen als Redner bei evangelikalen Großveranstaltungen eine Bühne bekamen. Von manchen dieser Promis musste man sich hinterher dann wieder mühevoll distanzieren bzw. sie wurden diskret fallen gelassen, weil sie anderswo nicht gerade vorbildlich aufgefallen sind. Eine längere Bewährung im Glauben, bevor man jemandem die ganz große christliche Bühne bietet, würde des öfteren nicht schaden. Paulus ist vermutlich erst 10-15 Jahre nach seiner Bekehrung zu seiner ersten offiziellen Missionsreise aufgebrochen, anfangs sogar noch unter der Leitung des älteren Barnabas. Wie der Journalist und Autor Markus Spieker („Gott macht glücklich und andere fromme Lügen“) nicht zu Unrecht festgestellt hat gehört auch „Gott macht prominent“ zu den frommen Lügen, die Christen nur allzu gerne glauben. Zudem wurde die neutestamentliche Gemeinde nicht umsonst von „Ältesten“ geleitet und nicht von „Jüngsten“. Und das Wort „Jünger“ hat bekanntlich auch nichts mit geringerem Lebensalter zu tun.

  4. Hinsichtlich der beiden Personen Joshua Harris oder Marty Sampson spielen sicherlich auch Aspekte wie Ruhm und Erfolg eine gewichtige Rolle. Sofern ich es aus der Distanz richtig einschätze, so lebten beide nicht nur ökonömisch ganz gut von ihrer Tätigkeit in der Kirche, sondern sie erhielten das, was sich erfolgshungrige und aufmersamkeitsheischende Personen im allgemeinen wünschen: Prestige, Status und ein ihnen ergebenes Tätigkeitsumfeld. Dies läßt sehr schnell vergessen, wer (oder was) Gemeinde ist, wer ihr Haupt ist und worum es eigentlich geht. Zu leicht wird das Uneigentliche zum Eigentlichen, während das Eigentliche an den Rand gedrängt wird oder gar ganz aus dem Fokus gerät. Auf diese Weise entstehen unversehens Kulte, ohne daß sich die Akteure dessen sofort bewußt werden. Man steckt in so etwas schneller drinnen, als man denken mag.

    Heutzutage ist die Kirche nicht nur ein Experimentierfeld für alberne Versuche, den christlichen Glauben weltgerecht und sozial-konformistisch zu repopularisieren, sondern auch ein einträgliches Business, durch welches sich große Gewinne erzielen lassen. Insofern sind die beiden Vorfälle aus der englischsprachigen Welt eine Mahnung an alle Christen und Gemeinden, sich zu überprüfen, wie es bei ihnen steht.

    Insbesondere tun mir die Anhänger dieser beiden Personen leid, die sich nun betrogen fühlen; ich hoffe, daß wenn sie ihr ganzes Augenmerk auf diese prominenten Figuren gelegt hatten, sie nun die Kraft haben, ihren Glauben wieder auf das Eigentliche auszurichten.

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