Ändergender gegen Gott

Heike Schmoll hat für die FAZ das Liederbuch des 36. Evangelischen Kirchentags studiert. Diesen Kommentar sollten Mann und Frau lesen. Hier ein Auszug (Ausgabe vom 29.05.2017, Nr. 123, S. 9):

Wer, des seichten Sakropops der Kirchentagslieder überdrüssig, die vertrauten Lieder im Liederbuch des Deutschen Evangelischen Kirchentags sucht, traut seinen Augen nicht: Unweigerlich wird er auf die „Variationen/Alternativen in gerechter Sprache“ stoßen. Nicht einmal vor Matthias Claudius‘ „Der Mond ist aufgegangen“ macht der Genderwahn halt. Zwar bleiben einem die Möndin oder Mondgöttin erspart, doch „so legt euch denn, ihr Brüder“ wird in eine nichtssagendes „so legt euch Schwestern, Brüder“ umgemünzt und die Konkretheit des „und unsern kranken Nachbarn auch“ muss der Allerweltsformulierung „und alle kranken Menschen auch“ weichen, die den Geist des Gutmenschentums atmet und im Zweifel keinen Funken Mitgefühl zu wecken weiß. Das ist Kulturfrevel in einem Liederheft, das sich im Vorwort auf das Singen als Kernanliegen der Reformation (Luther: „Wer singt, betet doppelt“) beruft und die Pflege des alten Liedguts hervorhebt.

In der Logik der beiden Frauen, die für die sprachlichen Missgriffe verantwortlich zeichnen und der Hamburger Gruppe „Lesben und Kirche (LuK)“ angehören, darf auch „Lobet den Herren“ nicht stehen bleiben. Stattdessen soll „Lobet die Ew’ge“ gesungen werden. Dass damit der Reim „alle, die ihn ehren“ hinfällig ist, kümmert die Gesinnungstäterinnen ebenso wenig wie ein holpriges Versmaß. Und weil es so unmöglich ist, wiederholen sie ihren Eingriff gleich in der dritten Strophe noch einmal, wo nun statt „O treuer Hüter“ „O treue Hütrin“ gesungen werden soll, womit der Reim zu „Brunnen aller Güter“ aufgegeben wird. Die absurden Beispiele ließen sich fortsetzen, …

Mehr: www.faz.net.

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Kommentare

  1. Daniel meint:

    Manchmal frage ich mich, wozu man Kirchenmusikstudiengänge braucht, wenn einige Chefideologixe derart frevelhaft mit der eigenen Liedertradition umgehen. Über den theologischen Unsinn dieser Änderungen kann man nur den Kopf schütteln. Aber auch aus künstlerischer Sicht sollten sich alle ernsthaften Kirchenmusiker weigern, solchen Müll zu spielen.

  2. Schandor meint:

    Das Aas der Kirche ist am Verwesen.
    Dabei entstehen Abbauprodukte, die von emsigen Mikroben zu anderen Stoffen verarbeitet werden.
    Ambrose Bierce über die Seele: eine geistige Marinade, die den Körper vor Verwesung schützt.
    Die Kirche hat ihre Seele ausgeatmet.

  3. Theophil Isegrim meint:

    Nachfolgende Generationen werden nur den Kopf schütteln und sich fragen, wie das damals eigentlich möglich war.

    Ob sich das Christentum in Westeuropa nochmal davon erholt? Oder hat Gott uns verworfen und anderswo tut der Herr täglich hinzu.

  4. Stephan meint:

    Ich habe die latente Hoffnung, dass die Endzeit soweit fortgeschritten ist, dass sich nachfolgende Generationen darum keinen Kopf mehr machen.
    Es mag sein, dass Gott uns verworfen hat, aber „wir“ haben angefangen, Ihn zu verwerfen.

    Letzte Woche hat mich mein Arbeitsweg zu Fuß durch die Aufbauaktionen des Kirchentages in Berlin geführt. Hätte ich nicht vom Kirchentag gehört, dann hätte ich den Eindruck gehabt, da würde der Christopher Street Day vorbereitet. Die Themen der Stände und die Aufmachung der Besucher ließen solches vermuten.

    Gleichermaßen war ich ein paar Tage vorher erfreut, dass der Pfarrer in der ev. Dorfkirche, die ich regelmäßig beorgele, das Motto des Kirchentages kritisiert hat: bei dem Motto „Du sieht mich“ fehlt GOTT, denn Hagar sagte: Du, Gott, siehst mich.

  5. Alexander meint:

    Dem literarisch Gebildeten fällt dazu natürlich sofort Christian Morgensterns schönes Gedicht „Das ästhetische Wiesel“ ein:

    Ein Wiesel
    saß auf einem Kiesel
    inmitten Bachgeriesel.

    Wißt ihr
    weshalb?

    Das Mondkalb
    verriet es mir
    im Stillen:

    Das raffinier-
    te Tier
    tat’s um des Reimes willen.

  6. Barack Obama auf dem Kirchentag Berlin: „Wir brauchen eine neue Weltordnung.“

  7. davids meint:

    Eine Leserin dazu in der Kommentarspalte auf faz.net:
    Der Teig ist aufgegangen,
    Die Fliegen, drin gefangen,
    Man für Rosinen hält.
    Den Dichtern müßt ihr zeigen
    – Ach würdet ihr doch schweigen! –
    Wie man verbessert diese Welt.

    O hört doch auf zu gendern!
    Müßt ihr denn alles ändern,
    Was vormals kunstvoll klang?
    Das Denken und das Dichten
    Versteht ihr doch mitnichten,
    Verderbt nur guten Kirchensang.

    Hört auf, euch zu erfrechen,
    Den Dichtern Hohn zu sprechen,
    Dem reichen Liederschatz!
    Wollt ihr sein Luthers Erben,
    Lasst Claudius nicht sterben
    Und macht gefälligst Gerhardt Platz!

  8. davids meint:

    Man kann aber auch den Originaltext des „Abendlieds“ zitieren, und zwar die brillante Darstellung der Unvernünftigkeit der Vernunftgläubigkeit in den „Antiaufklärungsstrophen“:

    Seht ihr den Mond dort stehen?
    Er ist nur halb zu sehen,
    und ist doch rund und schön!
    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost verlachen,
    weil unsre Augen sie nicht sehen.

    Wir stolze Menschenkinder
    sind eitel arme Sünder
    und wissen gar nicht viel;
    wir spinnen Luftgespinste
    und suchen viele Künste
    und kommen weiter von dem Ziel.

    Gott, laß dein Heil uns schauen,
    auf nichts Vergänglichs trauen,
    nicht Eitelkeit uns freun;
    laß und einfältig werden
    und vor dir hier auf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein!

    Das ist zeitlos.

  9. Schandor meint:

    @davids

    Sehr schön!

  10. @davids: Danke! Der Originaltext ist wahrlich von bleibender Aktualität (und wunderschön).

    Liebe Grüße, Ron

  11. gandalf meint:

    @ali: Dann steht Barack Obama ja ganz in historischer Kontinuität zu George H.W. Bush, und in gewisser Weise auch zu GWB. Nicht dass ich mir das nicht eh schon gedacht hätte.

  12. Joschie meint:

    Ändergender mal aus anderen Sicht „Wer lacht hier? – Die gerechte Sprache kennt keinen Scherz“ http://www.achgut.com/artikel/wer_lacht_hier_die_gerechte_sprache_kennt_keinen_scherz
    Gruß Joschie

  13. Stephan Weidauer meint:

    Mondin ist aufgegangen
    Die Gender-Sterne prangen
    Am Kirchentag nun klar
    Vernunft sieht schwarz und schweiget
    Und aus Gehirnen steiget
    Der rosa Nebel sonderbar.

  14. @Stephan Weidauer: Wunderbar!

    Liebe Grüße, Ron

  15. Schandor meint:

    Wehe, der Kirchentag greift den Text von Stefan Weidauer © nicht auf!

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