Schwedische Protestanten machen Gott zum „Es“

Das 251-köpfige Entscheidungsgremium der evangelisch-lutherischen Kirche in Schweden hat am Donnerstag in Uppsala entschieden, dass Geistliche ab dem kommenden Jahr beim Gottesdienst nur noch geschlechtsneutrale Begriffe verwenden dürfen, wenn sie von Gott sprechen.

Die Entscheidung wurde unter Antje Jackélen getroffen. Die Erzbischöfin hatte im Oktober 2016 anlässlich des Reformationsjubiläums im schwedischen Lund zusammen mit Papst Franziskus einen Gottesdienst gefeiert.

Im Vaterunser darf weiter „Vater“ gesagt werden. Ansonsten sind die Geistlichen der evangelisch-lutherischen Kirche von Schweden angewiesen, im Gottesdienst nur noch geschlechtsneutrale Begriffe zu verwenden, wenn sie von Gott reden. Statt „Herr“ oder „Er“ sei die weniger eindeutige Bezeichnung „Gott“ angebracht.

Den Beschluss hat das 251-köpfige Entscheidungsgremium der evangelisch-lutherischen Kirche am Donnerstag am Ende eines achttägigen Treffens in Uppsala gefällt. Laut „Daily Mail“ ist die Anweisung Teil des groß angelegten Updates eines 31 Jahre alten Handbuchs für die Gestaltung von Gottesdiensten.

Mehr: www.welt.de.

VD: AG

Kommentare

  1. christ-ian meint:

    Gott ist Geist.
    Und das Entscheidungsgremium ist geistbehindert.

  2. Gender-Sekte!

  3. Ein Hinweis: laut schwedischen Medien handelt es sich bei der Meldung in der Form, wie sie in den internationalen Medien berichtet wird, wohl um „Fake News“: es wird nicht die Bezeichnung Gottes als Herr eliminiert und auch nicht das genderneutrale Pronomen für Gott eingeführt. Einzelheiten hier: https://www.thelocal.se/20171124/no-the-swedish-church-has-not-banned-the-male-pronoun-god . JW hat in seinem Blog darauf vor wenigen Tagen hingewiesen (https://zwingliusredivivus.wordpress.com/2017/11/24/no-the-swedish-church-has-not-disallowed-male-pronouns-for-god/ ).

  4. Die Überschrift ‚Schwedische Protestanten machen Gott zum „Es“‘ trifft den Vorgang eigentlich nicht ganz präzise, da es im Schwedischen wie z.B. auch im Deutschen kein Neutrum „Es“ gibt. „Han“ bedeutet er, „hon“ bedeutet sie. Damit man keine dieser geschlechtlich eindeutigen Pronomen benutzen muss, wurde das Kunstwort „hen“ erfunden. Somit versucht man Gott nicht nur sächlich, sondern gleich gender zu machen …

  5. @Eckard: „Hen“ wird eben nicht verwendet. Das kann man in dem von Daniel geposteten Artikel lesen. Auch pro hat das aufgegriffen und etwas differenzierter dargestellt als es in dem Artikel der Welt beschrieben wird:
    https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/11/26/hat-die-schwedische-kirche-gott-entmaennlicht/
    „Schwedische Protestanten machen Gott zum „Es“. = Fake news.

  6. Vielleicht wollte ja die WELT einfach den neuen Film ES nach der Romanvorlage von Stephen King bewerben…

  7. Hier der Link zum SZ-Artikel, der die Medienkritik bereits aufnimmt:

    http://www.sueddeutsche.de/leben/kirche-welches-geschlecht-hat-gott-1.3765728

    Liebe Grüße, Ron

  8. Ja, in der Tat – da muss ich mich korrigieren – wird das Wort „hen“ nicht verwandt. Die ersten Meldungen auch in den schwedischen Medien haben hier offensichtlich zu Verwirrung geführt.

    Eine offizielle Stellungnahme der Schwedischen Kirche verlautet zusammengefasst (übersetzt) Folgendes:

    1. Die Eröffnung eines Gottesdienstes kann in drei Alternativen erfolgen:
    a) Im Namen des Vaters, des Sohnes und der heiligen Geist(in) (heilig klein geschrieben)
    b) Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und der heiligen Geist(in).
    c) Im Namen des dreieinigen Gottes.

    2. In Bezug auf die Formulierung „Im Namen des Vaters, des Sohnes und der heiligen Geist(in)“ wurde eine Anpassung an die Bibel 2000 vorgenommen, die in die Richtlinie für das Kirchenhandbuch einging. Man bezeichnet, was im Schwedischen möglich ist, den Geist als Femininum.
    Also: Von „Im Namen des heiligen Geistes“ zu „Im Namen der heiligen Geist(in)“.

    3. Der Begriff „hen“ kommt im Kirchenhandbuch überhaupt nicht vor.
    Quelle: https://www.svenskakyrkan.se/nyheter/sakfel-i-medier-om-nya-kyrkhandboken

    Die Kritik in den schwedischen Medien war aber erstaunlich kraftvoll, worauf man die Möglichkeit der Wahl einer der oben beschriebenen Alternativen hervorhob und schnell den Begriff der Fake-news bemühte.

    Als Faktum bleibt das erklärte Ziel des Kirchenhandbuch-Komitees, dass man eine neue Art des „mehr inkludierenden Redens über Gott“ entwickeln wollte, was das bewusste Suchen nach einen Ersatz für die Worte „Herr“ und „er“ beinhaltete. Gott der Vater kann im neuen Kirchenhandbuch nun auch als Mutter (mit einem großen M) bezeichnet werden. Bei Jesus wird besonders sein Menschsein zu Lasten seiner Göttlichkeit betont.

    Wie mit Pastoren und kirchlichen Mitarbeitern in Zukunft umgegangen wird, die sich diesem Trend bewusst und erkennbar widersetzen und auf die bisherigen Formulierungen bestehen, bleibt abzuwarten.
    Auch, ob das neue Kirchenhandbuch auf der „kyrkomöte“ kommende Woche in Uppsala angenommen wird. Das leitende Gremium für das neue Handbuch wurde von den Mitarbeitern und aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern u.a. für ihre fehlende Offenheit gegenüber kritischen Stimmen scharf angegriffen.

  9. Helge Preising meint:

    Mir scheint, diese Darstellung und auch die Berichterstattung in der WELT stimmen nicht, wenn es heißt, „dass Geistliche ab dem kommenden Jahr beim Gottesdienst nur noch geschlechtsneutrale Begriffe verwenden dürfen“. Es sind doch weder alle männlichen Bezeichnungen in diesem Handbuch eliminiert noch kann das Gremium Bezeichnungen tatsächlich verbieten. Wäre es nicht fair, das richtigzustellen? Oder konkret zu belegen? Einfach um sachlich korrekt zu bleiben und nicht unnötig Stimmung zu machen.

  10. @Helge: Ich meine, dass es noch zu früh ist, ein Urteil zu fällen. Die SZ, die sachlicher schreibt als die WELT, sagt:

    In Uppsala entschied das 251-köpfige Entscheidungsgremium der evangelisch-lutherischen Kirche mit großer Mehrheit, künftig darauf hinzuwirken, geschlechtsneutrale Begriffe für Gott zu verwenden. Die Geistlichen sollen statt „Herr“ oder „Er“ das weniger eindeutige „Gott“ verwenden. Die Regelung tritt nächstes Jahr an Pfingsten in Kraft.

    Liebe Grüße, Ron

  11. In Deutschland bewegt sich auch etwas, zwar in Kleinem und bemerkt, aber trotzdem wird es Verschiebungen (Verwerfungen?) im Gottesdienst geben: mit Beginn des neuen Kirchenjahres 2018 wird eine neue Perikopenordnung verbindlich. Einige Texte bzw. die Textauswahlen haben sie geändert.

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