Biblische Theologie und die Krise der Sexualität

Bei den aktuellen Debatten um die christliche Sexualethik hört man Argumente wie: Jesus hat nie über Homosexualität gesprochen. Ergo: Das scheint ihm überhaupt nicht wichtig gewesen zu sein. Solche „Argumente“ offenbaren substantielle Schwächen im theologischen Denken. Al Mohler zeigt in dem Artikel „Biblische Theologie und die Krise der Sexualität“, wie wichtig es ist, die Bibel „methodisch“ richtig zu lesen.

Zwei Zitate:

Die Biblische Theologie ist für die Gemeinde absolut unverzichtbar, um eine angemessene Reaktion auf die aktuelle Krise der Sexualität zu finden. Die Gemeinde muss lernen, die Bibel so zu lesen, dass wir dabei den Kontext, die Einbettung in die übergeordnete Erzählung (Metanarrativ) und die fortschreitende Offenbarung hinsichtlich Gottes Bund beachten. Wir müssen lernen jedes theologische Thema vor dem Hintergrund des biblischen Metanarrativs von Schöpfung, Sündenfall, Erlösung und neuer Schöpfung zu untersuchen. Wir brauchen als Evangelikale insbesondere eine Theologie des Körpers, die im biblischen, sich fortschreitend offenbarenden Erlösungsgeschehen verankert ist.

Die Krise der Sexualität zeigt uns, wo die theologische Methode, die von vielen Pastoren angewendet wird, zu kurz greift. Der oben erklärte „Konkordanzreflex“ ist einfach nicht in der Lage, die Art gründliches theologisches Denken zu leisten, das in der heutigen Situation von unseren Kanzeln kommen muss. Als Pastoren und Gemeinden müssen wir lernen, dass Biblische Theologie unabdingbar ist. Wir müssen üben, die Bibel gemäß ihrer eigenen inneren Logik zu lesen – die Logik einer Geschichte, die sich fortschreitend von der Schöpfung bis zur neuen Schöpfung offenbart. Die hermeneutische Aufgabe, die vor uns liegt, ist gewaltig, doch sie ist unabdingbar für eine treue evangelikale Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft.

Mehr: www.evangelium21.net.

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8 Kommentare
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Matze

Vorab: ein sehr guter Beitrag vor allem auch die Beschreibung des Konkordanzreflexes. So wird z.B. oft nur das NT als heute gültig angenommen ohne sich im Klaren darüber zu sein wie viel AT im NT steckt schon allein vom Anzahl der Bibelstellen. Nur einen Einwand, ohne eine Henne-Ei Diskussion aufmachen zu wollen. Der Satz „Die aktuelle Krise der Sexualität macht eine Kampfansage an das Verständnis von Evangelium, Sünde, Errettung und Heiligung in den Gemeinden.“ ist aus meiner Sicht nicht ganz richtig.
Erst wenn es zu den Glaubensgrundlagen keine klare Theologie gibt, verändert sich das Verständnis zu Sünde und damit auch zur Sexualität und erweitert sich die Spannbreite was noch akzeptabel ist und was nicht. Viel mehr wird Sünde viel zu oft als Beraubung von Freiheit gesehen anstatt die bewahrende Wirkung zu sehen, die das Warnen für Sünde eigentlich hat

Benni

Kurze Rückfrage: Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Überzeugung das Argument, dass Jesus nie über Homosexualität gesprochen hat, vorgetragen wird. Ist es nicht die wahrscheinlichste Option, dass Jesus als frommer Jude des 1. Jahrhunderts beim Sammelbegriff ‚porneia‘ an die Aufzählungen in Lev 18+20 gedacht hat? Oder kennt ihr eine andere, wahrscheinlichere Deutung von ‚porneia‘?

Chrissen

Ich als schwuler Christ lese die Bibel so, daß ich sie Wort für Wort als Wahrheit erkenne. In dieser Wahrheit sagt Gott ganz deutlich an vielen Stellen, auch im Neuen Testament, daß sowohl Homosexualität als auch Pädosexualität Sünde und IHM zuwider sind. Es bleibt nur die Möglichkeit, sich als Sünder seiner Sünde bewußt zu sein und fortan so zu leben, daß man sich der gelebten Homosexualität oder der gelebten Pädosexualität enthält und sich demütig, bescheiden und voller Vertrauen dem Willen des HERRN unterordnet. Das wird einem zum Segen! Jesus Christus hat übrigens sehr wohl gegen verdrehte Sexualität gesprochen, wenn auch mittelbar, denn letztlich war ER es, der zum Beispiel Paulus berufen und ihm Vollmacht in der Lehre gegeben hat. Was Paulus und andere sagen und in der Heiligen Schrift schreiben, ist durch Gott „inspiriert“ und somit vollumfänglich wahr. Jesus Christus gegen andere Gläubige, Nachfolger, Schreiber, Apostel und „Knechte in der Schrift“ auszuspielen, ist niederträchtig und falsch, da es der Heiligen… Weiterlesen »

Theophil Isegrim

@ Benni: Ich denke, in Matthäus 19, 3-12 nimmt Jesus dazu klar Stellung. Sex ist nur für die Ehe zwischen Mann und Frau gedacht. Für alle anderen gilt die Enthaltung (egal ob homo oder hetero). Dann kamen einige Pharisäer und wollten ihm eine Falle stellen. Sie fragten: „Darf ein Mann aus jedem beliebigen Grund seine Frau aus der Ehe entlassen?“ „Habt ihr nie gelesen“, erwiderte Jesus, „dass Gott die Menschen von Anfang an als Mann und Frau geschaffen hat? Und dass er dann sagte: ‚Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden völlig eins sein.‘ Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Und was Gott so zusammengebracht hat, sollen Menschen nicht scheiden!“ „Warum hat Mose dann aber gesagt“, entgegneten sie, „dass man der Frau einen Scheidebrief ausstellen soll, bevor man sie wegschickt?“ Jesus erwiderte: „Nur, weil ihr so harte Herzen habt, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen… Weiterlesen »

Markus Jesgarz

Dies ist ein Kommentar zu der Aussage im Beitrag: Biblische Theologie und die Krise der Sexualität https://www.evangelium21.net/media/2183/biblische-theologie-und-die-krise-der-sexualitaet unter Steht „Transgender“ in der Konkordanz? am Ende: Per Konkordanz Theologie betreiben zu wollen ist deshalb mangelhaft, weil es eine abgeflachte Bibel ohne Kontext, Bündnisse oder übergeordnete Erzählung (Metanarrativ) zur Folge hat – also ohne drei hermeneutische Grundlagen, die wesentlich sind, um die Bibel richtig zu verstehen. Meine Meinung ist: Herr Albert Mohler hat recht: Den Kontext, die Bündnisse und die übergeordnete Erzählung (Metanarrativ) des Bibeltextes zu betrachten ist wichtig. Im Beitrag: Gott, Sünde und Dispensationen http://normangeisler.com/god-evil-and-dispensations/ im Jahr 1982 von Dr. Norman L. Geisler steht 1. am Anfang: Einer der vernachlässigten Werte des Dispensationsansatzes der Schrift ist das Licht, das es auf das Problem der Sünde wirft. Die Theodizee (eine Rechtfertigung der Güte und Gerechtigkeit Gottes trotz der Gegenwart der Sünde in der Welt) ist ein faszinierendes und schwieriges Thema in jeder Theologie, aber ein dispensationalistischer Ansatz bietet unerwartete Hilfe für dieses… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Jerry Falwell Jr., der einflussreichste Evangelikale der USA, dem Trump die Unterstützung der Evangelikalen und damit seinen Wahlsieg verdankt, ist über einen Sexskandal gestolpert. Warum überrascht mich das nicht?

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article214473692/Fall-Jerry-Falwell-Jr-Sexskandal-Wie-heuchlerisch.html

Gotthart

Entschuldigung, aber ich ich lese hier nur theologische Phrasen, die die Ermächtigung zu einem eigenen, ausgedachten, selbst zusammengesponnenen Evangelium repräsentieren. Man müsse ein „Metanarrativ“ in Jesu Worte hineinlesen, damit klar würde, dass es Jesus um eine Geschichtslogik von Schöpfung zu Schöpfung ging, als er sich nicht zum Thema Homosexualität äußerte? Hä???? Menschen stellen die berechtigte Frage: Was hat Jesus dazu gesagt, dass ich als Mann/ eine/n Frau/Mann sexuell begehre? Hat er etwas zu dieser für mein Leben so wichtigen Frage wie Leben und Sterben gesagt? Nein, hat er nicht. Er hat auch nicht beabsichtigt, uns mit dem gründlichen Herauslesen eines „Metanarrativs“ aus den Schriften zu beauftragen. Jesus hat gesagt: Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Er hat nicht gesagt, Das ist aber mein Gebot: Dass ihr ein Metanarrativ… Weiterlesen »