Toxische Männlichkeitsbilder: Ist das Spielzeug schuld?

Der DLF hat einen Beitrag über Gender-Marketing veröffentlicht, der Mut macht. Mit „Getrennte Spielwelten“ haben die Macher meine Erwartungen weit übertroffen. Endlich ein Diskussionsbeitrag, der zum Selberdenken anregt.

Die Journalisten stellen für den DLF einerseits die Perspektive der GenderforscherInnen (ja, es sind nur Frauen) fair dar. Sie und die FeministInnen beklagen das aggressive Gender-Marketing. Es ginge um Konsum. Stevie Schmiedel, Chefin von Pinkstinks, einer Protestorganisation, die gegen Sexismus und Geschlechterklischees in Werbung, Medien und Gesellschaft kämpft, behauptet beispielsweise, dass Gender-Marketing führe dazu, dass Eltern gleich alles doppelt kauften.

Das blaue Fahrrad für den Jungen, mit dem Piraten drauf. Das rosafarbene für das Mädchen. Dann kann auch nicht untereinander vererbt werden, alles wird doppelt konsumiert, das passt hervorragend zusammen.

(Mein erster Gedanke war: „Was bloß, wenn männliche Zwillinge nur ein Fahrrad bekämen?“)

Aber es gehe eben nicht nur um Konsum. Die Sache sei viel schlimmer. Die Unterscheidung zwischen Mädchen- und Jungenspielzeug erzeuge eine gefährliche Zurichtung auf Rollen. Die Genderforscherin Uta Brandes beklagt etwa:

Weil es Rollen festlegt, die mit Hierarchie und mit Wertigkeit zu tun haben. Wir können schon feststellen, dass die Rollen, die mit typischer Weiblichkeit zu tun haben, das hat immer zu tun mit Dienen, Helfen, Pflegen, Heilen. Und die anderen, das sind die Tatkräftigen, die etwas in Schwung bringen.

Stevie Schmiedel findet sogar:

Wenn ein Junge heute mit rosa spielt und einen kleinen rosa Pudel mit in den Kindergarten bringt, dann wird er schnell vom halben Kindergarten gemobbt. Weil die Vorstellung da ist, dann bist Du kein richtiger Junge. Es ist ganz wichtig, diese toxischen Männlichkeitsbilder aufzubrechen, damit Jungs eben auch wild und stark sein können, aber eben auch zart und niedlich.

Die Geschlechtsrolle sei zu 90 Prozent ein Ergebnis von Kultur und Erziehung, sagt Uta Brandes. Und für die Frage, wie viel Geschlecht neugeborene Kinder denn mit auf die Welt bringen, hat sie eine klare Antwort parat: „Ich denke, potentiell kommen sie als weiße Fläche auf die Welt. Ein schreiendes Bündel von Bedürfnissen.“ Den Rest, so müssen wir wohl glauben, leisten Erziehung und Spielzeuge.

Aber inwieweit prägt unterschiedliches Spielzeug die Entwicklung der Kinder tatsächlich? Ist die Geschlechtszuweisung und die Sehnsucht nach Eindeutigkeit vielleicht tief in die menschliche Seele und den Leib eingeschrieben? Woher stammt die Zweiggeschlechtlichkeit bei Säugetieren? Kann sie durch „Doing Gender“, also durch kulturelle Aktivitäten wie etwa Sprechakte, „hergestellt“ werden?

Manche Soziologen sprechen bereits vom „Re-Gendering“: Weil klassische Rollenmuster hinterfragt werden und sich die Gesellschaft so rasant verändert, macht sich Unsicherheit breit. Es kommt langsam eine Gegenbewegung auf, eine Sehnsucht nach „eindeutigen Geschlechterverhältnissen“.

Und hier wird die andere Sicht ins Spiel gebracht, die m.E. die weitaus überzeugenderen Argumente aufzuweisen hat. Für die These, dass Rollen nicht von biologischen Vorgaben abgekoppelt werden können, werden Begründungen von Harald Euler, Simon Baron-Cohen und Doris Bischof-Köhler, Gerianne Alexander und Melissa Hines vorgetragen.

Harald Euler sagt etwa:

Es ist völlig absurd zu glauben, dass durch Spielzeugangebote diese Verhaltensunterschiede hervorgerufen werden können … Nicht alle Jungen haben eine Präferenz für technisches Spielzeug und nicht alle Mädchen wollen gerne Puppen haben. Aber: Bei dem einen Geschlecht ist eben das eine häufiger und bei dem anderen Geschlecht das andere.

Und diese statistische Verteilung sei nicht nur eine Folge von Erziehung, Kultur und Gesellschaft. Euler:

Erstaunlicherweise gibt es einige Verhaltensmerkmale, die treten schon in den ersten Lebenstagen und –wochen auf. Das ist beispielsweise, dass kleine Mädchen mehr Interesse an Gesichtern zeigen, an Menschen zeigen, kleine Jungen eher an mechanischen Sachen, beispielsweise für ein Mobile, das über ihrem Bettchen hängt.

Hier der lange aber hörenswerte Audiobeitrag (eine Mitschrift gibt es hier):

VD: MS

Gender: Von Gender Mainstreaming zur Akzeptanz sexueller Vielfalt von Christoph Raedel

Preis: EUR 20,00

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Kommentare

  1. In dem lesenswerten Buch von Dr. Miriam Grossmann „You’re Teaching My Child What?: A Physician Exposes the Lies of Sex Ed and How They Harm Your Child“ gibt es Belege, dass sogar bei kleinen Affen sich die männlichen Tiere mit technischem Spielzeug beschäftigt, während die weiblichen Tiere Puppen bevorzugt haben. Es gibt dort auch ein Bild von diesem Experiment. Und bei Affen kann man ja schlecht von „Macht der Konzerne“ reden.

  2. Stephan meint:

    Dazu ein Verweis auf http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gender-debatte-tv-bericht-biologen-widersprechen-gender-theorie/8309672.html , es lassen sich aber noch per Suchmaschine weitere Quellen finden. Der Spaß ist schon fünf Jahre her.

    In Norwegen ist die Genderförderung zurückgefahren worden, nachdem in der Debatte nicht mehr übersehbar war, dass Babys unterschiedlich ticken aufgrund hormoneller Unterschiede bereits in der Schangerschaft. Um es deutlich zu sagen: Männer und Frauen ticken unterschiedlich by design.
    In Norwegen brauchte es den Komiker (!) und Soziologe(!) Harald Eia, um dazu einen Film zu machen, der für die notwendige Kurskorrektur sorgte. Um diese Faktenlage könnte man auch als Feminist wissen, ich gehe auch davon aus, dass es in diesen Kreisen bekannt ist, da ja selbst ein Soziologe die Faktenlage nachprüfen kann. Da diese Leute bewußt weiter auf der Genderschiene fahren, kann man ruhigen Gewissens sagen, dass Feministen Lügen und betrügen, um weiterhin eine Daseinsberechtigung zu haben und am Tropfe öffentlicher Fördermittel zu hängen. Gleichzeitig wird auf allen Ebenen versucht, Kinder zu indoktrinieren und umzuerziehen – als Ergebnis werden wir mindestens eine Generation unbeholfener, lebensuntüchtiger und verhaltensauffälliger Psychowracks ernten.

  3. Dabei ist es psychologischer Konsens, dass der Mensch nicht als Tabula rasa auf die Welt kommt.

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