Wenn Kinder auf der Strecke bleiben

Reden wir über Vereinbarkeit von Familie und Karriere, geht es meist um Elternwünsche und den Druck im Job. Was aber brauchen die Kinder? Mehr Zeit mit Mama und Papa vielleicht? Ein guter FAZ-Beitrag von Julia Schaaf über die Grenzen einer vergesellschaftlichten Erziehung:

Sabine Andresen ist Kindheitsforscherin. Seit vielen Jahren untersucht die Professorin an der Universität Frankfurt am Main das Wohlergehen von Kindern, und dafür spricht sie auch mit Jungen und Mädchen direkt. Im Rahmen der Kinderstudien des Hilfswerks World Vision zum Beispiel fragt sie Kinder, ob ihre Eltern genügend Zeit für sie haben. Ergebnis: Sofern ein Elternteil nicht oder nur in Teilzeit arbeitet, ist die überwältigende Mehrheit der Sechs- bis Elfjährigen zufrieden. Wenn Mütter und Väter beide Vollzeit machen, finden Kinder häufiger, dass die gemeinsame Zeit nicht reicht.

Offenbar stehen wir vor einem Dilemma: „Was gut ist für das Kind, ist nicht immer gut für die Befreiung aus traditionellen Rollen von Müttern und Vätern“, sagt Andresen. Und: „Vielleicht neigen wir im Moment dazu zu tabuisieren, dass Kinder es womöglich nicht so toll finden, den ganzen Tag außerhalb von zu Hause betreut zu werden.“ Kein Wunder, dass die Professorin so vorsichtig formuliert. Noch immer müssen sich Mütter – und nur Mütter! –, die Vollzeit arbeiten, vor Teilzeitfrauen und konservativen Männern permanent für ihr Lebensmodell rechtfertigen.

Mehr: www.faz.net.

Kommentare

  1. Stephan meint

    Die Welt ist interessant. Einmal, weil man mal wieder sieht, für welche Themen es mittlerweile Professuren gibt. Ebenso, dass eine Professur nicht davor schützt, genau das herauszufinden, was jedem, der mal selbst Kind war, der gesunde Menschenverstand auch schon sagt. Und dass tatsächlich auch mal aus der universitären Ecke Aussagen kommen und dann auch noch publiziert werden, die dem politischen Mainstream widersprechen – wow. Interessant auch, dass im letzten Satz auch gleich mal wieder „Männer“ erwähnt werden, wenngleich mit dem Adjektiv „konservativ“, obwohl doch eigentlich der „alte, weiße, …“ gemeint ist. So ganz ohne Geschlechterk(r)ampf geht es wohl dann doch nicht, wenn die Autorin der Zeitung eine studierte Soziologin ist.
    Dass die „konservativen“ Männer allerdings zumeist nicht diejenigen sind, die den Müttern einen Vorwurf machen, sondern die politischen Entwicklung in Frage stellen, die im Osten der Republik recht zeitnah nach deren Gründung als DDR die Gesellschaft entsprechend auf Doppelverdiener getrimmt hat, und im Westen spätestens seit den 70ern durch Verschlechterungen bei den Sozialversicherungen, Steuerabgaben und der Verteuerung der Arbeit bei gleichzeitig sinkenden Real-Nettolöhnen dafür gesorgt hat, dass in den allermeisten Gehaltsgruppen der Zwang zum Doppelverdienst entstanden ist, wird lieber nicht erwähnt oder mal von einer Professur der komischen Wissenschaften untersucht.
    Andresen spricht von der „Befreiung aus traditionellen Rollen von Müttern und Vätern“, na gut, wenn denn jemand unbedingt davon befreit werden möchte … – für mich wäre Freiheit dann gegeben, wenn es eine Wahlfreiheit gäbe, also wenn man mit dem Gehalt eines normalen Arbeiters (Hinweis: generisches Maskulinum, gemeint ist selbstredend auch die Arbeiterin) eine Familie versorgen könnte, ohne auf Unterstützungsleistung seitens des Staates, der Großeltern, oder eben ein zweites Gehalt angewiesen zu sein – eben weil die Eltern ahnen, dass ihre Kinder einen Bedarf auf gemeinsame Zeit haben. Das ging in den 60ern / erste Hälfte 70er durchaus noch im Westen. Und wer es anders möchte, möge dies von mir auch aus tun können, sicherlich werden Mama und Papa das den Kindern später mal erklären können, warum das Doppelgehalt so wichtig für die persönliche Freiheit war.

  2. Weanermadel meint

    „…mit dem Gehalt eines normalen Arbeiters (Hinweis: generisches Maskulinum, gemeint ist selbstredend auch die Arbeiterin) eine Familie versorgen könnte…“
    …………………………………………………………………………………………………………………….

    Bittsie!
    Haben Sie die Zeit verschlafen?
    Es gibt inzwischen auch ein *drittes* Geschlecht!

  3. Stephen meint

    Ich freue mich, dass Stephan implizit befürwortet, dass Männer auch die Zeit für die Familie nehmen. Gerade mit unserem Kleinen ist es noch so, dass ich die körperliche Voraussetzungen nicht besitze, mich um ihn zu kümmern. Wir aber haben uns gesagt, dass 120% einer Stelle reicht uns, und ich wäre froh, wenn die Frau 60 oder sogar 70% davon machen würde. Meine vier Kinder brauchen mich, ich kann auch staubsaugen und kochen. Wir konservativen Christen müssen auch in der Lage sein, den Unterschied zwischen kulturell-konservativ und theologisch-konservativ zu erkennen. Hauptsache – Kinder haben Mama und Papa. Womöglich, ganz viel von beiden. Nicht wichtig, von wem mehr. Und es liegt ja am Vater, sich um die Glaubenserziehung zu kümmern: er soll normalerweise die tägliche Familienandacht leiten. Zusammengekuschelt auf dem Sofa mit offenen Bibeln: gibt es Schöneres als Familie?

  4. Stephan meint

    Oh ja, ich vergaß 😉 . Aber auch das ist nicht der neueste Stand, bei Facebook kann man seit einigen Jahren bereits aus 60 Geschlechtsidentitäten wählen, die kennen also schon 57 mehr als nur drei, sind also progressiver als wir beide. Da ich jedoch zu den stockkonservativen, alten, weißen Männern gehöre, werde ich weiterhin wie folgt verfahren und denken:
    – Gott schuf den Menschen als Mann und Frau (biblischer Aspekt)
    – es gibt Menschen mit XX oder XY Chromosomensatz (biologischer Aspekt, gleichzeitig wissenschaftlich abgesichert, ebenso daher ein Fakt)
    – bei uns auf der Arbeit und im nächsten Bahnhof gibt es keine 60 Klotüren für unterschiedliche Geschlechter, sondern nur 2 (pragmatischer Aspekt, entspricht auch dem Baurecht)
    – auf der nächstgelegenen hochpreisigen Flaniermeile gibt es nur Herren- und Damenschneider (wirtschaftlicher Aspekt)
    – wenn ein Schiff sinkt, heißt es immer „Frauen und Kinder zuerst“ – besser, es wird nur ein Geschlecht (männl.) diskriminiert und zum ersaufen freigegeben, als 59 Geschlechtern in bester Unterdrückermanier nur nachrangig das Besteigen der Rettungsboote zu erlauben (moralischer Aspekt, um die Quantität der möglichen Diskriminierungen klein zu halten)
    Ich bleibe in meiner Wahrnehmung daher einfach mal bei zwei Geschlechtern, das macht mir das Leben erheblich leichter und gibt anderen Leuten Gelegenheit, mir meine Gleichgültigkeit vorzuhalten (besser die als all die tausend anderen Charakterfehler, die ich habe). 🙂

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