Feuilleton

Feuilleton & Kunst

Killjoys

Bei Desiring God gibt es das neue Buch Killjoys: Der Verlag schreibt dazu:

NewImage

Our love affairs with sin are not just a matter of morality, but of joy. Sanctification is not just about faithfulness to God, but about finding our deepest, most satisfying fulfillment in him.

We can be infinitely and enduringly more happy with Jesus than with anything or even everything in a world without him — even when that world is filled and overflowing with promotions and bonuses at work, on-demand television, all-you-can-eat sushi, grossly accessible pornography, always new and better technology, and countless other goods become gods.

Our hearts were designed to enjoy a full and forever happiness, not the pitiful temporary pleasures for which we’re too prone to settle. Pride, envy, anger, sloth, greed, gluttony, and lust are woefully inadequate substitutes for the wonder, beauty, and affection of God. They will rob you, not ravish you. They will numb you, not heal you. They will slaughter you, not save you.

Das Buch, dessen Cover von dem großartigen Peter Voth gestaltet wurde, gibt es zum kostenlosen Download in verschiedenen Formaten hier: www.desiringgod.org.

Seelsorge Vertiefungsseminar II

Es sind noch ein paar Plätze frei:

Vertiefung II maerz2015 b 1

Der Seelsorge Vertiefungskurs II, der vom 01.–06. März 2015 im Teencamp-Freizeithaus in Marsberg-Helminghausen (Deutschland, URL: www.tcamp.de  veranstaltet wird, enthält folgende Einheiten:

  • Psychopathologie und Psychiatrie (Referent: Dr. med. Christoph Jung)
  • Pornografie: Grundlagen und Arbeitsmittel für die Gemeindepastoral (Referent: Daniel Röthlisberger)
  • Praxisfelder Ehe- und Familienseelsorge (Referent: Thomas Jeising)

Sollten Sie an diesem Kurs Interesse haben, freuen wir uns über eine möglichst schnelle Anmeldung!

Weitere Informationen finden Sie im Flyer: Vertiefung_II_maerz2015_b.pdf .

The Reformation Study Bible (2015)

Eine Vorschau der The Reformation Study Bible (2015) mit dem Epheserbrief liegt inzwischen vor. Die The Reformation Study Bible ist eine Neuauflage der Ausgabe von 2008 und enthält als Übersetzung die English Standard Version (ESV). Sie wird erneut unter der Leitung von R.C. Sproul herausgegeben.

Hier der Auszug: 2015-01_RSBPreview_Ephesians.pdf.

Diaspora in Deutschland

Markus Günther fragt in der FAS (Ausgabe Nr. 52 vom 2.812.14, S. 3), ob Deutschland noch ein christliches Land ist und kommt zu dem Ergebnis, dass das Christentum hierzulande seine Spätzeit erlangt habe. Menschen, die wirklich glauben, gehören längst zur Minderheit (leben also in der Diaspora). Dabei gibt es viele suchende und zweifelnde Menschen. Warum erreicht die Kirche sie nicht mehr? Mit der laufend beschworenen „Zeitgemäßheit“ hat es jedenfalls nichts zu tun.

Günther:

Es gibt sie noch in großer Zahl, die Suchenden und Zweifelnden, die, die nach Gott fragen und neugierig sind auf Antworten – aber die Kirchen erreichen diese Menschen immer seltener.

Aber warum finden die Suchenden die Wegweiser nicht mehr? Warum passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen? Die populärste Antwort auf diese Frage lautet: weil die Kirche nicht mehr zeitgemäß ist. Sie müsste sich stärker der Lebenswirklichkeit der heutigen Menschen anpassen. Das klingt vorderhand plausibel, ist aber bei genauerem Hinsehen Unsinn. Denn die Evangelische Kirche in Deutschland hat so ziemlich alles getan, was von der katholischen Kirche immer noch verlangt wird, um endlich zeitgemäß zu sein: Frauenpriestertum, Abschaffung des Zölibats, Liberalität bei Moralfragen, volle Akzeptanz von Homosexuellen und Geschiedenen. Wären das tatsächlich die Gründe für die Malaise des Christentums, müsste es den Protestanten viel besser gehen als den Katholiken. Doch das ist nicht so. Ein zweiter Denkfehler kommt beim populären Zauberwort „zeitgemäß“ hinzu: Wo sich die Kirche nicht auf zeitlose, unverfügbare Wahrheiten beruft, entlarvt sie sich selbst als reines Menschenwerk. Politische Programme müssen zeitgemäß sein, Unterhaltungsangebote auch; eine Religion muss absolute Wahrheiten für sich in Anspruch nehmen können – oder es ist keine Religion.

Stattdessen haben beide Kirchen in Deutschland – nicht immer offiziell, aber de facto, im praktischen Leben halt – zentrale Glaubensinhalte längst aufgegeben. Im Versuch, niemanden zu verprellen und den Zugang zum Glauben möglichst leicht zu machen, wurde vieles ein bisschen weichgespült: Aus Jesus als „Sohn Gottes“ wurde Jesus, ein vorbildlicher Mensch wie Buddha und Gandhi auch. Aus der Auferstehung Christi wurde eine Legende, die man nicht wörtlich nehmen soll, sondern mehr so im Sinne von „Wer im Herzen seiner Lieben lebt, ist nicht tot“. Der kleinste gemeinsame Nenner dieser Verkündigung besteht oft nur noch aus einer Wohlfühlprosa, die ein möglichst breites Publikum ansprechen soll und gerade dadurch beliebig wirkt. Frieden in der Welt, mehr Gerechtigkeit für alle, auch selbst nicht immer so egoistisch sein – darauf kann sich jede Versammlung halbwegs anständiger Menschen einigen. Ein Appell der Unesco oder von Greenpeace klingt auch nicht viel anders. Gott braucht’s dafür nicht.

Seelsorge Vertiefungskurs II (März 2015)

Vertiefung II maerz2015 b 1

Der Seelsorge Vertiefungskurs II, der vom 01.–06. März 2015 im Teencamp-Freizeithaus in Marsberg-Helminghausen (Deutschland, URL: www.tcamp.de  veranstaltet wird, enthält folgende Einheiten:

  • Psychopathologie und Psychiatrie (Referent: Dr. med. Christoph Jung)
  • Pornografie: Grundlagen und Arbeitsmittel für die Gemeindepastoral (Referent: Daniel Röthlisberger)
  • Praxisfelder Ehe- und Familienseelsorge (Referent: Thomas Jeising)

Sollten Sie an diesem Kurs Interesse haben, freuen wir uns über eine möglichst schnelle Anmeldung!

Weitere Informationen finden Sie im Flyer: Vertiefung_II_maerz2015_b.pdf .

„Radical Orthodoxy“-Tagung an der STH

Anfang Dezember 2014 wurde an der STH Basel eine Tagung zur Bewegung „Radical Orthodoxy„ abgehalten (vgl. hier). Die STH schreibt im Rückblick:

Referenten der Tagung

Die Radical Orthodoxy (RO) und ihr Vordenker Prof. Dr. John Milbank, Universität Nottingham, England, haben in der englischsprachigen Welt weiträumige Resonanz mit einer These gefunden, die quer zum Zeitgeist steht: Theologie soll Milbank zufolge wieder erste Wissenschaft werden. Christlicher Glaube muss seine kulturprägende Kraft wiedergewinnen.

Die Tagung an der STH Basel am 6. 12. 2014 setzte sich die Aufgabe, die RO im christlichen Denken in Europa bekannt zu machen. Vor ca. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten wir Gelegenheit, auf hohem Niveau mit John Milbank in ein intensives, freundschaftliches, aber nicht unkritisches Gespräch zu kommen. Milbank stellte in einem brillanten Vortrag Anliegen und bisherige Ausprägung der RO dar. Sein Schüler Dr. Adrian Pabst, Universität Kent, England, arbeitete anschliessend den Begriff der Partizipation als einer Partizipation an Christus systematisch und ideengeschichtlich besonders heraus. Prof. Dr. Daniel von Wachter, Internationale Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein, stellte die Frage, ob die RO hinreichend orthodox ist. Folgt sie wirklich klar genug christlicher Lehre und deren Aufforderung zu Handlung und Umkehr? Prof. Dr. Harald Seubert, STH Basel, brachte darauf hin die Frage nach dem Zusammenhang von Heilsgeschichte und Metaphysik, Bibelwissenschaft und christlichem Denken, das am Wort Gottes seinen Massstab finden muss, in die Diskussion ein.

Am Nachmittag folgten auf die Hauptvorträge kurze Statements von PD. Dr. Hans Otto Seitschek, Ludwig-Maximilians-Universität München, der den katholischen Denker Romano Guardini ins Gespräch brachte, sowie des einstigen STH-Professors Gianfranco Schultz, der, ausgehend vom niederländischen Philosophen Herman Dooyeweerd, das Profil reformierten christlichen Denkens einbezog.

Eine lebendige, auf das Publikum geöffnete Diskussion schloss sich an, zu der auch weitere Kollegen hoch interessante Beiträge einbrachten. Schwerpunkte waren die Reichweite der Theologie, die Dimension von Lobpreis, christlicher Kunst, aber auch der Ethik der Heiligung. Sodann konzentrierte sich der Disput unter Moderation von PD Dr. Johannes Corrodi, Universität Zürich, auf das Verhältnis von Politik, Demokratie und Eschatologie und die Position des christlichen Glaubens in einer weitgehend säkularisierten Welt: Ein dichter und erfüllter Tag, an dem die STH Basel im Zentrum christlichen Denkens der Gegenwart stand.

Die Tagung, die Prof. Dr. Sven Grosse und Prof. Dr. Harald Seubert, beide STH Basel, gemeinsam vorbereitet hatten und die von der Thyssen-Stiftung grosszügig gefördert worden war, wird in einen Band münden, in dem die Positionen im einzelnen nachgelesen werden können und der gewiss weitere Debatten auslösen wird.

Sämtliche Vorträge der Konferenz stehen inzwischen online und können somit nachgehört werden.

Vaughan Roberts: Im Reich Gottes dienen

Das Wochenende mit Vaughan Roberts in München war eine große Ermutigung. Stefan Beyer hat freundlicherweise die Vorträge von Freitagabend und Samstag zusammengefasst. Vielen Dank!

Im Reich Gottes dienen

Vaughan Roberts, Pastor der St Ebbe’s Church Oxford (UK) und Leiter der Predigerschule ‚Proclamation Trust‘, besuchte am 12. und 13. Dezember die Landeshauptstadt München, um in der FeG München-Mitte über das Thema „Gottes Plan – Kein Zufall: Die Bibel im Zusammenhang erklärt“ und am Martin Bucer Seminar München über das Thema „Warum der vollzeitliche Dienst auch heute wichtig ist“, zu sprechen.

IMG 7419 2Der Vortrag „Gottes Plan – Kein Zufall: Die Bibel im Zusammenhang erklärt“, der auf einem gleichnamigen Buch beruht, bot einen eindrücklichen Überblick über den Heilsplan Gottes und wie die Bibel das Thema des Reiches Gottes von der Schöpfung bis zur Erfüllung in der neuen Schöpfung entfaltet. Das Grundmuster dieses Reiches ist Gottes Volk an Gottes Ort unter Gottes Herrschaft mit Gottes Segen. Die Bibel sei ein Buch mit einem Thema, das sich in eine Periode der Verheißung (Altes Testament) und Erfüllung (Neues Testament) gliedere. Zunächst habe das Reich Gottes mit Adam und Eva in einem ungetrübten Zustand der Gemeinschaft mit Gott begonnen. Gott und Mensch, Mann und Frau sowie Mensch und Schöpfung haben in einer perfekten Beziehung zusammengelebt. Der Sündenfall habe diesen paradiesischen Zustand jedoch zerstört, indem er Gott und die Menschen voneinander entfremdete. Dadurch wurde auch die Beziehung zwischen Mann und Frau sowie Mensch und Schöpfung beeinträchtigt. Das Ausmaß der Sünde, die durch Adam in die Welt gekommen war, zeige sich in den folgenden Geschichten des 1. Buch Mose: Kain tötet Abel (Kapitel 4), der Tod breitet sich auf alle aus (Kapitel 5), die Sintflut vernichtet alle Menschen außer Noah, kann aber die Sünde im Menschen nicht ausrotten (Kapitel 6), und die Rebellion gegen Gott gipfelt im Turmbau zu Babel (Kapitel 11), wo der Mensch endgültig Gottes Herrschaft von sich abstoßen will. Das Reich Gottes, das in der Schöpfung noch so gut begonnen hatte, sei hier nun vollends untergegangen. Gott, in seiner unverdienten Gnade und nach seinem ewigen Plan (Epheser 1,3-10), beginnt jedoch mit einer neuen Verheißung des Reiches Gottes an Abraham (1. Mose 12,1-3). Er verheißt ihm ein Volk, an einem Ort, unter Gottes Herrschaft und mit Gottes Segen. Paulus deutet diese Verheißung auf Christus (Galater 3,16). Dieses verheißene Reich Gottes wird in den folgenden Büchern des Alten Testaments nun partiell verwirklicht. Es entsteht ein Volk Gottes, die Nachkommen Abrahams, die Gott aus Ägypten befreit und in das verheißene Land führt. An seinem Ort sollen sie unter seiner Herrschaft leben und er verheißt ihnen seinen Segen, wenn sie ihm gehorsam bleiben. Das Buch der Richter beschreibt aber einen fortwährenden Zyklus des Ungehorsams von Seiten der Israeliten. Weil sie nicht unter der Herrschaft Gottes leben wollen, läßt er sie unter die Herrschaft anderer Völker kommen. Er sendet ihnen immer wieder Richter, die sie aus ihrer Notlage befreien, aber es entsteht nie eine dauerhafte Erfüllung des Reiches Gottes. Dafür wächst bei den Israeliten die Hoffnung, daß ein König nach dem Maßstab der anderen Völker endlich das Volk unter Gottes Segen stellen könnte. Gott schenkt ihnen den König David, einen Mann nach seinem Herzen, doch zugleich verheißt er einen ewigen König, der auf eine einzigartige Weise der Sohn Gottes sein werde (2. Samuel 7,11b-16). Nachdem sich das Volk Gottes auch unter der Herrschaft ihrer Könige von Gott abwendet, entwickeln die Propheten, die der Herr zum Volk Israel sendet, eine Hoffnung auf einen neuen Exodus, einen neuen David, einen neuen Bund, einen neuen Tempel und eine neue Schöpfung. Sie reden prophetisch von einem neuen Reich Gottes, wo endlich das Volk Gottes wieder am Ort Gottes und unter seiner Herrschaft und Segen leben würde. Diese Hoffnung erfüllt sich mit dem Kommen des Retterkönigs Jesus Christus. Das Neue Testament mache deutlich, daß Jesus die Erfüllung der alttestamentlichen Hoffnung ist (Matthäus 13,16-17; 2. Korinther 1,20; Johannes 5:39). Die Evangelien beginnen mit einer direkten Verbindung zum Alten Testament (Matthäus 1,1; Markus 1,1-4; Lukas 1,67-79). Jesus erfüllt die alttestamentlichen Verheißungen über das Reich Gottes. Er war das Volk Gottes (der wahre Sohn Gottes, der wahre Weinstock, der wahre Adam). Er war Gottes Ort (Johannes 1,14) und er war Gottes Herrschaft und Segen (Johannes 8,29). Er starb, damit die Verheißungen auch in anderen Menschen erfüllt werden können (Lukas 24,25-27). Nach seiner Auferstehung wird das gekommene Reich Gottes verkündigt, welches bei seiner Wiederkunft vollendet wird. Das Buch der Offenbarung (Kapitel 21,22) verheißt eine neue Schöpfung, in der zuletzt alle Verheißungen der Bibel über das Reich Gottes erfüllt werden. Endlich wird das Volk Gottes für immer an Gottes Ort unter Gottes Herrschaft leben. Diese Hoffnung kann uns erfüllen und Kraft geben, auch in unserem Leben das Reich Gottes zu verkündigen.

IMG 7418Am Seminartag über die Wichtigkeit des vollzeitigen Dienstes sprach Vaughan Roberts über die Priorität des Wortes Gottes, den Bedarf an vollzeitig dienenden Christen und die Frage, wie man herausfinden kann, ob man selbst zum Vollzeitdienst berufen ist. Obwohl Jesus viele Wunder tat, war er doch zuerst dazu gekommen, das Wort Gottes zu verkündigen (Markus 1,38). Im Gleichnis der vier Böden betont Jesus, daß die Verkündigung des Wortes die Hauptaufgabe seiner Diener sei (Markus 4,1-20). Das Reich Gottes breitet sich aus, wenn das Wort Gottes verkündigt wird. Jesus wollte die Welt erreichen, indem er das Wort Gottes verkündigte. Dennoch bringt nicht jeder Same des Wortes Frucht, denn der Teufel, die Welt, Sorgen, Verfolgung und die sündige Natur des Menschen können das Wachstum behindern. Das Wort Gottes selber habe die Absicht, die gemischte Reaktion der vier Böden hervorzurufen. Es wird Sinn und Bedeutung an manche vermitteln, für andere aber ein Geheimnis bleiben (Markus 4,10-12). Am Ende wird es aber reichen Ertrag in denen bringen, die es hören und mit einem bereitwilligen Herzen aufnehmen. Die Bibel ist dieses Wort Gottes, welches verkündigt werden soll, und sie wird von Jesus bestätigt (Matthäus 5,17-19; 19,4-6) und beansprucht dies auch für sich selber (2. Timotheus 3,16; 2. Petrus 3,15-16). Die Bibel ist auch das aktuelle, zeitgenössische Wort Gottes, denn in ihr hören wir die Stimme Christi (Hebräer 2,12-13) und des Heiligen Geistes (Hebräer 3,7-8). Zunächst seien natürlich alle Christen dazu berufen, das Wort sowohl in der Welt (Matthäus 28,19; 1. Petrus 3,15) als auch in der Gemeinde  zu verkündigen (Kolosser 3,16; Hebräer 10,24-25). Das Neue Testament mache aber schon früh deutlich, daß Gott in der Gemeinde einige Menschen zu vollzeitigen Evangelisten und Hirten-Lehrer beruft (Epheser 4,11-16). Für diese Menschen sei es auch richtig, für den Dienst am Wort und am Gebet freigestellt zu werden (Apostelgeschichte 6,1-7). Sie sollten die vielen guten Dienste in der Gemeinde an andere berufene Menschen übertragen, um sich dem besten Dienst der Wortverkündigung zu widmen. Die Diener am Wort werden sowohl von Gott (Apostelgeschichte 20,28; Epheser 4,11) als auch von der Gemeinde eingesetzt (Apostelgeschichte 14,23; Titus 1,5). Dabei sollten Eigenschaften der Demut und Gottesfurcht (Titus 1,6; 2,6-7), fundierten Kenntnis des Evangeliums (Titus 1,9), Gaben des Lehrens (1. Timotheus 3,2) und Führens (1. Timotheus 3,4-5) sowie Mut und Standhaftigkeit beachtet werden (2.Timotheus 2,3; 1. Timotheus 3,6).

Der Vortrag über den roten Faden des Reiches Gottes in der Bibel und die Vorlesung über die Wichtigkeit des vollzeitlichen Dienstes haben Mut gemacht, sich neu mit dem Schatz, den die Gemeinde in der Bibel hat, zu beschäftigen und ihn treu zu verkündigen. Wenn es richtig ist, was Ron Kubsch gesagt hat, daß nämlich die Wortverkündigung heutzutage in einer Krise steckt, weil nicht mehr klar ist, was das Evangeliums ist, es an guten Ausbildungsmöglichkeiten fehlt sowie an hingegebenen Botschaftern und Fördern, dann hat dieses Wochenende dazu beigetragen, dieser Krise zu begegnen und einen Ausweg zu zeigen. Die Gemeinde Gottes ist aufgerufen, Menschen dabei zu unterstützen, in einem vollzeitlichen, christlichen Dienst den unausforschlichen Reichtum des Christus in der Welt zu verkündigen.

Stefan Beyer

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Hier die Mittschnitte der Vorträge vom Samstag (übersetzt hat freundlicherweise Alex Reindl; an dieser Stelle vielen Dank an alle Österreicher!):

Teil 1: Gleichnis vom Sämann:

 

Teil 2: Fundamente des Dienstes am Wort Gottes:

 

Teil 3: Woher weiß ich, dass ich zum Dienst im Reich Gottes berufen bin?:

 

Teil 4: Fragen & Antworten:

 

Die Marke Heidegger

Eggert stellt in einem ZEIT-Artikel die These auf, dass die Familie des Philosophen jahrzehntelang versuchte, dass Image des Denkers zu kontrollieren und kritische Stimmen klein zu halten.

Als Anfang des Jahres Martin Heideggers Schwarze Hefte veröffentlicht wurden, war das Entsetzen in der Öffentlichkeit groß. In seinen geheimen Notizbüchern legte der Philosoph eine Judenfeindschaft an den Tag, die selbst seine Kritiker kaum für möglich gehalten hätten. Heidegger sprach vom Krieg des „Weltjudentums”, und noch nach 1945 beklagte er eine jüdische „Rachsucht”, deren Ziel es sei, die „Deutschen geistig und geschichtlich auszulöschen”. Nicht einmal erwähnt, geschweige denn bedauert werden die Opfer des Holocausts.

Doch warum erfuhr die Öffentlichkeit erst so spät von Heideggers Judenfeindschaft? Und wenn der Antisemitismus seine Philosophie viel tiefer prägte als bisher gedacht: Sollten sich davon nicht Spuren in der Gesamtausgabe finden lassen, die seit 1975 im Verlag Vittorio Klostermann erscheint?

Es gibt Spuren, aber sie wurden von den Erben mit Eifer verwischt. Die Erben üben eine strikte Kontrolle über die Gesamtausgabe aus, sie beanspruchen Deutungshoheit über das Heidegger-Bild in der Öffentlichkeit und versuchen, kritische Stimmen klein zu halten.

Wie diese Kontrolle funktioniert, hat zum Beispiel Peter Trawny erlebt, heute Professor in Wuppertal und Herausgeber der Schwarzen Hefte. 1995 betrauten ihn Professor Friedrich-Wilhelm von Herrmann, letzter Privatassistent Martin Heideggers und „leitender Herausgeber” der Gesamtausgabe, sowie Hermann Heidegger, Sohn Martins und Nachlassverwalter, mit der Herausgabe von Band 69 – der um 1938 geschriebenen Geschichte des Seyns.

Trawny machte eine erschreckende Entdeckung. Er stieß in der Handschrift auf eine Passage, in der Heidegger fragt, „worin die eigentümliche Vorbestimmung der Judenschaft für das planetarische Verbrechertum begründet ist”. Soll der skandalträchtige Satz in die Gesamtausgabe aufgenommen werden? Er habe sehr dafür plädiert, sagt Trawny heute, sich aber damals, als 31-Jähriger ohne sichere akademische Stellung, gegen von Herrmann und Hermann Heidegger nicht durchsetzen können – der Satz wird unterschlagen. Laut Trawny mit der Begründung, dass die Gesamtausgabe eine Ausgabe „letzter Hand” sei, die den „Denkweg” des Meisters als abgeschlossenen Text wie aus einem Guss präsentiere – und keine historisch-kritische Ausgabe, die Änderungen des Autors kenntlich und so die Textgeschichte überprüfbar mache.

Nun fehlt Heideggers Überlegung über die „Vorbestimmung der Judenschaft zum planetarischen Verbrechertum” auch schon in einer Abschrift des Manuskripts, die sein Bruder Fritz später angefertigt hat. Martin Heidegger prüfte die Abschriften des Bruders immer nach, er dürfte die Auslassung mithin gebilligt haben. Hat also der Meister selbst bereits sein Bild retuschiert und gefälscht?

Hier mehr: www.zeit.de.

Gott richtet Grenzen ein

Zur Würde des Menschen gehört auch, dass er ihm gesetzte Grenze akzeptiert. Nachfolgend ein Zitat aus dem sehr empfehlenswerten Buch Als Mensch in Gottes Welt von Lydia Jaeger (Bonn, 2012, S. 68–69):

LydiaJaegerVon Anfang an stellt die Heilige Schrift den Menschen als ein begrenztes Wesen dar, das an einen bestimmten Platz gestellt wurde, den Gott für ihn eingerichtet hat: „Der HERR Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten des Paradieses, um ihn zu bebauen und zu bewahren“ (Genesis 2,15). Zwar ist es nicht so einfach, die geographischen Angaben in diesem grundlegenden Text zu entschlüsseln, dennoch wird deutlich, dass das Paradies ein spezieller Ort ist, den Gott als Aufenthaltsort für den Menschen vorbereitet hat. Somit ist der Mensch von Anfang an lokalisierbar. Dies ist jedoch bei weitem kein störender Nachteil für den Menschen, sondern zeugt von der Zuneigung des Schöpfers zu seinem Geschöpf: Es geht um einen Ort voller Annehmlichkeiten, den der Herr eingerichtet hat. Das Bewohnen dieses Ortes ist somit für den Menschen ein Segen, gleichzeitig aber auch der Platz, an dem er seiner Berufung nachkommen soll. Der Mensch ist berufen, das weiterzuführen, was der Schöpfer an Sorge und Aufwand in die Entstehung des Paradieses investiert hat. Bis zur letzten Vision im Neuen Testament ist das Schicksal des Volkes der Erretteten eng mit einem Ort verknüpft, denn es soll nicht nur die neue Erde bewohnen, sondern speziell das neue Jerusalem (Offenbarung 21,1–22,5). Somit hebt selbst die Ewigkeitsperspektive die räumliche Einordnung des Menschen nicht auf, denn diese gehört zum Schöpfungsakt dazu und ist daher gut – sehr gut sogar. Der Verlust dieses Ortes ist eine der tragischen Folgen des Sündenfalls. Kains Klage vor Gott ist typisch für das Leid des Sünders, der weit weg vom Paradies umherirrt: „Mein Fehler ist zu schwer zu tragen. Siehe du vertreibst mich heute von der Fläche dieses Landes, vor deinem Angesicht muss ich mich  verstecken. Ich werde auf der Erde umherirren wie ein Flüchtiger und wer mich findet, wird mich töten“ (Genesis 4,13–14).

Die Verankerung in Raum und Zeit bedeutet eine Begrenzung für den Menschen. Er befindet sich immer in einem definierten Raumzeitgefüge und kann nicht gleichzeitig überall sein. Hofft man, dieser menschlichen Grundbedingung durch den technischen Fortschritt zu entkommen, unterliegt man einer Selbsttäuschung, denn trotz aller Entwicklungen im Bereich der Medizin und der modernen Kommunikation, hat jeder von uns nur ein Leben zu leben. Wenn wir uns davon loslösen wollen, erliegen wir den verführerischen Worten der Schlange, die bereits den ersten Menschen dazu bringen wollte, Gott gleich sein zu wollen.

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