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Im Wort Gottes baden

Tony Merida schreibt in seinem empfehlenswerten Buch Faithful Preaching (Nashville (Tennessee): B&H Publishing, 2009, S. 10–11):

UnknownMein Mentor, Jim Shaddix, oft die Analogie eines Schwimmbades benutzt, um den Wort-gesättigten Charakter der Auslegungspredigt zu erklären. Er sagte, dass Prediger in der Regel die Bibel in einer von drei Weisen verwenden. Eine Weise besteht darin, dass sie das Wort als Sprungbrett benutzen. Bei diesem Verfahren liest der Prediger den Text, kehrt aber nie zu ihm zurück. Eine weitere Weise ist es, wenn der Prediger das Wort als Gartenmöbel benutzt; er kehrt also gelegentlich wieder zum Text zurück. Bibelauslegende Prediger verwenden das Wort hingegen wie ein Schwimmbecken. Sie nehmen die Zuhörer mit auf ein Bad im biblischen Text.

Auf der elementarsten Ebene ist die Auslegungspredigt eine Form der Predigt, bei der die Zuhörer nach der Predigt mit dem Wort Gottes nass geworden sind. Ihre Bibel bleibt offen, während der Prediger fortfährt, die Bedeutung eines bestimmten Textes oder mehrerer Texte zu erklären und anzuwenden.

Freilich gibt es einige Predigten, die nicht einmal in der Nähe des Schwimmbeckens kommen! Sie haben gar keinen Text. An diesem Punkt sollten die Zuhörer an anderer Stelle nach Wasser suchen.

J. Barclay über „Paul and the Faithfulness of God“

John M.G. Barclay, Lightfoot Professor an der Fakultät für Theologie und Religion der Universität Durham, hat N.T. Wrights Paul and the Faithfulness of God (SPCK, 2013) im Scottish Journal of Theology besprochen:

Wright presents his work as the historical recovery of the original Paul, against a history of misreadings, whether Platonic, Augustinian, medieval, Reformation, Enlightenment, modern or post-modern. All are confidently swatted aside, although none are here studied in depth: in general, reception history is regarded as a ‘recent fashion’ (48). Indeed, the persistent rhetoric of this book is that, to understand Paul, one simply needs to do better history. What is required is ‘sheer history’ (1261, n.731), since exegesis is ‘a branch of history’ (1515). Recognising that his reading might be taken to be Christian, he indicates that ‘the “Christian” view I take, in my tradition at least, is to let the text be the text, rather than make it say what we want’ (1133). That, of course, is a false or at least a highly simplistic way of representing our hermeneutical options. As his own earlier exposition of ‘critical realism’ appeared to acknowledge, there is no possibility of simply ‘letting the text be the text’: all readers start and remain in a location that shapes their reading, otherwise they could make no sense of the text at all. Exegesis has an indispensible historical responsibility, but the synthetic literary and ideological work that goes into making sense of Paul is by no means merely a historical task. Wright is quick to tell us what has led others astray and diagnoses theological (or anti-theological) prejudice with freedom. What he fails to tell us is where he is reading from, and for what goal. This lack of hermeneutical self-reflection (or at least, self-disclosure) may arise from the fact that Wright’s own theology is tacitly in agreement with (his reconstruction of) Paul’s; at least no critical gap emerges in the course of this exposition. But by presenting himself ‚as a historian and an exegete’ who ‘must stick to the text and try to understand what it actually says, and not what I would like it to say’ (1133) he has masked his own agency as a reader whose work of ‘understanding’ and connecting these complex texts inevitably (and properly) brings his own interests and conceptual tools to bear on their interpretation.

My tone may seem unduly negative. There are many valuable passages in this book, and its energy, breadth, confidence and ambition are on a scale commensurate with its size. In the history of the discipline few scholars have attempted such an original yet comprehensive construal of Pauline theology, and in the modern era perhaps only Schweitzer could match the liveliness of Wright’s mind. But I doubt that many Pauline scholars will accept the large synthetic schema that Wright presents, for all its attractions, while the stimulus offered by this book will be lessened, and perhaps cancelled, by it’s persistently shrill and overheated rhetoric.

Mehr hier: 14230.pdf.

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Supplementa Calviniana

Rob Bradshaw hat einen schwer zugänglichen Vortrag zur Reihe Supplementa Calviniana online gestellt:

  • SUPPLEMENTA CALVINIANA: AN ACCOUNT OF THE MANUSCRIPTS OF CALVIN’S SERMONS NOW IN COURSE OF PREPARATION by The Rev. T. H. L. PARKER, M.A., D.D. Vicar of Oakington, Cambridge, 1962

Hier: calviniana_parker.pdf.

Ein Leben zur Ehre Gottes

UnknownAls ich vor einigen Tagen Zürich besuchte, wurde ich wie verabredet von einem sportlichen, freundlichen, jungen Mann am Hauptbahnhof abgeholt, Hanniel Strebel. Hanniel kaufte mir ein Bahnticket und nahm mich mit zu ihm nach Hause, wo seine liebe Frau und die fünf Buben auf uns warteten. Wir haben an jenem Abend nicht nur gut gegessen, sondern allerlei Themen angesprochen. Auch Hanniels „Moment der Wahrheit“ gehörte dazu. Es ist noch nicht lange her, da wurde ihm von seinem Arzt eröffnet, dass er eine schwere und ausgesprochen seltene Herzerkrankung hat.

Hanniels Leben konnte durch eine Operation gerettet werden. Nachdem er die Eingriffe beschrieben und erläutert hatte, dass kein Arzt zuverlässig sagen könne, wie es weitergehe, erklärte Hanniel (ich zitiere aus dem Gedächtnis): „Ich weiß nicht, wie lange ich zu leben habe. Aber eins weiß ich: Die Zeit, die mir zur Verfügung steht, will ich Gott dienen und das tun, was in seinen Augen wichtig ist.“

Was ist heute in Gottes Augen wichtig? Allgemein die Treue im Kleinen, die Verkündigung des Evangeliums und die Revitalisierung oder Neugründung von Kirchengemeinden, alles Anliegen, die auch Hanniel „auf dem Herzen“ liegen. Konkret hat Gott zudem die Gaben im Blick, die er einem Menschen gegeben hat. Es ist nicht überraschend, dass sich Hanniel nach der OP und einer kurzen Erholungsphase der Verteidigung seiner Promotion und gemeinsam mit Jochen Klautke und Lars Reeh einem Buchprojekt angenommen hat.

Der Sammelband Ein Leben zur Ehre Gottes liegt inzwischen vor. In den letzten Tagen konnte ich das Buch lesen. Es enthält 10 Kapitel, die von verschiedenen Autoren verantwortet werden. Behandelt werden Themen, die jungen Christen auf den Nägeln brennen: „Der Christ und die Ehe“ (Ludwig und Katharina Rühle), „Der Christ und Pornographie“ (Benjamin Tom), „Der Christ und das Gesetz“ (Simon Schuster), „Der Christ und der Wille Gottes“ (Jochen Klautke), „Der Christ und die Arbeit“ (Rudolf Tissen), „Der Christ und die Bildung“ (Hanniel Strebel), „Der Christ und die Apologetik“ (Lars Reeh), „Der Christ und der Islam“ (Mario Tafferner) und „Der Christ und die Gemeinde“ (Johannes Müller). Die Ausführungen werden in jedem Kapitel durch Fragen zum Weiterdenken und Buchhinweise ergänzt.

Ich kann das Buch vorbehaltlos empfehlen. Obwohl der Schwerpunkt angenehmerweise nicht auf Unterhaltung, sondern auf gesunder Lehre liegt, sind die Beiträge flüssig und verständlich geschrieben. Das Buch, das in der Josia-Edition des 3L Verlags erschienen ist, schlägt allerlei Brücken zur Praxis und macht jungen Menschen Mut, ihr Leben in den Dienst ihres HERRN Jesus Christus zu stellen. Möge es eine große Verbreitung finden und junge Leute dazu anstiften, ganz für Gott zu leben. Mit oder ohne „Wahrheitsmoment“. Tun wir, was in SEINEN Augen wichtig ist!

Leseprobe: 863.066.pdf.

Lernprogramme für Kleinkinder?

Tablets und Handys in Kinderhand sind allgegenwärtig. Schon Kleinkinder dürfen sich an Lernprogrammen versuchen. Doch der Nutzen scheint in keinem Verhältnis zu den negativen Auswirkungen zu stehen, klagen amerikanische Forscher.

Monika Ganster schreibt für die FAZ:

Smartphones und Tablets sind aus unserem Erwachsenenalltag nicht mehr wegzudenken. Und sind damit auch für Kinder leicht verfügbar. In Deutschland hat bereits jedes vierte Kind zwischen sechs und 13 Jahren ein Smartphone. Aber auch noch Jüngere dürfen mal auf dem Tablet der Eltern ein Spiel ausprobieren oder sich mit einem Lernprogramm beschäftigen. So alltäglich Tablets und Co bereits sind – die Wirkung, die interaktive Geräte auf Kleinkinder haben, ist bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden. Forscher der Universität Boston haben nun eine Reihe von Fragen aufgeworfen, die die Nebenwirkungen von Apps und Lernprogrammen auf die Jüngsten betreffen.

Hier geht es weiter: www.faz.net.

Das schickliche Andachtsbuch

Es war gut gemeint, als ich meiner Frau zu Weihnachten ein Andachtsbuch zur laufenden Bibellese schenkte. Fast ist es Tradition. Schon unterschiedlichste Ausgaben haben wir geprobt. Unterm Strich war meine Frau allerdings oft enttäuscht, so dass wir immer noch auf der Suche sind.

Beim letzten Weihnachtsfest habe ich ein Buch verschenkt, dass in Zusammenarbeit mit der Herrenhuter Brüdergemeine herausgegeben wird und auf die Losungs- und Lehrtexte abgestimmt ist. Abermals eine Enttäuschung. Vor einigen Tagen war der Andachtstext so sinnentstellend, dass mir meine Frau das Buch in die Hand gedrückt hat: „Hier, das kannst du wieder haben!“

Es geht in der Andacht um die Auslegung des Verses: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3,17). Herangezogen wird ein Kinderbuch von Astrit Lindgren, nämlich Karlsson vom Dach. Karlsson sei beneidenswert, da er von sich eingenommen und „so völlig frei und unabhängig“ von „der Meinung und vom Urteil der anderen“ sei. Die Kinderbücher von Astrid Lindgren, das wird so sein, „atmen alle diese große innere Freiheit.“ Wenn wir solche Bücher lesen, gewinnt das „unendlich wichtige Gefühl Raum“, dass ich „kleiner Mensch gut bin, so wie ich bin“. Das macht mich stark und frei gegenüber allen, „die meinen, mich beurteilen zu dürfen, und deren Urteil mich schwach und abhängig macht.“ Wo Kinder und Erwachsene sich geliebt fühlen, von Menschen und von Gott, da entsteht die „Atmosphäre der Freiheit aus Gottes Geist, in der Menschen aufblühen können, frei werden vom Urteil der anderen und frei, ihren Weg zu gehen.“

Nun mag Vers 17 im Detail schwer zu verstehen sein (Abschnitt (a) heißt wörtlich: „Aber der HERR ist der Geist“). Sicher ist, dass Paulus nicht einer selbstgefälligen Lebenseinstellung oder einer Psychologie der Selbstannahme das Wort redet. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Dem Apostel geht es überhaupt nicht um ein stärkeres Selbstvertrauen oder um mehr Selbstbestimmung, sondern um das Christusvertrauen (V. 13, 4). Wenn schon der Gottesdienst des Buchstabens im Alten Testament wunderbar war, wie viel mehr herrlich ist dann der Dienst im Geist? Die Freiheit, um die es geht, ist nicht die Freiheit, zu tun oder zu lassen, was man für richtig hält, sondern die Freiheit, die durch das Erlösungswerk von Jesus Christus in unser Leben tritt. Diese Freiheit, die nicht aus meinem Innern kommt, sondern aus dem Geist, nimmt die Decke von meinen Augen fort und befähigt mich zu einer Lebendigkeit, die allein Gott schenkt und gefällt. Nicht wo mein Geist ist, ist Freiheit, sondern Freiheit ist dort, wo der Geist des HERRN ist.

Nun aber zu meinem Anliegen: Welche deutschsprachigen Andachtsbücher (möglichst in Verbindung mit einer Bibellese) könnt Ihr empfehlen? In zehn Monaten will ich das passende Buch auf den Tisch legen.

„Night Will Fall“

Im Frühjahr 1945 entdecken die Alliierten das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Aus dem Entsetzen über die dort gesehenen Grausamkeiten entsteht das Verlangen, diese filmisch zu dokumentieren. Renommierte Regisseure wie Alfred Hitchcock und Billy Wilder werden beauftragt, aus dem Rohmaterial Dokumente für die Aufklärung der Bevölkerung entstehen zu lassen.

Unter dem Eindruck des beginnenden Kalten Krieges scheint es plötzlich nicht mehr ratsam, die westdeutsche Bevölkerung nachhaltig mit ihren Verfehlungen zu konfrontieren. Der Film landet unvollendet in den Archiven, eine Filmrolle gilt sogar als verschollen. Nach jahrelangen Recherchen und neu aufgetauchtem Material ist es dem „Imperial War“-Museum nun gelungen, den Hitchcock-Film zu rekonstruieren. Er wurde im Rahmen der Berlinale 2014 erstmals öffentlich in Deutschland aufgeführt.

Der Dokumentarfilm „Night Will Fall“ zeigt die Wiederherstellung des Films und liefert bisher ungesehene Bilder aus den befreiten Konzentrationslagern. Ich habe die Dokumentation, die heute (also am 26.01.2015) um 23.30 Uhr bei der ARD ausgestrahlt wird, bereits gesehen. Mir stockte mehrfach der Atem. Was man dort gezeigt bekommt, ist unvorstellbar abgründig. Obwohl die Bilder und Zeugenberichte fast nicht zu ertragen sind, will ich diesen Blick in das finsterste Kapitel deutscher Geschichte empfehlen.

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