Theologie

Gerhard Maier (1937–2026)

Der ehemalige württembergische Landesbischof Prof. Gerhard Maier (Tübingen) ist am 4. April 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben. Er leitete die Evangelische Landeskirche in Württemberg von 2001 bis 2005, prägte den württembergischen Pietismus maßgeblich und galt als profilierter Vertreter einer an der Bibel orientierten Theologie.  

IDEA schreibt

International bekannt wurde Maier durch seine Veröffentlichungen, besonders durch das 1974 erschienene Buch „Das Ende der historisch-kritischen Methode“. Darin stellte er eine der Grundlagen moderner Theologie infrage. Maier betonte, dass die Anerkennung der Souveränität Gottes eine wesentliche Voraussetzung angemessener Bibelauslegung sei.

Mit der Bibelkritik habe die evangelische Theologie einen „verheerenden Fehlweg“ eingeschlagen, weil sie die Bibel nicht mehr als „das wahre Wort des lebendigen Gottes“ anerkenne. Die Heilige Schrift sei zuverlässig, da sich die historischen Angaben im Alten und Neuen Testament überprüfen ließen.

Maier gehörte zum Netzwerk Bibel und Bekenntnis um Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel) und unterzeichnete die „Salzburger Erklärung“ der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften von 2015. Sie wendet sich unter anderem gegen die Propagierung der Abtreibung als „Menschenrecht“, gegen aktive Sterbehilfe und Genderismus.

Auch als Ruheständler wirkte Maier bei Glaubenskonferenzen, Evangelisationen und Bibelabenden mit und warb für einen missionarischen, an der Bibel orientierten Gemeindeaufbau. „Mein wichtigstes Ziel im Leben war, Menschen für Jesus zu gewinnen“, sagte Maier der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Nachdem ich Anfang der 1980er-Jahre zum Glauben an Jesus Christus gefunden hatte, war die Glaubwürdigkeit der Bibel eines meiner großen Anfechtungsthemen. Ich bin noch heute dankbar, dass mir Freunde, die in Tübingen studierten, damals die Arbeiten von Gerhard Maier empfohlen haben. Im Gedenken an den Bibellehrer, Bischof und Exegeten zitiere ich nachfolgend einige Absätze aus seinem Nachwort zu Das Ende der historisch-kritischen Methode, das anlässlich der 5. Auflage im Jahr 1984 erschien (#ad, 1984, S. 99, 100–101 u. 103–104):

Jeder Vorschlag einer neuen Hermeneutik sieht sich der Behauptung gegenüber, daß allein die historisch-kritische Methode wissenschaftlich vertretbar sei. Man kann z. B. explizit lesen, daß nur die historisch-kritische Arbeit „die wissenschaftlich verantwortete Auslegung“ darstelle. Selbst O. Betz will „Auf die augenblicklich angewandten wissenschaftlichen Methoden der Exegese . .. keineswegs verzichten“ und befürchtet, daß bei mir „die Exegese durch eine überängstliche Kritik in ein dunkles, unwissenschaftliches Ghetto abgedrängt zu werden“ droht. M. E. ist das Gegenteil der Fall. Die hypertrophe Kritik hat den wissenschaftlichen Ruf der Theologie nicht weniger gefährdet als die zugegebenermaßen ebenfalls vorhandenen Fehlleistungen des Biblizismus. Ich kann nicht sehen, daß die „grammatico-historische Methode“ Marshalls oder Packers oder die induktiv-positivistische Methode Schlatters weniger leistungsfähig wären als die hierzulande übliche(n) historisch-kritische(n) Methode(n). Es ist dringend nötig, den Alleinvertretungsanspruch, wonach nur die im Zuge der Aufklärung entwickelte und in der Zeit der Nachaufklärung beibehaltene „historisch-kritische Methode(n)“ wissenschaftlich wäre, aufzugeben.

Offen ist immer noch die Frage nach einer „Kerntradition“. Diese Frage hängt eng mit der anderen Frage zusammen, wo uns eine regierende und normierende „Mitte der Schrift“ unzweideutig erkennbar wird. Noch immer begegnen wir der Meinung, man müsse in der Schrift „das . . . entdecken, was .Christum treibt’ und was sie so zum verbindlichen Wort Gottes macht“. Folgerichtig ergibt sich dann der Satz, daß die heilige Schrift nicht mit dem „Wort Gottes“ identisch sei, sondern es bloß enthalte.64 Exegetisch versucht man, „die authentische Jesusverkündigung, das Kerygma der Urgemeinde, Paulus und Johannes“ als inhaltliche Füllung des „Was Christum treibet“ und damit als „Kerntradition“ aufzuweisen. Wird man auch zugeben müssen, daß kein Theologe ohne einen faktischen „Kanon im Kanon“ auskommt, daß er demgemäß von jeweils persönlich bestimmten „Kerntraditionen“ ausgeht, und daß uns Jesus Christus in Person als die Anakephalaiosis der Heilsgeschichte und des Wortes Gottes dargestellt wird (vgl. Eph 1,10 und Gal 4,4 f; 2 Kor 1,20), so sind doch die Denkschemata einer sachlich bestimmten Mitte der Schrift, eines „Kanons im Kanon“ oder einer „Kerntradition“ der Bibel fremd. 

Der entscheidende Punkt aber ist die Frage: Dürfen wir Sachkritik an der Bibel treiben? Sachkritik bedeutet: einer philologisch klaren Aussage der Schrift zu widersprechen. Würde die Sachkritik aufgegeben, dann wäre die historisch-kritische Methode tatsächlich am Ende. Auch diejenigen Forscher, die den Evangelikalen am weitesten entgegenkommen, sehen sich außerstande, auf die Sachkritik an der Bibel zu verzichten. Stuhlmacher hat recht, wenn er das charakteristische Merkmal der „historisch-biblischen“ Methode darin erblickt, „daß die Bibel keiner prinzipiellen oder inhaltlichen Kritik mehr unterworfen, vielmehr als Offenbarungsquelle anerkannt wird, die über alle menschliche Kritik erhaben ist“. Aber ihm ist zu widersprechen, wenn er mit großer Schärfe gleichzeitig daran festhält, daß die christliche Soteriologie „eine sachkritische Durchführung“ benötigt und für ihn eine „innerbiblische Sachkritik“ unumgänglich ist.81 Sogar Betz verteidigt die Sachkritik an der Bibel mit dem fragwürdigen Argument, Jesus selber habe z. B. in Mk 7,17 ff; 10,4 ff Sachkritik geübt.

 

Spurgeon: Jesus allein

Charles Haddon Spurgeon schreibt in Die Tür ist offen (#ad, 2022, S. 13–14):

Es kann gar nicht oft und deutlich genug gesagt werden, dass die einzige Hoffnung auf Errettung in dem Herrn Jesus Christus liegt. Jesus genügt, um von der Schuld und der Macht der Sünde zu erretten. Sein Name wird Jesus genannt, „denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden“. „Der Sohn des Menschen hat Vollmacht, auf der Erde Sünden zu vergeben.« Er ist erhöht, „Buße und Vergebung der Sünden zu geben“. Es hat Gott gefallen, einen Heilsplan zu entwerfen, der sich ganz und gar in Seinem eingeborenen Sohn erfüllen sollte. Jesus wurde um unseres Heils willen Mensch, Er wurde „gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“. Wäre eine andere Weise der Befreiung möglich gewesen, so hätte Gottes eigener Sohn nicht sterben müssen, um uns zu erretten. Die unendliche Gnade ersann das große Opfer; die unendliche Liebe unterwarf sich um unseretwillen dem Tod. Wie können wir meinen, dass es einen anderen Weg geben könne als den, den Gott mit solchen Kosten vorbereitet und uns in der Heiligen Schrift so einfach und so dringend dargestellt hat? „Es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen“ – das ist ganz gewiss wahr.

Anzunehmen, dass Jesus die Menschen nur unvollkommen errettet hätte und dass von unserer Seite noch irgendein Werk oder Gefühl nötig wäre, um Sein Werk zu vollenden, ist verwerflich. Was könnten wir denn auch Seinem Blut und Seiner Gerechtigkeit hinzufügen?

„All unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.“ Selbst wenn wir irgendwelche Gerechtigkeiten hätten, auf die wir stolz sein könnten, wenn unsere Feigenblätter noch so groß und breit wären, so wäre es doch weiser, sie abzulegen und jene Gerechtigkeit anzunehmen, die Gott viel wohlgefälliger sein muss als unsere eigene. Ich, der ich diese Zeilen schreibe, möchte damit frei bekennen, dass kein Faden an mir gut ist. Ich könnte nicht einmal einen Lumpen daraus machen, nicht ein Lumpenstück. Ich bin vollständig entblößt. Aber wenn ich das schönste Gewand von guten Werken hätte, das ich mir im Stolz nur vorstellen kann, so würde ich es zerreißen und nichts anziehen als die »Kleider des Heils«, die mir von Jesus aufgrund Seiner eigenen Verdienste umsonst gegeben werden.

Es verherrlicht unseren Herrn Jesus am meisten, wenn wir alles Gute von Ihm allein erhoffen. Dadurch ehren wir Ihn, wie Er geachtet zu werden verdient. Denn da Er Gott ist und niemand außer Ihm, können wir nichts anderes tun, als auf Ihn zu blicken, um errettet zu werden. Er erwartet von uns, dass wir so zu Ihm kommen, denn Er lädt alle, die mühselig und beladen sind, zu sich ein, damit Er ihnen Ruhe geben kann.

Das Kind, das in Feuergefahr ist, klammert sich an den Feuerwehrmann, der es auf dem Arm trägt, und vertraut ihm allein. Es fragt nicht nach seiner körperlichen Kraft oder nach der Aufrichtigkeit seiner Absicht, zu retten, sondern es hängt sich an ihn. Die Hitze ist furchtbar, der Rauch erstickend, aber der Retter trägt es schnell in Sicherheit. Hänge dich mit demselben kindlichen Vertrauen an Jesus, der dich aus den Flammen der Sünde heraustragen kann und will!

Der Gerechte wird verfolgt

Es mag seltsam erscheinen, über Mordabsichten gegen Jesus nachzudenken, aber es lohnt sich. Unser Herr sagte, dass seine Knechte nicht größer sein werden als er und bezog sich dabei ausdrücklich auf die Verfolgung, die er und entsprechend auch seine Nachfolger erdulden mussten (vgl. Joh 15,20). Nun müssen wir zwischen Verfolgung unterscheiden, die ein Knecht Jesu „um der Gerechtigkeit willen“ (Mt 5,10) erleidet, und anderen Gründen, die zu Bedrängnis führen. Um jedoch besser zu verstehen, was es bedeutet, um der Gerechtigkeit willen verfolgt zu werden, können wir auf Jesus als unseren Herrn und unser Vorbild schauen.

Heindrikje Kuhs hat sich die Mühe gemacht, die einschlägigen Texte genauer zu untersuchen, und kommt zu dem Schluss, dass sich Jesus aus Liebe zu uns und im Gehorsam gegen seinen Vater in die Hände seiner Feinde begeben hat.

Wie viel Feindschaft Jesus erlitt, zeigen schon die ersten Kapitel des Neuen Testaments. Als die Weisen aus dem Morgenland nach Jerusalem kamen, um den neugeborenen König der Juden anzubeten, sorgte dies für Beunruhigung in der Stadt und besonders im Palast des Herodes. Dieser schmiedete einen teuflischen Plan, doch der allwissende Gott deckte ihn auf, sodass die Weisen den Aufenthaltsort der jungen Familie nicht verrieten. Josef erhielt die Anweisung, nach Ägypten zu fliehen, „denn Herodes will das Kind suchen, um es umzubringen“ (Mt 2,13). Hier finden wir das erste Mal die Absicht eines Feindes, Jesus umzubringen – und das, bevor er irgendetwas gemacht hat als geboren zu sein. Als Herodes das Kind nicht fand, ließ er alle männlichen Babys in der Umgegend von Bethlehem töten. Diese schreckliche Geschichte zeigt, wie gefallen die Welt ist, in die der Sohn Gottes geboren wurde. „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11).

Die nächste Mordabsicht findet sich zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. In seiner Heimatstadt Nazareth las er in der Synagoge einen Abschnitt aus Jesaja: „Der Geist des Herrn ist auf mir…“ (Lk 4,18). In die gespannte Stille sprach er: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“ (Lk 4,21). Das war scheinbar nicht das, was die Synagogenbesucher hören wollten. Sie wollten und konnten nicht glauben, dass dieser junge Mann, den sie so gut zu kennen meinten, der Gesalbte und Gesandte Gottes sein sollte. Statt die Leute zu beschwichtigen, legte Jesus nach. Er erinnerte daran, dass Israels Propheten ihre Wunder nicht in ihrer Heimat taten, sondern von Gott an entlegene Orte und zu unerwarteten Personen geschickt wurden. Die Leute wollten Wunder und Spektakel sehen, doch Jesus machte klar, dass es diese hier nicht geben wird. Seine Mission war es, die Verlorenen zu suchen und zu retten. Über Jesu Worte waren die Synagogenbesucher so zornig, dass sie ihn zur Stadt hinausstießen und vom Berg hinabstürzen wollten (vgl. Lk 4,28–29).

Wir sind nicht Jesus, also werden wir nicht in die Situation kommen, unserem Heimatdorf zu erklären, dass wir nicht einfach der nette junge Mann aus der Nachbarschaft sind, sondern der Messias. Aber auch wir sollen in unserer Heimat, bei unseren Freunden und Verwandten offen über die göttlichen Dinge reden. Das mag Schwierigkeiten mit sich bringen (auch Jeremia erlebte Verfolgung von Leuten aus seiner Heimat, vgl. Jer 11,21), doch ist dies Leid „um der Gerechtigkeit willen“, worauf die Verheißung der Seligpreisung liegt.

Doch wie tragisch ist die Geschichte der Bewohner von Nazareth! Das Licht der Welt scheint in ihrer Stadt, doch sie verschließen ihre Augen und verwerfen es. Sie „nahmen Anstoß an ihm“ (Mt 13,57), obwohl doch derjenige „glückselig ist, wer nicht Anstoß nimmt an mir“ (Lk 7,23).

Hier mehr: www.evangelium21.net.

Aus der Predigt am Sarge von Jürgen Habermas

Der liberale Theologe Friedrich Wilhelm Graf hielt die Predigt auf der Beerdigung des Philosophen Jürgen Habermas. Dabei stellte er heraus, dass es vernünftige Religion nur insoweit gibt, als sich in den Vorstellungswelten der Religionen rationale Gehalte finden lassen, die die Humanisierung der Menschen befördern. In Schleiermacherscher Tradition ist auch die Idee vom göttlichen Gericht ein solcher Gehalt.

Ich zitiere aus der Predigt (FAZ, 01.04.2026, Nr. 77, S. N3):

Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten erfanden die Frommen ganz unterschiedliche Szenarien. Die einen entwickelten Vorstellungen wie die sogenannte Apokatastasis toon pantoon, die Wiederbringung, Wiederherstellung aller Dinge am Ende der Zeiten, wo alle geschaffenen Wesen, auch die Sünder, mit Gott versöhnt werden – Gottes Liebe könne jeden Widerstand überwinden. Solche Allversöhnungsszenarien standen in harter Konkurrenz zu Vorstellungen vom definitiven Ende aller kosmischen Wirklichkeit in einem universellen Weltenbrand. Auch konkurrierten sie mit dem sogenannten Infernalismus, Erzählungen von der ewigen Verdammnis der Bösen, Gottwidrigen. Dass gerade die Schreckensvisionen vom großen, alles vernichtenden Weltenbrand und die mythische Grundunterscheidung von Himmel und Hölle dazu einluden, immer neue Bilder des dereinst Kommenden zu zeichnen, muss ich nicht erläutern.

Diesen Wildwuchs an fiktionalen Bildern und Phantasmen begrifflich zu ordnen, bereitete den gelehrten Theologen erhebliche Schwierigkeiten. Nirgends wurde so viel gestritten wie im Themenfeld der Eschatologie. Aber die Theologen konnten zumindest relative Ordnung stiften: Dazu dienten ihnen insbesondere die bombastischen Totalitätsbegriffe der alteuropäischen, entscheidend von Aristoteles inspirierten Metaphysik, also Begriffe wie das Ganze, Gottes Vorsehung, Gottes Weltregierung, die Welt überhaupt und sofort.

Daraus resultiert für uns Heutige ein Problem: Immer wieder und mit größter gedanklicher Konsequenz hat Jürgen Habermas darauf insistiert, dass uns seit der Kantischen Revolution der Denkungsart solche metaphysischen Ganzheitsbegriffe nicht mehr (oder nur um den Preis eines epistemologischen Selbstbetrugs) zur Verfügung stehen. Wir können also die alten Mythen der Endzeit nur mit nachmetaphysischen Denkmitteln zu übersetzen versuchen. Das ist nicht leicht, aber man muss es versuchen.

Hier wird das Problem, mit dem die liberale Theologie kämpft, sehr gut herausgestellt. Nach der „Kantischen Revolution“ ist alles anders. Was aber, wenn Kant und die sich ihm anschließende liberale Theologie sich geirrt haben?

Siehe dazu: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft.

Spurgeon: Warum im Dunkeln bleiben?

Charles Haddon Spurgeon schreibt in Die Tür ist offen (#ad, 2022, S. 10–11):

Unsere Erweckung kann dem Werk Christi nichts hinzufügen, sondern sie soll uns zu unserem Retter treiben. Wie abwegig ist es doch, mir einzubilden, dass mein Gefühl der Sünde dazu beitragen kann, sie hinwegzunehmen! Es ist, als wenn ich sagen würde, Wasser könne mein Gesicht nicht reinigen, wenn ich nicht noch länger in den Spiegel sehen und die Schmutzflecken in meinem Gesicht zählen würde. Das Gefühl, dass man die Errettung nötig hat, ist sehr gesund; aber man hat Weisheit nötig, um mit diesem Gefühl richtig umzugehen und nicht einen Götzen daraus zu machen.

Manche Leute scheinen förmlich verliebt in ihre Zweifel, Befürchtungen und Nöte zu sein. Man kann sie nicht davon abbringen. Wenn ein Pferdestall brennt, dann besteht, wie man sagt, die größte Schwierigkeit darin, die Pferde aus ihren Ständen herauszubekommen. Wenn sie nur dem Befehl ihres Besitzers folgten, könnten sie den Flammen entfliehen; aber sie scheinen vor Furcht gelähmt. So hindert die Angst vor dem Feuer ihre Flucht vor dem Feuer. Sollte auch uns die Furcht vor dem zukünftigen Zorn daran hindern, ihm zu entrinnen?

Einer, der lange im Gefängnis gesessen hatte, war nicht bereit, herauszukommen. Die Tür stand offen; aber er bat unter Tränen um die Erlaubnis, an dem Ort bleiben zu dürfen, wo er so lange gewesen war. Das Gefängnis zu lieben! An den eisernen Schlössern und der Gefangenenkost zu hängen! Dieser Gefangene kann ganz gewiss nicht richtig im Kopfe gewesen sein. Doch du, du willst ein Erweckter bleiben und nichts weiter, statt sofort Vergebung zu erlangen? Wenn du in Angst und Furcht verharren willst, dann musst auch du gewiss etwas von Sinnen sein. Wenn Friede zu haben ist, suche ihn ohne Umwege! Warum in der Dunkelheit der Grube bleiben, wenn deine Füße im Schlamm versinken?

Es gibt Licht, wunderbares und himmlisches Licht; warum im Dunkel liegen und in der Angst sterben? Du weißt nicht, wie nah dir das Heil ist. Wenn du es wüsstest, so würdest du sicher die Hand ausstrecken und es nehmen, denn es ist da, und es ist zu haben; du brauchst es nur zu nehmen.

Der Kreuzestod offenbart die Herrlichkeit des Christus

Im Johannesevangelium 13,31–32 lesen wir: 

Da Judas nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Ist Gott verherrlicht in ihm, so wird Gott ihn auch verherrlichen in sich und wird ihn bald verherrlichen. 

Mit der Entlassung des Judas hat die Verwirklichung des Heilsplans also eine weitere entscheidende Phase erreicht. Als Jesus Judas mit den Worten entließ: „Was du tust, das tue bald!“ (Joh 13,27), bekundete er seine entschlossene Bereitschaft, für die Seinen in den Kreuzestod zu gehen. Durch diesen Gehorsam und diese Liebe wurde Jesus als Menschensohn verherrlicht bzw. erhöht.

Jesus hatte dem Volk schon zuvor erklärt, dass der Menschensohn erhöht werden muss (vgl. Joh 12,34). Schließlich muss in Erfüllung gehen, was der Prophet Jesaja angekündigt hatte: „Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein“ (Jes 52,13).

Das heißt: Der Menschensohn wird gerade in dem Augenblick, der für ihn Niederlage, Schande und Unheil zu bedeuten scheint, verherrlicht! Der grausame Tod am Kreuz lässt die Hoheit und Herrlichkeit von Jesus Christus offenbar werden.

Johannes Calvin hat das wunderbar erkannt und kommentierte den V. 32 mit den Worten (Das Evangelium des Johannes, Joh 13,32):

Anstatt die Hoheit Christi in Schatten zu stellen, hat vielmehr der erlittene Kreuzestod seine Hoheit erst ins rechte Lichte gestellt: in vollen Strahlen erglänzt von Golgatha aus seine unfassbar große Liebe für die Menschheit, seine abgrundtiefe, die Sühnung aller Schuld, die Versöhnung des Zornes Gottes bewirkende Gerechtigkeit, seine Heldenkraft, die in der Überwindung des Todes, in der Unterjochung Satans, in der Erschließung der Himmelspforten Wunder verrichtete. Was aber Christus hier von sich sagt, das findet auch auf uns seine Anwendung. Mag die ganze Welt sich verschwören, Schmach und Schande auf uns zu häufen, wenn wir nach wie vor in Lauterkeit und von Herzen der Ehre Gottes zu dienen uns befleißigen, so ist kein Zweifel daran: auch Er wiederum wird uns Ehre zuwenden. Umso tröstlicher wird die Verheißung, die Christus gibt, dadurch, dass er betont, solches werde bald geschehen. Wenn nun auch die Verklärung, von welcher er hier redet, am Ostermorgen begann, so denkt er doch wohl vor allem an die bald danach erfolgende Ausbreitung des Evangeliums von ihm, der für uns starb und auferstand, in aller Welt.

Simone Beck: christliche Märtyrerin im Jahr 2017

In dem von Helmut Moll veröffentlichten Booklet Christliche deutschsprachige Märtyrer (2000–2024), das 2025 im Dominos-Verlag erschienen ist, wird auch die Ermordung von Simone Beck geschildert. Simone ist eine ehemalige Studentin, vgl. dazu die Rezension „Ermodet in Kabul“

Ich zitiere aus dem Booklet (S. 33):

Im Jahre 2003 begann ihr Einsatz in Afghanistan. Ihr Alltag war eine Herausforderung: In Nordafghanistan wurde die Kälte auf 3.000 Metern Höhe zu einer seelischen und körperlichen Belastung. Ihr Tagesablauf war minutiös geplant: Sie stand von Frühling bis Herbst gegen 4.30 Uhr auf und hielt sich durch einen Morgenlauf körperlich fit. Im März 2004 hatte sie einen Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. In Afghanistan sind etwa 30 bis 40 Sprachen geläufig. Die Landessprache war die sog. „Mittel-Sprache“, die sie beherrschen musste, wenn sie die Heilige Schrift in diese Sprache übersetzen wollte. Im Anschluss daran wurde Simone Beck Leiterin der Schule in Kabul.

Von Oktober bis Dezember 2006 nahm sie an einer Weiterbildung für Spracherkundung teil. Ab 2007 war sie Mitglied einer Gruppe, die sich in Faizabad niederließ, um an einem Spracherkundungsprojekt mitzuarbeiten. Gleichzeitig arbeitete sie als Entwicklungshelferin, um den Einwohnern die Schriftsprache beizubringen. Träger dieser Aktivitäten war eine christliche Organisation, um die Botschaft von Jesus Christus zu verkünden. Ein Mitarbeiter befürchtete, das offene Zeugnis für den christlichen Glauben können [sic!] Unfrieden in dem politisch zerrissenen Land fördern.

Ab dem Jahre 2015 pendelte Simone zwischen Deutschland und Kabul hin und her. Sie antwortete auf die Frage, warum sie sich bei dieser schier gefährlichen Lage für Jesus einsetzte, mit dem Bekenntnis:

„Weil Jesus Christus alles in allem ist und weil es sich lohnt, mit ihm zu leben und mit ihm zu sterben – egal wo.“

Am 20. Mai 2017 machten sich die Mitarbeiterinnen Sorgen, weil sie Simone telefonisch nicht erreichten. Als sie beschlossen, zu ihrer Wohnung zu gehen, stand die Eingangstür offen. Simone lag leblos auf dem Boden in ihrem Blut. Sie war von Islamisten brutal ermordet worden. Eine Kollegin, die von den Tätern verschleppt wurde, aber später freikam, bekundete, Simone habe vor ihrem Tod dreimal den Namen Jesus ausgerufen. Sie wurde nur 44 Jahre alt. Nach dem Wort des Evangeliums wurde sie zu einem „Weizenkorn“, das „in die Erde fällt und stirbt“, damit es „reiche Frucht bringt“ (Joh 12,24).

In Großbritannien Abtreibung bis zur Geburt bald straffrei?

Das britische Oberhaus hat den Weg für Spätabtreibungen freigemacht. Die Erzbischöfin von Canterbury stimmte zwar gegen diese Entscheidung, sprach sich jedoch auch gegen eine Strafverfolgung von Frauen aus, die abtreiben. Dies hätte praktisch zur Folge, dass Kinder im neunten Monat straflos getötet werden dürften.

DIE TAGESPOST berichtet:

Das britische Oberhaus hat am gestrigen Mittwochabend über den „Crime and Policing Bill“ debattiert und dabei eine Änderung der „Klausel 208“ mehrheitlich abgelehnt. Die von der Labour-Abgeordneten Tonia Antoniazzi hinzugefügte Klausel fügt dem Strafrechtsreform-Entwurf die Streichung der Bestrafung von Abtreibung hinzu. Tritt die Reform in Kraft, bleibt Abtreibung bis zur Geburt in Großbritannien künftig straffrei. Ebenfalls abgelehnt hat das Oberhaus eine Änderung am Gesetzespaket, die die Wiedereinführung der Beratungspflicht vor Abtreibungen zum Gegenstand hatte. Damit ist die weitgehende Liberalisierung der Abtreibung in Großbritannien ein großes Stück weitergekommen. Nominell wird Abtreibung zwar weiterhin nur bis zur 24. Schwangerschaftswoche erlaubt, doch wird eine spätere Abtreibung nach der Neuregelung nicht mehr bestraft.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Francis Schaeffer: Das Kreuz und wahre Geistlichkeit

Bruce A. Little beschreibt in seinem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), wie Francis Schaeffer geistliches Leben verstand (S. 74–75): 

Schaeffer erklärte: „Wenn wir etwas von der Wirklichkeit des christlichen Lebens, etwas von wahrer Geistlichkeit erfahren wollen, müssen wir ‚täglich unser Kreuz auf uns nehmen‘.“ Jesus sagte: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27). Schaeffer wies darauf hin, dass Jesus „nicht sagt, dass ein Mensch ohne dies nicht gerettet werden kann, sondern dass man nicht zu Christus gehört, im Sinne der Nachfolge.“ Die Vorstellung von unserem Kreuz ist nicht irgendeine Unannehmlichkeit oder Widrigkeit im Leben, vielmehr ist das Kreuz ein Instrument des Todes, wie Schaeffer in Geistliches Leben – was ist das? deutlich machte. Es bedeutet, die eigenen egoistischen Wünsche zu verleugnen und die eigenen Wünsche im Interesse Gottes zu ordnen.

Die Frage, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist keine einfache Angelegenheit; tatsächlich ist es schwer, wie Schaeffer erklärte: „Wir sind von einer Welt umgeben, die zu nichts ‚Nein‘ sagt. Wenn wir von dieser Art von Mentalität umgeben sind, in der alles nach Größe und Erfolg beurteilt wird, dann muss es schwer erscheinen, plötzlich zu erfahren, dass es im christlichen Leben diesen starken negativen Aspekt gibt, zu Dingen und zu sich selbst ‚Nein‘ zu sagen. Und wenn es sich uns nicht schwer anfühlt, lassen wir es nicht wirklich auf uns wirken.“ Es bedeutet, „Nein“ zu den Wegen der Welt und zur Verführung durch die eigenen egoistischen Wünsche zu sagen. Wie bereits erwähnt, sagt die Bibel, dass dies möglich ist, weil wir der Welt gekreuzigt sind und die Welt uns. Dieses Aufnehmen unseres Kreuzes ist jedoch keine einmalige Entscheidung; es ist Teil eines Lebens von Augenblick zu Augenblick in der Realität von Christi Tod und Auferstehung, und es erfordert Opfer und Hingabe. Wie Schaeffer zugab, ist es schwer.

Schaeffer betitelte Kapitel zwei von Geistliches Leben – was ist das? mit „Die Zentralität des Todes“. Dort untersuchte er die Schriftstellen bezüglich der Rolle des Todes für das Verständnis der Botschaft vom Wandeln in der Neuheit des Lebens – der wahren Geistlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem „Wandeln in der Neuheit des Lebens“ lesen wir: „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib, dass ihr seinen Begierden gehorcht“ (Röm 6,12). Es ist schwer, „Nein“ zu den Dingen der Welt zu sagen, die uns anziehen, doch sie führen Krieg gegen die Seele. Das zuvor erwähnte Lied „Moment by Moment“ drückt es so aus: „Mit Jesus sterben, den Tod als meinen annehmen, für Jesus ein neues göttliches Leben leben.“ Die Idee des Kreuzes besteht darin, alles abzulehnen, was den Wunsch untergräbt, für Christus zu leben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14,6). Christen sollen aus der Realität von „Christus in mir“ leben und ihren Anspruch auf ein autonomes Leben aufgeben. Laut Schaeffer muss diese Wahrheit verwirklicht werden, wenn Selbstverleugnung mehr sein soll als bloßer Legalismus. Dies ist der Kern von Schaeffers Lehre über wahre Geistlichkeit.

Wie hat die frühe Kirche getauft?

In der Taufdiskussion kommt man meiner Meinung nach nicht an der „Aland–Jeremias-Kontroverse“ vorbei. Joachim Jeremias hat die frühe Säuglingstaufe differenziert verteidigt. Kurt Aland widersprach und entwickelte eine starke historisch-exegetische Kritik der Säuglingstaufe.

Die wichtigen Publikationen dazu sind:

  • Joachim Jeremias, Hat die älteste Christenheit die Kindertaufe geübt?, Göttingen, 1938.
  • Joachim Jeremias, Die Kindertaufe in den ersten vier Jahrhunderten, Göttingen, 1958.
  • Joachim Jeremias, Nochmals: Die Anfänge der Kindertaufe. Eine Replik auf Kurt Alands Schrift „Die Säuglingstaufe im Neuen Testamen und in der alten Kirche”, München, 1962.
  • Kurt Aland, Die Säuglingstaufe im Neuen Testament und in der alten Kirche. Eine Antwort an Joachim Jeremias, München 1961.
  • Kurt Aland, Die Stellung der Kinder in den frühen christlichen Gemeinden – und ihre Taufe, München 1967.
  • Kurt Aland, Taufe und Kindertaufe. 40 Sätze zu Aussagen des Neuen Testaments, Gütersloh, 1971.

Aus baptistischer Sicht ist noch das Buch Baptist in the New Testament aus dem Jahr 1962 interessant, das später auch in deutscher Sprache herausgegeben wurde als: 

  • Beasley-Murray, George R., Die christliche Taufe: Eine Untersuchung über ihr Verständnis in Geschichte und Gegenwart, Kassel, 1968.

Nicht jeder wird die Zeit haben, viele Bücher zur Frage der Taufpraxis in der frühen Kirche zu lesen. Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, kann man sich einen Blogbeitrag von Wyatt Graham zum Thema anschauen. Der Einstieg jedenfalls klingt spannend:

Kaum eine Lehre trennt die Christen so sehr wie die Lehre von der Taufe. Und doch haben Christen stets betont, dass die Taufe uns zu einem Leib vereint. Wie können wir also diesen unschönen Zustand überwinden? Nun, durch Gottes Gnade, durch viel Gebet, Besinnung und den Heiligen Geist. Als möglichen ersten Schritt in diesem Prozess könnten wir uns auch damit befassen, wie Christen in den ersten zweihundert Jahren des Christentums tauften. Zum größten Teil waren sie sich trotz regionaler Unterschiede über die Bedeutung der Taufe einig.

Vielleicht finden wir in ihnen ein Vorbild dafür, wie man Meinungsverschiedenheiten ausräumen und gleichzeitig in den wesentlichen Punkten vereint bleiben kann. Aber selbst wenn nicht, kann uns diese historische Betrachtung helfen, besser zu verstehen, was Christen unter der Taufe verstanden haben. Das scheint mir an sich schon lohnenswert zu sein.

Im Folgenden skizziere ich daher, wie die frühen Christen die Taufe verstanden und praktiziert haben. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte lediglich aufzeigen, wie einige repräsentative christliche Gemeinschaften in den ersten beiden Jahrhunderten des Christentums die Taufe verstanden und praktiziert haben.

Methodisch habe ich versucht zu erklären, wie Christen in den ersten Jahrhunderten die Taufe mit ihren eigenen Worten beschrieben haben. Die Gläubigen in diesen frühen Jahrhunderten sahen keine Notwendigkeit, die Mechanismen der Taufe übermäßig zu nuancieren oder zu artikulieren. Sie hatten keine jahrhundertelangen Taufdebatten wie wir.

Aus diesem Grund bekräftigen sie die Notwendigkeit der Taufe in biblischer Sprache, unbeeinträchtigt von späteren Debatten. Ich hoffe, dass dieser Artikel den Lesern hilft, sowohl die grundlegende Kontinuität zu erkennen, die wir mit den frühen Christen teilen, als auch wahrzunehmen, wie anders diese Welt ist.

Vor diesem Hintergrund beginnt dieser Artikel kurz mit einer Erörterung der Taufwaschungen vor dem Neuen Testament, bevor er sich mit dem Neuen Testament und auch mit christlichen Schriftstellern bis etwa 250 n.Chr. zum Thema Taufe befasst.

Hier: www.wyattgraham.com.

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