Zitate

Was uns an Hieronymus Bosch fasziniert

In dem Artikel:

  • Andreas Püttmann: „Was uns an Hieronymus Bosch fasziniert“ (FAZ vom 13.08.2016, Nr. 188, S. 1)

habe ich den sehr schönen Satz gefunden:

Unser Empfinden von Modernität entsteht nicht zuletzt durch Unkenntnis des Alten.

Hier der Artikel von Platthaus: www.faz.net.

 

Scham ist Vergangenheit

Joshua Cohen (FAZ vom 30.07.2016, Nr. 176, S. 16):

Manchmal glaube ich, dass Scham eine Empfindung des zwanzigsten Jahrhunderts war, ein Konzept, das heute schon historisch wirkt.

„Wenn du Christus ansiehst“

Martin Luther in seinem Kommentar zu Galater 3,13:

Wenn du diese Person Christus ansiehst, siehst du Sünde, Tod, Zorn Gottes, Hölle, Teufel und alle übel besiegt und zu Tode gebracht. Sofern also Christus durch seine Gnade in den Herzen der Gläubigen regiert, ist da keine Sünde, kein Tod, kein Fluch. Wo aber Christus nicht erkannt wird, bleiben diese furchtbaren Mächte. Darum wissen die, die nicht glauben, nichts von jener Wohltat und von dem Sieg. Johannes sagt: ,,Unser Glaube ist der Sieg“ (1.Joh. 5,4).

„O die Armen, die kein Heilmittel haben“

UrsinusZacharias Ursinus (1534–1583) war ein Theologe von ungeheurem Rang. Er lehrte 15 Jahre lang in Heidelberg und übernahm 1562 an der dortigen Universität Olevians Lehrstuhl für Dogmatik. Besonders bekannt wurde er freilich, weil er den Heidelberger Katechismus maßgeblich ausgearbeitet hat. Vorbereitet wurde er für diese große Aufgabe durch den Austausch mit namhaften Theologen, unter ihnen Melanchthon in Wittenberg, bei dem er studierte, oder auch Bullinger in Zürich und Calvin in Genf. Am gescheiterten Wormser Religionsgespräch von 1557 hat er ebenfalls teilgenommen. Wahrscheinlich hat ihm die Zerstrittenheit der Protestanten dort sehr zu schaffen gemacht.

Gott mutete ihm – wie den meisten großen Theologen – schwere Zeiten zu. Seine Mutter verstarb früh. Als er 21 Jahre alt war, starb auch sein Vater. Er konnte nicht verstehen, dass er sich, geplagt von schwerer Krankheit, wünschte, zu sterben und bei seinem Herrn zu sein. Er hielt die Einstellung seines Vaters für ungeistlich, änderte aber bald seine Meinung. In einem Brief an Johann Crato aus Breslau schrieb er 1553:

Ich wusste damals nicht, was das heißt: „Selig sind, die im Herren sterben“ (Offenb. 14,13). Wenn dies auch in diesem Leben von niemandem recht erkannt werden kann, so will uns Gott dennoch die Anfänge dieser Weisheit lehren. Ich erkenne davon jetzt vielleicht noch nicht viel, aber ich fange an, gewiss etwas davon zu sehen. Wer nämlich das Übel dieses elenden Lebens sieht, könnte er nicht vom Schmerz erdrückt werden oder sofort zu einem Nichts werden, wenn Gott in seiner unendlichen Güte in uns nicht den Trost der Versöhnung, der Gegenwart seines Sohnes in der Kirche und des ewigen Lebens weitergegeben und bekräftigt hätte? O die Armen, die kein Heilmittel haben und sich um keins bemühen, weil sie ihr Elend nicht sehen, in dem sie jetzt stecken und später noch mehr stecken werden!

Ursinus starb nach einem erfüllten Leben und reich gesegnetem Dienst mit 49 Jahren.

„Seht, da ist der Mensch!“ dekonstruiert

Mit „ecce homo“ benennt nach dem Johannesevangelium der römische Statthalter Pontius Pilatus den gefolterten und mit einer Dornenkrone gekrönten Jesus, weil er keinen Grund für dessen Verurteilung sieht (vgl. Joh 19,5, wo „ecce homo“ in Luther 1984 mit „Sehet, welch ein Mensch“ übersetzt wird).

Christian Geyer weist uns als Beobachter des Katholischen Kirchentages darauf hin, dass das „ecco homo“ gern schon mal „zweckentfremdet“ wird. Gemeint ist dann eben nicht mehr der Mensch „Jesus Christus“ im Kontext der Passionsgeschichte, sondern die Lebenswirklichkeit des Menschen in der Gesellschaft. Ein hermeneutischer Schachzug, von dem nicht nur Kardinal Marx beim Leipziger Abschlussgottesdienst Gebrauch gemacht hat. Er ist geradezu symptomatisch für Kirchen, die nicht mehr von Gott her denken, sondern vom Menschen aus und auf den Menschen hin.

Geyer:

Von alldem unberührt legt Reinhard Kardinal Marx beim Leipziger Abschlussgottesdienst das Motto des Katholikentags „Seht, da ist der Mensch!“ in der angesagten inklusiven Lesart aus, nämlich eben gerade nicht im Kontext der Passionsgeschichte als Wort des Pilatus über Jesus Christus (das klassische „Ecce homo!“, wie es in die christliche Tradition und Kunstgeschichte einging), sondern im Sinne der normativen Kraft menschlicher „Lebenswirklichkeit“. Gibt sie nun dem „Ecce homo“ das Maß vor statt umgekehrt? Alles von dieser Lebenswirklichkeit müsse zu seinem Recht kommen, wenn es in die christliche Perspektive gerückt werde (Marx sagt wirklich „Perspektive“, wenn es um die Erlösung geht; Blickwinkel sind allemal inklusionstauglicher als die Bekehrungsaufrufe der alten Schule). Er weiß sich da mit seinem Papst einig, welcher unterstreiche, dass die „Suchbewegung“ Gottes „im Grunde inklusiv“ sei, was bedeute, „möglichst alle in die Perspektive der Hoffnung mitzunehmen“.

Kurzum gehe es darum, und hier schlägt der Kardinal einen nachgerade begehrlichen Ton an, „dass wir als Kirche in Deutschland unseren Weg so gehen, dass wir die Wirklichkeit des Menschen nicht aus dem Blick verlieren“. Statt um „kirchliche Identität“ solle man sich um „den Menschen“, um „die Erde“ sorgen. Aber tun das nicht auch Greenpeace et al.? Der Markenkern der Kirche wird unscharf, wenn sie ihre Marketingstrategen „Ecce homo“ mit „ja zur gesamten Wirklichkeit des Menschen“ übersetzen lässt.

Wie kommt, nebenbei gefragt, die Kirche darauf, dass sie umso attraktiver sei, je mehr „Nähe“ sie nicht nur zum Sünder, sondern neuerdings auch zu seiner Sünde demonstriert? So inklusiv, so schamlos paternalistisch möchte man sich um Himmels willen doch gar nicht verstanden wissen.

Sehr lesenswert: www.faz.net.

VD: JH

Boualem Sansal warnt Europa vor islamischer Diktatur

In seinem Roman 2084. Das Ende der Welt zeichnet der Algerier Boualem Sansal ein sehr düsteres Szenario für Europa. Nach dem Vorbild von Orwells 1984 beschreibt er eine Glaubensdiktatur durch den radikalen Islam, der die Menschen im Westen nichts mehr entgegenzusetzen haben. Denn: „Die Islamisten kämpfen sehr mutig für das, woran sie glauben. Allein das muss man ihnen zugutehalten. Was uns betrifft, muss ich leider sagen: Es gibt nichts, was uns antreibt. Für das Wort Freiheit wären wir früher ans andere Ende der Welt gegangen. Heute ist es hohl.“

Eigentlich wollte Sansal – wie Orwell –  eine aufmunternde Erzählung in den Roman einflechten. Doch:

Aber in dieser Welt des Islamismus wäre die Liebe unglaubwürdig gewesen. Orwell mag ein atheistischer Kommunist gewesen sein, sein Vorstellungsvermögen war christlich geprägt. Im Christentum strukturiert die Liebe das Leben.

Mehr: www.welt.de.

Die am Kreuz geborene Liebe

Wir kennen sie, unsere lieben christlichen Autoren, die uns in ihren vielen Büchern erzählen, wie schön und wertvoll wir alle sind. Du bist ein so wunderbarer Mensch, dass Gott sich aufgemacht hat, dich zu suchen! Weißt du nicht, wie schön du bist?

Was für eine erbärmliche und kraftlose Botschaft! Wer die Güter, die Gott angenehm stimmen, in sich selbst sucht, hat nichts begriffen.

Wie wunderbar heilsam ist dagegen, was Martin Luther uns zu sagen hat (HD, XXIV):

[Gottes Liebe, wenn sie am Menschen lebendig wirksam ist, liebt] „Sündige, Böse, Törichte und Schwache, um sie zu Gerechten, Guten, Klugen und Starken zu machen und so strömt sie heraus und teilt Gutes aus. Denn die Sünder sind deshalb schön, weil sie geliebt werden, sie werden nicht deshalb geliebt, weil sie schön sind. Menschliche Liebe flieht daher die Sünder als Böse. So sagt Christus: ‚Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu suchen, sondern Sünder‘ (Matth. 9, 13). Das aber ist die am Kreuz geborene Liebe des Kreuzes, die sich nicht dorthin wendet, wo sie Gutes findet, um es für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen, sondern dorthin, wo sie den Bösen und Armen Gutes bringen kann.

Frauen sind in Saudi Arabien ein großes Thema

Arnold Angenendt schreibt in Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum von den Anfängen bis heute (Münster: Aschendorff, 2015, S. 31–32).

In Saudi Arabien beschäftigen sich 70 Prozent aller Fatwas mit Frauen, „mit ihren Harren, Kopftüchern, mit Händeschütteln und Menstruation“.

Tim Keller über das „Vaterunser“

Tim Keller schreibt in seinem bemerkenswerten Buch Beten (Gießen: Brunnen, 2016, S. 130–131, Hervorhebung von mir):

Interessanterweise ist die Formulierung des Vaterunsers bei Lukas nicht Wort für Wort dieselbe wie bei Matthäus. Das Vaterunser ist so etwas wie die Zusammenfassung aller anderen Gebete, die große Gebetsvorlage, was die Prioritäten und Themen, den Zweck, ja den Geist allen Betens betrifft. Und so gilt: „Mag er [der Beter] auch noch so verschiedene Worte brauchen, so soll er doch im Sinn keine Abweichung eintreten lassen.“ Das Vaterunser muss all unseren Gebeten seinen Stempel aufdrücken und sie durch und durch prägen, und wie könnte man das besser erreichen als durch Luthers Übung, zwei Mal täglich das Vaterunser mit eigenen Worten nachzubeten, um anschließend zum freien Lob- und Bittgebet überzugehen?

Nicht minder wichtig ist die Tatsache, dass Jesus das Vaterunser im Plural und nicht im Singular formuliert hat. Wir bitten Gott, uns zu geben, was wir brauchen. Calvin schreibt: „Die Gebete der Christen müssen auch die anderen mit umfassen und ihr Ziel … in der Förderung der Gemeinschaft der Gläubigen haben.“ Der amerikanische Theologe Michael S. Horton stellt klar, dass nach Calvin „der öffentliche Gottesdienst die private Andacht prägt und nicht umgekehrt“. Calvin war die Gestaltung des Gemeindegottesdienstes und der Liturgie ein großes Anliegen, weil er hierin eine wichtige Vorlage für das private Gebet des einzelnen Christen sah.

 

Gottes Verlassenheit und seine Gnade

Pascal BlaiseBlaise Pascal schrieb im Februar 1657 einen bewegenden Brief an Mademoiselle de Roannez, die wohl eine Zeit lang in den Philosophen verliebt war, sich aber dann für den Weg ins Kloster entschied (vielleicht, weil er ihre Liebe nicht erwiderte).

Nachfolgend zwei wunderschöne Zitate aus dem Schreiben. Das erste Zitat stammt aus einem Lobpreis auf die Gnade Gottes (Blaise Pascal, Briefe I, 2015, S. 100–101):

Doch es gibt diesen Unterschied zwischen den Königen der Erde und dem König der Könige, dass die Fürsten nicht die Treue ihrer Untertanen bewirken, sondern sie als treue Untertanen vorfinden: Gott hingegen findet immer nur untreue Menschen vor, und wenn sie treu sind, so hat er sie dazu gemacht. Während die Könige also eine besonders große Dankesschuld jenen gegenüber haben, die ihnen treu bleiben, verhält es sich im Gegenteil so, dass jene, die im Dienst Gottes ausharren, ihm selber zu unendlich großem Dank verpflichtet sind. Preisen wir ihn also unablässig für diese Gnade, wenn er sie uns erwiesen hat …

Das zweite Zitat dient der Ermutigung, hatte doch Mademoiselle de Roannez auf ihrem geistlichen Weg mit allerlei Widerständen zu kämpfen (ebd., S. 100).

Aufrichtig gesagt, Gott ist sehr verlassen. Wie mir scheint, leben wir jetzt in einer Zeit, da ihm der Dienst, den man ihm leistet, höchst wohlgefällig ist.

Nun wird der kritische Leser anmerken: „Ach, so denn alles an Gott liegt, warum schafft er sich dann nicht einfach mehr Gefährten? Schließlich kann doch keiner Gott dienen, so Gott selbst es nicht schafft!“

Pascal beschreibt an andere Stelle die geheimnisvolle Doppelstruktur der Gnade so (Blaise Pascal, Kleine Schriften zur Religion und Philosophie, S. 247):

Diese beiden Tatsachen, dass Gott manchmal als erster den Menschen verlässt und dass der Mensch als erster Gott verlässt, haben gemeinsam Bestand. Denn es ist wahr, dass Gott seine Gnadenmittel unablässig jenen gibt, die unablässig um sie bitten; aber es trifft auch zu, dass der Mensch es niemals unterlassen würde, um sie zu bitten, wenn Gott es nicht unterließe, dem Menschen die Gnade zu geben, ihn darum zu bitten.

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